Madarejúwa Tenharim

 5 Sterne bei 6 Bewertungen

Lebenslauf von Madarejúwa Tenharim

Ein Krieger, der für den Erhalt seines Volkes kämpft: Madarejúwa Tenharim lebt im brasilianischen Regenwald. Sein Volk, die Tenharim, ist von 10.000 auf nur noch 900 Menschen geschrumpft. Genauso wie sein Volk ist auch sein Lebensraum bedroht. Der 1996 geborene Madarejúwa lädt den Leser in seinem Buch, das er gemeinsam mit dem deutschen Journalisten und Schriftsteller Thomas Fischermann veröffentlicht, zu einer Begegnung mit seiner Heimat ein. Madarejúwa und Fischermann zeigen die Schönheit des Amazonaswaldes, erinnern aber auch an die Zerstörung, die ihm droht und an die Auswirkungen, die diese für uns alle hat. Madarejúwa ist bereit, sein Leben zu riskieren, um sein Volk zu retten.

Alle Bücher von Madarejúwa Tenharim

Cover des Buches Der letzte Herr des Waldes (ISBN: 9783406721533)

Der letzte Herr des Waldes

 (5)
Erschienen am 25.05.2018

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Rezension zu "Der letzte Herr des Waldes" von Madarejúwa Tenharim

Ein eindringlicher Appell
Igelmanu66vor 6 Monaten

»Ich sehe schon, es gefällt dir nicht, einen Affen zu essen. Was wäre dir lieber gewesen – ein Wildschwein zu schießen? Doch es ist nicht richtig, ein Wildschwein zu töten oder ein anderes großes Tier. Hier gibt es doch nur uns. Wir sind eine kleine Jagdgruppe, und von einer großen Beute bleiben Reste übrig. Es ist falsch, ein Tier zu töten, wenn wir es nicht ganz essen können.«


Der junge Krieger Madarejúwa vom Volk der Tenharim lebt noch ganz im Einklang mit der Natur. Er ist erst 19 Jahre alt, aber ein Meister des Überlebens. Und ein Krieger, der bereit ist, für sein bedrohtes Volk zu kämpfen, es mit seinem Leben zu verteidigen.

Thomas Fischermann lebt seit 2013 in Rio de Janeiro und war im Auftrag des ZEIT Magazins unterwegs, um über Zusammenstöße zwischen Holzfällerbanden und Amazonasvölkern zu berichten. Dabei lernte er die Tenharim kennen und durfte Madarejúwa begleiten: Auf die Jagd, zu Exkursionen in alte Dörfer und zu jenen Gegenden des Waldes, die die Tenharim als den Ursprung ihrer Welt ansehen. Dieses Buch ist das Resultat vierjähriger Recherche, vieler und regelmäßiger Reisen durch das Amazonasgebiet und vieler hundert Stunden Gespräche mit Madarejúwa, seinen Häuptlingen und den Alten seines Volkes.


Dieses Buch hat mich von der ersten Seite an fasziniert. Es ist eine völlig fremde Welt, in die ich beim Lesen eintauchen konnte. Ich habe Dinge erfahren, die ich hochinteressant fand, die mich gleichzeitig nachdenklich stimmten und manchmal erschütterten.


Schon die Art des Berichts ist interessant. Meist erzählt Madarejúwa, ein paar Kapitel steuert Thomas Fischermann bei. Dazwischen gibt es einige Geschichten der Tenharim. Mit Hilfe dieser Geschichten geben die Tenharim alte Weisheiten von Generation zu Generation weiter. Sie erzählen sie immer wieder, damit sie nicht in Vergessenheit geraten und stetig aufgefrischt werden. Im Kern geht es dabei um den Umgang mit der Natur, wie man in ihr und mit ihr lebt, sie gleichzeitig nutzt und bewahrt. Man merkt sofort: Obwohl die Tenharim regelmäßig auf die Jagd gehen, würde durch sie keine Tierart bedroht werden. Im Buch wird das sehr treffend als „Gebrauchsanweisung für den Regenwald“ bezeichnet.


Madarejúwa hat eine einfache und direkte Art zu erzählen. Sein Volk gehört nicht zu den „unkontaktierten“, die es immer noch gibt und zu denen auch eine Gruppe der Tenharim gehört. Madarejúwa kennt zwei Welten. Er weiß um die Existenz von Facebook und Internet, er besitzt ein Handy und einen Motorroller und er schaut mit Interesse fern, um sich die Welt „da draußen“ anzusehen. Ich hatte den Eindruck, dass er ein sehr intelligenter junger Mann ist, der versucht, sich mit seiner Lebenssituation zu arrangieren und das Beste aus allen Gegebenheiten zu machen. Nur hat halt alles seine Grenzen.

Die heimische Natur verleiht ihm seine Identität, seine Kultur ist ihm wichtiger als die der Weißen. Von denen er sein Volk bedroht sieht.


