Mord in der Mangle Street

von M.R.C. Kasasian 
3,9 Sterne bei52 Bewertungen
Mord in der Mangle Street
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Ein Lesespass :)

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Viktorianisches London: top Plot: flop Langweilig u wenig sympathische Charaktere

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Inhaltsangabe zu "Mord in der Mangle Street"

London 1882. Nach dem Tod ihres Vaters begibt sich die junge March Middleton in die Obhut ihres Patenonkels: Sidney Grice, Englands berühmtester Detektiv, der vor einem neuen Rätsel steht. Eine Frau ist brutal ermordet worden, der einzige Verdächtige ist ihr Ehemann. Mit jeder neuen Wendung des Falls ist Sidney stärker von der Schuld des Ehemanns überzeugt und March von seiner Unschuld. In die dunkelsten Ecken des East End führen die Ermittlungen die junge Frau mit dem Faible für Gin und den bärbeißigen Spötter mit dem Glasauge. Wer von ihnen wird wohl recht behalten?

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783455002119
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:400 Seiten
Verlag:Atlantik Verlag
Erscheinungsdatum:16.08.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    Annejas avatar
    Annejavor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Toller Krimi, mit viel Spannung und Unterhaltung
    Sherlock Holmes, zieh dich warm an

    Dieses Buch entdeckte ich auf der Verlagsseite des Atlantik Verlages. Das Cover sprach mich an, die Kurzbeschreibung lockte mich mit einem verheißungsvollen Fall in London, wie hätte ich da "Nein" sagen können? Eben. Kurz um, ich konnte nicht wieder stehen und bereute es auf jeden Fall nicht. 

    Als Sherlock Holmes-Fan, kam ich in diesem Buch voll und ganz auf meine Kosten. Das London um 1882 wurde hervorragend dargestellt und der Fall selbst entpuppte sich als echte Wuntertüte, der für die ein oder andere Überraschung gut war. Und auch wenn ihr auf Grund des Settings und des mysteriösen Falls einen zweiten Sherlock erwartet, so rate ich euch gleich vorab, den berühmten Detektiv nicht mit unserem Hauptcharakter Sidney Grice zu vergleichen oder zu hoffen das er eben so handelt. Wer dies kann, wird den kleinen Witz, welchen sich der Autor mit den Figuren von Watson oder Arthur Conan Doyle machte, verstehen und kann dabei ordentlich grinsen. 

    Ohne lange aufgehalten zu werden, erfahren wir sofort, was, wo passiert war und bekommen zwar blutige Einzelheiten zu lesen, die aber weit ab von jedem Splatterroman fielen. Mit der Auflösung tat ich mich allerdings etwas schwer, da die vielen Verstrickungen und die damit verbundenen Charaktere erst nach einer erneuten Lesung sich richtig zusammen fügen wollten. 

    Die 71. Kapitel hören sich erstmal viel an, lasen sich aber durchweg sehr gut. Es machte Spaß in jedes Kapitel zukommen, da diese auch mal Tage ausließen und man sehr übersichtlich darüber informiert wurde, was bis dahin geschah. Danach erlebte man die Geschichte meist eins zu eins mit den Charakteren. 

    Spannung, unterhaltende Szenen und ein tolles Charakterdesign, sorgten dafür das mir nie langweilig wurde oder ich auch nur daran dachte das Buch weg zu legen. 

    Hier heißt es für mich "Lady´s First", denn obwohl der eigentliche Hauptcharakter Sidney Grice ist, erleben wir seine Geschichte aus der Sicht von March Middleton, welche nach dem Tod ihrer Familie zu ihrem Patenonkel kommt. Und hier merkte man auch schon den Unterschied, denn die liebe March wuchs im ländlichen Gebiet auf und lernte es freundlich zu anderen zu sein. Das diese ihr in der Metropole London nicht gerade dienlich ist, muss sie schweren Herzens bald erfahren. Ansonsten ist March ein guter Mix, da sie sehr clever wirkt, aber eben auch ein klein wenig naiv ist. Man fühlt sich mit ihr wohl und begleitet sie gerne durch die Geschichte. 

