Mahi Binebine

 4,1 Sterne bei 9 Bewertungen
Autor von Die Engel von Sidi Moumen, Kannibalen und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Mahi Binebine wurde 1959 in Marrakesch geboren. Nach seinem Studium arbeitete Binebine acht Jahre lang als Mathematiklehrer in Paris. Zu dieser Zeit wurde sein Interesse an Malerei und Literatur immer größer. Mittlerweile werden Mahi Binebine international ausgestellt und seine Bücher in mehrere Sprachen übersetzt. Zusammen mit Tahar Ben Jelloun und Abdellatif Laâbi gehört Binebine zu den bekanntesten Autoren Marokkos. Zusammen mit seiner Familie lebt Mahi Binebine heute in Marrakesch.

Alle Bücher von Mahi Binebine

Cover des Buches Die Engel von Sidi Moumen (ISBN: 9783857878510)

Die Engel von Sidi Moumen

(3)
Erschienen am 18.11.2025
Cover des Buches Kannibalen (ISBN: 9783293203006)

Kannibalen

(2)
Erschienen am 21.07.2004
Cover des Buches Rue du Pardon (ISBN: 9783039250066)

Rue du Pardon

(1)
Erschienen am 06.01.2021
Cover des Buches Willkommen im Paradies (ISBN: 9783857878435)

Willkommen im Paradies

(1)
Erschienen am 04.03.2025
Cover des Buches Der Himmel gibt, der Himmel nimmt (ISBN: 9783857877933)

Der Himmel gibt, der Himmel nimmt

(1)
Erschienen am 18.01.2018
Cover des Buches Der Hofnarr (ISBN: 9783857874840)

Der Hofnarr

(0)
Erschienen am 02.05.2018
Cover des Buches Der Schlaf der Sklavin (ISBN: 9783426650325)

Der Schlaf der Sklavin

(1)
Erschienen am 01.04.1997

Neue Rezensionen zu Mahi Binebine

Cover des Buches Willkommen im Paradies (ISBN: 9783857878435)
A

Rezension zu "Willkommen im Paradies" von Mahi Binebine

Almut_Scheller_Mahmoud
Jeder Mensch ist eine Geschichte



Dieses 1999 erschienene, 2024 im Schweizer Lenos Verlag neu aufgelegte Buch des marokkanischen Schriftstellers und Malers Mahi Binebine ist aktueller denn je. Er selbst hat ein wechselvolles Schicksal. Einer seiner Brüder war unter Hassan II 18 Jahre im berüchtigten Gefängnis Tazmamart inhaftiert. Binebine studierte Mathematik und lebte als Lehrer in Paris, bis er  anfing zu schreiben und autodidaktisch zu malen. Einige seiner Bilder sind Bestandteil des Guggenheim Museums in New York. Er lebte in New York und in Madrid, kehrte erst 2002 in die Heimat zurück. 


Binebine gelingt es meisterhaft, die Lebensgeschichten, angefüllt mit Verzweiflung, Hoffnungs-losigkeit, Enttäuschung und zugleich Hoffnung der einzelnen Protagonisten, die am Strand von Tanger auf die Überfahrt nach Spanien harren, lebendig werden zu lassen. Er setzt Asûs als seinen Erzähler, seinen Dolmetscher ein. Und so bekommen die Maghrebiner Nuara und ihr Kind, Ihr Mann Sulaimân, Jûssuf und sein zwergenhafter Zwilling, Momo, Mûrad und Kâssim Dschûdi, die beiden Malier Pafadnam und Yarcé sowie die Europäer, die Schwestern Bénédicte und Odette und der Lehrer Monsieur Romanchef, ein menschliches Gesicht, denn jeder Mensch hat eine ganz eigene Geschichte, die sich zudem noch in Vorgeschichten, mit ihren sozialen, religiösen und kulturellen Strukturen verästelt. 


Das schmale Buch von Binebine könnte zum Nachdenken anregen, was denn unser Gesicht,  unsere Geschichte und Vorgeschichte wären, wenn wir unser altes Leben verlassen würden für ein neues menschenwürdiges.


