M. Agejew Roman mit Kokain

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Inhaltsangabe zu „Roman mit Kokain“ von M. Agejew

Der moderne Romanklassiker – exklusiv bei Manesse Der nun erstmals aus dem Russischen übersetzte »Roman mit Kokain« gewährt einen faszinierenden Einblick in die Psyche eines Süchtigen. M. Agejews Stil »von oft proustscher Sensibilität« (Der Spiegel) erzeugt eine fesselnde Abwärtsspirale voller scheinbarer Glücksmomente und tiefer Verzweiflung. Im von Skandalen und Narzissmus geprägten Umfeld des vorrevolutionären Moskau wächst Wadim bei seiner verwitweten und verwahrlosten Mutter auf. Ihre abgöttische Liebe vermag er auszunutzen und straft sie zugleich mit Hass und Verachtung. Er selbst empfindet nur für Sonja Liebe, doch erkennt er nach und nach eine innere Zerrissenheit, eine Unvereinbarkeit von körperlicher und geistiger Begierde, die ihn in den Wahnsinn treibt und seine Beziehung zu zerstören droht. Wadim verfällt dem Kokain, und es beginnt ein atemberaubender Kreislauf von tosendem Jubel und Bitterkeit. Von Halluzinationen gequält, begreift Wadim, dass es längst um Leben und Tod geht. M. Agejews »Roman mit Kokain« ist ein dunkel leuchtender Solitär in der russischen Literatur, ein sprachmächtiger und formvollendeter Roman über Liebe und Selbstzerstörung. (Quelle:'Fester Einband/22.10.2012')

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  • Dramaturgisch perfekter Plot mit sprachgewaltiger Ausgestaltung

