Maaza Mengiste Unter den Augen des Löwen

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Inhaltsangabe zu „Unter den Augen des Löwen“ von Maaza Mengiste

'Unter den Augen des Löwen' erzählt am Beispiel einer Familie die blutigen Umbrüche im Äthiopien der 1970er Jahre. Während furchtbare Hungersnöte den Norden des Landes heimsuchen, wächst in der Landeshauptstadt Addis Abeba der Widerstand gegen den alten Kaiser Haile Selassie. Dawit, der Sohn des bekannten Arztes Hailu, schließt sich gegen den Willen des Vaters einer revolutionären Studentengruppe an. Als der Kaiser 1974 tatsächlich gestürzt und die jahrhundertealte Monarchie gewaltsam abgeschafft wird, kommt eine kommunistische Gruppierung an die Macht, die das Land in einen verheerenden Bürgerkrieg führt. In den Kriegswirren gerät Hailu in Schwierigkeiten, als ein Folteropfer unter seiner Hand verstirbt, das der politischen Führung noch wertvolle Informationen hätte preisgeben sollen. Dawit geht erneut in den Untergrund. Inzwischen ist sein enger Kindheitsfreund Mickey zu einem hochrangigen Polizisten aufgestiegen. Familienbande und Freundschaften sehen sich brutalen Prüfungen ausgesetzt.

Die Lektüre von "Unter den Augen des Löwen" ist sehr intensiv, ein Buch, das man so schnell nicht vergisst.

— Jari
Jari

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  • Maaza Mengiste - Unter den Augen des Löwen

    Unter den Augen des Löwen
    Jari

    Jari

    01. August 2017 um 17:20

    Auf dieses Buch wurde ich durch die Liste "Every Country's Favourite Book" aufmerksam. Der Name spricht für sich, jedoch geht es in der Liste um Bücher, die auch für das jeweilige Land repräsentativ ist. Für Äthiopien ist es Maaza Mengiste mit ihrem Werk "Unter den Augen des Löwen". Die Geschichte spielt im Jahre 1974 - ein wichtiges Datum für Äthiopien, denn der Kaiser wird entmachtet und dafür kommt der Kommunismus ins Land. Eine Militärdiktatur entsteht. Man muss sich nicht mit der Geschichte Äthiopiens auskennen, um sofort zu merken, dass dieses Buch keine Zuckerwatten-Geschichte beinhaltet. Von Zuckerwatte sind wir meilenweit entfernt. Mengiste verarbeitet die Geschichte ihres Landes in literarischer Form, rund um die tatsächlichen Ereignisse des Jahres 1974 entspinnt sie die Erlebnisse des Arztes Hailu und seiner Familie. Dabei geht jeder ganz anders mit der Situation um, was dazu führt, dass die Familie beinahe zerbricht. Die Lektüre von "Unter den Augen des Löwen" ist sehr intensiv, ein Buch, das man so schnell nicht vergisst. Die Autorin schönt nichts und schildert die Begebenheiten klar und offensichtlich. In ihr Gesellschaftsportrait webt sie mit gutem Fingerspitzengefühl die Geschichten ihrer Figuren ein. Das Thema Familie ist wichtig, denn eine Gesellschaft besteht immer aus den Menschen, die die Gemeinschaft bilden. Mengiste schafft es zum Glück, dies alles ohne übertriebene Dramatik zu erzählen. Diese Gefahr besteht bei solchen Büchern und mir gefällt dieses Dramatisieren überhaupt nicht. Doch in diesem Buch hält die Autorin einen gewissen Abstand zum Geschilderten, obwohl sie genau zu wissen scheint, wie sie das Innenleben aller Figuren schildern muss. Doch ist es genau dieser Abstand, der dem Buch unheimlich gut tut und es zu einem für Männer und Frauen lesbaren Werk macht. Wird eine derart emotional aufgeladene Geschichte noch emotionaler erzählt, bedient man sich einer grossen, aber dennoch geschlossenen Leserschaft. "Unter den Augen des Löwen" jedoch ist breit zu empfehlen, für alle, die sich für Schicksale, Geschichte und Politik interessieren.