Die Festung Europa ist regressiver und repressiver denn je. Rechtspopulistische Regierungen und ihre Trittbrettfahrer übernehmen das Zepter. Und die großen Worte von Menschenrechten und der Würde eines jeden einzelnen werden zu verbalen Hülsen im Einheitsbrei der Informationen. Niemand interessiert sich für die, die ihre Heimat verlassen haben, aus welchen Gründen immer: Krieg und Verfolgung, Hungersnöte, Überschwemmungen, Ausweglosigkeit im eigenen Leben. Niemand interessiert sich für die im Mare nostrum Verschollenen, Ertrunkenen. Im Mittelmeer soll es Fische geben, die besonders prall und fett seien……

Niemand sieht sie als Einzelwesen, sondern immer nur als menschliche Masse. Die Maghrebiner. Die Syrer. Die Muslime. etc. Vielleicht sind es irgendwann „Die Europäer“?



Cover des Buches Rue du Pardon (ISBN: 9783039250066)
A

Rezension zu "Rue du Pardon" von Mahi Binebine

Almut_Scheller_Mahmoud
Tanz des Lebens.

Mahi Binebine ist ein marokkanischer Maler und Schriftsteller, der mehrere Romane veröffentlicht hat , einige seiner Bilder wurden vom New Yorker Guggenheim Museum gekauft, 2009 war er auf der Biennale von Venedig vertreten. Seine Bücher wie „Die Engel von Sidi Moumen“ oder „Der Hofnarr“ sind von gesellschaftspolitischer Kritik geprägt. 


So auch sein aktuelles Buch „Rue du pardon“, dessen Narrativ den Aufstieg aus der „Gosse“, den Zusammenhalt unter Frauen und die Doppelmoral der marokkanischen Gesellschaft aufzeigt. Er verbindet das Leben zweier aussergewöhnlicher Frauen, die sich in ihren Platz an der Sonne erkämpfen und die sich ganz der Leidenschaft des Künstlertums, der Freiheit hingeben.




Ausgangsort ist eine bescheidene Gasse in einem bescheidenen Viertel von Marrakesch. 


Die Erzählerin Hayat („das Leben“) mit ihren blonden widerspenstigen Locken, die im Klatsch und Tratsch der schwarzhaarigen Nachbarschaft zu etwas Fremdartigem, Unmoralischem stilisiert wird, lebt in einer Atmosphäre der Düsternis, in der nur die Goldfäden des Gebetsteppichs blinken. Mit einer schweigenden Mutter und einem übergriffigen, missbrauchenden Vater. 


Sie entkommt dieser gewalttätigen Tristesse mit 14 Jahren und findet Unterschlupf bei einer Nachbarin, der berühmten Serghinia. Einer bauchtanzenden Künstlerin, die zu ihrer Familie, zu ihrer Freundin und zu ihrer Gönnerin wird. In ihrem „Nähstübchen“mit der schwarz-goldenen Singer-Maschine im Kreise vieler Frauen, die nähen und sticken, plaudern und tratschen, literweise Minztee trinken und sich mit Baklava füllen lernt sie das Lachen, die Zärtlichkeit, die Witze und die Verbundenheit unter Frauen kennen. Frauen verschiedenster Herkunft und unterschiedlichen Alters, in einem verbunden: ihrer Weiblichkeit in einer dominierenden Männerwelt. Man könnte dies als feministische Aussage werten. Ich sehe darin eher, Reminiszenzen an ein verblasstes Matriarchat.


Bei ihr Serghinia, die zu ihrer Mamyta wird,  lernt sie das Königreich des orientalischen Tanzes kennen, eine Welt des Körpers und der Sinnlichkeit. Der Körper als Instrument ,das mit wilden Schwingungen, ekstatisch alle Körperteile erfaßt: Bauch, Hüften, Gesäß, Arme, Beine, Hände, Füße, Schulterrn und Kopf. Isolierte Bewegungen zu einem fließenden, harmonischen Gesamtbild modellierend. Ein erotischer Tanz mit seinem archaischen Ursprung in Fruchtbarkeitsriten. 


Der Tanz ist ein Meisterwerk, der jahrelange Übung erfordert und Lebenserfahrung. Kühle Technik wie sie im Westen in speziellen Bauchtanzkursen gelehrt werden, erreicht niemals das pralle Lebensgefühl und die mittanzenden Traditionen. 




