Elly

von Maike Wetzel 
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Elly
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Düstere eindrucksvolle knapp erzählte Geschichte vom Zerfall einer Familie beim Umgang mit Verlust eines Mitglieds

M

Es ist mein erstes Buch von der Autorin Maike Wetzel und bin immer in der Geschichte gefangen, obwohl die Lektüre einige Tage zurück liegt.

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Inhaltsangabe zu "Elly"

Elly ist weg. Eines Tages verschwindet die Elfjährige spurlos aus dem Leben ihrer Familie. Ihre Eltern und ihre ältere Schwester bleiben zurück und versuchen trotz des Verlustes weiterzumachen. Doch die drei können nicht loslassen, Elly bleibt allgegenwärtig, in Gedanken, Taten und Schuldgefühlen. Jeder spielt den Tag, nach dem nichts mehr war wie zuvor, unablässig im Kopf durch. Die Suche nach Elly hört nicht auf, alle Beteiligten schaffen sich ihren eigenen Ersatz für das Verlorene.
'Elly' erzählt eine eindringliche und berührende Geschichte über den Sog von Trauer und Hoffnung – darüber, wie eine Familie durch das Verschwinden der Tochter jegliche Gewissheiten verliert. Maike Wetzels Roman besticht durch seine fesselnde Atmosphäre und sprachliche Brillanz. So entsteht das facettenreiche Bild einer Familie, deren Sehnsucht nach dem Verlorenen die Wirklichkeit verdrängt.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783895612862
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:152 Seiten
Verlag:Schöffling
Erscheinungsdatum:07.08.2018

Rezensionen und Bewertungen

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    Doreen_Klauss avatar
    Doreen_Klausvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Selten gelang es einem Buch mich mit so kontroversen Gefühlen zurückzulassen und über die Lektüre hinaus zu beschäftigen.
    Nichts mehr wie es war

    Das eigene Kind verschwindet. Horrorvorstellung für alle Eltern. 

    Eben war die Welt noch in Ordnung und von einer Sekunde auf die Andere ist nichts mehr wie es war.
    Das erleben die Eltern und die Schwester der elfjährigen Elly, als diese auf dem Weg zum Sportverein spurlos verschwindet.

    Die Autorin hat in ihrem Roman eine, wie ich finde, ungewöhnliche Art des Erzählens gewählt. Die einzelnen Figuren der Geschichte treten, in den sie betreffenden Abschnitten, immer als Ich-Erzähler auf, so entsteht ein Perspektivenwechsel und man bekommt direkten Einblick in die Gefühlswelt der jeweiligen Person. Leider gelingt es der Autorin nicht wirklich die Individualität durch eine Veränderung des Schreibstile herauszuarbeiten. Die Sprache und die Erzählweise bleibt immer gleich, egal ob die Schwester erzählt, die Mutter, oder der Vater. Die Kapitel sind optisch nicht der jeweiligen Person zugeordnet und so brauchte ich erst einige Zeilen um zu erfassen wer gerade erzählt. Das empfand ich als verwirrend.

    Die Geschichte dreht sich um Schuldgefühle, um die Suche nach Antworten, um Verleugnung, natürlich um Trauer und den Umgang damit, aber auch um unerfüllte Hoffnungen. Der Wunsch "es möge alles wieder gut werden" schwebt ständig über der Geschichte und bestimmt das Handeln der Figuren.

    Die Geschichte nimmt eine Entwicklung, die dem Leser schnell klar wird, die die Figuren aber hartnäckig leugnen. Bei längerem Nachdenken kann man die Beweggründe hinter diesem Verhalten sogar etwas verstehen, auch wenn man anderer Meinung ist. 

    Das Ende empfand ich als sehr speziell, es war gar nicht meins und hat mich lange nach der Lektüre noch beschäftigt. Für mich ist es nicht stimmig und ich hätte es als Abschluss der Geschichte nicht gebraucht.

    Insgesamt muss ich sagen, dass ich vom Klappentext her etwas anderes erwartet habe. Trotzdem habe ich das Buch gerne gelesen.
    Über das kontroverse Ende muss sich nun jeder Leser sein eigenes Urteil bilden.

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    krimielses avatar
    krimielsevor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Düstere eindrucksvolle knapp erzählte Geschichte vom Zerfall einer Familie beim Umgang mit Verlust eines Mitglieds
    Verlust

    Der Debütroman „Elly“ von Maike Wetzel zeigt auf ungewöhnlich eindrucksvolle Weise den Umgang einer Familie mit dem Verschwinden eines Mitgliedes.

