Maik Siegel

 4.7 Sterne bei 22 Bewertungen
Autor von Hinterhofleben.
Maik Siegel

Lebenslauf von Maik Siegel

Maik Siegel wurde 1990 in Salzgitter geboren. Studium der Germanistik und Anglistik auf Lehramt in Braunschweig, Berlin, Leeds, Taipeh und London. Weitere Arbeitsaufenthalte in Tansania, Kanada und Uruguay. Er ist Redaktionsmitglied beim Literaturmagazin "metamorphosen". Mit "Hinterhofleben" veröffentlicht er dieses Jahr im Divan-Verlag seinen Debütroman.

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Hinterhofleben

Hinterhofleben

 (22)
Erschienen am 27.11.2017

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Rezension zu "Hinterhofleben" von Maik Siegel

Roman als Spiegel unserer Gesellschaft zur Flüchtlingsdebatte
Buchsensibelvor 2 Monaten

Was passiert mit einer Hausgemeinschaft, wenn auf einmal statt Mülltrennung Weltpolitik diskutiert wird? Die Linde im Hinterhof grünt gerade erst, als die Bewohner der Nummer 68 im Prenzlauer Berg entscheiden, dem syrischen Kriegsflüchtling Samih Unterschlupf zu bieten.“

 

Jedoch geht jeder mit seinen eigenen Erwartungen an die neue Situation heran.

Dies führt nicht nur untereinander zu Spannungen, sondern macht es auch Samih nicht einfach, sich zuhause zu fühlen.

 

Dieses Buch gleicht einem dramatischen Theaterstück, das verschiedenste Positionen der Flüchtlingsdebatte in den einzelnen Bewohnern karikiert. Da sind die, welche offen ihre Ablehnung oder Skepsis äußern, die welche zwar nach außen hin Offenheit vorgeben, hinter verschlossenen Türen aber anders denken. Die, welche Samih wie jeden anderen behandeln, aber dabei seine schrecklichen Erlebnisse lieber ausklammern und tabuisieren. Die, die ihr eigenes Selbstwertgefühl aufpeppen, indem sie darin eine Aufgabe sehen, die ein Stück weit auch idealisieren oder romantisieren.

Die, die mit Neugierde herangehen und ein neues Abenteuer wittern. Und die, die spotten und belächeln.

Niemand kann ganz unvoreingenommen an die Sache herangehen. Und so nimmt das Drama seinen Lauf, bis es sich letztendlich zuspitzt zum unweigerlichen Ende.

 

Ich fand Hinterhofleben gerade deshalb so besonders, weil es die einzelnen Facetten wirklich sehr gut herausarbeitet. Wenn man glaubt, man kenne die Positionen, die es bei dieser Frage gibt, wird man eines Bessern belehrt: denn auf den ersten Blick ist es gar nicht so leicht, zu erkennen, wer nun „dafür“ und wer „dagegen“ ist. Und so entpuppt sich mancher sonst so spöttische Bewohner plötzlich als jemand Weitsichtiges, und andere wiederum als gar nicht so offen, wie vermutet – oder zumindest nur so lange, wie es die eigene Komfortzone nicht antastet.

 

Samih hält jedem Bewohner einen Spiegel vor. Dabei steht Samih stellvertretend für das Wort „Flüchtling“. Denn dieses Wort kreist eigentlich über allem. Und so entstehen ganz schnell auch Schubladen und ein jeder kategorisiert seine eigenen Vorstellungen, wie ein Flüchtling ist oder zu sein hat.

 

Diese nicht immer ganz reflektierten Vorannahmen, die oftmals auf einem diffusen Gefühlsgemisch beruhen, beeinflussen wiederum den Umgang und die Art und Weise, wie auf „Flüchtlinge“ zugegangen wird. Doch genau dadurch, wird vergessen dass es eben nicht „den Flüchtling“ gibt. Dass es „nur“ Menschen gibt. Menschen mit einer Geschichte, Menschen mit Stärken und Schwächen, Menschen, die lieben und die leiden und das (Über-)Leben irgendwie meistern (müssen).