    Wer das Buch nicht zum Ende liest, wird Sidney Grice für einen unsympathischen, geldsüchtigen und eingebildeten Kerl halten, der für seinen Ruf sogar über Leichen gehen würde. Tatsächlich war er auch mir nicht sonderlich sympathisch und zwischendurch hasste ich ihn wirklich, aber das Bild lichtete sich und ich empfand ihn zumindest als äußerst klug. Tatsächlich war ein großer Teil der  Spannung ihm zu verdanken, da man nie wusste was er gerade plante oder was er als nächstes tun würde. Zudem ergaben er und March ein unverkennbares Duo ab, das wirklich nix gemein hatte, aber sich irgendwie trotzdem sehr gut ergänzten.

    Die Personen rund um den Fall waren authentisch und legten mich teilweise genauso rein, wie die liebe March. Da wir es größtenteils mit Personen der ärmeren Schicht zutun hatten, war es gerade zu traurig zu sehen was Leute alles tun würden um ein paar Geldstücke zu bekommen. Hier wurde ebenfalls nicht an heftigen Momenten gespart, die einem manchmal fassungslos weiter lesen ließen. 

    Die Darstellung der Londoner Polizei war wieder einmal sehr erquickend, da diese wohl in keinem mir bekannten Buch gut weg kommt, so auch in diesen nicht. Unterbesetzt, stets mit dem Knüppel zur Hand und der Umgang mit dem teils rabiaten Häftlingen, konnten die Polizisten einfach nicht gut da stehen lassen. Zumal sie nicht gerade aufopferungsvoll ihrem Beruf nach gingen. 

    Ich mochte den Mix der Figuren, da er die Geschichte lebendig machte und sie sehr gut in diese Zeit passte. Die Armut zu erlesen tat mir reichlich weh und ließ mein Mitleidskonto durchweg in die oberen Bereiche steigen. Ob es damals wirklich so schlimm war? Ich hoffe nicht.


    Die Gestaltung des Covers sagte mir sehr zu. Das leuchtende, aber nicht grelle Rot gab dem Buch ordentlich Farbe, schluckte aber nicht die weiße Schrift, die schwarzen Details und die gelben Highlights, sondern sorgte dafür das gerade diese mehr in den Vordergrund gerieten. 

    Für mich war es ein gelungener Einstieg in diese Reihe. Die Lösung des Falls erschloss sich mir zwar erst durch ein erneutes Lesen der letzten Seiten, war dann aber schlüssig und voller unheimlicher Details. Diese Reihe werde ich weiter verfolgen, da ich in ihr eine Menge Potenzial sehe. 

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    Ms_Violins avatar
    Ms_Violinvor 8 Monaten
    Ein Krimi, der mich im Zwiespalt zurücklässt

    Im viktorianischen London zieht March Middleton, neuerdings Vollwaise, Gelegenheitsraucherin und -trinkerin sowie äußerst schlagfertig, zu ihrem Patenonkel: Sidney Grice, den berühmtesten Detektiv Englands. Kaum dort angekommen soll Grice die Unschuld eines Mannes beweisen, der angeklagt wird, seine Frau brutal ermordet zu haben. Problem nur: Grice ist - im Gegensatz zu March - vollkommen von seiner Schuld überzeugt.


    Ich gestehe, dass ich um den Beginn dieser Reihe schon einige Zeit herumgeschlichen bin, da ich ziemlich zwiespältige Aussagen darüber gehört habe, habe mir aber letztendlich doch selber eine Meinung bilden wollen und was soll ich sagen? Ich bin nun selber im Zwiespalt.


    Einerseits liest sich das Buch unheimlich flüssig und die oft sehr kurzen Kapitel ermöglichen es einem, sich das Buch beinahe häppchenweise („Ach komm, eins geht schon noch.“) einzuverleiben. Man ist auch schnell gefangen und möchte die ganze Geschichte rund um den Mord an Sarah Ashby unbedingt erfahren. Auch March Middleton ist eine gut angelegte und interessante Figur, entspricht sie doch so gar nicht dem Frauenbild, welches sie im viktorianisches England darstellen sollte, weiß darum und nutzt diese Diskrepanz hervorragend aus.

    Andererseits ist Sidney Grice ein extrem unsympathischer Charakter, der wirklich so gar keine positiven Aspekte vorzeigt. Er ist arrogant, menschenverachtend und als Motivation zählt für ihn hauptsächlich das Geld.

    Darin liegt für mich die größte Schwäche, denn auch wenn Holmes oder auch Poirot beispielsweise oft ziemlich arrogant waren und mit ihrem überragendem Intellekt geprahlt haben, hatten die beiden doch auch irgendwo noch Charme, der Sidney Grice einfach vollkommen fehlt und ihn dann auch noch geldgierig erscheinen zu lassen, schließt jede Möglichkeit einer positiven Beurteilung dieser Figur aus.

