Maja Haderlap

 4.3 Sterne bei 33 Bewertungen
Autor von Engel des Vergessens, Im langen Atem der Geschichte und weiteren Büchern.
Maja Haderlap

Lebenslauf von Maja Haderlap

Maja Haderlap, 1961 in Bad Eisenkappel in Österreich geboren, ist eine österreichische Schriftstellerin und Übersetzerin mit slowenischen Wurzeln. Sie schreibt hauptsächlich Lyrik, Essays und Prosa und übersetzt slowenische Literatur in die deutsche Sprache. Sie hat unter anderem schon als Chefdramaturgin am Stadttheater Klagenfurt gearbeitet (1992 - 2007) und war 3 Jahre lang Redakteurin und Herausgeberin der in Kärnten erschienenen slowenischen Literaturzeitschrift "mladje". Sie arbeitet als Dramaturgie- und Produktionsassistentin in Triest und Ljubljana und hat außerdem regelmäßige Lehraufträge für die Alpen-Adria Universität Klagenfurt am Institut für Kultur-, Literatur-, und Musikwissenschaft. Sie selbst genoss ein Studium der Theaterwissenschaften und deutscher Philologie an der Universität Wien. Ihre Werke wurden unter anderem 2011 mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet. Ihr neuster Roman erschien 2011 und trägt den Titel "Engel des Vergessens".

Neue Bücher

Im langen Atem der Geschichte

Neu erschienen am 17.12.2018 als Hardcover bei Wallstein.

Alle Bücher von Maja Haderlap

Engel des Vergessens

Engel des Vergessens

 (33)
Erschienen am 11.02.2013
Im langen Atem der Geschichte

Im langen Atem der Geschichte

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Erschienen am 17.12.2018
langer transit

langer transit

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Erschienen am 30.06.2014
Engel des Vergessens: Roman

Engel des Vergessens: Roman

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Erschienen am 27.01.2012
Angel pozabe

Angel pozabe

 (0)
Erschienen am 30.09.2012

Neue Rezensionen zu Maja Haderlap

Neu
Linnea_Draconiss avatar

Rezension zu "Engel des Vergessens" von Maja Haderlap

literarisches Meisterwerk
Linnea_Draconisvor einem Jahr

Fakten:

Buchtitel: Engel des Vergessens

Originaltitel: Engel des Vergessens

Autor: Maja Haderlap

Verlag: btb

Buchreihe: /

Seitenanzahl: 288 Seiten

ISBN: 978-3442744763

Preis: 10,00€ Taschenbuch

 

Inhaltliches:

Erzählperspektive: eigentlich Ich-Perspektive, allerdings wechselt es auch teilweise zu der dritten Person

Lesbarkeit: sehr flüssig

Besonderheiten des Buches: Es gibt keine Kapitel und die Geschichte wird aus vielen verschiedenen Perspektiven geschrieben.

 

Klappentext:

Maja Haderlap erzählt die Geschichte eines Mädchens, einer Familie und zugleich die Geschichte eines Volkes, der Slowenen in Kärnten. Überaus sinnlich beschwört die Autorin die Gerüche des Sommers herauf, die Kochkünste der Großmutter, die Streitigkeiten der Eltern und die Eigenarten der Nachbarn. Erzählt wird von dem täglichen Versuch eines heranwachsenden Mädchens, ihre Familie und die Menschen in ihrer Umgebung zu verstehen. Zwar ist der Krieg vorbei, aber in den Köpfen der slowenischen Minderheit, zu der die Familie gehört, ist er noch allgegenwärtig. Die Erinnerungen an jene schreckliche Zeit gehören für die Menschen zum Leben wie Gott. Für ihr Romandebüt wurde Maja Haderlap vielfach ausgezeichnet (u.a. Ingeborg-Bachmann-Preis, Bruno-Kreisky-Preis, Rauriser Literaturpreis).

