Madeleine K. Albright Winter in Prag

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Inhaltsangabe zu „Winter in Prag“ von Madeleine K. Albright

Die amerikanische Lieblingspolitikerin der Deutschen

Madeleine Albright, ehemalige Außenministerin der USA und eine der angesehensten Politikerinnen unserer Zeit, wurde als Madlenka Korbelová in Prag geboren. In ihrem neuen, sehr persönlichen Buch wendet sie sich einem bislang wenig bekannten Kapitel ihres Lebens zu: ihrer Kindheit im Krieg. In Winter in Prag setzt sich Albright, die erst im Jahr 1996 erfuhr, dass ihre Großeltern in Auschwitz ermordet wurden, erstmals intensiv mit ihrer jüdisch-tschechischen Herkunft sowie dem Schicksal ihrer Familie auseinander.

Ein beachtliches Zeitdokument aus der Feder der ehemaligen US-Außenministerin - lesenswert

— Bellis-Perennis

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    Winter in Prag

    Bellis-Perennis

    17. August 2016 um 16:42

    Das Buch der ehemaligen amerikanischen Außenministerin Madeleine Korbel Albright ist nicht als Autobiographie zu verstehen. Derjenige, der den deutschen Untertitel zu „Winter in Prag – Erinnerungen an meine Kindheit im Krieg“ erfunden hat, hat das Buch vermutlich nicht oder nur sehr oberflächlich gelesen. Um wessen Biographie geht es dann? Es geht im Wesentlichen um Albrights Herkunftsfamilie, allesamt Tschechen, die angesichts der Nazis aus ihrer Heimat geflohen sind. Madeleine als Madlenka Koerbelova 1937 in Prag geboren weiß bis 1996 nichts von der jüdischen Herkunft ihrer Familie. Erst jetzt beginnt sie sich damit zu beschäftigen und schließt die Suche nach ihren Wurzeln mit vorliegendem Buch ab. Das Buch ist ein hervorragendes, zeitgeschichtliches Dokument das die NS-Zeit ab der Machtübernahme Hitlers, dessen Übergriffe auf die Nachbarstaaten, den Krieg, die Shoah und die unrühmliche Rolle sowohl der westlichen als auch der östlichen Staatschef beleuchtet. Rechtzeitig vor der Okkupation der Tschechoslowakei durch Hitlers Truppen gelingt es dem Regierungschef Edvard Beneš und einigen Getreuen, zu denen auch Madeleines Vater zählt, die Ausreise ins Exil nach England. Doch im Gegensatz zu anderen Exilregierungen wird Beneš die Anerkennung lange verweigert, obwohl er – durch geheime Nachrichtendienste in der Ex-Heimat – bestens informiert ist und diese auch an die britische Regierung weitergibt. Erst als es beinahe zu spät ist und hunderttausende Tote zu beklagen sind, wird man auf Beneš hören. Täter und Opfer kommen zu Wort. Viele Aussagen sind natürlich subjektiv, doch vieles wird durch Fotos und Dokumente untermauert. Auszüge aus Telefon- und Sitzungsprotokollen belegen wie Chamberlain und Co. auf den Blender Hitler hereingefallen ist. Die nunmehr im „Protektorat Böhmen und Mähren“ lebenden Tschechen mussten unter Heydrichs „Heim in Reich“-Politik für die Sudetendeutschen eine große Leidenszeit hinnehmen. Der Widerstand formiert sich und tötet Heydrich. Das System übt grausame Rache und zieht die, gerade unabhängig gewordenen Slowaken in den Strudel der Vernichtung mit hinein. Nach dem Zweiten Weltkrieg wird die Tschechoslowakei wieder hergestellt und bleibt unter dem Einfluss der Sowjetunion. Die Spirale der ethnischen Säuberungen beginnt sich erneut zu drehen. Alle Deutschen, mit Ausnahme jener, die aktiv am Widerstand gegen Nazi-Deutschland teilgenommen haben und dies auch beweisen können, werden enteignet und des Landes verwiesen. Tausende Sudetendeutsche, Deutschmährer, Deutschböhmen und Schlesier sterben an Entkräftung („Brünner Todesmarsch“). Diese Anordnungen gehen als „Beneš-Dekrete“ in die Geschichte ein. Man nimmt diese Vertreibung auch zum Anlass, sich sonstiger missliebiger Personen zu entledigen. Die Autorin verschweigt diese Verbrechen nicht. Diesmal hat sich auch Beneš verkalkuliert – Stalin hat sein Versprechen nicht eingehalten. Gemeinsam mit seinem Außenminister Jan Masaryk, der bereits der Exilregierung angehörte, versucht er zu retten, was zu retten ist – vergebens. Der kommunistische Putsch lässt sich nicht mehr verhindern. Masaryk wird im 1948 unter bis heute nicht geklärten Umständen tot aufgefunden. Ein Mord des Sowjetischen Geheimdienstes gilt als wahrscheinlich. Der Familie Korbel gelingt 1948 abermals die Flucht und erhält 1949 Asyl in den USA. Albright schreibt, dass Jahreszahlen, die mit einer „8“ enden, für ihre alte Heimat immer von Bedeutung waren: • 1348 Gründung der Karls-Universität • 1618 Prager Fenstersturz • 1848 Pansalwischer Kongress • 1918 Gründung der Tschechoslowakischen Republik • 1938 Münchener Konferenz • 1948 Ende der Demokratie in der Tschechoslowakei • 1968 Prager Frühling Am Ende zitiert Albright den Dissidenten, Schriftsteller und späteren Staatspräsidenten Vaclav Havel, der erklärt, in Zeiten der Unterdrückung gäbe es zwei Möglichkeiten: abwarten oder aktiv werden und handeln. Aber wer abwartet, hofft in der Regel vergebens. 1989 ist es dann endlich soweit: die „Samtene Revolution“ bringt der Tschechoslowakei endlich die Distanz zum Kommunismus und mündet letztlich in der friedlichen Trennung des 1918 willkürlich geschaffenen Staates in „Tschechien“ und „Slowakei“. Fazit: Ein empfehlenswertes Buch, das ausgehend von der Spurensuche nach der Familie Korbel, die Geschichte der Tschechoslowakei erzählt und auch vor unangenehmen Tatsachen nicht zurückschreckt. Wer allerdings mehr über die erste Außenministerin der USA lesen möchte, dem sei ihre Autobiographie aus dem Jahr 2004 „Madam Secretary“ empfohlen.

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