MARTIN WALSER

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Rezension zu "Ein fliehendes Pferd : Novelle. Suhrkamp-Taschenbuch 600 ; 3518371002" von MARTIN WALSER

Psychogramm zweier Ehepaare
KristinaTiemannvor 2 Jahren

Ein fliehendes Pferd

Klappentext: "Der Zufall führt zwei Ehepaare an einem Ferienort am Bodensee zusammen. Die Männer, Endvierziger, waren Schul- und Studienfreunde. Helmut Hahn, der behäbige Lehrer, erwartet nichts mehr vom Leben. Klaus Buch hingegen jagt von einer Tätigkeit zur nächsten, bestimmt auch bald das Programm gemeinsam zu verbringender Ferientage."

Na toll! Es passiert also genau das, was man sich im Urlaub gerade eben nicht wünscht, wenn man sich entspannen will: man trifft auf alte Bekannte und ohne dass man es irgendwie beeinflussen könnte, treten quasi automatisch alte Rollenmuster und Verstrickungen zutage, die man schon vergessen glaubte. Dabei wollte man doch gar nicht so tun, als wäre man immer noch derselbe von damals oder ein ganz toller Hecht geworden, man wollte sich einfach nur erholen und von eben diesen Verpflichtungen einfach mal Ruhe haben. Und dann das!

Genau so geht es Helmut Hahn. So schnell konnte er gar nicht gucken, wie er in der Zwickmühle sass. Und nun beginnt sie, erst schleichend als harmloses Mitmachen, obwohl er auf Buchs Freizeitgestaltung keine Lust hat, wächst sich dann zur gekonnten Verstellung aus, um zuletzt als komplette Selbstverleugnung zu enden. Aber jemanden darzustellen, der man nicht ist, ist ziemlich anstrengend. Es kann also nur in einem Fiasko enden, und das tut es!

Der Schreibstil ist vielleicht ein bisschen gewöhnungsbedürftig, aber das Ausarbeiten der Psychogramme ist gründlich. Ich finde die Novelle sehr nah dran am täglichen Wahnsinn.

Daumen hoch!

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Rezension zu "Ein fliehendes Pferd : Novelle. Suhrkamp-Taschenbuch 600 ; 3518371002" von MARTIN WALSER

Psychologisch hervorragend, aber gewöhnungsbedürftig...
Ein LovelyBooks-Nutzervor 2 Jahren

Diese berühmte Novelle bedeutete 1978 den literarischen Durchbruch für Walser, nun konnte er von der Schriftstellerei leben.
Im Mittelpunkt stehen zwei Ehepaare, deren zufälliges Zusammentreffen beim Bodensee-Urlaub und die aufdringliche Inbesitznahme der (notgedrungenen) gemeinsamen Freizeitgestaltung, die in eine Beinahe-Katastrophe mündet.

Martin Walsers Schreibstil wird stets von Kritik und Publikum gelobt und als einzigartig in Deutschland gerühmt. Seine Art zu Schreiben ist definitiv gewöhnungsbedürftig, soviel steht fest. Nach einer Weile kristallisieren sich viele hervorragend formulierte Abschnitte heraus, voller Wortgewandheit und Kraft. Manchmal wirkt sein Stil aber auch wieder dermaßen geschraubt, dass ein Schüler ganz klar eine Fünf bekäme, wenn er solche Sätze im Deutschaufsatz vom Stapel lassen würde. Aber in der Schule geht sowas eben nicht, später ist es Kunst...

Nein, im Großen und Ganzen ist Walsers Stil schon begnadet, wenn auch für viele Leser garantiert unlesbar. Der Plot ist sauber gearbeitet, mit einer 'ruhigen Dramatik' ausgestattet und psychologisch sehr gut und eindringlich beobachtet. Die vier Hauptcharaktere passen wunderbar in die Geschichte und besonders der Protagonist Helmut Halm wird von Walser extrem genau geschildert. Hier übertreibt Walser manchmal in den Dialogen seine kunstvolle Sprache ein wenig...klingt anspruchsvoll, aber so spricht ein normaler Mensch nicht mal ansatzweise. Formvollendet formuliert, aber vollkommen realitätsfern. Diese sprachliche Künstlichkeit verwässert (jedenfalls für mein Empfinden) ein wenig den komplexen Inhalt der Novelle, hier wäre etwas weniger durchaus mehr gewesen.

Ansonsten eine schöne Leseerfahrung und ein präziser literarischer Einblick in den kulturellen Kampf zwischen gelangweilten, vom Leben enttäuschten Bildungsbürgern und auf der anderen Seite von spontanen, sportlichen Freigeistern in den 70er Jahren.

Fazit: Sprachlich komplex, manchmal etwas sperrig formuliert, detailreich und psychologisch äußerst genau geschildert. Ein guter Plot mit interessanten Charakteren. Ein deutscher Klassiker.

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sollhabens avatar

Rezension zu "Ein fliehendes Pferd : Novelle. Suhrkamp-Taschenbuch 600 ; 3518371002" von MARTIN WALSER

Zwei Paare in den 40igern
sollhabenvor 3 Jahren

Während eines Urlaubs mit seiner Frau trifft Helmut Halm einen alten Freund Klaus Buch mit Frau aus Jugendtagen wieder. Die zwei Paar verbindet eigentlich nichts miteinander. Sien Helmut und Sabine eher ein statisch, bequemes Paar, erwecken und Klaus und Helene einen energisch aktiven Eindruck. 
Aber nichts wie es scheint und gar nichts scheint so wie es ist. Während eines Segelausflugs eskaliert die Situation zwischen Helmut und Klaus.

Meine Meinung: 
Das waren 150 Seiten feinster Literatur, die in den Himmel gelobt wurde. Leider kann und will ich mich da nicht einordnen und das nicht wegen der Geschichte an sich, denn die war an sich nicht uninteressant. Zwei schon länger verheiratete Paare treffen sich zufällig im Urlaub. Dann übernimmt einer der 4 komplett die Führung und die restlichen ordnen sich komplett unter. Vor allem Helmut kann dem angeblichen Jugendfreund keinen Konter geben. Er verstellt sich bis ins nicht mehr wiedererkennbare. Damit steht und fällt für mich die Erzählung. Ich bin nicht so blauäugig zu glauben, dass wir uns alle immer so geben, wie wir tatsächlich sind. Aber die komplette Selbstaufgabe kommt für mich niemals in Frage. 
Zusätzlich zur sehr verwirrenden Geschichte kommt auch noch der Erzählstil und damit einhergehend die Form. Es gibt kaum Absätze, es ist ungemein schwer dem Inhalt ganz genau zu folgen. Mir fehlen einfach die "Anführungszeichen", Punkte und Striche. Oftmals musste ich ganze Seiten zweimal lesen, um überhaupt herausfinden, was genau passiert ist.
Das verleidet mir den Lesespaß ungemein. 

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