Majgull Axelsson Ich heiße nicht Miriam

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Inhaltsangabe zu „Ich heiße nicht Miriam“ von Majgull Axelsson

An ihrem 85. Geburtstag bekommt Miriam Guldberg von ihrer Familie einen silbernen Armreif geschenkt, in den ihr Name eingraviert ist. Beim Anblick entfährt ihr der Satz: »Ich heiße nicht Miriam.« Niemand in ihrer Familie kennt die Wahrheit über sie. Niemand ahnt etwas von ihren Wurzeln. Doch an diesem Tag lassen sich die Erinnerungen nicht länger zurückhalten. Zum ersten Mal in ihrem Leben erzählt sie davon, wie sie als Roma unter den Nazis lebte, im KZ war und als vermeintliche Jüdin nach Schweden kam.

Ein sehr lesenswertes Buch über das Grauen der Nazizeit, über Vorurteile, Fremdenfeindlichkeit und über Ängste, die ein Leben beherrschen.

— meppe76

Überleben in unmenschlichen Zeiten: Die unglaubliche Geschichte der Miriam Guldenberg schlägt einen Bogen zu den Flüchtlingen von heute.

— stadtschreiber

Herzzerreißend ..

— bettina3642

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  • Ein Buch über die Jüdin Miriam, die einmal Malika hieß

    Ich heiße nicht Miriam

    meppe76

    27. April 2017 um 21:33

    Miriam Guldberg wird 85 Jahre alt und erhält von ihrer Familie einen Armreif, in den ihr Name eingraviert ist. Beim Anblick des eingravierten Namens flüstert sie den Satz, der Titel des Romans geworden ist „Ich heiße nicht Miriam“. Was von ihrer Familie zunächst als Zeichen von Verwirrtheit und einer möglicherweise beginnenden Demenz gewertet wird, führt bei ihrer Enkelin Camilla dazu, Fragen zu stellen und tiefer in die Lebensgeschichte ihrer Großmutter einzutauchen.   Und Miriam beginnt zu erzählen: von ihrer Zeit im Kinderheim, von den unvorstellbar grausamen Erlebnissen in den Lagern in Auschwitz und Ravensbrück und von den Umständen, die dazu geführt haben, dass aus dem Roma-Mädchen Malika die Jüdin Miriam Guldberg geworden ist.   Als Miriam nach dem Krieg in Schweden landet und ein neues Leben beginnt, könnte eigentlich alles gut werden. Wären da nicht die Erinnerungen, die sie ganz tief in sich begraben hat und mit aller Kraft  zu unterdrücken versucht, und wäre da nicht die ‚Lebenslüge‘ der eigenen Identität. Sie ist nicht die, für die sie sich ausgibt und die Angst, auch von den Menschen wieder fallengelassen zu werden, die sie als Jüdin liebevoll aufgenommen haben, lässt sie nicht los… bis zu diesem 85. Geburtstag. Es ist ein bewegender Roman nicht nur über das Leid und den Schrecken der Nazizeit, sondern auch über Vorurteile, Ablehnung von Minderheiten und Fremdenfeindlichkeit, wie sie auch in unserer Zeit wieder an der Tagesordnung sind. Ein Roman, der zum Nachdenken anregt und mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt hat. Unbedingt lesenswert!