Nur ganz wenigen Bewohnern fällt es leicht, sich selbst zurückzunehmen. Nur wenige fragen wirklich nach der Geschichte von Samih – fragen ihn selbst. Zu groß ist die Scheu davor mit eigenen Gefühlen konfrontiert zu werden. Trotzdem: jeder hat etwas zu sagen, ohne jemals direkten Kontakt gesucht zu haben. Es wird argumentiert und sich verlassen auf Gehörtes, auf Zeitungs- und Fernsehberichte, auf Gerüchte – und die Meinung scheint gerechtfertigt. Doch wenn es darum geht, wirklich einen Kontakt herzustellen, dann verstummen die Worte ganz schnell. Dann setzt sich Ignoranz durch. Und so zeigt sich die Geschichte analog zu unserer Gesellschaft.

Ich finde das Fazit hier sehr gelungen, der Dialog auf beiden Seiten lässt zu wünschen übrig. Bei den Befürwortern und bei denen, die ablehnen. (Und vergessen wird dabei oftmals, dass es auch noch eine dritte Stimme gibt: nämlich die, über die wir reden, ohne sie dabei mit einzubeziehen. Die ihren Teil dazu beitragen möchte, wenn man sie denn liesse.)

Es sind oftmals die eigenen Ängste und Nöte, die behindern. Und daher bleiben Geschichten oftmals ungehört. Oft wird den eigenen Ängsten zu wenig ins Auge gesehen, stattdessen diese lieber im Außen bekämpft – oder kompensiert – in beiden Fällen verdrängt. Wo ignoriert wird, kann nicht gelöst werden. Wo verdrängt wird, kann nicht gesehen werden. Wo weggesehen wird, kann auch kein Verständnis aufgebracht werden – nicht für die Sehnsüchte, aber auch nicht für die Ängste der anderen Positionen. Egal, welcher Art diese sind.

 

Maik Siegel hat wirklich sehr differenziert, manchmal komisch und trotzdem sehr ernsthaft einzelne Facetten der „Flüchtlingsthematik“ herausgearbeitet, seine Geschichte ist lebendig, ein Spiegel für die Gesellschaft, für den Leser und sehr einfühlsam geschrieben.

So bleibt am Ende auch die wichtigste Botschaft des Buchs haften: „Hör den Menschen zu!“

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Rezension zu "Hinterhofleben" von Maik Siegel

aktuelles Thema als Buchidee verfasst
abendsternchenvor 3 Monaten

Ich war gespannt was mich mit diesem Buch erwarten würde. So ging ich ganz ohne Erwartungen an das Buch heran.

Erwartet hat mich ein sehr aktuelles Thema. Handlungsort ist ein Berliner Mehrfamilienhaus. Man trifft hier auf verschiedene Personen, Charaktere und Nationen. Wie gehen die verschiedenen Personen um, wenn eine Mietpartei einen illegalen Flüchtling aufnehmen möchte? Genau das könnt ihr in Hinterhofleben lesen. Sagen kann ich euch, dass sie hier viele Offenbarungen zeigen werden.

Der Schreibstil ließ sich für mich ganz gut lesen. Flüssig ebenfalls noch dazu. Ich kannte den Autor vorher nicht, so war ich mit dem Schreibstil auch nicht vertraut. Fand aber recht schnell ins Buch rein.

Wie ich bereits oben erwähnt habe, trifft man hier auf viele verschiedene Charaktere und alle wurden wie im wahren Leben dargestellt. Man durfte diese nicht nur bei ihrem Handeln beobachten sondern auch ihre Gedanken lesen. Hier war alles dabei. Das Thema war immer wieder der Flüchtling Samih. Tumaini, der Sohn einer im Haus lebenden afrikanischen Familie, stellte die Fragen an Samih, die sich kein anderer traute zu stellen. Ein gelungener Schachzug vom Autor.

Die Anwohner der Hausnummer 68 entwickelten sich immer mehr zum positiven oder auch negativen. Ich finde der Autor hat hier jeden einzelnen Charakter recht gut dargestellt.

