M. M Kaye

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Cover des Buches Death in Zanzibar (ISBN: 9781471900402)
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Rezension zu "Death in Zanzibar" von M. M Kaye

Gefahr auf Kivulimi
Janoshvor 2 Jahren

Mary Margaret („Molly“) Kaye ist nicht nur die Autorin historischer Romane, unter denen „The Far Pavilions“ (deutsch: „Palast der Winde“), an dem sie gut 15 Jahre lang arbeitete, der herausragendste ist, vielfach verglichen mit „Gone With The Wind“, sondern hat auch eine Reihe Kinderbücher geschrieben – und in den Fünfziger Jahren sechs Kriminalromane, von denen „Death in Zanzibar“(deutscher Titel: „Tod auf Sansibar“), der 1959 veröffentlicht wurde, der fünfte ist.

Wie die im indischen Simla geborene Schriftstellerin in ihrem Vorwort zu dem hier zu besprechenden Buch schreibt, hat sie sich für ihre Kriminalromane Handlungsorte ausgesucht, in denen sie selbst für eine gewisse Zeit lebte – als Ehefrau eines Angehörigen der britischen Streitkräfte, der während seiner militärischen Karriere an den unterschiedlichsten Plätzen der Erde Dienst tat. M.M.Kaye verwendete später, wieder in England, die Aufzeichnungen, die sie an den jeweiligen temporären Wohnorten gemacht hatte, dafür, spannende Geschichten zu erfinden, die allesamt den Vergleich mit denen der weltberühmten „Lady of Crime“, Agatha Christie, nicht zu scheuen brauchen! In der Tat hatten beide Britinnen ein Faible für exotische Schauplätze, die vielschichtigen, klug ausgedachten Handlungen spielen oft vor einem politischen Hintergrund mit ebenso politisch motivierten Morden, die sich unter Mitgliedern der zumeist gehobenen Mittelschicht ereignen, beide Damen wussten genau, wie man Spannung erzeugt, kontinuierlich steigert, um sie dann in einer überraschenden Auflösung gipfeln zu lassen. Gewürzt ist das Ganze mit einer Romanze, die allerdings bei M.M.Kaye nicht ganz so beiläufig abgehandelt wird wie gewöhnlich bei Dame Agatha. Sowohl die eine als auch die andere waren wahre Meisterinnen der Sprache, wobei der funkelnde Wortwitz, der ausgeprägte Sinn für Situationskomik, die ins Auge springende Ironie einer M.M.Kaye etwas ist, das man bei Christie eher weniger findet, und wenn doch, dann muss man ihre stets subtile Ironie schon zwischen den Zeilen suchen.

Doch möchte ich mich nun ein wenig eingehender mit „Death in Zanzibar“ beschäftigen, einem romantisch-politisch-exotischen Krimi, den ich mit höchstem Vergnügen und gleichzeitig wachsender Spannung gelesen habe und der für mich zu einem der besten seines Genres gehört – lesenswert auch noch sechzig Jahre nach seinem Erscheinen, in vorbildlicher, geradezu geschliffener Sprache abgefasst, die mich immer wieder aufs Neue entzückt hat. Denn ja – auch Sprache kann zur Qualität eines Buches beitragen, selbst wenn dem heutzutage, so will mir scheinen, zunehmend weniger Bedeutung beigemessen wird.

Das Sansibar, in dem die Schriftstellerin den größten Teil ihrer Geschichte spielen lässt, gibt es nicht mehr, nachdem 1963/64 die britische Kolonialzeit endete und der Inselstaat in die Unabhängigkeit entlassen wurde. Dieser Wechsel ging alles andere als unblutig vonstatten und schon Jahre zuvor arbeiteten Revolutionäre im Untergrund, gärte es unter der Oberfläche von Schönheit und dem Zauber aus Tausend und einer Nacht, der der Gewürzinsel zugeschrieben wurde, und der die junge Protagonistin des Romans, Dany Ashton, mit aller Macht nach Sansibar zieht, komme, was da wolle! Ihr neuer Stiefvater, der Schriftsteller Tyson Frost, besitzt ein Haus auf der Insel und ihre Mutter Lorraine hatte eine Gruppe Freunde eingeladen, eine Zeit auf „Kivulimi“, dem „Haus der Schatten“ zu verbringen. Doch bereits im Vorfeld der Reise, die in den Fünfziger Jahren nur mit Zwischenlandungen möglich war und entsprechend viel Zeit in Anspruch nahm, geschehen unerklärliche Dinge: der Notar, bei dem Dany Papiere für ihren Stiefvater abgeholt hatte, wurde ermordet und Danys Pass wurde gestohlen – irgendjemand hat die feste Absicht, Dany daran zu hindern, die Reise anzutreten. Doch mit der Hilfe des Amerikaners Lash, ebenfalls Gast auf Kivulimi, gelingt es der jungen Engländerin, das Ziel ihrer Sehnsüchte gegen alle Widerstände zu erreichen – nur um schon während des Fluges zu ihrem Schrecken festzustellen, dass sie sich da auf eine gefährliche Geschichte eingelassen hat, die sie nicht kontrollieren kann und die weder sie noch der gespannte Leser zu durchschauen vermögen, obwohl man inzwischen weiß, dass der Drahtzieher des Ganzen hinter einem Schatz her ist, der vor mehr als siebzig Jahren von Tyson Frosts Großvater irgendwo auf der Insel versteckt wurde. Als dann noch weitere Morde geschehen, wird die Insel der Träume zu einem Ort des Entsetzens und der Furcht. Und Dany gerät, auch durch eigene Unvorsichtigkeit, in Todesgefahr, aus der es kein Entrinnen zu geben scheint....

Ein spannender Roman, fürwahr, so, wie man ihn sich nur wünschen kann! Doch ist er auch ein historisches Zeugnis, denn man erfährt zusätzlich nicht nur eine Menge über die bewegte Geschichte der Inselgruppe im Indischen Ozean, nicht weit vor der ostafrikanischen Küste, sondern es gelingt der Autorin Kaye darüber hinaus, dem Leser ein verführerisches Bild zu malen von dem unwiderstehlichen Zauber Sansibars, indem sie ihn auf Streifzüge mitnimmt, zu den schönsten und gleichzeitig geheimnisvollsten Plätzen der Insel mit der üppigen Vegetation. Das tut sie auf so gekonnte Weise, dass man die flirrende Hitze, aber auch den lauen Wind spüren, die einzigartigen Düfte wahrnehmen kann, die sie aus ihren eigenen Erinnerungen hervorholt und zu dem Leser wehen lässt. Das ist großartig – und etwas, das nur wirklich begnadeten Schriftstellern und Märchenerzählern gelingen kann!

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