    Die elfjährige Elly ist verschwunden, spurlos auf dem nachmittäglichen Weg zum Judotraining im Nachbarort. Die Familie mit Eltern und älterer Schwester bleibt zurück und bemüht sich um Weiterleben. Elly bleibt aber, in den Gedanken, die sich ziellos und endlos um den Tag des Verschwindens, um Schuldgefühle und um Erinnerungen drehen, ebenso durch die Suche nach dem Mädchen und in der Trauer um den Verlust, der keine Gewissheit und keinen Ort zum Trauern kennt. Der Alltag geht weiter, holprig und ganz nah am Abgrund für die Eltern, mit der Versuch um Ersatz für Elly für die größer Schwester. Der Zusammenhalt löst sich jedoch unaufhaltsam auf, die Fassade bröckelt und die Gewissheiten, Verlässlichkeiten und der background als Familie verschwindet zusehends im Sog von Trauer, Verlust und Sehnsucht.

    Düster ist die Grundstimmung, schrecklich im Verlust selbst und letztlich ohne oder nur mit falscher Hoffnung stehen alle Charaktere da. Dass ein Kind verschwindet ist ein fürchterliches Ereignis, noch entsetzlicher die Ungewissheit, was passierte. Und gruselig und abgründig ist der Umgang der Familienmitglieder mit dem Verlust. Ines, die ältere Schwester, versucht sich eine neue Elly zu schaffen, Judith, die Mutter, verliert sich in Süchtigkeit. Hamid, der Vater wühlt in Schuld und Sühne. Alle klinken sich letztlich aus der Wirklichkeit aus und driften in verschiedene Richtungen auseinander. Das Konstrukt Familie zerfällt, löst sich auf, und man schaut als Leser äußerst hilflos dabei zu, weil es keine Lösung für Zusammenhalt, Wärme und Hoffnung gibt.

    Vielstimmig und immer in der Ich-Form, den Leser dabei direkt wie von einer Theaterbühne herab ansprechend, erzählen die Zurückgebliebenen vom Alltag nach den Verschwinden, von ihren Gefühlen und Gedanken. Das ist ungewöhnlich und eindringlich, erzeugt Nähe und Distanz gleichzeitig durch die direkte Vortragsart, ohne die Möglichkeit, wirklich in die Köpfe einzudringen. Es bleibt einerseits kein Platz, man kann sich als Leser einer direkten Anrede nicht entziehen. Andererseits bestimmt die Figur selbst, wie viel sie von sich preisgibt.

    Unterstützt wird das sprachlich brillant, mit kurzen und spröden, fast hackenden Sätzen, mit denen die Autorin ihren Text gestaltet.

    Durch die Knappheit des Textes ist man als Leser gezwungen, die Zwischenräume selbst auszufüllen. Mutig verzichtet die Autorin auf Details und ablenkende Beschreibungen, geht keine Nebenwege, sondern hält sowohl ihre Figuren als auch ihr Publikum rigoros bei der Stange. Das fordert beim Lesen, schafft eine unheimliche erzählerische Wucht, und man kann sich nicht einfach davon mogeln und zurückziehen. Bravo dafür!
    Das schmale Büchlein ist für mich dadurch ein eindrucksvolles Beispiel großartiger Andersartigkeit beim sehr geradlinigen vielstimmigen Erzählen einer eindringlichen Geschichte.

    Kommentare: 1
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    Sumsi1990s avatar
    Sumsi1990vor 2 Monaten
    Schockierend

    Die 11-jährige Elly verschwindet am Weg zu ihrem Judo-Trainung spurlos und lässt ihre 2 Jahre ältere Schwester Ines und ihre Eltern ratlos zurück. Trotz intensiver Suche und Bemühungen gibt es auch nach fast 4 Jahren keine Spur von ihr, doch das Leben der Familie hat sich unwiederbringlich verändert...

    Dieses Buch wird aus verschiedenen Perspektiven in der direkten Rede erzählt, sodass nicht nur jedes Familienmitglied zu Wort kommt, sondern man als Leser sogar das Gefühl hat direkt vom Erzählenden angesprochen zu werden. Dieser Aspekt hat mir besonders gut gefallen und macht das Buch für mich einzigartig.

    Die Sprache ist einfach und knapp gehalten, was die beklemmende Situation meiner Meinung nach noch unterstreicht. Trotzdem unterscheiden sich die einzelnen Personen in ihrer Sprache stark, was wirklich authentisch wirkt.

    Extrem beeindruckend war für mich aber überdies die psychologischen Konstruktion dieses Buches, die einige menschliche Abgründe andeutet. Die Geschichte ist schockierend,  fesselnd und hat mir genug Raum für Spekulationen gegeben. Für mich war das Buch nahezu perfekt und hat mich von der ersten Seite an gepackt! 