Sehr gerne hätte ich auch mehr von Samih gelesen, wie er sich in dieser Hausgemeinschaft fühlt. Wie er jeden einzelnen Anwohner einschätzt. Das fehlte mir hier ein wenig. Man erfuhr mehr durch die Anwohner, als durch Samih, wie es ihm ergeht oder was er gerade machte.

Seine Geschichte, warum er fliehen musste, hab ich mit viel Erwartung gelesen. Und auch hier spielt der 10 jährige Tumaini eine große Rolle. Dieser Junge ist mir im Laufe der Geschichte ans Herz gewachsen. Denn er war der Einzige der nicht voreingenommen war und mit „offenen Armen“ auf Samih zuging.

Alles in allem hat mir das Buch recht gut gefallen. Ein Punkt Abzug gibt es, da mir ich mir mehr Gedanken von Samih gewünscht hätte. Wer ein Buch mit einem sehr aktuellen Hintergrund lesen möchte, dem kann ich Hinterhofleben empfehlen.


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L

Rezension zu "Hinterhofleben" von Maik Siegel

Hinterhofleben
Lesemaus1989vor 4 Monaten

Autor: Maik Siegel
Erscheinungsjahr: 2017
Verlag: Divan
Preis: 15,90€

Inhaltsangabe

Was passiert mit einer Hausgemeinschaft, wenn auf einmal statt Mülltrennung Weltpolitik diskutiert wird?
Die Linde im Hinterhof grünt gerade erst, als die Bewohner der Nummer 68 im Prenzlauer Berg entscheiden, dem syrischen Kriegsflüchtling Samih Unterschlupf zu bieten.

Doch mit der Zeit spaltet sich die Hausgemeinschaft in hilfsbereite und um die eigene Sicherheit besorgte Menschen, deren Zentrum die Linde im Hof bildet und als Inbegriff des deutschen Raumes gilt.
Im Hinterhof erlebt sie als stumme Zeugin, das Verhalten und die Gedanken der 68er gegenüber ihrem neuen Nachbarn Samih. Die neuesten Entwicklungen, die er mit sich bringt und die gemeinsamen Entscheidungen der sehr heterogenen Hausgemeinschaft werden im Hinterhof ausgetragen. Bis das letzte Blatt der Linde im Herbst gefallen ist, werden die Bewohner einiges über sich und ihre wahren Absichten offenbart haben.

Maik Siegel hat mit „Hinterhofleben“ ein Buch geschaffen, das ein Gesellschaftsroman im klassischen Sinne ist und aktuelle und gerade hoch brisante Themen behandelt, ohne dabei den Humor zu verlieren. Von den Kriegszuständen in Syrien, den Flüchtlingsströmen zu Land und zu Wasser, der deutschen Willkommenskultur, Homosexualität, Gewalt in Computerspielen, der europäischen Kolonialisierungsgeschichte, kindlicher Abenteuerlust und dem Helfer-Syndrom wird mal mit Ernsthaftigkeit, mal mit Witz und Sarkasmus erzählt. Dabei gibt die Komplexität der Charaktere den gängigen Argumenten in der Flüchtlingsdebatte ein Gesicht, das jenseits von Schwarz- und Weißmalerei liegt.

Inspiriert von klassischen und zeitlosen Werken wie Gerhart Hauptmanns „Die Ratten“ und Ödön von Horvaths „Geschichten aus dem Wiener Wald“ ergibt sich eine spannende und dicht erzählte Geschichte, die ihren Realitätsanspruch durch die detailgetreue Wiedergabe des Prenzlauer Bergs erhebt.