    Roman mit Kokain
    WolffRump

    WolffRump

    02. August 2013 um 17:06

    Verlag: Manesse. Umfang (Geb. Ausgabe): 256 Seiten. Inhalt: Im von gesellschaftlichen Skandalen und Exzentrik geprägten Moskau am Vorabend der Revolution wächst der Protagonist und Ich-Erzähler Wadim Maslennikow bei seiner verwitweten Mutter in armen Verhältnissen auf. Wadim bestiehlt seine Mutter, schlägt sie und lässt sie seinen Hass und seine Ablehnung spüren, bis sie sich schließlich erhängt. Seine Tage und Nächte verbringt Wadim in Moskauer Bars, er verkehrt mit Prostituierten, infiziert ein junges Mädchen mit Syphilis und demütigt seine einzige Liebe. Wadim verfällt immer mehr seiner Kokainsucht, er ist zerrissen zwischen emotionalen Hochs und Tiefs, zwischen Mutter-Hass und Selbsthass und verzweifelt an der Unvereinbarkeit von Körper und Geist. Die Droge wird schließlich seine einzige und ideale Geliebte, fähig, ihm Glücksmomente zu suggerieren, während er tatsächlich dem paranoiden Wahnsinn und Tod entgegentreibt. Zum Schluss holt Wadim die Weltgeschichte (in Form der Oktoberrevolution) ein, die ihm die weiße Freundin erspart hatte. Sein ehemaliger Mitschüler Burkewitz, der es mit eiserner Disziplin zum Sowjet-Kommissar gebracht hat, verweigert Wadim die Aufnahme in ein Sanatorium und damit die Rettung. Er sei von keinem Wert für die Revolution. Im Epilog berichtet ein Moskauer Arzt, dass Wadim Maslennikow mit einer Überdosis Kokain Selbstmord verübt habe. In seiner Tasche fanden sich seine in ein Tuch eingenähten ‚Erinnerungen’. Erzählzeit: Vergangenheit. Erzählperspektive: Ich-Erzähler Wadim Maslennikow Setting: Moskau. Anstelle meiner üblichen Analyse von Sprache und Duktus ein Zitat aus dem Roman, das für sich selbst spricht: "Hinter dem Fenster begann das benachbarte Haus Falten zu werfen. Sein Schornstein riss sich los und zerfiel nass im metallischen Himmel. Ich gab mir keine Mühe, die Tränen wegzublinzeln, die meine Augen füllten." Der Autor – eine Spurensuche: Genauso interessant wie die psychische Pathologie des Protagonisten ist die Suche nach seinem Erschaffer. Sie hätte perfekt in Woody Allens Paris-Ode ‚Midnight in Paris’ gepasst. Das erstmals 1936 in einem Pariser Verlag für russische Exil-Schriftsteller erschienene Werk war gut vierzig Jahre lang in Vergessenheit geraten, als die russischstämmige Französin Lydia Chweitzer ein Exemplar des Romans bei einem Bouquinisten an den Ufern der Seine wiederentdeckte. Sie war von der Lektüre des Buches, das sie bereits aus ihrer Jugend kannte, so begeistert, dass sie den Roman ins Französische übersetzte, um ihn einem größeren Publikum zugänglich zu machen. Ihre französische Edition war der Ausgangspunkt für weitere Übersetzungen und für den späten internationalen Erfolg des Romans. Auch eine deutsche Ausgabe erschien Mitte der 80er Jahre bei Rowohlt. Sie wurde von Daniel Dubbe übersetzt – allerdings aus der französischen Version, nicht aus dem russischen Original des Autors. Dieses Versäumnis wurde nun vom Manesse Verlag nachgeholt. Doch wer steht eigentlich hinter dem Pseudonym M. Agejew? In ihrem Vorwort konnte Lydia Chweitzer damals nur Anhaltspunkte über den Autor nennen. Der Roman sei ursprünglich in einem russischen Emigranten-Magazin in Paris erschienen. Das Manuskript habe der Autor offenbar aus Konstantinopel an den Verleger geschickt. Viele vermuteten Nabokov hinter dem Pseudonym. Diese-Spur erwies sich jedoch als ‚Wishful Thinking’. Vera Nabokov, die Witwe des weltberühmten Autors kommentierte: "Mein Mann hat den '’Roman mit Kokain’’ nicht geschrieben, das Pseudonym Agejew nie benutzt ... Er war nie in Moskau, hat nie Kokain genommen und schrieb, im Gegensatz zu Agejew, ein sauberes und korrektes Petersburger Russisch.“ Eine weitere Spur wies in Richtung der Exil-Russin Lidija Tscherwinskaja, die Agejew gekannt haben sollte. Ein Freund der Frau, der Pariser Slawistik-Professor Rene Guerra, kannte ihr Domizil: ein Altersheim in der Nähe von Paris. Lidija Tscherwinskaja, die 1907 in Kiew geboren wurde, emigrierte 1919 mit ihren Eltern nach Konstantinopel. Später zog sie nach Paris und gehörte schnell zur intellektuellen Bohème am Montparnasse, dem bevorzugten Viertel der Exil-Russen, die vor der Oktoberrevolution geflohen waren. Ein Mitarbeiter des Emigranten-Magazins, das den Roman veröffentlicht hatte, bat 1934 die Russin Kontakt zu Agejew in Konstantinopel aufzunehmen, da sie weiterhin regelmäßig ihre Eltern dort besuchte, und mit der Örtlichkeit vetraut war. Die Adresse, die man ihr nannte, führte Lidija Tscherwinskaja schließlich zu einer Nervenheilanstalt im jüdischen Viertel von Konstantinopel. Agejew, ein russischer Jude, der tatsächlich Mark Levi hieß, wurde im Sanatorium wegen „Zittern der Hände" und „Halluzinationen" behandelt. Der Russin gelang es, dem Autor in einer Buchhandlung einen Job zu vermitteln. Natürlich verliebten sich die beiden. Wie Woody Allen diesen hollywoodreifen Fall übersehen konnte, ist mir ein Rätsel. Lidija Tscherwinskaja erzählte, dass Mark Levi im Bürgerkrieg einen Offizier der Roten Armee erschossen hatte. Danach sei er aus Russland nach Berlin geflohen, das damals rund 500.000 Exilrussen beherbergte. Während seiner Zeit in Berlin schrieb Mark Levi ‚Roman mit Kokain’ unter dem Pseudonym M. Agejew. Nach ihrer kurzen Affäre bestieg Lidija Tscherwinskaja den Orientexpress in Richtung Paris und hatte nie wieder Kontakt zu Mark Levi. Aktuelle Nachforschungen haben ergeben, dass Levi wahrscheinlich 1973 im armenischen Jerewan starb. Er hatte offenbar in die Sowjetunion zurückkehren dürfen, weil er sich 1942 an einem Attentat auf den deutschen Botschafter in Ankara beteiligte. Persönliches Fazit: Die Story hinter der Story ist fast so gut wie der Roman selbst. Fast. ‚Roman mit Kokain’ ist eine absolute Lese-Empfehlung. Der psychisch en détail sezierte Protagonist, der dramaturgisch perfekte Plot und die sprachgewaltige Ausgestaltung gehen eine perfekte Symbiose ein.

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  • Guter Roman über einen schlechten Menschen