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    leseleas avatar
    leseleavor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Ein vielschichtiges und vielstimmiges Buch, das einen mit einem flauen Gefühl zurücklässt.
    Das verschwundene Kind

    Elly ist weg. Alles, was wir hatten, wird unscharf, was wir mit ihr erlebten, fault. (S. 55)

    Ein Kind verschwindet. Spurlos. Eben noch sauste es mit seinem roten Fahrrad durch die Siedlung, nur um im nächsten Moment unauffindbar zu werden. Zurück bleiben die Eltern und die größere Schwester. Zurück bleiben auch Angst, Hoffnung, Resignation, Wut, Leblosigkeit, Schuld – und Isolation. Das Leid der Familie macht einsam und schneidet sich von der Umwelt ab; die Welt dreht sich weiter, die Zeit vergeht, doch die Familie selbst scheint von diesen Grundgesetzen der Natur ausgenommen zu sein.

    Es ist dieses tragische Schicksal einer Familie, der Alptraum jeder Eltern, den die Autorin Maike Wetzel in ihrem Debütroman Elly schildert. Der Fokus liegt dabei eindeutig auf dem Umgang der einzelnen Familienmitglieder mit dem Verlust der Tochter bzw. Schwester: Maike Wetzel erzählt von Ersatzhandlungen und Gedankenkarussells, von Entfremdung und dem krankhaften Bedürfnis, etwas wiederherzustellen, was unwiederbringlich verloren ist. Erstaunlich ist, dass sie kaum Worte dafür braucht, um diese komplexe und vielschichtige Situation für den Leser nachvollziehbar werden zu lassen. Mit wenigen Sätzen skizziert sie das Familienleben und die einzelnen Figuren, verzichtet auf Details und ausschweifende Beschreibungen und beweist Mut für Zwischenräume, die der Leser selber füllen muss – ohne dass dies immer möglich ist.

    Und so kommt es, dass Elly, obwohl nur aus knapp 150 groß bedruckter Seiten bestehend, vom Leser einiges an Zeit und auch Mühe verlangt. Beinahe seitenweise lässt Maike Wetzler die Erzählperspektive wechseln: Alle Familienmitglieder kommen zu Wort und auch Figuren, deren Stimme man zunächst nicht erwartet hätte. Die Autorin stört sich nicht daran, den Leser zu irritieren, und auch nicht, ihn zu überfordern. In großen Monologen, ihnen einen Bühne bereitend, lässt sie die verschiedenen Protagonisten konsequent in der Ich-Form der Leserschaft ihren Schmerz vortragen. Dies schafft gleichzeitig Nähe, aber auch Distanz: Nähe, da die Emotionen direkt, quasi in der Ansprache dem Leser vermittelt werden; Distanz, weil durch diesen „Vortragsstil“ immer etwas zwischen Figur und Leser zu stehen scheint, es die Figuren sind, die entscheiden, was dem Leser mitgeteilt werden soll. Überhaupt empfiehlt es sich, beim Lesen auf der Hut zu bleiben, Sätze mehrfach zu lesen, Szenen zu hinterfragen und aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten.

    Insgesamt handelt es sich bei Elly um ein schmales Büchlein, das es versteht, unscheinbar daherzukommen, dann jedoch mit überraschend großer Wucht den Leser zu packen. Die düstere Geschichte spart nicht an Spannungsmomenten, nach der Lektüre bleibt ein mulmiges und flaues Gefühl in der Magengegend, ein Kloß im Hals zurück. Stilistisch und auch sprachlich weiß Maike Wetzel in der oberen Liga mitzuspielen und den Leser auf spezielle und andersartige Art zu überzeugen. Daher kann ich auch weitgehend über den Teilweise irrwegigen, wenig innovativen Handlungsstrang ab der Mitte des Buches hinwegschauen und vergebe 4,5 Sterne für eine Neuerscheinung, die mich überrascht und überzeugt hat!

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    M
    marylou_23vor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Es ist mein erstes Buch von der Autorin Maike Wetzel und bin immer in der Geschichte gefangen, obwohl die Lektüre einige Tage zurück liegt.
    Dieser Roman verliert nicht an Wirkung!