Leseeindruck:

Nach einem etwas holprígen Start in das Buch. Es war eine kleine Gewöhnungssache an den doch etwas anderen Schreibstil des Autors. Aber nicht immer ist ANDERS auch schlecht, sondern man muss auch mal über den Tellerrand schauen.
Kaum ein gelesenes Buch ist so aktuell und spiegelt die Gesellschaft so detailgetreu wieder wie dieses Buch. Es hat mich doch noch einmal anders auf die Flüchtlingskrise schauen lassen und doch nachdenklich gestimmt. Vielleicht man dieses Thema für viele schon viel zu oft diskutiert wurden sein, aber hier ist es eine besondere Art und Weise der Aufarbeitung.
Die Hausbewohner bekommen hierfür Charakterzüge aus allen Schichten der Gesellschaft. Ein wirklich cleverer Schachzug, weil so wirklich alle Meinungen vertreten sind. Jeder wird sich so in einer Person wiederfinden können ohne sich vielleicht gleich kritisiert zu fühlen. Diese Indirektheit finde ich sehr gelungen.
Ein klasse Buch mit einer Hammerende, mit welchem ich wirklich nicht gerechnet habe. Bei diesem Buch ist wirklich jeder Euro gut investiert

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Gespräche aus der Community

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Was passiert, wenn eine ganze Hausgemeinschaft gemeinsam über die Aufnahme eines Flüchtlings entscheidet? Welche Vorurteile bestehen? Welche Chancen und Perspektivwechsel sind möglich?
Begleitet die Bewohner der Hausnummer 68, irgendwo im Prenzlauer Berg, und erlebt mit ihnen mal ernsthaft, mal humorvoll eine Geschichte, die auf geschickte Art gesellschaftlich brisante Themen und hohen Unterhaltungswert vereint.

Inhalt:
Was passiert mit einer Hausgemeinschaft, wenn auf einmal statt Mülltrennung Weltpolitik diskutiert wird? Die Linde im Hinterhof grünt gerade erst, als die Bewohner der Nummer 68 im Prenzlauer Berg entscheiden, dem syrischen Kriegsflüchtling Samih Unterschlupf zu bieten.
Doch mit der Zeit spaltet sich die Hausgemeinschaft in hilfsbereite und um die eigene Sicherheit besorgte Menschen, deren Zentrum die Linde im Hof bildet und als Inbegriff des deutschen Raumes gilt. Im Hinterhof erlebt sie als stumme Zeugin, das Verhalten und die Gedanken der 68er gegenüber ihrem neuen Nachbarn Samih. Die neuesten Entwicklungen, die er mit sich bringt und die gemeinsamen Entscheidungen der sehr heterogenen Hausgemeinschaft werden im Hinterhof ausgetragen. Bis das letzte Blatt der Linde im Herbst gefallen ist, werden die Bewohner einiges über sich und ihre wahren Absichten offenbart haben.
Maik Siegel hat mit "Hinterhofleben" ein Buch geschaffen, das ein Gesellschaftsroman im klassischen Sinne ist und aktuelle und gerade hoch brisante Themen behandelt, ohne dabei den Humor zu verlieren. Von den Kriegszuständen in Syrien, den Flüchtlingsströmen zu Land und zu Wasser, der deutschen Willkommenskultur, Homosexualität, Gewalt in Computerspielen, der europäischen Kolonialisierungsgeschichte, kindlicher Abenteuerlust und dem Helfer-Syndrom wird mal mit Ernsthaftigkeit, mal mit Witz und Sarkasmus erzählt. Dabei gibt die Komplexität der Charaktere den gängigen Argumenten in der Flüchtlingsdebatte ein Gesicht, das jenseits von Schwarz- und Weißmalerei liegt.
Inspiriert von klassischen und zeitlosen Werken wie Gerhart Hauptmanns "Die Ratten" und Ödön von Horvaths "Geschichten aus dem Wiener Wald" ergibt sich eine spannende und dicht erzählte Geschichte, die ihren Realitätsanspruch durch die detailgetreue Wiedergabe des Prenzlauer Bergs erhebt.







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Letzter Beitrag von  abetterwayvor einem Jahr
Hier ist meine Rezi: https://www.lovelybooks.de/autor/Maik-Siegel/Hinterhofleben-1488561327-w/rezension/1537994127/ Es tut mir leid das die Rezi erst jetzt kommt,. Das Buch ist sehr ehrlich und authentisch geschrieben. Es ist einfach wirklich toll geschrieben, spricht mehrere brisante Themen an und regt zum nachdenken an.
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Zusätzliche Informationen

Maik Siegel wurde am 05. Januar 1990 in Deutschland geboren.

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