Máirtín Ó Cadhain Der Schlüssel

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Inhaltsangabe zu „Der Schlüssel“ von Máirtín Ó Cadhain

Eine absolute Neuentdeckung aus Irland, erstmals ins Deutsche übersetzt. Um was geht es? J., Papierbeauftragter im Verwaltungsdienst, wird versehentlich in seinem fensterlosen Büro eingeschlossen. Das Problem: Da es sich um einen nie dagewesenen Fall handelt, gibt es keine vorgeschriebene Vorgehensweise und so macht es die Bürokratie unmöglich, die Tür zu öffnen … Eine äußerst schwarzhumorige Bürokratiesatire, quicklebendig, meisterhaft erzählt und, obwohl typisch irisch, nicht zu Unrecht als kafkaesk bezeichnet. Im gälischen Irland längst ein klassischer Text, der dabei so frisch und aktuell wirkt, als sei er gestern geschrieben worden. Wer hier nicht hineinliest, ist selbst schuld.

Bitterböse Satire!

— Huschdegutzel
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    J. war Papierbeauftragter. Mit diesem Satz beginnt Ò Cadhains sowohl scharzhumorige als auch ernste Novelle und entführt den geneigten Leser in die unlogische Logik der Bürokratie, indem der gälische Autor seinen Protagonisten in einen Präzedenzfall katapultiert, für dessen Lösung keine vorgeschriebene Vorgehensweise existiert: J. wird versehentlich in seinem fensterlosen Büro eingeschlossen. Bisher hatte er seine Augen darauf trainiert, zu blicken ohne zu sehen. […] Wände, kräftige Wände, so selbstsicher wie sein eigener Blick. Es gab nur einen Ausweg: durch die verschlossene Tür. Der tragische Held J. erinnert nicht nur aufgrund seiner Reduzierung auf ein Initial an Kafka, sondern ebenfalls ob seiner Konfrontation als verunsicherte und angepasste Figur mit dem unüberschaubaren Bürokratismus, was der Novelle eine kafkaeske Stimmung verleiht. Beinahe verzweifelt versucht der Protagonist, sich an die Vorschriften seines furchteinflößenden, zu jenem Zeitpunkt jedoch abwesenden Chefs S. zu klammern und darüber nachzudenken. Er wiederholte jedes einzelne Wort so, wie S. es gesagt hatte. Er hatte das vage Gefühl, das sei ein Teil der religiösen Unterweisung, die seiner Seele für immer ihr spirituelles Siegel ausdrücken würde: Wer hat den Öffentlichen Dienst erschaffen? Gott. Was erschafft der Öffentliche Dienst? Beamte. Was bist du? Ein Beamter. Wozu bist du erschaffen worden? Um in diesem Büro zu sitzen. Der beklemmenden Atmosphäre verleiht Ò Cadhain eine äußerst skurrile und bedrohliche Note, indem er im Vorfeld einen surrealen und somit ungewöhnlichen Feind, der trotz verschiedener Umschreibungen nicht greifbar ist, ins Feld ziehen lässt, dem sich J. tagtäglich aufs Neue stellen muss: die Papiere und deren Aktenordner. Sie schienen einer anderen Gattung der Schöpfung anzugehören, einer anderen als wir sind, und erkannt unter uns zu weilen. Es war leicht vorstellbar, dass ein Ordner und sein Aufkleber ihren eigenen Glauben und ihr eigenes Jenseits besaßen. Einige, egal, wie tief man sie auch in die düstersten Gelasse schob, schafften es auf irgendeine Weise, ihren Weg zurück ans Licht zu finden. Obgleich der Autor - aufgrund seines Schreibstils - einen distanzierten Blick auf die gesamte Szenerie wirft, berührte mich J.s Schicksal erstaunlicherweise mehr als gedacht, was sowohl seiner Hilflosigkeit, als auch rührenden und somit tragischen Loyalität gegenüber der Bastion des Verwaltungsamtes verschuldet sein mag. Zwischendurch sind sehr leise und einfühlsame Töne vorzufinden: Er brauchte eine Weile, um sich wieder als lebendiges Wesen zu fühlen, dann als menschliches Wesen, und noch länger, um sich an seine eigene Persönlichkeit zu gewöhnen, von seinen eigenen Gedanken ganz zu schweigen. Es war ein wütender Kampf, um seine Identität zurückzugewinnen, um sie von einer formlosen Wolke zu stehlen, wo Aufruhr und Chaos herrschten, und sie an ihren angemessenen Platz zurückzubringen. Diese doch sehr tragische Geschichte würzte der Autor mit humorvollen Situationen und Ideen, indem er anderen Figuren beispielsweise Namen wie 'Fitzlaber' oder 'Ò Profit' verlieh, die hier natürlich Programm sind. Auch andere Textstellen laden zum Schmunzeln ein, die ich hier aber nicht näher erläutern werde, um die Rezension spoilerfrei zu halten. Da J. eher schlichten Gemüts ist, wusste ich teilweise nicht, ob ich manchmal situationsbedingt lachen, innerlich weinen oder ihn einfach schütteln sollte. Sogar J. gab zu, dass es Zeitverschwendung war. Was hatte ein Papierbeauftragter davon, eine Sammlung von Ordnern anzusehen, eine Art Abstraktion, wenn er nicht gerade einen oder zwei besondere Ordner suchte? Nicht, dass irgendwer J. in diesen Fragen instruiert hätte. Er hatte sich das alles selbst überlegt. Inmitten der Erzählung blitzten wundervolle Sätze, wie beispielsweise "Verschwommene Gedanken flatterten wie Fledermäuse durch den Glockenturm seines Geistes." , auf, die mir sehr gut gefielen und mich atmosphärisch an Paul Celan erinnerten. Leider gab es jedoch ebenfalls Formulierungen, die für mich schwer vorstellbar waren. So klang beispielsweise eine Stimme „so glatt wie die frische Milch aus einem Kuheuter“. Hier soll vermutlich angedeutet werden, dass der Stimme einen sprudelnden oder plätschernden Tonfall o.ä. innewohnt - dennoch kann ich das Bild nicht gänzlich einordnen. Zum Glück stieß ich während des Lesens nur selten auf derlei Kuriositäten. Sollte jemand eine Deutungsebene zum gewählten Beispiel parat haben: Immer nur her damit. Anmerken möchte ich noch, dass der Tonfall mancher Figuren recht derb ist und deren Charaktere entsprechend in die Fäkalsprache rutschen. Da Cadhain ein gälischer Autor war, nimmt seine Satire immer wieder mal versteckte Bezüge und kokettiert mit Anspielungen, die einem Nicht-Iren kaum geläufig sein könnten. Diese werden glücklicherweise im Anhang kommentiert. Hierbei hätte ich mir jedoch Fußnoten oder irgendeinen Verweis gewünscht, um bei treffenden Stellen sogleich nachschlagen zu können. Obgleich die Novelle mehr als 60 Jahren alt ist (übrigens: Eine Zeittafel zum Leben des Autors ist im Anhang ebenfalls vorzufinden), wirkt sie dermaßen frisch, als sei sie erst heute geschrieben worden - sie wirkt zeitlos. Da 'Der Schlüssel' die erste deutsche Übersetzung von Ò Cadhais Werken darstellt, freue ich mich bereits auf die folgende, die ebenfalls vielversprechend skurril klingt und 2017 erscheinen wird.