    Es ist mein erstes Buch von der Autorin Maike Wetzel und ich bin nach dem Lesen ihres Romandebüts neugierig auf ihre Erzählungen geworden.  Mir ist es  und schon lange nicht mehr passiert, dass meine Gedanken noch Tage nach der Lektüre immer wieder dorthin zurück wandern. Ein Kind namens Elly verschwindet und die Eltern und die Schwester bleiben mit offenen Fragen zurück. So beginnt der Roman. Dann darf der Leser jedes Familienmitglied erleben, wie es mit der Trauer umgeht. Da gibt es auch ganz gemeine Augenblicke, wo es einen gruseln kann. Jede Seite hat mich gefesselt und auch überrascht. Mich hat es an einen sehr gut gemachten Tatort erinnert. Der Roman ist keinesfalls ein Krimi, aber er lädt schon ein mit zu ermitteln. Denn schließlich will man wissen, was mit Elly passiert ist. 
    Auf viele Fragen gibt der Roman keine Antworten und gerade das macht diesen Roman bzw. das Verschwinden von Elly unglaublich authentisch. 

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    engineerwifes avatar
    engineerwifevor 2 Monaten
    Einfach nur strange ...

    Als das Buch bei mir ankam, war ich überrascht, dass es sich eigentlich um ein Büchlein mit nur 152 Seiten handelte. Aber obwohl bei mir die Bücher sonst gerne ein bisschen dicker sein dürfen, war ich im Nachhinein froh, dass es nun so schnell zu Ende war. Ich habe mich schwergetan, mich in die Geschichte reinzulesen. Durch die Bank – inklusive der Großeltern – waren mir alle Charaktere unsympathisch. Trotz der schlimmen Erlebnisse für die Eltern und die Schwester, die sie durch Ellys Verschwinden verarbeiten mussten, kam bei mir so gar kein Mitleid auf.
    Die Geschichte war durch die kurzen Sätze manchmal etwas holprig zu lesen und die Stimmung durchweg sehr düster, manchmal sogar etwas gruselig angehaucht. Der Roman hat mich mit seinem offenen, für mich fast unglaubhaften Ende, leider ein wenig frustriert zurückgelassen. Interessantes Thema, aus dem man mehr hätte rausholen können. 

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    elvires avatar
    elvirevor 2 Monaten
    entaeuscht...

    Als ich das Buch in den Händen hielt, war ich etwas enttaeuscht, da es eher ein „Buechlein“ war. Allerdings hat es -wider Erwarten- laenger gedauert, bis ich es ausgelesen hatte. Ich habe mich wirklich schwer getan, der Erzaehlstil verlangt Einiges ab. Bei den wechselnden Perspektiven wusste man nicht immer sofort, wer da gerade gemeint war. Ich habe haeufig zurueckblaettern muessen. Ich konnte die Gedanken, Gefuehle teils nachvollziehen, bis es zu einer ueberraschenden Wendung kam, die ich so nicht erwartet hatte und die, aus meiner Sicht, die Erzaehlung „kaputt“ gemacht hat. Auch das Ende laesst fuer mich zu viele Fragen offen.

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    W
    winddoorsvor 2 Monaten
    Schrecklicher Verlust

    Ein recht kleines Buch in wunderbarer Aufmachung lag vor mir und ich dachte, das liest sich schnell. Da hatte ich mich aber gewaltig getäuscht.
    Ein elfjähriges Mädchen, genannt Elly , auf den Weg zum Judotraining verschwindet spurlos. Sie hat keinerlei Spuren hinterlassen.
    Was macht dieser schreckliche Verlust  mit denen , die zurückbleiben. Elly ist weg nicht anderes zählt. Wie gehen sie mit der Verlustsituation  um.
    Es wird die Reaktion der Zurückgebliebenen erörtert.
    Das ist ihre Schwester Ines und deren Eltern  Judith und Hamid. Alle behaupten die Zeit  heile Wunden, aber die Zeit steht still.  Ines wird kaum noch wahrgenommen, es zählt nur Elly. Auch nach vier Jahren  ist dieser Schmerz noch allgegenwertig.
    Ich habe mich schwergetan mit dem Lesestil und auch mit dem Ende des Buches kam ich nicht klar. Vieles mußte man zweimal lesen um es überhaupt zu verstehen.

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    Federfees avatar
    Federfeevor 2 Monaten
    Deprimierende Geschichte eines schrecklichen Verlustes

    Mit diesem Buch habe ich mich schwer getan. Dabei kommt es so harmlos daher, so zierlich und hübsch, vom Verlag so liebevoll gestaltet, sogar mit Lesebändchen, ein Büchlein nur. Man meint, das kann man ganz schnell lesen, aber so ist es nicht. Und das, wo die Sprache so einfach daher kommt, manchmal in etwas einförmigem Satzbau, mit gleichen Satzanfängen oder stakkatohaft, abgehackt, dann wieder mit schönen Bildern: "eine lange Schlange mit unzähligen rot glühenden Augen" (Autos; 42) - "… ein Fernfahrer hupte. Ein tiefer, brünstiger Ton." (42)

    Umso erstaunlicher, was auf diese reduzierte Weise alles gesagt oder auch nicht gesagt wird. Der Leser muss sehr aufmerksam sein, innehalten, nachdenken, das ergänzen, was nur vermutet werden kann, überlegen, aus welcher Perspektive da eigentlich berichtet bzw. erzählt wird, denn das wechselt ohne Kenntlichmachung. Jedes Familienmitglied bekommt eine Stimme.