In eindringlichen Worten berichtet er über die Zerstörung seines Lebensraums. Über die Weißen, die »eine Straße durch unser Land gebaut haben, über die Gräber unserer Toten hinweg. Jetzt dringen sie wieder ein und fällen die Bäume. Sie quälen die Tiere und schürfen im Boden nach Metall.« Er erzählt von zerstörten Dörfern, von eingeschleppten Krankheiten, an denen viele Mitglieder seines Volkes starben. Sein Volk umfasste einmal mehr als 10.000 Menschen, von denen nur noch knapp ein Zehntel übriggeblieben ist. Seine Erzählung ist natürlich subjektiv, zudem ist er noch jung und vieles hat er nicht selber erlebt, sondern weiß es zum Beispiel aus den Erinnerungen seines Großvaters. Thomas Fischermann sprach daher auch mit der Gegenseite, also beispielsweise den Holzfällern und fand leider die Bedrohung der Tenharim und der sie umgebenden Natur bestätigt. Und er fasst es mit den einfachen Worten zusammen: »Wenn dieses Stück Natur stirbt, sterben auch die Tenharim.«


Die Berichte werden ergänzt durch einen Mittelteil mit Farbfotos und einige informative Karten. So wird dieses Buch zu einem eindringlichen Appell. Die Natur im Amazonasgebiet ist wunderschön und faszinierend. Ganz dringend muss sie bewahrt werden, zumal in Zeiten des Klimawandels die Existenz großer Waldgebiete nicht nur für die dort lebenden Völker, sondern für die ganze Menschheit eine Überlebensfrage ist. Und die Kultur der Tenharim ist eine höchst wertvolle, von der wir einiges lernen könnten.


Fazit: Ein eindringlicher Appell: Die Natur im Amazonasgebiet muss erhalten werden!


»Dieses Buch ist Madarejúwas Geschichte: die Erfahrungen eines jungen Mannes, der in eine jahrtausendealte Kultur hineingeboren wurde – um beim Heranwachsen festzustellen, dass ihr entscheidender Überlebenskampf begonnen hat.«

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Rezension zu "Der letzte Herr des Waldes" von Madarejúwa Tenharim

Einer der letzten Krieger aus dem Amazonaswald erzählt seine Geschichte
Seehase1977vor 2 Jahren

„Wenn der Wald stirbt, stirbt auch das Volk“

Auf einer seiner Expeditionen ins Amazonasgebiet begegnet der ZEIT-Journalist Thomas Fischermann zum ersten Mal dem jungen Krieger Madarejúwa Tenharim und seinem Volk, das einstmals mehr als 10000 Menschen umfasste und nun auf dramatische knapp 1000 Ureinwohner geschrumpft ist. In diesem Buch erzählt der stolze junge Mann nicht nur seine Geschichte, sondern auch die einer zerstörten und sterbenden Natur…

Meine Meinung:
Durch die Medien bin ich auf das Buch „Der letzte Herr des Waldes“ von Thomas Fischermann und Madarejúwa Tenharim aufmerksam geworden. Fischermann ist Redakteur der ZEIT, lebt seit 2013 abwechselnd in Hamburg und Rio de Janeiro und ist dem jungen Krieger auf einer seiner Expeditionen in den Amazonas zum ersten Mal begegnet. Zusammen haben sie dieses wichtige und aufklärende Buch geschrieben.


Fischermann hat seine zahlreichen Gespräche mit dem Krieger und seinem Volk aufgezeichnet und niedergeschrieben. Erzählt wird das Buch allerdings aus der Sicht von Madarejúwa und wird in der, hier durchaus erst einmal gewöhnungsbedürftigen, Ich-Form erzählt.

Das Leben Madarejúwas wird erläutert und beschrieben. Man erfährt von der Jagd auf Wildschweine, von gegrillten Affen und meterlangen Anakondas, von Streifzügen durch den Urwald, vom Fährten lesen, vom Wandern auf uralten Pfaden und von mystischen Stätten und überlieferten Ritualen.

Die Erzählungen und Erfahrungen des jungen Mannes machen deutlich, wie bedeutsam der Wald für Madarejúwa und sein Volk ist. Der Wald bedeutet Nahrung, Heimat und vor allem Identität. Obwohl viele der Ureinwohner mittlerweile mit Handys, Internet und Co. vertraut sind, der Wald, seine Pflanzen und die dort lebenden Tiere werden dem Krieger und seinem Volk immer mehr bedeuten, denn darin liegt ihre Existenz.

Doch ihr Lebensraum verschwindet rapide, zerstört und bedroht durch den Weißen Mann, der durch massive Baumrodungen schon eine unvorstellbar große Fläche des kostbaren Waldes vernichtet hat. Gründe für die Abholzung sind der Flächenbedarf für Viehzucht und Sojaanbau, viele Tropenbäume werden illegal gefällt, das Holz gewinnbringend verkauft. Hilfe von der brasilianischen Regierung erhalten die Urweinwohner kaum.

„Wenn die Zerstörung des Regenwaldes in diesem Tempo weiter geht, dann wäre das Reservat, in dem die Tenharim leben, in zehn bis 15 Jahren komplett abgeholzt. Das Schutzgebiet ist in etwa so groß wie Schleswig-Holstein“ (Quelle: www.dw.com)

Mein Fazit:
Das Buch „Der letzte Herr des Waldes“, welches die Geschichte und das Leben vom jungen Krieger Madarejúwa Tenharim und seinem Volk erzählt, beleuchtet zudem aber auch eine erschreckende Wahrheit. Der für die Welt und das Klima so wichtige Amazonas-Regenwald stirbt und mit ihm nicht nur eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt sondern auch die Existenz indigener Völker. Einmal mehr fällt eine unverwechselbare Oase des Lebens der Hab- und Profitgier des Menschen zum Opfer. Ein wichtiges, einmaliges und bedeutsames Buch, das eine absolute Leseempfehlung verdient!

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