Magdalena Felixa Die Fremde

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Inhaltsangabe zu „Die Fremde“ von Magdalena Felixa

Das Leben im Dickicht der Großstadt§§Selena hat viele Namen, nennt sich Hanna, Mimi oder Alice, je nach Belieben. Doch sie alle entspringen nur ihrer Phantasie, denn sie ist auf der Flucht, sucht das Glück in der Fremde. Ihre Heimat liegt weit entfernt irgendwo im Osten. In Berlin lebt sie illegal, ohne Adresse und meist auch ohne Geld. Menschen sind nur Stationen auf ihrer rastlosen Reise. Schlaglichtartig erzählt sie von den Außenseitern und Randexistenzen der Großstadt. So wird sie zum Seismographen des Lebens in einer hysterischen Welt, erschafft Bilder von eindringlicher und entlarvender Schärfe.

Eine ungewöhnlich scharfsinnige Sicht auf Deutschland aus der Perspektive einer illegalen Einwanderin, die nur überlebt, indem sie ständig ihre Identität wechselt.

— Buecherstapel

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  • Rezension zu "Die Fremde" von Magdalena Felixa

    Die Fremde

    Dilbertine

    23. August 2009 um 10:32

    „Die Dunkelheit gibt mir Geborgenheit, sie ist meine Verbündete, sie versteckt mich vor Unheil. Sie wird die Zeit eine Weile aufhalten und sie daran hindern, meine Spur aufzunehmen, falls ich im nächsten Augenblick fliehen muß. Ich habe keine Papiere. Ich lebe hier illegal.“ ***************** Das Hamburger Weltwirtschaftsinstitut hat errechnet, dass 2,8 bis sechs Millionen Menschen ohne regulären Aufenthaltsstatus in der EU leben. Für Berlin wird der Anteil auf 100. 000 bis 250. 000 geschätzt. Eine dieser Illegalen in Berlin, die politisch korrekt „irreguläre Migranten“ heißen, ist die Protagonistin des Romans „Die Fremde“. Die fremde „Ich-Erzählerin“ ist eine Heimatlose, die irgendwo aus dem Osten stammt, ursprünglich nach Berlin kam um Medizin zu studieren, die viele verschiedene Namen benutzt, ihr Zuhause schon vor langer Zeit mit dem Tod der Eltern verloren hat und vielleicht auf der Suche nach einem neuen ist, so genau weiß sie das allerdings selber noch nicht. **************** „Ich habe keinen Namen, gab mir selber viele, ich besitze nichts, habe nicht einmal Schulden. Ich habe mein Leben in Kartons gepackt. Fünf Schachteln.“ **************** Berlin ist eine Stadt, die sich gern von ihrer sonnigen Seite auf Hochglanzprospekten darstellt und mit ihrem Multikulti Charakter prahlt. Die schattige Seite dieser Stadt, die den Touristen jedoch meist verborgen bleibt, absorbiert die irregulären Migranten, die tagtäglich um ihre Existenz kämpfen. Der Roman greift die Lebenssituation von Illegalen in Berlin auf. Die Schattenfrau wechselt häufig die Wohnung, lebt in Untermietverhältnissen, in Wohnungen von Freunden und Bekannten, in einer maroden, ungeheizten Sargfabrik, schläft gelegentlich schon mal im beheizten Wartesaal eines Bahnhofs. Ihre Tage und Nächte im Dickicht der Großstadt sind von Angst, Unsicherheit und einer großen Portion Misstrauen und Frucht vor staatlichen Ermittlungsbehörden gekennzeichnet. So häufig, wie sie ihre Domizile wechselt, wechselt sie auch ihre Jobs. Sie arbeitet u.a als Übersetzerin für ein Heiratsvermittlungsbüro, das sich auf die Vermittlung von osteuropäische Frauen spezialisiert hat, als Dealerin, als Krankenpflegerin, als Barpianistin in dunklen Hotellobbys, als Poldancerin in einer verranzten Bar, als Küchenhelferin in einem Kloster. Gegen Betrug und Unterbezahlung ist sie schutzlos, die Angst vor der Entdeckung des fehlenden Aufenthaltsrechts macht sie gegenüber ihren Arbeitgebern erpressbar. Einer ihrer windigen Bosse, macht krumme Geschäfte mit der russischen Mafia und plötzlich ist sie nicht nur auf der Flucht vor Ermittlungsbehörden sondern auch vor Gangstern. Auf ihrer Jagd durch die Großstadt nutzt sie ihr bereits vorhandenes Netzwerk, lernt aber immer weiter neue obskure Gestalten und Persönlichkeiten kennen, die zum Teil am Rande der Gesellschaft leben. Die Figuren werden warmherzig, schillernd und witzig portraitiert. Der Leser lernt u.a. einen ehemaligen Jazzmusiker aus Afghanistan, der sich in Berlin seinen Lebensunterhalt mit Taxifahren verdient; einen russischen in die Jahre gekommenen, angeblich vom Zaren abstammenden, Gigolo, der die Herzen von älteren und betuchten Damen beglückt; einen tuntigen Contertenor aus Rumänien, eine junge Künstlerin aus der Schweiz, die von suizidalen Gedanken heimgesucht wird und Taubendreck von Denkmälern entfernt, um zu überleben und einen Popstar aus Madagaskar kennen. „Die Fremde“ hat keinen biografischen Hintergrund, wie ich zu Beginn des Buches noch annahm. Es ist eine lakonisch, selbstironisch erzählte Geschichte in vielen kleinen Kapiteln, über das Leben von Illegalen in der deutschen Hauptstadt. Lauf und Geschwindigkeit der Geschichte haben mich ein wenig an Slumdog Millionär, ein rasantes Großstadtmärchen, erinnert. An ein bis zwei Stellen des Buches war ich jedoch ein wenig ratlos und desorientiert (Der Revolutionär und die Fee Lilly Schulze), weil ich die Wendung nicht verstanden habe. Dennoch hat es meine Begeisterung für diesen sozialkritischen Debütroman kaum negativ beeinflusst. Ein tolles Buch über das Schattenreich von Berlin, über Seelen, die aus wirtschaftlichen oder politischen Gründen gezwungen sind, in diesem Reich zu existieren und die einmal in dem Netz dieser Stadt verfangen, nicht so leicht wieder aus ihm herauskommen.

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