Maike Barth

 4 Sterne bei 829 Bewertungen

Lebenslauf

Maike Barth übersetzt Belletristik und Sachbücher aus dem Schwedischen, Dänischen und Norwegischen, unter anderem von Ann-Helén Laestadius und Peter Englund. Sie lebt in Schleswig-Holstein.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Das Leuchten der Rentiere (ISBN: 9783455021325)

Das Leuchten der Rentiere

(168)
Neu erschienen am 28.10.2025 als Gebundenes Buch bei Hoffmann und Campe.

Alle Bücher von Maike Barth

Cover des Buches Schönberg, Laboe und die Probstei (ISBN: 9783898768078)

Schönberg, Laboe und die Probstei

(1)
Erschienen am 01.04.2016

Neue Rezensionen zu Maike Barth

Cover des Buches Das Leuchten der Rentiere (ISBN: 9783455021325)
BuchundBretts avatar

Rezension zu "Das Leuchten der Rentiere" von Ann-Helén Laestadius

BuchundBrett
Schweigen im Schnee

Buchvorstellung

Es beginnt mit einem Kind und einem Verbrechen. Elsa ist neun Jahre alt, als sie in der winterstillen Weite Sápmi etwas sieht, das kein Kind sehen sollte: den Tod eines Rentiers, ihres Rentiers. Die Landschaft liegt ruhig, fast feierlich da, doch dieser Moment bricht die Ordnung der Welt. Der Täter ist kein Schatten, kein Gerücht, sondern ein Mann aus Fleisch, Drohung und Gewissheit. Er steht vor ihr, sichtbar, greifbar, und doch unerreichbar für jede Form von Gerechtigkeit. Ein Blick genügt, ein stummes Zeichen, und Elsa versteht, dass Reden gefährlich ist. Von diesem Moment an trägt sie etwas mit sich, das schwerer wiegt als jedes Geweih: die Last des Ungesagten, die sich unausgesprochen in ihr festsetzt.

Was folgt, ist kein klassischer Kriminalfall mit Ermittlungen und Auflösung, sondern eine langsame, schmerzhafte Entfaltung struktureller Gewalt. Die Erwachsenen reagieren ausweichend, die Behörden zucken mit den Schultern, und Akten schließen sich wie Türen ohne Klinke. Die Tat verliert ihren Schrecken, sobald sie in der Sprache der Verwaltung ankommt. Aus Mord wird ein bürokratischer Vorgang, aus Gewalt ein Verwaltungsproblem. „Gestohlen“ heißt es dann, als ließe sich Blut mit einem Stempel trocknen. Während die Rentierherden schrumpfen und die Bedrohung greifbarer wird, wächst auch Elsa; hinein in ein Leben zwischen Angst, unterdrückter Wut und der bohrenden Frage, ob Wahrheit überhaupt gehört werden will, wenn sie aus dem Mund einer samischen Frau kommt.

Der Roman Das Leuchten der Rentiere begleitet sie über Jahre hinweg und zeigt, wie aus einem einzelnen Erlebnis ein dauerhafter Zustand wird, der nicht vergeht, sondern sich verfestigt.

Rezension

Ann-Helén Laestadius schreibt einen Roman, der nicht schreit und gerade deshalb so laut ist. Ihre Sprache ist klar, präzise und unerbittlich, eine Sprache, die nichts beschönigt und keinen Trost anbietet, wo keiner verdient ist. Sie arbeitet mit einer poetischen Strenge, die den Leser nicht schont, sondern zwingt, hinzusehen. Immer wieder entstehen Bilder, die sich festsetzen wie Kälte in den Knochen und wie Erinnerungen, die nicht verblassen, sondern mit der Zeit härter werden. Hier heilt die Zeit nicht alle Wunden. Es sind Sätze, die flackern. Als hätte „die Straßenlaterne Schluckauf“, kurz Licht, dann wieder Dunkel, so wie Elsas Gewissheit über Jahre hinweg zwischen Wissen und Verdrängung schwankt.