    Roman mit Kokain
    Boris

    Boris

    24. July 2013 um 14:11

    Nach den ersten beiden kurzen Kapiteln weiß der Leser Bescheid. Der Ich-Erzähler Wadim Maslennikow verleugnet seine Mutter, sie ist ihm peinlich weil sie alt und arm und "hässlich" ist im ersten und steckt im zweiten Kapitel ein Mädchen offenen Auges mit einer Geschlechtskrankheit an. Ein netter Kerl dem man jetzt gut 200 Seiten folgen soll? Ich nehme es vorweg...ich folgte ihm gerne und gespannt. Der Roman spielt am Vorabend der Revolution und ist in vier Teile gegliedert. Der erste erzählt von Wadim in den letzten Jahren im Gymnasium, von seinen Freunden Stein und Jag, von Burkewitz, der später auf seiten der Revolution steht und am Ende eine wichtige Entscheidung über Wadim treffen wird, von vielen Liebschaften, von Prahlerei über diese Liebschaften. Im zweiten Teil trifft der Erzähler Sonja, die ihn liebt, für ihn Ihren Mann verlassen will. Hier "versagt" er als Mann, weil für ihn eine Frau die Männer begehrt nur eine Hure sein kann, ein Mann der keine Frauen begehrt kein Mann sein kann. Am Ende des zweiten Teil schreibt ihm Sonja einen Brief, in dem sie ihn messerscharf analysiert. Auf diesen Brief kann es keine Antwort geben. Im dritten Teil folgt der Abstieg zur Droge, Kokain wird zum einzigen Inhalt seines Lebens. Besonders das Kapitel über "das erste Mal" werde ich nicht so schnell vergessen. Der vierte sind dann nur die Gedanken eines völlig von der Droge gefangen genommen Menschen, wirr, zwischendurch klug aufblitzend, aber doch in den endgültigen Abgrund führend. Ein sprachlich grandioses Buch, kaum zu glauben, daß der Autor danach nie wieder etwas literarisches verfasst haben soll. Schade!

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  • Roman mit Kokain - Zwei Seiten einer Medaille

    Roman mit Kokain
    Gargoyle

    Gargoyle

    21. April 2013 um 14:46

      Da sitzt man in irgendeinem Meeting und folgt der Agenda mit mehr oder weniger Engagement. Plötzlich wird einem  ein kleiner Zettel zugesteckt. Darauf ein Name und ein Titel. Es wird noch schnell geflüstert, wie gut das Buch ist, und dass es unbedingt gelesen werden will. Also wird das Ganze schnell herumtergeladen und schon ist man gefangen von der Geschichte um den Kokainisten Maslennikow. Das ist für mich ungewöhnlich, denn eigentlich mag ich Drogengeschichten ganz und gar nicht, kann diesen kryptischen, verwirrenden, oft brutalen Traumzuständen nur wenig abgewinnen. Irgendwie ängstigen und bedrücken diese mich fast immer. Das wird auch beim Roman mit Kokain am Ende so sein. Zum Anfang allerdings geht es noch nicht um die Geschichte mit Kokain, sondern wie es zu dieser kommen konnte. Der erste Teil des Romans schildert das Leben des jungen Gymnasiasten Maslennikow. Wadim ist ein wunderschöner, bei den Mädchen aber auch seinen männlichen Schulkameraden äußerst beliebter junger Mann. Er ist ehrgeizig, will weg aus der Enge seines armen Elternhauses. Wobei ein Vater nicht auftaucht, lediglich die Mutter tritt in Erscheinung. Wadim scheint ihr Alles zu sein. Ihm ist sie allerdings nur peinlich und unangenehm in ihrer Armut und ihrer welken Einsamkeit. Zwei Seiten einer Medaille. Er ist äußerlich schön, aber innerlich ein selbstsüchtiger verrottender Mensch. Gabe es irgendwann einen Augenblick, in dem er einfach nur gut war? Wenn, dann war er sicher davon so abgestoßen, dass im selben Moment schlimmstes Übel aus ihm herauskam. Dieses Prinzip durchzieht den gesamten Roman. Wadim selbst setzt sich mit diesem, seinem Seelenzustand auseinander. In Momenten von kalter Klarheit erkennt er, wie zerstörerisch er mit dem unschuldigen Mädchen oder der reifen Geliebten umgeht. Empfindet er in einem Moment noch Hochachtung vor dem Schulkameraden, tritt er im nächsten mit Füßen nach ihm. Er lebt dieses Prinzip bis zum bitteren Ende. Er der schöne, hoffnungsvolle, kluge Student wandelt sich unter dem Einfluss des Kokains in das genaue Gegenteil. Obwohl er erkennt, was da mit ihm passiert, ist er schon lange nicht mehr in der Lage das Blatt zu wenden. Die fremde Hilfe, die er sich erhofft, wird ihm verwehrt. Denn die Welt ist genauso und alle machen mit. Das alles ist fabelhaft geschrieben, die Worte perlen geradezu. In dem Roman finden sich Bilder von großer Schönheit. Wer sich an Worten und Sätzen berauschen kann, MUSS dieses Buch einfach lesen. Der "Roman mit Kokain" gehört zu den wieder- bzw. entdeckten Romanen aus dem russischsprachigen Raum, die in letzter Zeit in Westeuropa erschienen sind. Schön, wenn sich Verleger finden, die den Mut aufbringen, Romane und Erzählungen der ersten Hälfte des letzten Jahrhundert zu verlegen. Die Kritiker sind wie die Leser begeistert von diesen Schätzen. Wenn es so eine spannende Entstehungsgeschichte, wie hier gibt, funktioniert die Vermarktung natürlich um so besser. Im Anhang zum Roman findet sich eine detaillierte Reportage über den Autor, der ein jüdischer Moskauer war, der lange in Istanbul gelebt hat. Spannend.

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