Unspektakulär sind die Gedichte von Měrana Cušcyna und es ist dieses Unspektakuläre, das berührt, besticht. Was den Lesenden da nämlich zwischen den Fingern fast zerrinnt, sind die im Titel angekündigten Bröckchen der unerhörten Schicht, der Staub so vieler heftig-flüchtiger Gefühle.
Woher stammen sie? Zum Beispiel aus dem (siehe erstes Bild) Nächtebuch, angefüllt mit allem, was an den Hängen des Schlafes erdacht, gewälzt, empfunden und erträumt wurde. Die unerhörte Schicht, bestehend aus diesem Nächtebuch und so vielen anderen, weitläufigen, sich kaum in der erzählbaren Erinnerung, der Lebensgeschichte, verfangenden Details, Regungen, Gedanken, sie nimmt in uns vielleicht sogar den größten Raum ein, unbewusst; es ist die Schicht, in die wir so vieles geritzt haben, vor der wir so oft standen und mit den Fäusten dagegengehauen haben.
Vielleicht können wir sie nie hinter uns lassen, wie unser Ich, das wir gleichsam behaupten müssen und doch versuchen abzulegen, zugunsten eines anderen Ichs, an dem wir selbst arbeiten können und auf das Zufall, Gelegenheit, Verzug und Fremdeinwirkung nicht unentwegt einwirken.
Man merkt der Band hat vieles ausgelöst bei mir. Er war eine meditative und zugleich aufwühlende Lektüre, in die ich vielleicht etwas zu viel von meinen Themen hineinprojiziert habe. Aber so unverfänglich und doch zwingend wie Cušcyna hier von den Dingen spricht, die sie geprägt haben, das wirft im eigenen Kopf fragen auf: was prägte mich? Nicht das Sorbische, nicht diese und jene Landschaft, aber Vergleichbares gab es auch bei mir, oder? Es gab und gibt mich schließlich auch. Es ist dieses: es gibt mich, es gab jene Tage, was uns aus diesen Gedichten entgegengeflüstert. Aber nicht zaghaft, sondern bestimmt.
Lyristix



