Lyndal Roper

 4,1 Sterne bei 9 Bewertungen
Autor von Der Mensch Martin Luther, Hexenwahn und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Lyndal Roper

Lyndal Roper ist »Regius Professor of History« in Oxford. Sie ist Expertin für die Geschichte der Reformation und der Frühen Neuzeit in Deutschland. Seit vielen Jahren beschäftigt sie sich mit dem Leben Martin Luthers. Auf Deutsch erschienen von ihr u. a. ›Ödipus und der Teufel. Körper und Psyche in der frühen Neuzeit‹ (Fischer Taschenbuch Verlag 1995), ›Hexenwahn. Geschichte einer Verfolgung‹ (2007) und ›Der feiste Doktor. Luther, sein Körper und seine Biographen‹ (2012).Lyndal Roper wurde mit dem Gerda Henkel Preis 2016 ausgezeichnet.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Lyndal Roper

Cover des Buches Der Mensch Martin Luther (ISBN: 9783596179305)

Der Mensch Martin Luther

 (3)
Erschienen am 26.09.2018
Cover des Buches Hexenwahn (ISBN: 9783406540479)

Hexenwahn

 (3)
Erschienen am 15.03.2007
Cover des Buches Im Leben war ich Eure Plage (ISBN: 9783608984828)

Im Leben war ich Eure Plage

 (1)
Erschienen am 13.04.2022
Cover des Buches Das fromme Haus (ISBN: 9783593362090)

Das fromme Haus

 (1)
Erschienen am 17.03.1999
Cover des Buches Der feiste Doktor (ISBN: 9783835311589)

Der feiste Doktor

 (1)
Erschienen am 01.10.2012
Cover des Buches Witch Craze (ISBN: 0300119836)

Witch Craze

 (0)
Erschienen am 02.05.2011

Neue Rezensionen zu Lyndal Roper

Cover des Buches Im Leben war ich Eure Plage (ISBN: 9783608984828)L

Rezension zu "Im Leben war ich Eure Plage" von Lyndal Roper

Wie Martin Luther sein Umfeld, seine Zeit und die Welt bis heute mitprägt
Lesefreund6203vor 4 Monaten

Wie Martin Luther sein Umfeld, seine Zeit und die Welt bis heute mitprägt

 

Gerade aktuell war es Teil der Nachrichten.

 

Die Verbindung zwischen der „Kanzel Luthers“ in Wittenberg und das Relief, an der Kirche in Stein gemeißelt, „Judensau“.

 

Ein Moment, den auch Roper, aus anderem Anlass, in ihrer fundierten und hochinteressanten Betrachtung der Wirkung des Reformators „auf die Welt“ bis heute, direkt zu Anfang aufnimmt und erwähnt. Wie ein Symbol für die verschiedenen Facetten Martin Luthers, für seine Wirkung auf sein Umfeld und seine Zeit, das zwischen Hass und Liebe, Gefolgschaft und Feindschaft immer in Spannung stand, aber damit auch zum Ausdruck bringt, dass die Person Luthers eines nicht in sich trägt: Die Welt, die Menschen, die mit ihm in Berührung kamen,  „kalt“ zu lassen.

 

Luther löst aus.

Emotionen, Nachdenken, Streit, Unterstützung, Verfolgung.  Und vieles mehr. Aber „kalt“ lässt er die Menschen nicht und prägend zieht sich seine Person und sein Werk (folgt man den vielen Strängen im Buch, dann gehört beides untrennbar zusammen) durch seine Zeit und die folgenden Zeiten bis in die Gegenwart hinein.

 

Dies vollzieht Roper aber nicht ungebrochen-bewundernd. Sondern setzt eine durchaus differenzierte Betrachtung von Person und Wirkungsgeschichte Luthers vor die Augen des Lesers.

 

„Ich hoffe, dass meine Sicht auf Luthers Männlichkeit und seinen komplizierten Charakter die Diskussion darüber, wie wir großer Männer gedenken, ohne ihre Schwächen und Gewaltaffinität aus den Augen zu verlieren, weiter öffnen wird“.

 

Und dabei gilt durchaus als Motiv für diese Betrachtung nun, dass nach der Erstellung einer gut zu lesenden und sachkundigen Luther-Biographie der Autorin in der Vergangenheit, neue Fragen für ihn auftauchten.

 

„Ich spürte, dass ich auf die weniger angenehmen Seiten seines Erbes eingehen musste. Vor allem……(auf) sein lautstarkes, maskulines Auftreten“.

 

Was vielleicht einen Zirkelschuss zu den Reaktionen auf ihn zulässt. Denn Luther selbst spiegelt in seinem Verhalten ja die Haltungen, die ihm entgegengebracht wurden.

 

„Luther dachte in bipolaren Gegenätzen und teilte Menschen immer wieder in Freunde und Feinde ein“. So trägt seine größte Stärke auch seine größte Schwäche in sich.

 

Indem er Dinge präzise, einfach und verständlich „benennen“ konnte, führte diese Präzision zu Dualitäten, um das Gemeinte möglichst nachhaltig in den Köpfen der Hörer und Leser zu verankern.

