Maggie Ritchie

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Die Geliebte des Bildhauers

Die Geliebte des Bildhauers

 (5)
Erschienen am 10.01.2017
Paris Kiss

Paris Kiss

 (0)
Erschienen am 26.02.2015

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Rezension zu "Die Geliebte des Bildhauers" von Maggie Ritchie

Pariser Künstlerszene um Auguste Rodin und Camille Claudel
Dreamworxvor 2 Jahren

Südfrankreich 1929. Die britische Künstlerin Jessie Lipscomb ist mit ihrem Ehemann nach Südfrankreich gereist, um nach fast 40 Jahren ihre alte Freundin Camille Claudel zu besuchen, die in einer psychiatrischen Anstalt in Montdevergues eingesperrt ist. Zwischen den beiden Frauen gab es einmal eine Zeit der tiefen Verbundenheit und die Liebe zur Kunst. Doch irgendwann beendete Camille die Freundschaft durch einen bösen Streit zu Jessie und diese kehrte nach England zurück. Nun will Jessie Camille noch einmal sehen und den Streit beilegen, aber ebenso möchte sie erfahren, warum Camille in dieser Heilanstalt seit vielen Jahren ihr Dasein fristen muss.

Paris 1884. Jessie Lipscomb ist eine junge englische Künstlerin, die mit ihrer Jugendliebe verlobt ist. Doch bevor sie heiratet, geht sie für einige Zeit nach Paris, um Unterrichtsstunden bei Auguste Rodin zu nehmen, dem berühmten Bildhauer. Während ihres Pariser Aufenthalts kommt sie bei der Familie Claudel unter und freundet sich mit der Tochter des Hauses, Camille an. Mit ihr teilt sie sich ein Atelier, denn auch Camille ist eine talentierte Künstlerin und wird von Rodin unterrichtet. Schon bald teilen die beiden Frauen alles zusammen, bis Jessie herausfindet, dass Camille mit dem wesentlich älteren Auguste Rodin ein Verhältnis hat. Für Camille ist es Liebe, doch Rodin lebt mit einer anderen Frau zusammen, mit der er sogar ein Kind hat. Jessie ist das Mittelstück dieser Amour fou, denn sie „steht Schmiere“, während die beiden ihre Zusammentreffen haben. Mit vielen anderen männlichen Steinmetzen und Künstlern dürfen die beiden Frauen an einem großen Auftrag Rodins mitarbeiten, dem Höllentor. Immer mehr verstrickt sich Camille in die Liebschaft mit ihrem Lehrer, während Jessie das Pariser Nachtleben und jede Menge anderer Künstler kennenlernt. Vor allem der schöne George verdreht ihr regelrecht den Kopf, und fast verliert Jessie ihr Glück und ihre vielversprechende Zukunft. Und daran ist Camille nicht unschuldig.

Maggie Ritchie hat mit ihrem Buch „Die Geliebte des Bildhauers“ einen sehr unterhaltsamen historischen Roman über die Künstlerszene rund um Auguste Rodin vorgelegt, der sowohl die Rolle der Frau in der Kunst als auch die schwierige Beziehung des Künstlers zu Camille Claudel beleuchtet. Der Schreibstil ist wunderbar flüssig, schnell taucht der Leser in die damalige Zeit ein und findet sich im alten Paris der Maler und Bildhauer wieder. Der Roman ist aufgeteilt in zwei Handlungsebenen, die erste spiegelt die Gegenwart um 1929 wieder, während die andere die Vergangenheit um 1884 erzählt. Dabei wird die Geschichte hauptsächlich aus Sicht von Jessie Lipscomb geschildert, die ihre Erlebnisse in Paris und vor allem ihre Freundschaft zur französischen Bildhauerin Camille Claudel beleuchtet. Der historische Hintergrund wurde von der Autorin hervorragend recherchiert und lässt die damalige Kunstszene von Paris regelrecht wieder lebendig werden.

Die Charaktere sind sehr detailliert und liebevoll in Szene gesetzt, so dass sie sehr authentisch und lebensecht wirken. Jessie Lipscomb ist eine junge und attraktive Frau mit künstlerischem Talent fürs Bildhauen. Jessie ist sympathisch, neugierig auf die Welt und auch noch etwas naiv, obwohl sie sich das nicht anmerken lassen will. Sie freundet sich schnell mit Camille an und lässt sich auch dazu verleiten, für diese zu Lügen oder Dinge zu vertuschen. Camille ist fast im gleichen Alter wie Jessie, sprüht voller Leben und lebt nur für ihre Kunst und für ihren Lehrer Auguste Rodin. Camille ist sehr talentiert, aber leider auch abgebrüht, eifersüchtig, missgünstig, berechnend und eingebildet. Sie wirkt in vieler Hinsicht egoistisch und man kann nur mit ihr auskommen, wenn es nach ihrer Nase geht. Sie verletzt Menschen absichtlich, um es kurze Zeit später als Witz abzutun. Camille tut nur etwas für einen Gegenwert, in der Not lässt sie ihre Freundin im Stich. Rodin wird in diesem Roman als etwas exzentrisch dargestellt, aber diese Neigung haben viele hochgelobte Künstler, die oftmals einen Hang zur Selbstverliebtheit an den Tag legen. Obwohl schon in fortgeschrittenem Alter, frönt er seiner Leidenschaft für das weibliche Geschlecht und umgarnt die Frauen mit falschen Versprechen, um sie gefügig zu bekommen. Angehenden Künstlern gegenüber gibt er sich hart und unnachgiebig, aber er ist auch ein Förderer der Talentierten. Die Nebenprotagonisten bestehen ebenfalls aus einer Vielfalt von Künstlern und ihren Musen, die mit ihren kleinen Geschichten eine bunte Mischung ergeben und den Roman zusätzlich mit Leben erfüllen.

„Die Geliebte des Bildhauers“ ist ein wunderbarer historischer Roman über die Pariser Künstlerszene um die Bildhauer Camille Claudel und Auguste Rodin. Gleichzeitig beleuchtet er auch die verhängnisvolle Beziehung der beiden und die Freundschaft zu Jessie Lipscomb. Eine absolute Leseempfehlung für einen hinreisendes Buch, das jedem Kunstliebhaber und Historienfan gefallen dürfte.

 

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