    Auch die offensichtlichen Anspielungen auf Sherlock Holmes empfand ich als eher negativ und haben nur die Schwächen dieses Romans verstärkt.


    Fazit: Ich weiß noch nicht, ob ich die Reihe weiterverfolgen werde. Zwar haben mir der Schreibstil und die Geschichte an sich sowie - größtenteils - die Figur der March Middleton zugesagt, jedoch empfand ich Sidney Grice dafür umso unerträglicher. So richtig zu einem Team sind diese beiden Charaktere am Ende auch (noch?) nicht zusammengewachsen und so werde ich es mir gut überlegen, ob ich mich irgendwann dann doch noch an den zweiten Band traue.

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    vielleichtaberdochs avatar
    vielleichtaberdochvor 9 Monaten
    Kurzmeinung: WG gesucht: Ein veganer Ermittler und eine Gin-liebende Dame im viktorianischen London - fabelhafter Auftakt einer spannenden Serie.
    Mord in der Mangle Street

    Bei einem Schaufensterbummel lande ich früher oder später immer in einer Buchhandlung. In der Regel habe ich dann zwei verschiedene Taktiken: Entweder ich suche gezielt meine liebsten Buchreihen und schaue, was in deren Nähe als Empfehlung steht oder ich schlendere durch die Gänge und halte nach hübschen Buchcovern Ausschau. Letzteres habe ich kürzlich erst wieder erfolgreich durchgeführt und dabei den Krimi “Mord in der Mangle Street” entdeckt.

    Turbulente WG im viktorianischen London

    Die Art und Weise, wie der Atlantik-Verlag seine Cover gestaltet, hat mir schon im Morley-Roman Das Haus der vergessenen Bücher gefallen. Auch diesmal hat mir die Art und Weise, wie die Illustration und der Inhalt miteinander harmonieren, sehr gefallen.

    Der wohl größte Pluspunkt war jedoch das Setting. Ich habe nicht viel übrig für moderne Kriminalromane (es sei denn, sie werden mit einer großten Portion Urban Fantasy gewürzt, ihr wisst schon, wie bei Monsieur Aaronovitch), bin aber um so mehr ein Fan der alten Marple-Holmes-Riege.
    Stellt euch also kurz meine Begeisterung vor, als ich den Klappentext des Buches las.

    Ein Veganer Ermittler, eine Gin-liebende Dame und das ganze viktorianische Elend

    Ungewöhnlich ist die Figurenkonstellation allemal: erinnert Sidney Grice in seiner eingebildeten Art zum Teil sehr an seine berühmten Vorgänger Sherlock Holmes und Hercule Poirot, so ist er auf dem zweiten Blick doch ein ganz anderer Charakter, der sozial äußerst unbeholfen wirkt und rein gar nichts von Gelüsten ganz gleich welcher Art hält.
    Erfrischend anders ist March Middleton, sein Mündel und eine durchaus selbstbewusste Frau, die zwar was ihre kombinatorischen Fähigkeiten angeht, die klassische Rolle des Hastings oder Watson einnimmt, aber liebend gern zurück feuert, wenn Grice sich nicht benimmt.

    Die gesamte Rezension inkl. meiner detaillierten Sterne-Bewertung gibt es im Blog auf lifesayshello.com.

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    lesemaedelvor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Taffe Heldin vs Dr. Klugscheißer
    Dr.House, Monk und der CSI haben einen Vorläufer

    Hm, das Buch lässt mich mit gemischten Gefühlen zurück. Finde ich es super, oder überzogen? Überzogen: da der private Ermittler hier keine liebenswerte Person ist - Er ist eine Monk-Dr.House-Arschgeige. Da feiert er sich doch glatt selbst, weil er einen (Un)schuldigen an den Galgen bringt. Super: diverse Sidekicks mit zwinkerndem Auge. Eine taffe und sehr emanzipierte Patentochter (ähm - Watson), die den Männern ordentlich an den Karren fährt.
    Die Story und der Mord sind erstklassig aufgebaut. Das Setting und die zeitlichen Eigenheiten filmreif beschrieben.
    Auf jeden Fall muss man sich, vor dem Lesen, von einem verklärten Sherlock-Nostalgie-Traum lösen. Bloß nicht vergleichen, einfach dem Autor und der Story eine Chance geben.