Unter Mamytas Obhut wird Hayat zu einer erwachsenen selbstbewussten jungen Frau, die sich aus dem Käfig ihrer Kindheit befreit. Sie wächst hinein in dieses tanzende Leben, das von den Reichen wie von den Armen bejubelt wird: da wechseln sich sexueller Frust und Leidenschaft, Verrufenheit und Anrüchigkeit bis hin zu kollektiver Hysterie ab. 




Wichtig für jede Tänzerin und ihre Truppe sind die Männer, die ihnen den musikalischen Background, den rhythmischen Anstoß liefern: Hier sind es Brek der Geiger, Mourad der Schlagzeuger und Farid der Zimbalist. 


Und eine ganz wichtige Persönlichkeit in diesem aussergewöhnlichen „Familienroman“ ist Omar, ein Ex-Ehemann der großen Serghinia, der als Portier im Grand Palace-Hotel zu einer lebenden Legende wird. Er kennt Minister und Bankdirektoren und wird für Hayat der „Großvater“, ein zärtlicher, aufmerksamer, großherziger Großvater mit einer Adlernase und schalkvollen Augen.




Diese schillernde glitzernde Welt wird durch Boshaftigkeit und Neid und durch eine Unze Hyänenhirn, 1 Teelöffel spanische Fliege, eine Handvoll Couscous aus dem Mund eines Verstorbenen, der Milz einer Kröte, dem Auge eines Wiedehopfs und dem Ei eines Chamäleons und geriebenem Horn eines unfruchtbaren Ziegenbocks zerstört. Und nimmt nach dem Tod Mamytas und 10-jähriger Absence von Hayat einen neuen Weg. Wie Phönix aus der Asche geht sie den Weg des Triumphes bis in den Königspalast. Denn die Menschen brauchen Träume und dafür brauchen sie Tanz und Musik. Und sie geht ihren Weg zurück in die Vergangenheit. 




Binebines Roman ist eine Hymne an die Kunst, an die Leidenschaft und an die Freundschaft, ein Plädoyer für den Mut zur Freiheit. Er ist eine Ode an das sinnliche Leben, an den sinnlichen Tanz, so anders als ein moderner „erotischer StripTease“. Er ist ein Pas de deux zweier Frauen, zweier Künstlerinnen, die sich selbst gefunden haben und in einer Männerwelt behauptet haben. Binebine konfrontiert seine Leserschaft mit den Themen Männerwelt vs. Frauenwelt, Befreiung aus materiellem und mentalem Elend, Selbstfindung. Und das ist eben nicht nur exotisch, sondern im Hier und Jetzt. Hier und Dort. 

Cover des Buches Die Engel von Sidi Moumen (ISBN: 9783857877889)
Boriss avatar

Rezension zu "Die Engel von Sidi Moumen" von Mahi Binebine

Boris
"Engel"

Mahi Binebine begleitet eine Gruppe Jugendlicher aus einem Slum in Casablanca auf ihrem Weg zu einem Selbstmordattentat. Ein solches fand 2003 tatsächlich statt, als sich Jugendliche in und um einem Hotel in die Luft sprengten und über 40 Menschen starben.
Das Buch hat einen erstaunlichen Sog, der Leser folgt gebannt den Weg der Figuren in den Tod, der von der ersten Seite an feststeht.
Und das ist der einzige Einwand, das ich gegen diese wunderbare Buch habe. Die Erzählperspektive. Erzählt wird aus dem Jenseits. Mahi Binebine erzählt aus der Perspektive des Jugendlichen Jaschin...der Spitzname nach dem Torwart... In den Beschreibungen des Alltags im Slum trifft der Ton des Erzählers sehr gut. Doch sobald der Junge in die Fänge der Islamisten gerät, merkt man halt doch den viel älteren Erzähler Binebine. Da wird mehr reflektiert als man dem jugendlichem Erzähler zutraut. Klar, jetzt ist er im "Zwischenreich" und klüger, aber da holpert das Erzählprinzip leider doch.
Trotzdem: LESEN!

Gespräche aus der Community

Bisher gibt es noch keine Gespräche aus der Community zum Buch. Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Zusätzliche Informationen

Welche Genres erwarten dich?

Community-Statistik

15 Bibliotheken

5 Merkzettel

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freund*innen und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber*innen und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks