Lyndal Roper

 4.1 Sterne bei 7 Bewertungen
Autor von Der Mensch Martin Luther, Hexenwahn und weiteren Büchern.

Neue Bücher

Der Mensch Martin Luther

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Neu erschienen am 26.09.2018 als Taschenbuch bei FISCHER Taschenbuch.

Alle Bücher von Lyndal Roper

Der Mensch Martin Luther

Der Mensch Martin Luther

 (3)
Erschienen am 26.09.2018
Hexenwahn

Hexenwahn

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Erschienen am 15.03.2007
Das fromme Haus

Das fromme Haus

 (1)
Erschienen am 17.03.1999
Ödipus und der Teufel

Ödipus und der Teufel

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Erschienen am 27.10.2017
Der Mensch Martin Luther: Die Biographie

Der Mensch Martin Luther: Die Biographie

 (0)
Erschienen am 19.06.2017
Der feiste Doktor

Der feiste Doktor

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Erschienen am 01.10.2012
Witch Craze

Witch Craze

 (0)
Erschienen am 02.05.2011

Neue Rezensionen zu Lyndal Roper

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Rezension zu "Der feiste Doktor" von Lyndal Roper

Von Luthers Gewicht und seiner Gewichtigkeit
frenx1vor 13 Tagen

Wie kam es, dass Luthers Gegner keine Witze über dessen Leibesfülle machten? Wie hängen Körper und Theologie bei Martin Luther zusammen? In ihrem Buch „Der feiste Doktor. Luther, sein Körper und seine Biographen“ geht die englische Theologin Lyndal Roper der Bedeutung des Körpers bei Martin Luther nach.

Dabei kommt Roper in ihrem kurzen Text von nur knapp 80 Seiten – ursprünglich als Aufsatz veröffentlicht – zu bemerkenswerten Erkenntnissen: Luthers Anhänger hätten es nicht nur geschafft, das Lutherbild selbst zu prägen, der korpulente Luther sei zudem eine „visuelle Revolution“. Denn Luther sei nicht als hagerer Geistlicher beschrieben wie die Heiligen des Mittelalters, noch als Prophet. Luther war eben Luther. Cranachs Werkstatt sei hier stilprägend gewesen.

Wie bei den Porträts der Herrscher des sächsischen Hofs zeige das Gewicht Luthers seine Gewichtigkeit. Auch deshalb, so Roper, hätten Luthers Gegner sich nicht getraut, dessen Leibesfülle zum Spott zu nutzen – und das obwohl in reformatorischen Flugblättern die Päpste und Bischöfe immer dicklich überzeichnet waren.

In den Bildern wird Luther immer mehr zum standhaften Koloss, in den Biographien immer mehr zum Kämpfer für die gerechte, richtige Sache. Doch, ist sich Roper sicher, steckt mehr dahinter: Luthers Körper war für seine Persönlichkeit wesentlich.

Dies zeigt die Theologin daran, wie sehr Luther über die Verdauung gesprochen hat – und das nicht nur in seinen Tischreden. Auch in Briefen beschäftigt ihn die Frage nach den richtigen Abführmitteln direkt neben theologischen Fragen. Das schonungslose, tabulose Reden über Körperliches könne man auch in seinem Denken erkennen.

Durch Luther sei das Verhältnis von Fleisch und Geist  neu beschrieben worden. Für ihn gab es keine scharfe Trennung von Körper und Geist. „Luther konnte tiefe Gefühle und theologische Überzeugungen durch das Medium des Körpers ausdrücken“, sagt Roper.

An zwei Beispielen verdeutlicht sie dies: der Teufel sei bei Luther eher eine „spirituelle Präsenz“ als ein dämonisches Wesen. Und wenn es bei Luther um den Teufel gehe, müsse man immer auch den Humor mitdenken, rät Roper. Wie sonst ließe sich erklären, dass man – nach Luther – den Teufel mit einem Furz bekämpfen kann?

Ropers zweites Beispiel ist das Abendmahl. Luthers Festhalten an dem Materiellen der Eucharistie, der Realpräsenz, sieht sie als Folge von Luthers körperlichem Denken. Letzteres Beispiel hat mich zugegebenermaßen nicht überzeugt.

Insgesamt aber bietet Lyndal Roper einen spannenden Einblick in den Umgang mit der Körperlichkeit Martin Luthers. Einmal von ihm selbst, aber auch von seinen Anhängern. Das Buch wirkt zu sehr wie ein wissenschaftlicher Aufsatz (inklusive ganzseitiger Fußnoten!), um ihn genießen zu können – hier hätte es mehr Essay und etwas weniger Wissenschaft gutgetan. Dennoch ist es ein lesenswerter Text, mit dem man Luther einmal anders kennenlernt.