    Ihnen ist das Schlimmste passiert, was einer Familie geschehen kann: ein Kind verschwindet spurlos. Danach ist nichts mehr, wie es vorher war und jeder versucht, auf seine Weise, mit dem zurecht zu kommen, was eigentlich nicht zu verarbeiten ist, die Ungewissheit, ob die kleine Elly noch lebt oder nicht. In Gedanken werden schreckliche Szenarien entworfen und die Beziehungen zwischen Vater, Mutter und der zweiten Tochter leiden, Misstrauen kommt auf. Schrecklich ist ihre Not.

    "Wir verrotten von innen. Das Gift schäumt bis in unseren Mund hinauf." (55)

    Es gibt viele rätselhafte Stellen im Buch, solche, die man mehrfach lesen muss und die man vielleicht erst bei einem zweiten Lesen versteht. Das ist es nicht, was mich gestört hat, denn ich mag Bücher, die den Leser fordern, die Gedanken auslösen.

    Doch hier waren einige Brüche und Unwahrscheinlichkeiten, eine ungewöhnliche Wendung, was die Geschichte für mich unrund machte. Allzu schwarz und trostlos kommt diese Geschichte daher. Da fällt mir immer Yanagiharas 'Ein wenig Leben' ein, dass trotz aller Traurigkeiten und Brutalitäten auch positive Aspekte zu Liebe und Freundschaft enthielt. Hier konnte ich leider nichts Positives finden.

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    A
    Annnivor 2 Monaten
    "Diese Geschichte ist nicht meine Geschichte."

    Auf dem Weg zum Training verschwindet die elfjährige Elly spurlos - und für ihre Eltern und zwei jahre ältere Schwester ändert sich alles. Dass niemand von ihnen die Hoffnung aufgeben kann; dass niemand loslassen kann, wird durch die brilliante Multiperspektivität deutlich. Die Sprachlosigkeit, die die Familie über Jahre begleitet, kommt subtil und doch offensichtlich zum Ausdruck; ebenso die Sehnsucht und der Wunsch danach, dass alles wird wie früher. Dass die Ungewisseheit ein Ende hat.

    Als Elly eines Tages wieder auftaucht, wird sie vorsichtig wieder in ihre Familie eingegliedert - doch niemand weiß, mit dem Trauma und der Tatsache, dass nun alles wieder gut ist, umzugehen. Auf tiefschürfende und einfühlsame Art und Weise beschreibt Maike Wetzel eine Familie, die auseinandergerissen wird und danach nie wieder ganz zusammenfinden kann.

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    Schoeffling_und_Cos avatar

    Liebe Leserinnen und Leser,

     

    wir laden Euch herzlich ein, an unserer Leserunde zu Maike Wetzels Roman »Elly« teilzunehmen. Damit Ihr Euch von dem Buch einen Eindruck machen könnt, ist hier ein kleiner Vorgeschmack:

     

    Elly ist weg. Eines Tages verschwindet die Elfjährige spurlos aus dem Leben ihrer Familie. Die Eltern und Ellys ältere Schwester bleiben zurück und versuchen trotz des Verlustes weiterzumachen. Doch die drei können nicht loslassen, Elly bleibt allgegenwärtig, in Gedanken, Taten und Schuldgefühlen. Jeder spielt den Tag, nach dem nichts mehr war wie zuvor, unablässig im Kopf durch. Die Suche nach Elly hört nicht auf, alle Beteiligten schaffen sich ihren eigenen Ersatz für das Verlorene.

     

    Falls dieser Auszug des Klappentextes Eure Neugierde geweckt hat, könnt Ihr Euch für die Leserunde und ein Leseexemplar bewerben. Dazu müsst Ihr nur eine Frage beantworten: Habt Ihr schon einmal einen Roman gelesen oder Film gesehen, der vom Plot ähnlich ist?

     

    Wir sind auf Eure Antworten gespannt!

     

    Liebe Grüße und viel Glück wünscht Euch Euer

    Verlag Schöffling & Co

     

    PS: Eine Leseprobe zum Buch findet Ihr hier.

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