Eine überaus gelungene Fortsetzung des ersten Bandes! Hierbei schließt sich der Band nahtlos an das Ende des ersten an.
Eingebettet in eine mittelalterliche Gesellschaft üben hier ausschließlich Frauen die Geschäfte. Die „Mütterlichkeitslehre“ bestimmt, dass Fürstinnen das „Reich der Vereinigten Mutterländer“ beherrschen. Sie haben alle Macht, auch über die Männer und Ritter, die lediglich bessere Diener sind. Soweit die Theorie.
Iara, lebt diese Rolle und füllt sie entsprechend aus. Denn nicht alle Fürstinnen sind gerecht, gütig und klug - ganz im Gegenteil. Sie zeigen sich herrisch, boshaft, machtbesessen. Das kommt in diesem Band wieder ganz besonders zum Vorschein.
Hauptpersonen sind die junge, willensstarke Fürstin Iara von Kampan und Tino von Berchag - ihr Ritter, ein von der Richtigkeit der Gesellschaftsform absolut überzeugter Mann. Schon früh musste Iara nach dem Tod der Mutter die Verwaltung des Ländchens übernehmen
Auch in Band 2 geht es wieder um Familie, Liebe, Freundschaft, Machtspiele und Rache, Recht und Gerechtigkeit. (Und offenbart, was kein Geheimnis ist: es ist gleich, wer an der Macht ist –der Charakter bestimmt die Qualität der Machtausführung.)
Kampan ist ein unbedeutendes, sympathisches aber friedliches Land, das von Herstellung und Handel mit erlesenen Stoffen lebt.
Es ist ein wunderbar beschauliches Leben, das den Leser teilhaben lässt an den Höhen und Tiefen des Alltags. Dabei vergeht die Zeit gemächlicher, dennoch sind Herausforderungen und Probleme zu bewältigen.
Neben der ruhigen Erzählweise stößt Maika Adam Gedankengänge an – so eben die Hauptfrage, ob Frauen wirklich die besseren Regenten sind. Ob die Unterdrückung einer Volksgruppe auf lange Sicht wirklich Frieden bewahrt. Diese Fragen werden allerdings durch Iaras Reisen und Erfahrungen deutlich beantwortet. Denn je mehr sie Länder und Fürstinnen besucht, desto deutlicher stellt man fest, dass es nicht unweigerlich besser und gerechter zugeht.
Es wieder zahlreiche Perspektivenwechsel: es wird aus der Sicht von Iara, Tino, anderen Charakteren erzählt.
Mir gefällt die feinfühlige, unaufgeregte Liebesgeschichte. Tino und Iara gehen sehr respekt- und liebevoll miteinander um und als Leser bin ich dabei, wie sich diese Liebe weiter vertieft. Dabei kommt Maika Adam ohne die mittlerweile seitenfüllenden Bettgeschichten aus.
Wer Interesse am Grundprinzip von Recht, Freiheit und Gerechtigkeit hat, kann in dieser Kampan-Reihe interessante Gedankenansätze und/oder Antworten finden. Denn Iara ist eine kluge Frau, die weiß, wie man Gesetze lesen und verstehen sollte. Auch wenn sie sich nicht so bezeichnen würde, sie ist so etwas wie ein Anwalt für die Rechtlosen.
Neben einer umfangreichen, mit viel Liebe zum Detail ausgearbeiteten Beschreibung der Welt, der Hierarchien und Traditionen spielen auch Folter und Gewalt keine unbedeutende Rolle – denn es ist nicht alles so toll wie geplant. Dennoch ist nichts überzogen – der Mix einer Vielzahl von Haupt- und Nebenszenen macht aus der Kampan-Reihe ein echtes Schmuckstück in jeder Bibliothek.