Besonders eindrücklich ist der konsequent eingenommene Blick des Kindes, der nie verklärt oder verniedlicht wird. Elsa denkt nicht in großen politischen Kategorien oder abstrakten Begriffen, sondern in Gefühlen, Gerüchen und Geräuschen. Sie streichelt das Rentierohr, weil sie dessen Tod nicht begreifen kann. Ihre Wahrnehmung ist unmittelbar, fast magisch, und doch von einer schmerzhaften inneren Logik durchzogen. Fantasie und Vorstellungskraft erscheinen nicht als naive Flucht, sondern als notwendige Überlebensstrategien. Wenn Elsa denkt: „Ich bin kein normales Baby, ich bin aus einem Sternenei gekommen“, dann ist das keine märchenhafte Realitätsflucht, sondern ein Versuch, sich eine besondere Identität zu bewahren in einer Welt, die sie ständig infrage stellt und in der sie zwar nicht gemobbt wird, in der es aber aus irgendeinem Grund keinen Platz für sie gibt. Daher ist sie allein.

Im späteren Teil des Romans verschiebt sich der Ton spürbar. Elsa ist erwachsen geworden, doch die Vergangenheit ist nicht vergangen. Sie steht wie ein Tier im Scheinwerferlicht, reglos, lauernd, jederzeit bereit, wieder zuzuschlagen. Laestadius beschreibt diesen inneren Zustand mit einer Genauigkeit, die sowohl psychologisch als auch politisch wirkt. Es geht nun nicht mehr nur um Schuld oder Angst, sondern um Verantwortung. Nicht nur um individuelles Leiden, sondern um kollektives Wegsehen. Der Roman legt offen, wie ein System funktioniert, das lieber Ordnung verwaltet, als Gerechtigkeit zu riskieren, und wie bequem dieses Wegsehen für all jene ist, die nicht betroffen sind.

Dabei bleibt die Geschichte niemals eindimensional. Auch innerhalb der samischen Gemeinschaft zeigt der Roman Risse, Spannungen und Schweigen. Tradition wird nicht romantisiert, sondern kritisch befragt. Zugehörigkeit bedeutet Schutz, kann aber auch einengen. Elsa kämpft nicht nur gegen äußere Gewalt, sondern auch gegen innere Grenzen. Gegen Erwartungen, gegen Rollenvorstellungen, gegen das, was Frauen dürfen, sagen oder sein sollen. Man liest, wie sie versucht, ihr Leben neu zu ordnen. Immer wieder durchziehen den Text stille Momente des Abschieds, in denen Leben neu geordnet werden müssen, als würden „die Scherben eines langen Daseins auf fremde Regale verteilt“; vorsichtig, tastend, ohne Gewissheit, dass sie dort noch zusammenfinden.

Fazit

Das Leuchten der Rentiere ist ein Roman von seltener Wucht und großer Sogwirkung, gerade weil er leise bleibt. Er erzählt von einer Welt, die oft als exotische Randerscheinung missverstanden wird, und zeigt sie als das, was sie tatsächlich ist: politisch, verletzlich und lebendig. Ann-Helén Laestadius gelingt es, eine individuelle Geschichte zu erzählen, die weit über sich hinausweist; nüchtern, klar und frei von Pathos oder moralischem Zeigefinger, mit einer Klarheit, die unter die Haut geht.

Dieses Buch verlangt Aufmerksamkeit. Es fordert Geduld, Empathie und die Bereitschaft, sich verstören und in eine seltsame Stimmung versetzen zu lassen. Wer es liest, wird nicht unberührt bleiben. Vielleicht ist genau das seine größte Stärke: dass es nicht versöhnt, sondern erinnert. Dass es Fragen stellt, wo wir lieber schweigen. Und dass es sichtbar macht, wem dieses Schweigen am Ende nützt.

Wo die Beeren leuchten

Der Klima Wandel ist ja in aller munde und ich finde es einfach toll das sich so viele junge Menschen für den Erhalt der Natur einsetzen. Ich war sehr gespannt ein Buch über die Sami gepaart mit dem Thema Naturschutz zu lesen.


1938 die junge Siv muss ihre Träume aufgeben und als Köchin in einem Waldgebiet arbeiten. Zuerst hat sie große Angst, doch schon bald fühlt sie auch Freiheit wie noch nie zuvor in ihrem Leben. Als sie auf Nila trifft, einen jungen Sami, wird ihr Leben voll auf den Kopf gestellt.


2022 Eva muss als PR Agentin zurück in die Heimat. Ein Waldstück soll gerohdet werden und sie soll vermitteln. Eigentlich eine einfache Aufgabe, doch schon bald wird Eva gedroht. Als sie dann noch einen Mann aus ihrer Vergangenheit trifft, gerät auch Evas Leben aus den Fugen.