 

Charaktere:

Zentral ist das Mädchen, aus dessen Perspektive erzählt wird. Da es sich um einen autobiographischen Roman handelt, handelt es sich bei dem Mädchen um Maja selbst. Sie wächst mit den Geschichten aus der schrecklichen Partisanenzeit während des ersten Weltkriegs auf und lebt mit ihrer Familie in der Grenzregion Kärnten und Slowenien. Sie erzählt von ihrer Großmutter und von deren Zeit im KZ. Die Großmutter ist eine sehr gottesfürchtige Frau, die für alles das richtige Gebet parat hat und de von Maja als eine zentrale Figur beschrieben wird. Mehr als die Hälfte des Buches wird von dieser Person beansprucht. Maja hat zu ihrer Großmutter ein gutes Verhältnis und sucht bei ihr oft Zuflucht, doch als sie auf das Gymnasium geschickt wird, bricht die Zuneigung ihrer Großmutter ab.

Majas Mutter ist aufopfernd und setzt sich für die Familie ein, auch sie ist sehr gläubig, wenn auch nicht so streng gläubig wie ihre Schwiegermutter. Sie hat Freude an Gedichten und an Gesängen, doch ihr Mann, Majas Vater, macht ihr das Leben durchaus schwer. Er leidet an starken Selbstzweifel und hält die Familie mit seinen Launen ordentlich auf Trab und sorgt für vielerlei negative Stimmungen im Haus. An ihn scheint lediglich Maja heranzukommen, denn von seiner Frau scheint er nicht viel zu halten. Er scheint zwei Gesichter zu haben, denn er ist zum einen selbstmordgefährdet und zum anderen ist er der trinkfeste Geselle, der bei keinem Fest fehlen darf.

Die Charaktere weisen genug Tiefe auf um mit ihnen mitleiden zu können, auch wenn oft schnell zwischen einzelnen Charakteren gewechselt wird. Man durchlebt, wie Maja der Geist der Vergangenheit zu viel wird und wie sie versucht aus ihrer Familie zu flüchten, nur um dann doch wieder vom Engel des Vergessens eingeholt zu werden.

 

Inhalt:

Die Handlung beginnt mit den frühen Kinderjahren von Maja und es wird erzählt, wie ihre Großmutter sich um sie gekümmert hat und zu welchem Verhältnis sie zu welchen Personen steht. Im Laufe der Zeit wird Maja älter und versteht ihre Umwelt besser. Je älter sie wird, umso mehr Geschichten erzählt ihr ihre Großmutter über das KZ und darüber, was sie erlebt hat. Im weiteren Handlungsverlauf besucht Maja das Gymnasium und immatrikuliert. Dieses Thema ist in diesem Buch sehr zentral, ebenso wie das Thema der Partisanen. Maja lernt erst im fortschreitenden Alter, dass sie die Vergangenheit nie gänzlich abstreifen kann.

Die Handlung verläuft parallel zum Heranwachsen des Mädchens. Die Autorin hat einen sehr ruhigen und gemessenen Erzählstil, der sehr mitreißend ist. Sie legt besonders auf die Charaktere großen Wert. Auffallend ist, dass die Geschichte durchwegs im Präsens gehalten ist und nur durch ein Futur Abwechslung erlebt. Durch die gewählte Zeitform werden die Erzählungen intensiviert und treten genauer ins Gedächtnis.

Dass dieser Roman den Bachmannpreis 2011 gewonnen hat, ist kaum verwunderlich. Auch die Thematik Kärnten/Slowenien ist aktuell. Ein tolles Leseerlebnis, das literarisch hervorragend gelungen ist.

 

Cover:

Das Cover ist sehr schlicht gehalten und erinnert mich an das Haus, in dem sich die meisten der Erzählungen abspielen. Die Hausmauer wirkt alt und weist darauf hin, dass es sich um keine moderne Geschichte handelt, sondern, dass die Erzählzeit in der Vergangenheit angesiedelt ist. Die Schriftart passt gut zum Hintergrund und die rote Titelfarbe hebt sich gut vom hellen Cover ab. Ein gelungenes Cover, das zum Buch passt.

 

Empfehlenswert: Ja, dieses Buch ist sehr zu empfehlen.