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    EmelyAuroras avatar
    EmelyAuroravor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein sehr unterhaltsames Buch! Ich empfehle es allen, die gerne Sherlock Holmes oder generell Detektivromane lieben
    Wunderbarer Detektivroman

    Ich liebe Bücher, die in London spielen. Ganz besonders, wenn sie im 19. Jahrhundert angesiedelt sind und in Richtung Krimi bzw. Detektivroman gehen.
    Das Buch ließ sich wunderbar lesen und ich mochte den unterschwelligen Humor sehr. Mich hat die Geschichte zwar etwas zu sehr an Sherlock Holmes erinnert (besonders Sidney Grice, der einfach genau so aussieht wie der berühmte Detektiv), aber das war JETZT nicht extrem störend. Ich mag Sherlock Holmes ja auch.

    Die Charaktere blieben etwas blass, da sie für mich nicht wirklich rund waren. Sie hatten ihre Rollen und sind diesen treu geblieben, allerdings fehlte mir bei ihnen die Tiefe.
    Der Fokus des Buches lag eindeutig auf dem Fall und nicht auf den Charakteren oder ähnlichem, was an sich nicht so tragisch ist. Ich war mir zu Beginn absolut sicher, dass ich weiß, wer der Mörder ist, allerdings habe ich mich dann während des Lesens von meiner Theorie verabschiedet... Und dann war sie doch richtig. Der Fall war auf sehr verstrickt!
    Was ich an Sidney Grice nicht mochte war, dass er als Person nicht so viel Sinn für mich gemacht hat. Er ist auf seine Bezahlung aus und will den richtigen an den Galgen bringen, allerdings ist er auch nicht dazu in der Lage, FEHLER einzugestehen oder auch nur daran zu denken, dass er womöglich falsch liegen könnte. Sein Wesen hat sich mir nicht ganz erklärt. Leider.
    March, die Protagonistin, war mir auch NICHT sehr sympathisch. Sie ist sehr vorlaut und lässt sich nichts sagen, was ja an sich in Ordnung ist, aber ich fand sie ab und zu etwas übertrieben. Was ich auch nicht ganz nachvollziehen konnte war, dass sie so mühelos in alles hineingerutscht ist und mehr als nur ein Naturtalent im Ermitteln ist.
    Insgesamt habe ich mich an einigen Aspekten des Buches gestoßen, aber trotzdem hat es mir sehr gefallen! Ich habe es fast in einem Rutsch durchgelesen und es war sehr kurzweilig wie interessant.

    "Persönlicher Ermittler", sagte Sidney Grice. "Schlafzimmer sind privat. Ich bin persönlich." (Seite 51)

    Schreibstil:
    Der Schreibstil passte wunderbar in die Zeit, in der der Roman spielt und ließ sich zudem sehr gut lesen. Die 1. Person hat hier auch gepasst, wobei es vermutlich keinen allzu großen Unterschied gemacht hätte, wenn es in der 3. Person geschrieben worden wäre. Dennoch mochte ich den Schreibstil, weil er sich so flüssig hat lesen lassen und weil er auch wunderbar zu der Geschichte passte.

    Cover:
    Das Cover gefällt mir nicht ganz so gut, was daran liegen könnte, das ich die Farbe Rot nicht so gerne mag. Ich mag es nicht so gerne, wenn die Farben so reduziert sind und es nur reine Farben gibt. Dennoch passt es zum Inhalt und war der Grund dafür, dass mir das Buch überhaupt erst aufgefallen ist.

    Bewertung:
    Trotz einiger Kritikpunkte gebe ich dem Buch 4 von 5 Sternen, weil es sehr unterhaltsam war und sich einfach gut lesen ließ.

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    lex-bookss avatar
    lex-booksvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Holmes meets Scrooge - mit kleinen Abstrichen höchst unterhaltsam!
    Ein Ermittler wie aus der Muppet Show und eine selbstbewusste junge Frau wandeln auf Holmes Spuren

    Schön, wenn Bücher halten, was sie versprechen. „Mord in der Mangle Street“ von M.R.C. Kasasian lässt mit seinem nostalgischen Cover auf eine viktorianische Detektivgeschichte im Stile Arthur Conan Doyles schließen. Und in der Tat: Der Titel ist Programm. Die Geschichte ist allerdings trotzdem ungewöhnlich, in Erzählstruktur, Besetzung und Verlauf.

