"Ich bin des Todes, du lebst ... Schöpfe auf dieser rauen Welt in Schmerzen Atem, um meine Geschichte zu erzählen." (Hamlet, fünfter Akt, zweite Szene)
Bei "Judith und Hamnet" handelt es sich um einen Roman, der sich mit der Familie von William Shakespeare beschäftigt. Maggie O'Farrell liefert uns damit ein schmerzvolles Werk, in dem es um Liebe, Verlust und Trauer geht und das mich bis ins Mark getroffen hat.
Stratford-upon-Avon im Jahr 1596: Noch am Morgen toben die elfjährigen Zwillinge Judith und Hamnet durchs ganze Haus und über den Hof. Spielen mit den Katzen, rennen und lachen - wie es Kinder nunmal tun. Doch plötzlich sagt Judith, dass es ihr nicht gut geht. Als Hamnet einige Zeit später nach ihr schaut, bekommt er Angst und sucht wie verrückt nach seiner Familie. Doch das Haus ist leer. Oma und Schwester sind unterwegs um Besorgungen zu machen und die Mutter weilt bei den Bienen. Der Vater ist schon seit Tagen in London. Auch den Arzt kann Hamnet nicht finden. Und so wacht Hamnet am Bett seiner Schwester, bis endlich die Mutter nach Hause kommt. Ihr ist sofort klar, was Hamnet nur erahnte, die Pest an Einzug ins Haus Shakespeare gehalten und Judith liegt im Sterben. Doch Hamnet liebt seine Zwillingsschwester über alles und tauscht mit Judith den Platz, un der Hoffnung, dass der Tod sich übertölpeln lässt und ihn statt seiner Schwester mit sich nimmt.
"Woher hätten sie wissen sollen, dass Hamnet die Nadel war, die sie alle zusammenhielt? Dass sie ohne ihn alle zersplittern, zu Bruch gehen würden wie ein heruntergefallener Becher?"
Maggie O'Farrell nimmt uns mit in Shakespeares Welt und Verknüpft Historisches so gekonnt mit Fiktion, dass ich im Nachhinein nachlesen musste, was Wahrheit und was Dichtung ist. Das entpuppte sich nicht als einfach, denn vieles aus jener Zeit ist nicht klar belegt.
Das Buch ist in zwei Teile aufgeteilt. Der erste Part wechselt von dem Einzug der Pest bis zum Tode des Kindes und dem Kennenlernen von Agnes und William hin und her. Und gerade mit diesem Kennenlernenpart habe ich mich in der ersten Hälfte etwas schwer getan. Der zweite Part handelt dann nur noch von dem Verlust und der Trauer. Dieser zweite Teil ist auch der stärkere im Buch. Er lässt uns spüren, wie jeder der Familienmitglieder in seiner unsäglichen Trauer allein ist, sich in sich selbst zurückzieht und sich vor der Außenwelt verschließt. Alles, um bloß nichts zu fühlen ... den Schmerz abzustellen. Wie Schwestern, Mutter und Vater mit dem Verlust und ihrer Trauer um Hamnet umgehen. Wie sie sich zeitweise voneinander entfernen und wie man manchmal in seiner Trauer auch wieder zueinander findet.
"Judith und Hamnet" war für mich zwar kein Highlight, aber es hat viele mit mir gemacht. Auch wenn ich selbst keine Kinder habe, so konnte ich den Schmerz doch tief in mir spüren und hatte durchaus mit Tränen zu kämpfen.


