 

Und so fogt die Autorin dem kulturgeschichtlichem Bild Luthers (vor allem im Sinne Cranachs“ ebenso stark durch Bilder, Musik, Literatur hindurch, wie sie Selbstaussagen Luthers aufschlüsselt (“Lebend war ich dir die Pest“), bevor sie sich intensiv mit dem Antisemitismus Luthers auseinandersetzt, die sich in eine durchaus enthemmte, „dreckige“ Sprache ergoss. Fundiert arbeitet Roper dabei auch die „Phobien“ Luthers heraus, die im Verknüpfung mit dem Duktus der Zeit durchaus vielfache Erklärungen für den „Hass“ auf die Juden, das „Sündenbockgehabe“ Luthers werfen.

 

Bis hin zur Betrachtung von „Luther-Kitsch“ (inzwischen ja auch mit einer Playmobil Figur versehen) bietet Roper so im Gesamten eine flüssig zu lesende und anregende Lektüre, die in den  vielfachen anderen Betrachtungen Luthers durchaus noch neue Impulse zu setzten versteht.

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Cover des Buches Der feiste Doktor (ISBN: 9783835311589)frenx1s avatar

Rezension zu "Der feiste Doktor" von Lyndal Roper

Von Luthers Gewicht und seiner Gewichtigkeit
frenx1vor 4 Jahren

Wie kam es, dass Luthers Gegner keine Witze über dessen Leibesfülle machten? Wie hängen Körper und Theologie bei Martin Luther zusammen? In ihrem Buch „Der feiste Doktor. Luther, sein Körper und seine Biographen“ geht die englische Theologin Lyndal Roper der Bedeutung des Körpers bei Martin Luther nach.

Dabei kommt Roper in ihrem kurzen Text von nur knapp 80 Seiten – ursprünglich als Aufsatz veröffentlicht – zu bemerkenswerten Erkenntnissen: Luthers Anhänger hätten es nicht nur geschafft, das Lutherbild selbst zu prägen, der korpulente Luther sei zudem eine „visuelle Revolution“. Denn Luther sei nicht als hagerer Geistlicher beschrieben wie die Heiligen des Mittelalters, noch als Prophet. Luther war eben Luther. Cranachs Werkstatt sei hier stilprägend gewesen.

Wie bei den Porträts der Herrscher des sächsischen Hofs zeige das Gewicht Luthers seine Gewichtigkeit. Auch deshalb, so Roper, hätten Luthers Gegner sich nicht getraut, dessen Leibesfülle zum Spott zu nutzen – und das obwohl in reformatorischen Flugblättern die Päpste und Bischöfe immer dicklich überzeichnet waren.

In den Bildern wird Luther immer mehr zum standhaften Koloss, in den Biographien immer mehr zum Kämpfer für die gerechte, richtige Sache. Doch, ist sich Roper sicher, steckt mehr dahinter: Luthers Körper war für seine Persönlichkeit wesentlich.

Dies zeigt die Theologin daran, wie sehr Luther über die Verdauung gesprochen hat – und das nicht nur in seinen Tischreden. Auch in Briefen beschäftigt ihn die Frage nach den richtigen Abführmitteln direkt neben theologischen Fragen. Das schonungslose, tabulose Reden über Körperliches könne man auch in seinem Denken erkennen.

Durch Luther sei das Verhältnis von Fleisch und Geist  neu beschrieben worden. Für ihn gab es keine scharfe Trennung von Körper und Geist. „Luther konnte tiefe Gefühle und theologische Überzeugungen durch das Medium des Körpers ausdrücken“, sagt Roper.

An zwei Beispielen verdeutlicht sie dies: der Teufel sei bei Luther eher eine „spirituelle Präsenz“ als ein dämonisches Wesen. Und wenn es bei Luther um den Teufel gehe, müsse man immer auch den Humor mitdenken, rät Roper. Wie sonst ließe sich erklären, dass man – nach Luther – den Teufel mit einem Furz bekämpfen kann?

Ropers zweites Beispiel ist das Abendmahl. Luthers Festhalten an dem Materiellen der Eucharistie, der Realpräsenz, sieht sie als Folge von Luthers körperlichem Denken. Letzteres Beispiel hat mich zugegebenermaßen nicht überzeugt.

Insgesamt aber bietet Lyndal Roper einen spannenden Einblick in den Umgang mit der Körperlichkeit Martin Luthers. Einmal von ihm selbst, aber auch von seinen Anhängern. Das Buch wirkt zu sehr wie ein wissenschaftlicher Aufsatz (inklusive ganzseitiger Fußnoten!), um ihn genießen zu können – hier hätte es mehr Essay und etwas weniger Wissenschaft gutgetan. Dennoch ist es ein lesenswerter Text, mit dem man Luther einmal anders kennenlernt.