Ich muss zugeben das ich mich zunächst in das Cover dieses Buches verliebt habe! Es ist so schön gestaltet! So einfach und doch so vielseitig! So ruhig und doch so tief! Genau wie die Geschichte die sich im Buch versteckt! Ich mag es sehr gern das die Geschichte aus zwei Perspektiven und Zeitsträngen erzählt wird! Wie beides zusammenspielt erfährt man im laufe der Geschichte! Die Geschichte um Siv ist traurig. Unvorstellbar wie stark diese Frau schon mit 17 Jahren war! Sie musste ihre Träume aufgeben und hat sich mit der besten Lösung im Leben zufrieden gegeben. Wie schon erwähnt, tieftraurig und so bewegend. Es war spannend so viel Neues über die Sami zu erfahren. Bisher bin ich da noch totaler Neuling. Es war eine gute Mischung aus Infos und Geschichte! Auch der Zeitstrang aus dem Jahr 2022 war sehr spannend gestaltet! Eva auf der Suche nach ihren Wurzeln und der Kampf mit ihrer eigene Moral, gepaart mit aktiven Kids die sich für die Natur einsetzen. Die Kirsche auf der Torte, natürlich eine kleine Liebelei die natürlich nicht fehlen darf! Die Geschichte wird sehr ruhig und klar erzählt und wird schon bald in zwei weiteren Bändern fortgeführt, auf die man sehr gespannt sein darf. 

Cover des Buches Die Zeit im Sommerlicht (ISBN: 9783455021011)
Ellekenss avatar

Rezension zu "Die Zeit im Sommerlicht" von Ann-Helén Laestadius

Ellekens
interessant, aber sehr langatmig

In diesem Buch lernen wir in Zeitsprüngen zwischen 1950 und 1985 Samen kennen, die alle aus dem selben Ort bzw. Gegend kommen. In den 1950er Jahren, sie sind noch kleine Kinder, müssen sie in die Nomadenschule und sind wochenlang von ihren Eltern und Familien getrennt. Als wäre das noch nicht schlimm genug, werden sie dort von der Hausmutter (heute würde man Direktorin oder Schulleiterin sagen) schwer misshandelt. Es kommt zu Verstümmelungen und sogar zu Todesfällen. Sie dürfen ihre eigene Sprache, das sämisch, nicht sprechen, müssen schwedisch sprechen. Dürfen ihre Rituale nicht anwenden und werden als „Lappen“ geächtet.

Eine Lehrerin namens Anna ist gut zu ihnen, jedoch verschwindet sie eines Tages spurlos.

In den 1985er Jahren erfährt der Leser, wie diese Kinder als Erwachsene leben und Ihr Leben von der Zeit im Nomadeninternat beeinflusst wird. Auch in dieser Zeit sind die Samen ein Volk, was sehr ausgegrenzt wird.

Erst in dieser Zeit erfahren sie, warum die liebe Lehrerin Anna verschwunden ist und was aus ihr geworden ist.

In diesem Buch, dass ich als E-Book gelesen habe, werden viele samische Wörter benutzt, so dass es mir oft schwer viel, dem Text zu folgen. Dass erst ganz am Ende drei Seiten mit Übersetzungen folgen, wusste ich leider nicht. Ein Hinweis am Anfang wäre gut gewesen!

Ansonsten fand ich die Geschichte um die Kinder bzw. Erwachsenen sehr langatmig. Für mich war keine Spannung erkennbar, es dümpelte so vor sich hin. Schade!

Gespräche aus der Community

Simona Ahrnstedt ist die bekannteste Romance-Autorin Schwedens und mit "The Promises we made. Als wir uns wieder trafen" erscheint ihr neuer prickelnder Roman endlich auf Deutsch. 

Nach vielen Jahren trifft die Security-Expertin Dessie ihren Exfreund Sam wieder: Ausgerechnet ihn soll sie schützen. Dessie will die Beziehung rein
professionell halten. Doch werden die beiden es schaffen, so eng zusammenzuarbeiten, ohne alte Gefühle wieder aufflammen zu lassen?

728 BeiträgeVerlosung beendet
lxy_and_mores avatar
Letzter Beitrag von  lxy_and_more

Nun folgt (endlich) meine Rezension. Danke, dass ich dabei sein durfte und sorry für das verspätete Feedback.

https://www.lovelybooks.de/autor/Simona-Ahrnstedt/The-promises-we-made-Als-wir-uns-wieder-trafen-2939594295-w/rezension/3516695456/


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Community-Statistik

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von 6 Leser*innen aktuell gelesen

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