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  • Rezension zu "Unter den Augen des Löwen" von Maaza Mengiste

    Unter den Augen des Löwen
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    05. February 2013 um 12:01

    Die Familie des angesehenen Arztes Hailu erfährt - wie viele andere Landesbewohner auch - durch die Medien, dass der Nordteil des Landes unter fatalen Hungersnöten leidet. In den Augen vieler Äthiopier unternimmt der Staat bei weitem nicht genug, um den betroffenen Landesteilen zu helfen. Zu den scharfen Kritikern gehört auch Hailus jüngerer Sohn Dawit. Der Kaiser persönlich wird besonders von den Studenten für die Misere verantwortlich gemacht. Das ist eine ungewöhnliche Angriffslust, denn die uralte Herrscherfamilie wird vielfach als unantastbar betrachtet. Die jungen Kritiker leisten mit ihrem Ansinnen gute Unterstützung für eine Ablösung, doch nicht wissend, dass die Revolutionäre ganz andere Pläne mit dem Land haben. Nach der idealistischen Unterstützung der Revolution kommt ein böses Erwachen, denn die neuen Herrscher regieren skrupellos, folgen willkürlichen Regeln und lassen echte und eingebildete Gegner bevorzugt foltern und ermorden. Hailus Sohn Dawit wird aktiv gegen den so genannten Derg, wie sich die neuen Machthaber nennen. Ihm zur Seite stehen viele andere Studenten. Die Familie selbst versucht ansonsten Ruhe zu bewahren und sich in der neuen Situation zurecht zu finden. Das klappt solange, bis Hailu ein Folteropfer retten soll und er trotz positiver Aussichten plötzlich dessen Tod melden muss. Hailu wird verhaftet und bleibt wochenlang mit ungewissem Ausgang im Gefängnis. Sein Grundstück wird wie so viele andere verstaatlich und unter Aufsicht gestellt. Dawit kämpft hartnäckig im Untergrund weiter und findet unerwartet sogar Unterstützung durch seine Familie. Er entwickelt sich zu einer wichtigen Figur im Widerstand. Wie die Autorin selbst schreibt, greift sie für ihre Erzählungen unter anderem auf die Erlebnisse ihrer eigenen Familie zurück. Es ist bewundernswert, mit welcher Offenheit die Familienmitglieder ihre Geschichten erzählt haben. Angesichts der massiven Grausamkeiten und der unglaublichen Willkür, unter denen die Äthiopier seinerzeit zu leiden hatten, ist das keine Selbstverständlichkeit. Manchmal wirken die Schilderungen so intensiv, dass das Lesen zu schmerzen scheint. Schiere Angst setzt die bestürzende Serie sinnloser Gewalt fort, wenn Nachbarn denunziert werden, um sich selbst in Sicherheit zu wiegen. Eine trügerische Sicherheit, die nicht einmal die Tochter des gefürchteten Colonel schützen wird. Die Geschichte von Hailus Familie verbindet viele Facetten dieser Ära miteinander. Neben dem familiären Leid, dem sich die Einwohner von Addis Abbeba ausgesetzt sehen, wirken die alltäglichen Herausforderungen geradezu schlicht. Regelmäßige Teilnahme an Sitzungen im Wohnqaurtier, knappe Lebensmittelrationen. Der Derg setzt immer mehr und immer drastischere Mittel ein, um die Bevölkerung unter Druck zu setzen und zu Gehorsam zu zwingen. Selbst Kindern werden von Folter nicht verschont und es geht an die Nieren, wenn deren Leichen auf den Straßen gefunden werden oder ihre Stunden im Folterkeller geschildert werden. Bei mir kam eine beunruhigende Mischung aus hierzulande nahezu unbekannter Zeitgeschichte auf und der immer wiederkehrenden Verwunderung darüber, wie weit eine Regierung gehen kann. Aus diesem Grund ist das Buch trotz vielern bedrückender und beängstigender Szenen auch eine doppelte Leseempfehlung.

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