Lynsey Addario

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Rezension zu "Jeder Moment ist Ewigkeit" von Lynsey Addario

"Ich habe mich entschlossen, in Frieden zu leben und Zeugin des Kriegs zu sein."
Cuchilla_Pitiminivor 2 Jahren

Die Geschichte der Fotografin klang interessant und ich war mir sicher, dass ich hier eine starke Persönlichkeit kennenlernen würde. Dass mich dieses Buch aber so beeindrucken würde, hatte ich nicht erwartet. Lynsey Addario schreibt, wie sie fotografiert: eindrucksvoll, mitreißend, berührend. Dieses Buch ist eines, das ich ohne Umschweife jedem empfehlen würde, weil ich glaube, dass es jeder gelesen haben sollte.

"Bis zu dem Augenblick, in dem man verwundet, verschleppt oder erschossen wird, glaubt man, unbesiegbar zu sein." (S. 17)

Lynsey Addario wurde 1973 in eine italienisch-stämmige Familie geboren und wuchs behütet in Conneticut auf. Mit 13 Jahren bekam sie ihre erste Kamera von ihrem Vater geschenkt. Doch zunächst plante sie gar nicht, die Fotografie zu ihrem Beruf zu machen. Sie studierte Internationale Beziehungen, bevor sie 1996 nach Argentinien ging und sich erstmals damit auseinandersetzte, mit ihren Bildern Geld zu verdienen. Ihr gelang ein Glückstreffer von Madonna, der es auf die Titelseite des Buenos Aires Herald schaffte – sie verkaufte das Bild für 10 Dollar. Sie begann, sich intensiver mit der Fotografie zu beschäftigen und beschloss, dieses Handwerk zu ihrem Beruf zu machen.

Sie arbeitete in New York, Kuba und Indien. Bald schon legte Addario ihren Fokus auf die Berichterstattung über Frauen-, Kinder- und Menschenrechte. Sie reiste für verschiedene Zeitungen und Agenturen nach Afghanistan, Pakistan und Nepal, um das Leben der Zivilbevölkerung zu dokumentieren.

Nach den Terroranschlägen vom 11.September 2001 veränderte sich auch Addarios Arbeit als Fotografin. Sie war mittlerweile unter anderem für die New York Times tätig und verlagerte ihren Lebensmittelpunkt nach Istanbul, um ihre Einsatzgebiete im Nahen Osten gut erreichen zu können. 2003 arbeitete sie erstmalig als embedded journalist, also als Journalistin bzw. Fotografin an der Seite einer kämpfenden Militäreinheit.

"Die Amerikaner wollten die Demokratie in den Irak bringen, aber eine Form der Demokratie, die ihnen genehm war und ihnen erlaubte, die Medien zu zensieren." (S.150)

Das beeindruckende an Lynsey Addarios Buch – und damit vermutlich auch an ihrer Person – ist, dass sie es schafft, die Menschlichkeit zu wahren. Sie begegnet allen Menschen auf Augenhöhe und unterstreicht damit die Rolle von Fotografen und Journalisten in Krisengebieten. Lynsey Addario hat nicht nur das US-Militär begleitet, sie war auch mit Peschmerga-Kämpfern unterwegs und fotografierte afghanische Taliban.

Lynsey Addario gewährt einen Blick in ihre Gedanken und Meinungen, ja, aber vor allem legt sie den Blick auf die Menschen um sie herum: wie leben sie? Warum tun sie, was sie tun? Wie hat sich ihre Situation durch den Krieg verändert und was tut die Weltgesellschaft, um diesen Menschen zu helfen? Addario möchte mit ihren Bildern niemanden an den Pranger stellen, sie möchte einfach nur die Wahrheit zeigen und damit Aufmerksamkeit wecken.

Das Buch beschreibt in chronologischer Reihenfolge ihres Lebens- und Berufsweg. Von ihren zaghaften Anfängen in Südamerika bis hin zur erschreckenden Entführung im lybischen Bürgerkrieg und darüber hinaus. Dabei gewinnt der Leser aufschlussreiche Einblicke in die Arbeit von Kriegsberichterstattern, aber auch in ihr Privatleben. Es ist unfassbar schwer, Beziehungen und Freundschaften aufrecht zu erhalten, wenn man immer reist, immer in den gefährlichsten Gebieten der Welt unterwegs ist. Man mutet seinen Freunden und seiner Familie viel zu und das weiß Lynsey Addario.

"Dem Presseoffizier war es offensichtlich nicht recht, dass wir nach Korengal wollten, denn er versuchte uns mit dem Hinweis abzuschrecken, die Unterkünfte und Waschräume seien vollkommen ungeeignet für Frauen. Elizabeth antwortete, wie würden alles bewältigen, was man Männern zumutete." (S.221)

Lynsey Addario ist eine unerschrockene, beeindruckende Frau, die sich in einer von Männern dominierten Berufswelt durchgesetzt hat und den Vorurteilen und Schikanen trotzt. Und sie weiß, dass sie privilegiert ist, diesen Beruf ausüben und durch die Welt reisen zu dürfen. Deswegen setzt sie sich für Frauen ein, denen es nicht so gut geht und dokumentiert ihr Schicksal im Nahen Osten und in Afrika.

Für ihre Arbeit füre Lynsey Addario 2009 als Mitglied eines Teams mit dem Pulitzer Preis ausgezeichnet, im selben Jahr erhielt sie ein MacArthur Stipendium.

"Ich habe mich entschlossen, in Frieden zu leben und Zeugin des Kriegs zu sein. Ich sehe das Schlimmste, was Menschen einander antun, aber ich vergesse ihre Schönheit nicht." (S.345)

Lynsey Addario möchte die Menschen mit ihren Bildern zum Nachdenken bringen und sie dazu bewegen, ihren Geist zu öffnen, um über Kriegseinsätze nachzudenken. Dies gelingt ihr mit ihrer Autobiographie außerordentlich gut. Die Fotografin schildert so objektiv wie möglich und so persönlich wie nötig ihre Erlebnisse der letzten Jahre und schafft damit ein beeindruckendes Welt unserer modernen Welt. Ihre Bilder, aber auch ihre Texte, regen zum Nachdenken an und klären auf. Wenn es ein Buch gibt, das jeder lesen sollte – dann dieses.

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