    London 1882. March Middleton, Raucherin, Gelegenheitstrinkerin, alleinstehend und schlagfertig, befindet sich – nach dem Tod ihres Vaters - auf dem Weg zu ihrem Patenonkel Sidney Grice, einem bekannten Privatdetektiv, der March gleich bei der ersten Begegnung mit Unverschämtheiten und Überheblichkeit brüskiert. Da March keine andere Bleibe hat, bezieht sie ein Zimmer in Grices‘ Haus und befindet sich kurz darauf in den Ermittlungen zu einem mysteriösen Kriminalfall wieder. Eine Frau ist brutal ermordet worden. Der einzige Verdächtige ist ihr Ehemann. Doch dessen Schwiegermutter und Mutter des Opfers, Grace Dillinger, glaubt an seine Unschuld. Sie bittet Grice um Hilfe, der sich umgehend auf die Suche nach der Wahrheit macht, March widerwillig im Schlepptau.

    Dass man es nicht mit gewohnten Erzählmustern zu tun bekommt, ist nach wenigen Seiten klar. M.R.C. Kasasian gibt fast keine Orts- und Charakterbeschreibungen an die Hand und nur ein Minimum an Atmosphäre. Stattdessen lässt er seine Figuren erzählen, besser gesagt drauf los poltern. Fast ausschließlich über Dialoge darf man sich das Wesen der Protagonisten selbst erschließen, womit man erst einmal beschäftigt ist, da diese mit Ecken, Kanten und Marotten aufwarten und sich fortwährend Wortgefechte liefern. Konzentration ist nützlich. Die minimalistische, pointierte Erzählweise erfordert eine ruhige Leseumgebung. Zwischendurch, in Bus und Bahn zu lesen, war keine gute Idee. Zu hektisch, zu unruhig und im Ergebnis musste ich viele Passagen fünf, sechs oder sieben Mal Revue passieren lassen, bis alles den Weg von den Augen in den Kopf gefunden hatte.

    Dabei war alles furchtbar fesselnd. Viel spannende Recherchearbeit, kniffliges Indiziensammeln sowie messerscharfe Kombinationsgabe. Gut nachvollziehbar und mit viel Wortwitz. Der Ekelfaktor liegt im Mittelfeld. Die eine oder andere brutal zugerichtete Leiche wird etwas genauer inspiziert, ohne jedoch das Maß über zu strapazieren. Bewundernswert lässig schafft der Autor allein über die Anlage seiner Charaktere ein Gefühl für das historische London, wobei er sich vor allem in die armen, weniger ansehnlichen Teile der Stadt begibt.

    Dazwischen ein Ermittler, von dem man nicht recht weiß, ob er der Muppet Show oder einer vergessenen Geschichte von Charles Dickens entsprungen ist. Grice; eine Fusion aus Holmes, Scrooge, Waldorf und Statler, Veganer aus Überzeugung und Menschenverachter aus Prinzip, Empathie nahe null. Ein Bein zu kurz, ein Auge zu wenig und das Ersatzauge ploppt ständig aus der Höhle. Mit March Middleton tritt eine gefühlvolle, junge Frau in sein Leben. Damit kann er nichts anfangen, ist aber bald beeindruckt von der Schlagfertigkeit und Hartnäckigkeit seines Mündels. Ein Team sind die beiden noch nicht, könnten es aber werden.

    Die für ihre Zeit erstaunlich unkonventionelle March Middleton bildet einen interessanten Kontrast zu dem ewig zeternden Grice, bleibt aber größtenteils rätselhaft. Vor ihrer Ankunft in London scheint sie gemeinsam mit ihrem Vater, einem Militärarzt, Kriegsgebiete bereits zu haben. In melancholischen, tagebuchartigen Einschüben berichtet sie von der medizinischen Versorgung verletzter Soldaten, von denen ein ganz bestimmter wohl eine wichtige Rolle in ihrem Leben gespielt hat. Die kleinen Informationsbrotkrumen zur Vergangenheit dieser ungewöhnlichen Protagonisten streut der Autor sehr geschickt und weckt - jedenfalls bei mir - erfolgreich die Neugierde auf weitere Teile.