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Rezension zu "Der Mensch Martin Luther" von Lyndal Roper

Die Persönlichkeit nachzeichnend
michael_lehmann-papevor 2 Jahren

Die Persönlichkeit nachzeichnend

Aufbrausend war er. Stur. Gesellig. Dominant in der Geselligkeit. Vielleicht auch feige, als er den Bauernaufständen seine Unterstützung versagte. Die Zunge oft schneller als das Denken, in späteren Jahren und Widerspruch kaum zulassend. Verschwenderisch, so dass Katharina von Bora, seine Frau und Mutter seiner Kinder, das Geld zusammenhalten musste.

Genial war er in seinem grübelnden, getriebenen Nachdenken über Gott und den Menschen und seiner Fähigkeit, die Essenz seines Denkens verständlich auf den Punkt zu bringen.
Nicht nur die Reformation hat er ausgelöst, sondern auch eine kulturelle Wende sondergleichen durch seine kongeniale Bibelübersetzung, mit der er (ungewollt) einer der Wegbereiter des Humanismus werden sollte.

Mutig war er, der sich auf dem Reichstag und Bedrohung für sein Leben vor Kaiser und Kirche stellte mit seinem Satz: „Hier bin ich, Gott helfe mir, ich kann nicht anders“.

Vom gelehrigen Schüler in Mansfeld zum Mönch und Professor, vom Gelehrten zum Aufrührer gegen „die Hure Babylon“, den Papst und die römische Kurie, Einer, der sich nicht trennen wollte von seinem Glauben und seiner Kirche, diese aber auch aus tiefer Erkenntnis heraus nicht so belassen konnte, wie sie war. Und damit eine neue Konfession auf den Weg brachte. Mit all den Folgen langer und harter Religionskriege im Nachgang seines Schaffens.

„Mit seinem Verständnis von Buße traf Luther unausgesprochen das Herz der Papstkirche und ihr gesamtes ökonomisches und soziales Gefüge“. Und beim Geld hört jede Freundschaft auf, wie der Volksmund sagt und wie es bei Luther unnachgiebig zutraf.

Aber auch einer, der bodenständig verwurzelt war, wie Roper als Teil der Prägung dieser Person herausarbeitet, der sich in einem geographisch kleinen, begrenzten Umfeld Zeit seines Lebens bewegt. Eisleben, Geburts- und Sterbeort, Mansfeld, Erfurt, Wittenberg, alles in einem 100 Km Umkreis und in gleicher sozialer Atmosphäre.

Was aber hat es auf sich mit dem „inneren Wesen“? Warum hatte seine Frau ihn immer als „Herr Doctor“ und zudem in der dritten Person anzusprechen? Wieso beharrte Luther als doch theologisch „moderner“ Gelehrter auf dem Alten Testament als Quelle der Klärung der Beziehung der Geschlechter mit stark patriarchalischer Ausrichtung?

Weil er eben nicht „modern“ im heutigen Sinne des Wortes war,

Und daneben dennoch auch ein Sozialrevolutionär.

„Luthers Botschaft erreichte Menschen aus allen Gesellschaftsschichten und veränderte ihr Leben für immer“.

Dürer in der Kunst, der die „Freiheit“ als Kern seines Verständnisses von Luther betrachtete, wie jene Bauern in den Bauernkriegen sich ebenfalls auf Luthers „Freiheit“ beriefen. Wie für manche Mönche das Wichtigste der „angriff auf das Mönchsleben“ war, mit Folgen für die Haltung dem eigenen Orden gegenüber.
Oder Argula von Grumbach, die durch Luther intensiv inspiriert eine ganz eigenständige, öffentliche Wirksamkeit betrieb und gegen die damals übliche Stellung der Frau gegenüber alle Erwartungen durchbrach.

Beispiele, die Roper anführt, um die Wirkung Luthers zu beleuchten und, im Kontrast hierzu, das damit einhergehende „falsche“ Verständnis Luthers zu beleuchten.

Dennoch aber bleibt zu konstatieren, dass Luther eben nicht „modern“ in erster Linie dachte, sondern „Bibeltreu“ sich verstand. Nicht „Frei“ im absoluten Sinne sah er den Menschen, sondern immer nur „Frei mit Gott“. Immer war der Glaube, Gott selbst, Dreh. Und Angelpunkt, aber auch Rückbindung und Halt für den Menschen. Einer, der immer ein „gesundes Misstrauen in die Hure Vernunft“ in sich trug und daher schlecht als Gallionsfigur moderner, individueller Freiheit oder des Humanismus selbst taugt.

Kompromisse oder feine Differenzierungen waren seine Sache nicht. Die Fähigkeit, den Kern einer Sache zu erfassen und einfach und verständlich formulieren zu können ging einher mit der festen Überzeugung, dass dies „objektive Wahrheit“ dann sei. So war der Mensch Luther ganz sicher kein einfacher, umgänglicher Zeitgenosse. Und dennoch mit einer Kraft und Charisma ausgestattet, dass die Welt veränderte. Ohne dass dies sein ausgesprochenes Ziel gewesen wäre.

Eine empathische Biographie, in welcher die vielschichtige und doch eindeutige Person Luthers und seine Rezeption sorgfältig dargestellt werden. Und die auf die starken Unterschiede zwischen Person und „Sicht von außen“ verweist.

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