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    • 13
  • Buchverlosung zu "Der Schlüssel" von Máirtín Ó Cadhain

    Der Schlüssel
    Kroener_Verlag

    Kroener_Verlag

    Rechtzeitig zum 100jährigen Jubiläum des irischen ›Easter Rising‹, des Beginns des irischen Kampfes um die Unabhängigkeit, erscheint bei uns etwas absolut Neues: die erste Übersetzung einer Novelle aus dem Gälischen, die in Irland selbst schon längst ein Klassiker ist. Ein echter Geheimtipp also, der aber keineswegs geheim bleiben sollte, denn wer hier nicht mitliest, verpasst wirklich was. Ihr seid also gefragt!

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    • 50
  • Bürokratie über alles

    Der Schlüssel
    buecherwurm1310

    buecherwurm1310

    18. April 2016 um 16:13

    „Es gibt keinen Präzedenzfall“ Das ist das große Pech für J., den Papierbeauftragten im Verwaltungsdienst, der aus Versehen von seinem Vorgesetzen in einem fensterlosen Raum eingeschlossen wurde. J. hat zwar einen Zweitschlüssel, doch der bricht ab. Der Feierabend kommt und J. hat es noch nicht geschafft, sich zu befreien. Er muss also die Nacht in der Behörde verbringen. Am nächsten Morgen wird man zwar auf seine missliche Lage aufmerksam, doch was kann man tun? Es gibt keinen Präzedenzfall und somit ist eine Lösung nicht in Sicht. Im Laufe der Geschichte tummeln sich alle möglichen Leute vor seiner Türe, auch der örtliche Abgeordnete und der stellvertretende Staatssekretär. Die Presse ist genauso vertreten wie die Kirche. Alle bedauern ihn, suchen nach Lösungen, doch niemand will die Verantwortung tragen , also bleibt J. weiter in seinem Raum. Er begehrt nicht wirklich auf, denn er weiß, dass die Vorschriften wichtig sind und einzuhalten sind. Diese Geschichte ist sehr kurios und absolut grotesk. Das kleine Buch ist schnell zu lesen und doch sollte man konzentriert an die Geschichte herangehen. Einiges wird nur angedeutet und daher nur verstanden, wenn man Ire ist oder sich sehr gut auskennt in der Geschichte Irlands. Im Anhang gibt es dazu weitere Informationen. Es ist eine tragische Geschichte, die uns der irische Schriftsteller Máirtín Ó Cadhain erzählt und die nichts desto trotz sehr unterhaltsam ist.