    Langeweile gab es nie, nur leider kann die Auflösung aufgrund des winzigen Verdächtigenkreises nicht ganz überraschen. M.R.C. Kasasian gleicht dieses Manko zur Hälfte mit einer interessanten List aus, die ich so noch nie in einer Detektivgeschichte vorgefunden habe. Das ist mal innovativ! Doch auch irritierend, zumal nicht nur die Reputation der Ermittler, sondern auch gleich der Spannungsgehalt des ganzen Buches auf dem Spiel steht. Dem Autor gelingt es aber, das Niveau zu halten, indem er die Leser in der Ungewissheit zappeln lässt, ob die Gerechtigkeit am Ende siegen wird. In dieser Hinsicht ist das Ende ausgefallen.

    Fazit: Gestört hat mich wenig. Das wanderlustige Glasauge und die ständigen Kabbeleien waren mir irgendwann zu viel. Ansonsten gibt es nichts zu meckern, außer eines: Ich hätte gerne direkt den nächsten Teil zur Hand genommen. Leider gibt es ihn nicht, jedenfalls nicht in deutscher Sprache. Eine Anfrage beim Verlag Hoffmann und Campe ergab die knappe Auskunft, es lägen keine Informationen vor, ob weitere der bislang insgesamt fünf Bände der Serie um Grice und Middleton übersetzt werden, was etwas frustrierend ist, denn ich möchte beide gerne näher kennenlernen!

    Kommentare: 2
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    Archers avatar
    Archervor 2 Jahren
    Die gewöhnliche Miss Middleton

    1882: March Middleton ist jung, reizlos, mittellos und jetzt auch noch Vollwaise. Da sie ihr Elternhaus nicht mehr halten kann, trifft es sich gut, dass ihr Pate ihr anbietet, bei ihm zu leben. Sie hat ihn noch nie getroffen, aber viel von ihm gehört, denn es handelt sich um niemand Geringeren als den berühmten Privatdetektiv (Persönlicher Berater!!!) Sidney Grice. Grice ist genauso, wie sein Name klingt, ein stacheliger Kaktus ist noch streichelbar dagegen. Just zu dieser Zeit wird er zu einem Mordfall gerufen, bei dem er die Unschuld eines Mannes beweisen soll, welcher seine Frau erstochen haben soll. Während Grice davon überzeugt ist, dass der Mann schuldig ist, ist March vom Gegenteil überzeugt - und zwei starke Persönlichkeiten und wache Geister treffen aufeinander, von denen sich beide irren und doch beide recht haben.

    Schnell taucht man bei diesem Buch in das dreckige, stinkende London am Ende des 19. Jahrhunderts ab. Ein Menschenleben ist wenig wert in einer Gesellschaft, in welcher die Oberschicht die vollkommene Macht hat, Frauen als minderwertig und dumm angesehen werden und man eher ein Messer zwischen die Rippen bekommt (sofern sich der Mörder ein wenig auskennt) als ein Danke von Sidney Grice. Dieser entpuppt sich übrigens als egoistischer, geldgieriger, scharfsinniger Unsympath, doch auch March ist nicht das naive Mädchen vom Lande, im Gegenteil, sie hat ihre eigenen Leichen im Keller (scheinbar wortwörtlich). Dass ihr Vater in der Schweiz beim Absturz in einen Wasserfall ums Leben kam, gibt zu denken, genauso wie das Auftauchen eines Arztes namens Conan Doyle (war der aber nicht eigentlich Augenarzt?). Sowohl Grice als auch March haben es faustdick hinter den Ohren, und obwohl ich die Lösung des Falles nicht 100%ig überzeugend fand, bin ich doch genug am Haken, um Nachfolger lesen zu wollen. Empfehlung meinerseits.

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    Selene87s avatar
    Selene87vor 2 Jahren
    Vergnüglich und kurzweilig, aber kein Hit

    Ohne Frage war es recht vergnüglich dieses Buch im viktorianischen London zu lesen. Gefallen hat mir - wie es auch in Geschichten mit Holmes u Watson der Fall ist - der kluge Sachverstand und die Kombinations- und Auffassungsgabe einen Mordfall zu lösen. Zwar sind die beiden Figuren - v.a. Sidney Grice - stark an Holmes u Watson angelehnt, jedoch wurde mir Grice nach und nach immer unsympathischer. Dies wiederum kann man ja auch mal beseite lassen, wäre der Kriminalfall nicht so vorausschauend gewesen. Es gab keine wirklich überraschenden Wendungen. Sodass man zwar die Entwicklungen u Beobachtungen gern verfolgt hat, aber nicht atemlos gebannt dasaß. March dagegen war nett, aber auch nicht viel mehr. Man hatte das Gefühl, dass sie nicht ganz greifbar war u natürlich das noch eine ganz andere Geschichte hinter ihrem Wesen steckt. Nur wird man das wohl frühestens im nächsten Band erfahren. Das Buch bildet den Auftakt einer neuen Reihe. Ich bin mir allerdings noch nicht ganz schlüssig, ob ich diese weiterverfolgen werde.

