M. J. Trow Lestrade and the Ripper

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Inhaltsangabe zu „Lestrade and the Ripper“ von M. J. Trow

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    Lestrade and the Ripper

    brudervomweber

    19. January 2014 um 09:48

    Die Buchreihe des englischen Schriftstellers M.J. Trow um den laut Sherlock Holmes noch besten eines schlechten Haufens an Inspektoren bei Scotland Yard bietet eine kunterbunte Mischung aus historisch akkuraten Bonmots vermischt mit kontinuierlichen Überlagerungen mit dem fiktiven, von Sir Arthur Conan Doyle erdachten Kosmos um den Meisterdetektiv Mister Sherlock Holmes. Stilistisch durchsetzt mit einer Fülle an sprachlichen und narrativen Witticisms und Puns, die mitunter schon jenseits der Grenze zum Slapstick wandeln, ist es mitunter schwierig, das Geschehen an sich ernst zu nehmen, zumal die Fülle an Figuren und vor allem Todesfällen eine solide Orientierung innerhalb des hier präsentierten Doppelfalls nicht leicht machen. Aber so ist es nun einmal: In Trows Lestrade-Romanen sterben die Figuren wie die Fliegen, und LESTRADE AND THE RIPPER macht hier keine Ausnahme. Die Besonderheit dieses Romans ist es allerdings, dass die historisch verbürgten und jenem inzwischen legendären Anonymus "Jack the Ripper" zugeschriebenen Morde im Londoner Whitechapel-Bezirk sowie die überlieferten Ermittlungsmethoden, Verdächtigen und die soziale Anspannung im Umfeld der bestialischen Morde gewissenhaft recherchiert und authentisch beschrieben werden. Was die Lektüre wiederum von dieser finsteren Atmosphäre "erlöst" (oder um sie schmälert, je nachdem, wie man es sehen will), ist das unterhaltsame Spiel des Vermischens von historisch belegten und rein fiktiven Figuren des ausgehenden neunzehnten Jahrhunderts, mit welchen der hier erstmals mit einem Vornamen ausgestattete Inspektor Sholto Lestrade im Zuge seiner Ermittlungen zu verkehren hat. Insbesondere die Zeichnung des nicht immer so meisterhaft agierenden Meisterdetektivs Holmes und seines reichlich begriffsstutzigen Sidekicks Dr. Watson sorgen durchaus für einiges Amusement. Aber auch die Art und Weise, wie Trow die tatsächlichen Geschehnisse in Whitechapel mit einer erfundenen Mordserie in einer Privatschule in Northamptonshire verwebt, mit deren Aufklärung der bodenständige Lestrade neben der sporadischen Unterstützung der Whitechapel-Mordermittlung betraut ist, hat Pfiff ... wenn - und das ist leider der einzige, aber wesentliche Wermutstropfen in Trows Konstruktion - es insgesamt nicht von so dermaßen vielen "red herrings" wimmelte, dass die Aufklärung am Ende nach blankem Zufall und einem etwas hilflos wirkenden Griff zum vielzitierten "deus ex machina" röche. Ich hatte diesen Roman vor etwa 15 Jahren bereits einmal in der deutschen Übersetzung als rororo-Taschenbuch gelesen, die von Hans J. Schütz recht ordentlich besorgt und sogar noch um ein Glossar erweitert worden war, welches die Vielzahl an Anspielungen, die der Text birgt, aufbereitete und kommentierte, und welches mir im englischen Original doch irgendwie fehlte. Wie schwer es gewesen sein muss, den Roman halbwegs vernünftig und ohne einen erheblichen Verlust gerade an feinsinnigen sprachlichen Spielereien in lesbares Deutsch zu transponieren, ist eine Erkenntnis, welche ich aus der Lektüre des Originals außerdem ziehen konnte - Trow jongliert mit der Sprache jenes alten Englands, mit Missverständnissen und Doppelbedeutungen, die insbesondere in der Differenz sozialer Niveaus ausgespielt werden - so läuft Lestrade beispielsweise in der Kommunikation mit dem Direktor der Privatschule St. Rhadegund, Dr. Theophilus Nails in einem fort ins offene Kommunikations-Messer, wenn er Ausdrücke der gebildeten Oberschicht misinterpretiert oder mit Begriffen eines ihm weit geläufigeren Gaunerjargons verwechselt, was ihm mehr als einmal das Prädikat "true idiocy" einbringt. Trows Lestrade erinnert mich in vielerlei Hinsicht an einen anderen fiktiven Polizisten eines vermeintlich ganz anderen Genres, nämlich an Terry Pratchetts Samuel Vimes, der in den Discworld-Metropole Ankh-Morpork seinen Dienst versieht. Wie auch dieser ist Lestrade ein Mann, der aus einem unhinterfragten inneren Antrieb seinen Job erledigt, weil irgendjemand ihn ja erledigen muss, und der schlecht ausgestattet und - nicht unbedingt mit dem überlegenen Intellekt und der wohlinformierten Bandbreite seines verhassten Kontrahenten Holmes gesegnet - auf seinen Instinkt und Fleiß setzen muss, um am Ende den Mörder dingfest zu machen. Zugegeben: LESTRADE AND THE RIPPER ist nicht in allen Belangen ein Volltreffer, er hat seine unbestreitbaren, oben angesprochenen Schwächen, die einem den Spaß an diesem Kriminalroman verderben können, wenn man diese als Kardinalstugenden eines guten Krimis ansieht. Aber er hat auch unleugbare Stärken, und wegen dieser ist es sicherlich nicht das letzte Mal gewesen, dass ich zu einem von Trows Lestrade-Romanen greifen werde - und trotz fehlenden Glossars sei die Wahl der Lektüre im englischen Original definitiv anempfohlen.

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