M. G. Burgheim

 3.7 Sterne bei 3 Bewertungen

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Besitz wird überbewertet

Besitz wird überbewertet

 (8)
Erschienen am 23.04.2015

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Rezension zu "Besitz wird überbewertet" von M. G. Burgheim

Die liebe Familie....
Miamouvor 3 Jahren

Als Alfie das Studium abbricht und wieder bei den alten Eltern in Berlin unterkommt, muss er, ob er will oder nicht, seinen Beitrag leisten und ins Familiengeschäft einsteigen. Und das heißt, zusammen mit seinen Brüdern Jupp und Robbser und seinem Vater Karlheinz auf Einbruchstour zu gehen. Und das liegt ihm so gar nicht. Bei seinem ersten eigenverantwortlichen Bruch geht auch gleich alles schief, aber dafür lernt er Julia kennen und verliebt sich in sie. Doch dann ist Vadder Karlheinz verschwunden und die elterliche Wohnung völlig auf den Kopf gestellt. Wurde er entführt? Hat man sich gerächt, weil Alfies bekloppter Bruder den Politiker erpresst hat? Alfies Mutter und die Brüder sind sich gar nicht so sicher, ob sie den Alten überhaupt zurückhaben wollen. Als sich die Brüder dann doch auf die Suche nach Vaddern machen, finden sie weit mehr, als sie dachten.

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Ein wirklich witziges Buch mit liebenswürdigen Charakteren und einer sehr speziellen Geschichte darf man erwarten, wenn man zu „Besitz wird überbewertet“ von Burgheim greift.

Zunächst einmal erweckten der Titel und das dazu passende ungewöhnliche Cover meine Aufmerksamkeit. Als ich dann noch den Klappentext gelesen habe, wusste ich, dass dieses Buch unbedingt einen Platz auf meinem Bücherregal finden musste. Jetzt, wo ich es gelesen habe, wird es einen Ehrenplatz bekommen.

Gleich von der ersten Seite an, merkt man, dass man es hier nicht mit einer gewöhnlichen Geschichte zu tun hat. Der jüngste Sohn der Familie, Alfie, der schon alleine deswegen aus dem Rahmen fällt, weil er mit einem Studium begonnen hat, bricht dieses dann plötzlich ab und zieht wieder bei seinem Vater und seiner Mutter ein. Da er nicht am Rockzipfel hängen will und sich nicht auf Almosen verlassen will, muss er notgedrungener Weise ins Familiengeschäft einsteigen und lernt das Einbrechen von der Pike auf. Entscheidende Unterstützung um dieses außergewöhnliche „Handwerk“ zu erlernen bekommt er von seinen beiden älteren Brüdern und vom Vater. Diese Vier – Männerkonstellation fand ich so geglückt und es ist wirklich herrlich ihnen zuzuschauen. Burgheim hat dabei vier sehr eigenständige Charaktere erschaffen, die sich klar voneinander unterscheiden. Alfie ist der Intellektuelle, der schon auch einmal hinterfragt, ob ihr Tun „nicht doch moralisch verwerflich ist“, Jupp, sein Bruder, hinterfragt dies nicht, ist aber der sehr Besonnene in dieser Clique und Robbser, der andere Bruder, ist so ungeduldig, dass er manchmal einfach zu sehr mit dem Kopf durch die Wand will. Der Vater hält alles zusammen, verschwindet aber plötzlich.

Während zu Beginn die drei Söhne (und auf jeden Fall auch der Leser) noch davon ausgehen, dass es sich dabei um eine Entführung der üblen Sorte drehen muss (es gibt auch genug Indizien dafür), so muss man am Ende erkennen, dass das Verschwinden des Vaters eigentlich eine ganz „normale“ Vorgeschichte hat. Besonders in den letzten Kapitel wurde dann herausgearbeitet, dass die Familie keine „schlechte“ in dem Sinn sind, „nur“ weil sie ihr Geld mit Einbrüchen verdient. Nein, auch für Verständnis und Zusammenhalt gibt es genügend Platz unter den Familienmitgliedern.

Die Geschichte wird aus der Sicht Alfies erzählt, der in einem gewissen Sinne für mich erwachsen wurde. Plötzlich fällt ihm nicht mehr alles in den Schoß und er muss kämpfen. Um seine Familie und auch um seine große Liebe. Bei einer Einbruchstour begegnet er Julia und verliebt sich in sie. Bei der Beschreibung dieses Einbruchs musste ich Tränen lachen, weil es einfach nur herrlich war. Dann stellt sich auch noch heraus, dass Julia nicht die ist, für die sie sich ausgibt, was dem Ganzen noch zusätzlich die Krone aufsetzt.

Den Schreibstil des Autors fand ich interessant. Da Alfie als „Studierter“ seine Geschichte erzählt, ist sein Wortschatz natürlich ein sehr breiter. Trotzdem fällt er dann auch immer wieder in die derbe Sprache eines Einbrechers hinein, da er logischerweise nicht erkannt werden will. Zudem gibt es Stellen mit dem breiten Berliner Dialekt, die ich dann schon zweimal lesen musste, um zu verstehen, was der – oder diejenige gesagt hat. Spannend auch, dass jeder der vier Männer auch seinen eigenen Wortschatz hatte. Burgheim hat hier also sehr mit Sprache und Dialekten gespielt, was mir wirklich gut gefallen hat.

Ein kleiner Kritikpunkt sind vielleicht die, ein wenig zu sehr ins Detail gehenden, Möglichkeiten eines Einbruchs und welches Werkzeug man wann, wo und wie verwendet. Dies kommt allerdings nur an zwei Stellen vor und man liest dann einfach drüber. Aber das ist Jammern auf wirklich hohem Niveau.

Kurzum: Ich habe dieses Buch wirklich sehr genossen. Es hat viele lustige Momente, aber auch (besonders gegen Ende) seine emotionalen. Sehr empfehlenswert!

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