Diese Rezension erschien ebenfalls hier:

http://lesedrachen.blogspot.co.at/2017/11/engel-des-vergessens.html

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Caastorbs avatar

Rezension zu "Engel des Vergessens" von Maja Haderlap

In den Köpfen ist der Krieg noch immer wie eine grausige, offene Wunde
Caastorbvor 3 Jahren

Maja Haderlap erzählt die Geschichte ihrer Kindheit, ihrer Jugend, ihrer Familie im slowenischen Teil Kärntens. Die durchgehende Präsensform der Sätze holt die Erinnerungen in die Gegenwart. Der Roman wirkt wie ein Traum, den wir als Leser miterleben. Die einfache Sprache wirkt mit überwältigender, bildhafter Kraft. 
Die Großmutter schöpft mit einem Löffel eine weißgraue Schimmelschicht ab, bevor sie die Apfelmarmelade aus einem Topf entnimmt. Die Etiketten sind mit einem Brei aus Mehl, Milch und Speichel angeklebt. Großmutter führt ein einfaches, bäuerliches Leben. Sie fährt mit dem Zeige- und Mittelfinger in den After der Hühner, um zu prüfen, ob sie Eier legen. Gerstenkörner, eine Entzündung an den Augen, betet sie ab. Sie hat ein besonderes Brot in ihrem Schrank liegen. Wenn es zu schimmeln beginnt, wird sie sterben. Sie übernimmt die Erziehung ihrer Enkelin. Die wichtigsten Dinge im Leben sind Tanzen, Kartenspielen und eine richtige Bewirtung. Das ist es, was eine Frau in schwierigen Zeiten am Leben erhält. Eine Frau soll nicht Bücher lesen. Die Großmutter hat den Krieg erlebt. Sie hat mit der Hilfe einer Wienerin durch Zufall das KZ überstanden.
Der Vater ist einfacher Waldarbeiter, ein armer verbitterter Mann. Er trinkt, baut ein neues Haus und fährt Motorrad. Sein ganzes Leben ist dominiert von seinen Kriegserlebnissen. Von der SS wurde er im Alter von acht Jahren dreimal an einem Baum aufgehängt und dann gefoltert. Er hat die slowenischen Partisanen aus der Umgebung nicht verraten. 
Die Mutter spielt eine Nebenrolle. Sie erträgt ihr Muttersein. Als einzige setzt sie sich für die Bildung ihrer Tochter ein und schickt sie auf das Gymnasium und auf die Hochschule. 
Der Roman ist eine Erinnerung an die ambivalente Lage der slowenischen Minderheit in Kärnten während des Zweiten Weltkriegs und danach. Selbst im Frieden ist der Krieg noch allgegenwärtig. Immer noch spielen die Kriegsereignisse in ihren Köpfen eine dominierende Rolle. Die Slowenen waren im Krieg von der Vernichtung bedroht. Auf dem Nachbarhof wurde die Familie von der SS erschlagen. Ein Bekannter musste zusehen, wie seine Eltern von deutschen Offizieren erschossen wurden. Partisanen, die auf der Seite der Alliierten kämpften, wurden gejagt wie Tiere. Die SS transportierte ganze Familien ab, die nie mehr gesehen wurden. In jeder Familie, auf jedem Hof erfahren wir von Gräueltaten der Deutschen. Besonders der Vater kommt mit seinen Erlebnissen nicht zurecht. 

"Wenn man im Wald Angst hat, muss man Partisanenlieder singen. Das hilft immer."


Mit den € 5.000, die er als Wiedergutmachung vom Österreichischen Staat bekommt, lässt er sich seine Zahnprothese reparieren. 

Die Autorin Maja Haderlap nennt sich selbst in einer Rede eine Zeugin einer Verlustgeschichte. Sie hat den Versuch unternommen "das in der slowenischen Sprache beheimatete Gedächtnis, die in ihr innewohnende kollektive Erfahrung der Slowenen in die deutsche Sprache zu transferieren." Mit einem Textausschnitt aus dem Roman gewann Maja Haderlap den Ingeborg-Bachmann-Preis. 

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eulenmamas avatar

Rezension zu "Engel des Vergessens" von Maja Haderlap

erinnernd
eulenmamavor 5 Jahren

die erinnerungen eines slowenischen mädchens ,das in der nachkriegszeit in kärnten aufwächst. in armen verhältnissen. erinnerungen von der großmutter und vom traumatiserten vater. schreckliche vorkommnisse, was menschen fähig sind anderen anzutun. menschen? da trifft wohl der ausdruck bestie den punkt. trotzdem schafft das mädchen es eine gute schulbilldung zu erhalten und es einigermaßen zu verarbeiten, sich zu befreien so gut es halt geht.
ein aufwühlendes buch das auch in romanform sehr authentisch rüberkommt.  mitfühlende erinnerung an die zeit. für mich ein meisterwerk.

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