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    angi_stumpfs avatar
    angi_stumpfvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Sehr ironisch-humorvoll und spannend erzählt ... Sidney Grice ist ein mürrischer Kerl, aber zusammen mit March ist er unschlagbar!
    Glasauge, sei wachsam!

    Die Geschichte:
    In den Kriegswirren des Jahres 1941 blickt March Middleton auf ihr bewegtes Leben zurück. Sie beginnt ihre Erzählung mit ihrem Umzug nach London: 1882 nach dem Tod ihres Vaters reist sie als 21-Jährige zu ihrem Patenonkel Sidney Grice in die Gower Street. Dieser verdient sein Geld als persönlicher Ermittler und hat sich damit schon einen besonderen Ruf erarbeitet.
    Sein aktueller Fall dreht sich um den Mord an einer jungen Frau, der sehr rätselhaft ist. Der Ehemann der Toten hat das Verbrechen selbst gemeldet, aber er ist auch der einzige Verdächtige. March glaubt allerdings nicht an die Schuld des Mannes, ganz im Gegensatz zu Sidney – ein regelrechtes Duell entspinnt sich zwischen den beiden. Wer kann zuerst stichhaltige Beweise vorlegen, die die jeweilige Theorie unterstützen?

    Meine Meinung:
    Zunächst hat mich alles etwas zu sehr an Sherlock Holmes erinnert, auch die Tatsache, dass uns quasi die ganze Story aus Sicht von March im Rückblick erzählt wird. Aber mit der Zeit konnte ich mich mit dem Gedanken immer mehr anfreunden, denn Sidney Grice ist zwar ebenfalls ein meisterhafter Detektiv, aber in seinem Verhalten doch irgendwie ganz anders als Sherlock.
    Sidney ist ein mürrischer und eher grob wirkender Kerl, dessen weicher Kern nur selten hervorblitzt. Doch wenn man weiß, wie man mit ihm umgehen muss, dann ist er durchaus erträglich. Dieses Kunststück gelingt March ziemlich schnell und auch Molly, sein Dienstmädchen, hält seine Launen mit stoischer Ruhe aus.

    Nicht nur die Dialoge sind oftmals mit viel Ironie und Humor gewürzt, so dass das Lesen wirklich zum Vergnügen wird. Dazu trägt auch die lebendige Beschreibung der selten schönen Schauplätze und Szenerien bei, in denen sich die Figuren bewegen. Manchmal möchte man sich beinahe kratzen, wenn man liest, wie viel Ungeziefer im alten London unterwegs war. Sehr eindrücklich und auch recht blutig schildert der Autor uns auch die Tat- bzw. Fundorte der nicht wenigen Leichen. Trotzdem wirkt das Ganze vergleichsweise harmlos und kann auch von Lesern mit schwächerem Magen gut konsumiert werden.

    Die vielen Wirrungen und falschen Spuren während der Ermittlungen sorgen immer wieder für Überraschungen, und das bis zum klärenden Epilog. Sehr gut fand ich auch, dass Sidney immer brav mit der Polizei zusammenarbeitet und der zuständige Inspektor trägt mit seinem Team auch zu einigen humorvollen Situationen bei.

    Auch interessant und abwechslungsreich sind die immer wieder eingestreuten Informationen über die Vergangenheit von March Middleton, die zum Beispiel mit ihrem Vater im Krieg beeindruckende Dienste im Lazarett leistete.

    Da dies der Auftakt zu einer neuen Reihe ist, dürfen wir uns bestimmt bald auf eine Fortsetzung freuen. Diese werde ich auf jeden Fall wieder lesen, da ich inzwischen den verschrobenen Sidney, die toughe March und einige andere Charaktere schon sehr in mein Leserherz geschlossen habe.

    Fazit:
    Sehr gut durchdacht und fesselnd erzählt – beste Krimiunterhaltung mit einem tollen Ermittler-Duo, das sich gern verbale Schlagabtausche liefert, die den Leser zum Schmunzeln bringen! Kann ich nur empfehlen!