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  • Bitterböse Satire!

    Der Schlüssel
    Huschdegutzel

    Huschdegutzel

    J., Papierbeauftragter im Verwaltungsdienst, wird versehentlich in seinem fensterlosen Büro eingeschlossen. Das Problem: Da es sich um einen nie dagewesenen Fall handelt, gibt es keine vorgeschriebene Vorgehensweise und so macht es die Bürokratie unmöglich, die Tür zu öffnen … Wenn ein so altes Werk ( immerhin hat "Der Schlüssel" schon etliche Jahre auf dem Buckel ) erst so spät übersetzt und hierzulande veröffentlicht wird, zeugt das entweder von großem Mut eines Verlags - oder davon, dass hier etwas geschrieben steht, das zeitlos ist und an das sich bisher niemand herangewagt hat. Hier trifft wohl beides gleichermaßen zu. J ist ein kleines Licht in den riesigen Mühlen der Bürokratie - noch dazu eines, das gnadenlos angepasst ist und ohne genaue Vorschrift hilflos. Leider ist er das nicht alleine - alle, die ihm zu Hilfe eilen, tun dies mehr oder weniger nur, um sich selbst ins rechte Licht zu rücken und letztlich alle Verantwortung weit von sich zu schieben. Was passiert ( und das ist eigentlich:nichts ) ist so grotesk, dass ich aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr heraus kam. Leicht zu lesen ist "Der Schlüssel" nicht. Es fehlen nennenswerte Absätze und wenn man sich nicht konzentriert, überliest man so manche Spitze. Dazu kommen etliche Andeutungen, die man nicht verstehen kann, wenn man sich in Irland und der jüngeren Geschichte nicht auskennt. Am Ende folgen dazu zwar Anmerkungen, die hätte ich mir allerdings lieber direkt als Fußnote gewünscht. Dennoch habe ich das Lesen sehr genossen - es ist einfach mal etwas, das ganz weit ab vom Mainstream liegt. Und wer Kafka schätzt, kommt hier voll auf seine Kosten!

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    • 2
  • Großartige Satire

    Der Schlüssel
    solveig

    solveig

    „Die Wege des Öffentlichen Dienstes sind unergründlich.“ Das bekommt der Papierbeauftragte J. , der ganz in seinem Leben im Dienst der Verwaltung aufgeht, am eigenen Leib zu spüren: sein Vorgesetzter S. hat ihn aus Versehen in seinem Büro eingeschlossen und ist nicht mehr erreichbar. Zwar verfügt J. über einen Zweitschlüssel - doch bei dem Versuch, die Tür aufzuschließen, bricht der Schlüssel ab. Während J. versucht, sich aus eigenen Kräften zu befreien, bricht der Feierabend an und er muss die Nacht in seinem Büro verbringen. Am anderen Morgen kommt Hilfe. Doch bevor etwas geschieht, müssen erst Paragrafen und Vorschriften geklärt werden… Das tragische Schicksal eines kleinen Büroangestellten, der, ohne es zu wollen, in die Mühlen der Bürokratie gerät, wird in großartiger Weise von dem irischen Schriftsteller Máirtín Ó Cadhain (1906-1970) erzählt. Lebendig und mit viel Sarkasmus schildert er, wie Verantwortung und Zuständigkeit hin und hergeschoben werden; die Presse bringt eine Reportage, die Politiker wittern eine Chance, sich ins rechte Licht zu setzen, sogar die Kirche ist vor Ort. In dieser bitterbösen Satire bringt Ó Cadhain, der schon seinen Zeitgenossen als unbequemer Mensch galt, eine gehörige Portion Gesellschaftskritik an den Leser. Mit spitzer Feder führt er das Wesen des Bürokratismus´ im Öffentlichen Dienst ad absurdum. Im Anhang des Buches findet der Leser Erklärungen zu speziellen irischen Begriffen, und eine Zeittafel bietet eine Art Kurzbiografie des Autors. Ó Cadhain veröffentlichte sein Buch im Jahre 1967 in gälischer Sprache, doch die Thematik „der Mensch im Dickicht der Bürokratie“ ist sicher nicht auf die irische Nation beschränkt und hat keinesfalls an Aktualität verloren.

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    • 3
    solveig

    solveig

    27. March 2016 um 23:21