Alexander, der Ich-Erzähler dieses Buches, erzählt rückblickend aus der Sicht als 50Jähriger seine Lebensgeschichte. Aufgewachsen in der niederländischen Provinz, als Sohn eines Lumpenhändlers ständig ermahnt und angehalten zum Sparen, gelingt es ihm trotz aller widrigen Umstände, seine stetig größer werdende Liebe zur Musik zu bewahren und auszuleben. Als er mit zwölf Jahren Zeuge eines Mordes wird, begleitet ihn die Angst vor dem Mörder die ganzen nächsten Jahre hindurch. Zuflucht und Trost findet er allein in der Musik, seine Ängste teilt er mit niemandem. Immer wieder erhält er zufällig und unbeabsichtigt Hinweise und Informationen über eventuelle Hintergründe und Motive dieser Tat, denen er versucht weiter nachzugehen. Und ohne dass es ihm allzu bewusst wird, wird durch diesen Mord dessen Zeuge er war und den sich daraus ergebenden Geschehnissen, sein weiteres Leben maßgeblich bestimmt. Auch wenn der Mord in gewisser Weise die einschneidende Handlung in diesem Buch ist, handelt sich dennoch nicht um einen Kriminalroman herkömmlicher Art. Zwar ist der Tod des Ortspolizisten Vroombout Dreh- und Angelpunkt des Romans, doch Mittelpunkt ist das eigene Erleben der Jugend, des Erwachsenwerdens der Hauptperson Alexander. Der Tonfall ist melancholisch, man spürt die Unsicherheit, die Angst vor dem großen Unbekannten, der ihn anstelle von Gott töten will. Und immer ist die Musik eine Art Rettungsanker, dies zieht sich durch das ganze Buch hindurch. Das Umfeld in Hoofd, der Kleinstadt, in der er lebte, die Enge, die Spießigkeit, die Einfalt - all das wird spöttisch, aber liebevoll beschrieben. Und dem Autor gelingt es zudem, auch komische Aspekte einfließen zu lassen. Beispielsweise die Beschreibung der Eltern, die am Ende des Krieges kostengünstig zwei Särge erstehen konnten und jetzt bedauern, dass sie nicht auch einen Kindersarg dazu bekamen. ,Dann hätte man ja schon mal einen parat.' Ein wirklich durch und durch lesenswertes Buch: spannend, traurig, anrührend, komisch, manchmal auch philosophisch.
Maarten 't Hart
Lebenslauf
Einer der beliebtesten Autoren der Niederlande: Maarten´t Hart, geboren am 25. November 1944 in Maassluis, ist ein niederländischer Schriftsteller. Er studierte Biologie an der Universität Leiden, mit dem Schwerpunkt Verhaltensforschung. Nach seinem Abschluss arbeitete er als Dozent für Verhaltensbiologie.
1971 gab er dann sein Debüt als Schriftsteller mit seinem Roman „Stenen voor een ransuil“. Hierfür erhielt er den Multatuli-Literaturpreis. Außerdem wurden einige seiner folgenden Romane erfolgreich verfilmt. So unter anderem „Ein Schwarm Regenbrachvögel“. Heute gehört Hart zu dem beliebtesten Autoren der Niederlande.
Durch Übersetzungen gelang es ihm auch international bekannt zu werden. Für seine Werke erhielt Hart mehrere Auszeichnungen, unter anderem den Schwedischen Krimipreis. Anlässlich seines 70. Geburtstags wurde sogar ein autobiografischer Roman über ihn veröffentlicht.
Alle Bücher von Maarten 't Hart
Das Wüten der ganzen Welt
Die Netzflickerin
Die Sonnenuhr
Die schwarzen Vögel
Der Schneeflockenbaum
Gott fährt Fahrrad
In unnütz toller Wut
Die Jakobsleiter
Neue Rezensionen zu Maarten 't Hart
Ein autobiographischer Roman, der Kindheit und Jugend im calvinistischen Heimatdorf des bekannten niederländischen Autors thematisiert. Titelgebend ist der Drachen, den Vater und Sohn aus Packpapier basteln und gemeinsam zum Fliegen bringen. Die Arbeit des Vaters als Grabmacher (Totengräber) auf dem evangelischen Friedhof bestimmt das Alltagsleben der Familie. Der bildungshungrige Sohn, der sich bevorzugt mit Büchern beschäftigt, wird dagegen kritisch beäugt.
Als Rahmenhandlung dient neben dem Flieger der Arbeitsauftrag, den katholischen Friedhof umzubetten, eine Aufgabe, die der Grabmacher nur mit technischen Hilfsmitteln übernehmen möchte. Ein theologisches Problem des Arbeitskollegen Reginus hat dessen Ausschluss aus der Kirchengemeinde zur Folge. Die Machtausübung der Kirchenfunktionäre, die Unversöhnlichkeit der theologischen Varianten und die persönlich dramatischen Folgen nimmt Maarten ´t Hart in den Blick. Dabei erzählt er so bildreich und pointiert, dass das Dorf, der Friedhof und der Flieger lebhaft vor Augen erscheinen. Der Sohn des Totengräbers wächst unterdessen heran, erfährt erste Verliebtheit und die Unerreichbarkeit des begehrten Mädchens.
Erst im Epilog werden viele Zusammenhänge eingeordnet und die besondere Tragik der Lebensgeschichten wird deutlich.
Erzählerisch ist „Der Flieger“ sehr gelungen, das Hörbuch ist wunderbar eingesprochen. Uneingeschränkt zu empfehlen ist die Lektüre jedoch nur Menschen, die sich über weite Strecken mit theologischen Grundsatzfragen beschäftigen möchten, da diese Thematik sehr dominierend ist.
Von mir gibt es fünf Sterne.
Die schwarzen Vögel handelt von Thomas, einem Pharmakologen eines Tierforschungslabors, der durch den unerfüllten Kinderwunsch seiner Frau zunehmend unter Druck gerät. Er flüchtet sich in eine angehende Affäre mit Jenny, die nach einem Treffen mit ihm spurlos verschwindet. Thomas gerät daraufhin unter Mordverdacht und seine Ehefrau begibt sich mit auf Spurensuche.
Zum einen entwickelt der Krimi eine gewisse Spannung, zum anderen nimmt auch das Beziehungsdrama zwischen Thomas und seiner Frau eine gewisse Dramaturgie an. Die Dialoge wirken jedoch sehr konstruiert, obwohl die Handlung spannend bleibt.
Vor allem Liebhaber der klassischen Musik kommen durch verschiedene Anspielungen auf Verdi und Schumann auf ihre Kosten.
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Maarten 't Hart wurde am 25. November 1944 in Maassluis (Niederlande) geboren.
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