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Cover des Buches Der Mensch Martin Luther (ISBN: 9783100660886)L

Rezension zu "Der Mensch Martin Luther" von Lyndal Roper

Die Persönlichkeit nachzeichnend
Lesefreund6203vor 6 Jahren

Die Persönlichkeit nachzeichnend

Aufbrausend war er. Stur. Gesellig. Dominant in der Geselligkeit. Vielleicht auch feige, als er den Bauernaufständen seine Unterstützung versagte. Die Zunge oft schneller als das Denken, in späteren Jahren und Widerspruch kaum zulassend. Verschwenderisch, so dass Katharina von Bora, seine Frau und Mutter seiner Kinder, das Geld zusammenhalten musste.

Genial war er in seinem grübelnden, getriebenen Nachdenken über Gott und den Menschen und seiner Fähigkeit, die Essenz seines Denkens verständlich auf den Punkt zu bringen.
Nicht nur die Reformation hat er ausgelöst, sondern auch eine kulturelle Wende sondergleichen durch seine kongeniale Bibelübersetzung, mit der er (ungewollt) einer der Wegbereiter des Humanismus werden sollte.

Mutig war er, der sich auf dem Reichstag und Bedrohung für sein Leben vor Kaiser und Kirche stellte mit seinem Satz: „Hier bin ich, Gott helfe mir, ich kann nicht anders“.

Vom gelehrigen Schüler in Mansfeld zum Mönch und Professor, vom Gelehrten zum Aufrührer gegen „die Hure Babylon“, den Papst und die römische Kurie, Einer, der sich nicht trennen wollte von seinem Glauben und seiner Kirche, diese aber auch aus tiefer Erkenntnis heraus nicht so belassen konnte, wie sie war. Und damit eine neue Konfession auf den Weg brachte. Mit all den Folgen langer und harter Religionskriege im Nachgang seines Schaffens.

„Mit seinem Verständnis von Buße traf Luther unausgesprochen das Herz der Papstkirche und ihr gesamtes ökonomisches und soziales Gefüge“. Und beim Geld hört jede Freundschaft auf, wie der Volksmund sagt und wie es bei Luther unnachgiebig zutraf.

Aber auch einer, der bodenständig verwurzelt war, wie Roper als Teil der Prägung dieser Person herausarbeitet, der sich in einem geographisch kleinen, begrenzten Umfeld Zeit seines Lebens bewegt. Eisleben, Geburts- und Sterbeort, Mansfeld, Erfurt, Wittenberg, alles in einem 100 Km Umkreis und in gleicher sozialer Atmosphäre.

Was aber hat es auf sich mit dem „inneren Wesen“? Warum hatte seine Frau ihn immer als „Herr Doctor“ und zudem in der dritten Person anzusprechen? Wieso beharrte Luther als doch theologisch „moderner“ Gelehrter auf dem Alten Testament als Quelle der Klärung der Beziehung der Geschlechter mit stark patriarchalischer Ausrichtung?

Weil er eben nicht „modern“ im heutigen Sinne des Wortes war,

Und daneben dennoch auch ein Sozialrevolutionär.

„Luthers Botschaft erreichte Menschen aus allen Gesellschaftsschichten und veränderte ihr Leben für immer“.

Dürer in der Kunst, der die „Freiheit“ als Kern seines Verständnisses von Luther betrachtete, wie jene Bauern in den Bauernkriegen sich ebenfalls auf Luthers „Freiheit“ beriefen. Wie für manche Mönche das Wichtigste der „angriff auf das Mönchsleben“ war, mit Folgen für die Haltung dem eigenen Orden gegenüber.
Oder Argula von Grumbach, die durch Luther intensiv inspiriert eine ganz eigenständige, öffentliche Wirksamkeit betrieb und gegen die damals übliche Stellung der Frau gegenüber alle Erwartungen durchbrach.

Beispiele, die Roper anführt, um die Wirkung Luthers zu beleuchten und, im Kontrast hierzu, das damit einhergehende „falsche“ Verständnis Luthers zu beleuchten.

Dennoch aber bleibt zu konstatieren, dass Luther eben nicht „modern“ in erster Linie dachte, sondern „Bibeltreu“ sich verstand. Nicht „Frei“ im absoluten Sinne sah er den Menschen, sondern immer nur „Frei mit Gott“. Immer war der Glaube, Gott selbst, Dreh. Und Angelpunkt, aber auch Rückbindung und Halt für den Menschen. Einer, der immer ein „gesundes Misstrauen in die Hure Vernunft“ in sich trug und daher schlecht als Gallionsfigur moderner, individueller Freiheit oder des Humanismus selbst taugt.

Kompromisse oder feine Differenzierungen waren seine Sache nicht. Die Fähigkeit, den Kern einer Sache zu erfassen und einfach und verständlich formulieren zu können ging einher mit der festen Überzeugung, dass dies „objektive Wahrheit“ dann sei. So war der Mensch Luther ganz sicher kein einfacher, umgänglicher Zeitgenosse. Und dennoch mit einer Kraft und Charisma ausgestattet, dass die Welt veränderte. Ohne dass dies sein ausgesprochenes Ziel gewesen wäre.

Eine empathische Biographie, in welcher die vielschichtige und doch eindeutige Person Luthers und seine Rezeption sorgfältig dargestellt werden. Und die auf die starken Unterschiede zwischen Person und „Sicht von außen“ verweist.

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