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    Jashrins avatar
    Jashrinvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Nicht schlecht, konnte mich aber dennochnicht vollständig überzeugen.
    Mord im viktorianischen London

    Nach dem Tod ihres Vaters bietet ihr Patenonkel Sidney Grice der jungen March Middleton an, zu ihm nach London zu ziehen. Obwohl sie ihn nicht kennt folgt March der Einladung. Kaum angekommen, muss sie allerdings feststellen, dass Grice nicht gerade der umgänglichste aller Zeitgenossen ist. Doch als privater Ermittler muss er ja auch nicht nett sein, sondern nur die Wahrheit ans Licht bringen.

    Allerdings scheint gleich der erste Fall nach Marchs Umzug nicht so einfach zu sein. Sidney Grice ist zwar überzeugt, dass der Ehemann seine Frau brutal ermordet hat, doch March ist von seiner Unschuld überzeugt. Kann sich der großartige Sidney Grice tatsächlich irren?

    M.R.C. Kasasian bringt mit „Mord in der Mangle Street“ den ersten Teil einer neuen Reihe um einen exzentrischen Detektiv und seinen Assistenten, in diesem Fall eine Assistentin. Ebenso wie Sherlock Holmes ermittelt Grice im England des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Parallelen sind nicht zufällig, sondern durchaus beabsichtigt und gewollt. So hat gegen Ende des Buches auch ein Arzt namens Dr. Conan Doyle einen kurzen Auftritt.

    Doch während Doyles berühmter Ermittler von der Faszination der Rätsel um möglichst komplexe Kriminalfälle angezogen wird, so ermittelt Sidney Grice hauptsächlich um des Geldes willen und nimmt daher nur lukrative Aufträge an. Sein guter Ruf ist ihm ebenfalls mehr als heilig. So legt er, wenn es sein muss, auch alles so aus, damit er stets im rechten Licht bleibt. Er ist wesentlich arroganter und überheblicher als Sherlock Holmes und nicht unbedingt ein Sympathieträger.

    Mit March Middleton wird ihm ein völlig anderer Charakter zur Seite gestellt. Sie ist erstaunlich selbstbewusst und taff für die damalige Zeit und lässt sich meist auch von Grices teils beleidigender Art nicht aus dem Konzept bringen. Während seine Figur eher überzogen wirkt, so ist March vielleicht ungewöhnlich, aber wesentlich greifbarer.

    Doch mir drängten sich beim Lesen nicht nur Vergleiche mit Sherlock Holmes auf, bereits im ersten Kapitel wurde ich stark an Edgar Allan Poes „The Murders in the Rue Morgue“ erinnert. Auch im weiteren Verlauf musste ich immer wieder daran denken, zum Beispiel als der mysteriöse Unbekannte mit den wallenden roten Haaren, dem Schnurrbart, gelber Weste und einem Gehstock mit einem Knauf in Form eines Affen beschrieben wurde. Da hatte ich direkt Poes Orang-Utan vor Augen.

    Das London des viktorianischen Zeitalters wurde gut dargestellt und die Atmosphäre in dieser Stadt gut eingefangen. Dennoch fehlte mir der Charme und der Esprit, den andere zu dieser Zeit angesiedelten Werke versprühen.

    Der Fall an sich ist interessant und ich konnte längst nicht jede Wendung vorhersehen. Besonders die Frage nach der Schuld des Ehemanns war spannend und auch wenn ich geneigt war March Recht zu geben, so habe ich doch gezweifelt. Neben March und Sidney Grice gab es noch eine Reihe weiterer Charaktere, die je nach Wichtigkeit mehr oder weniger detailliert herausgearbeitet waren. Von den Nebenrollen hat mir besonders Harriet, Marchs Zugbekanntschaft, sehr gefallen.

    Der Krimi lebt in erster Linie von der Dynamik zwischen dem selbstgefälligen Grice und der neugierigen und offenen March. Es macht Spaß zu sehen, wie bei den beiden zwei Welten aufeinandertreffen und es gibt auch den ein oder anderen amüsanten Schlagabtausch.

    Mein Fazit: Insgesamt hat mich der Krimi etwas zwiespältig zurückgelassen. Einerseits hatte ich mir mehr erhofft und muss sagen, dass er für mich bei Weitem nicht an sein Vorbild herankommt, dennoch wurde ich über weite Teile hinweg gut unterhalten und habe gespannt nicht nur den Kriminalfall verfolgt, sondern auch die Frage, ob Sidney Grice nicht doch noch sympathische Züge zum Vorschein kommen lässt.

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