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  • Kampf ums Überleben

    Ich heiße nicht Miriam

    marielu

    10. February 2017 um 17:03

    Zum Inhalt: Miriam erhält von ihrer Familie zu ihrem 85. Geburtstag ein Armband mit ihrem Namen. Ihre Enkelin erwähnt, dass dies von Romas hergestellt wurde. Erinnerungen, die Miriam geheimnisvoll hütet werden geweckt und ihr entfährt der Satz „Ich heiße nicht Miriam“. An diesem Tag gibt sich Miriam, mehr als sonst, ihren Erinnerungen hin. Niemand ahnt von ihren wahren Wurzeln und welche Ängste sie immer noch aussteht. Denn Miriam/Marika wurde als „Mischling“ eines Roma und einer Deutschen geboren. Doch mit der Machtübernahme Hitlers findet sie sich rasch in den Konzentrationslagern Auschwitz und Ravensbrück wieder. Der Kampf ums Überleben beginnt, der nicht mit der Befreiung aus dem Lager endet. Denn auch in Schweden, wo Miriam jetzt lebt gibt es nach wie vor Ablehnung, Vorurteile und Verachtung für bestimmte Menschengruppen. Dennoch ist es für Miriam ein Paradies. Aber Miriam muss selbst in ihrer Familie ihr Geheimnis gut hüten. Meine Meinung: Die ersten Seiten, ließen mich zögern ob ich das Buch weiter lesen soll. An den Schreibstil musste ich mich erst gewöhnen und etwas irritiert war ich über die Zwischenwelt in die Miriam beim Aufwachen an diesem Morgen flieht. Doch das Weiterlesen überzeugte mich von diesem Buch. Die Autorin Majgull Axelsson beschreibt in unterschiedlichen Zeitebenen bedrückend die Umstände in denen Miriam leben muss. Die Angst, die sie fast täglich verfolgt und sie dennoch dem Leben entgegen geht. Dabei spielt das Thema des Völkermords an die europäischen Roma und Sinti genauso wie an den Juden eine wesentliche Rolle. Aber sie zeigt auch auf, dass das Leben nach dem Dritten Reich für bestimmte Völkergruppen nicht leicht ist. Z.B. 1948 in der Stadt Jönköping, dort überfielen Einwohner das Wohnquartier der Roma, drangen in Wohnungen ein, zerstörten sie zum Teil und versuchten mit massiven Angriffen die Bewohner aus der Stadt zu vertreiben. Und gerade in unserer Zeit, in dem momentanen Zeitgeschehen finde ich es wichtig ein solches Buch zu lesen um sich zu erinnern was Fremdenfeindlichkeit und Hass auslösen kann. Fazit: Ein Roman über das Leben einer Frau, geprägt durch Fremdenfeindlichkeit und Hass, die aus einer Völkerrandgruppe stammt und ihr Leben lang um ihr Überleben kämpfen muss. Absolut Leseempfehlung

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  • Ein Gesicht und ein Name für die Schrecken des Krieges

    Ich heiße nicht Miriam

    stadtschreiber

    19. January 2017 um 17:23

    Ist wirklich noch ein weiteres Buch über den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust nötig, nachdem das Thema seit mehr als fünf Jahrzehnten in der belletristischen Literatur dauerpräsent zu sein scheint? Diese Frage lässt sich nach der Lektüre von „Ich heiße nicht Miriam“ eindeutig mit Ja beantworten. Die Autorin beleuchtet das Thema aus einem völlig neuen Blickwinkel und gibt dem Schrecken des Krieges ein Gesicht und einen Namen.Erinnerung als Roma an die NaziherrschaftMajgull Axelsson erzählt die Geschichte der Miriam Guldenberg. Sie bekommt an ihrem 85. Geburtstag von der Familie einen silbernen Armreif geschenkt, in den ihr Name eingraviert ist. Miriam kommentiert das Geschenk mit den Worten, dass ihr Name nicht Miriam sei. Jetzt brechen sich Erinnerungen Bahn und die Familie erfährt die wahre Geschichte der Protagonistin. Miriam erzählt sie zum ersten Mal davon, wie ihr Leben als Roma unter nationalsozialistischer Herrschaft verlief und wie sie später unter jüdischem Deckmantel in Schweden lebte. Weil den brutalen Aufseherinnen im Konzentrationslager zerlumpt erscheinende Häftlinge ein Dorn im Auge waren, hatte die Protagonistin kurzerhand die eigenen Kleider abgestreift und war in die saubere Kleidung einer Toten geschlüpft, womit die Zigeunerin Malinka auch ihre Identität gewechselt hatte. Es gelingt ihr mit eisernem Willen, die Konzentrationslager in Auschwitz-Birkenau und Ravensbrück zu überleben. Nach Kriegsende gelangt die vermeitliche Miriam schließlich nach Schweden, wo sie versucht, sich unter falschem Namen und mit falscher Religion zu integrieren. Sensibel und aktuell Majgull Axelsson schlägt mit „Ich heiße nicht Miriam“ einen sensiblen Bogen von den Schrecken und den Folgen der Naziherrschaft zur aktuellen Flüchtlingsproblematik. Auch damals stellte die Integration der zahllosen Flüchtlinge ein massives Problem für die einheimische Bevölkerung dar. Die Autorin schildert die Schrecken ihrer Protagonistin sensibel und stilsicher. Sie schildert herausragend, wie die Annahme einer fremden Identität immer mehr zur Realität wird, sodass die eigentliche Herkunft zu einem fernen Schimmer in der Erinnerung verblasst. Mein Fazit: „Ich heiße nicht Miriam“ ist ein empfehlenswerter Roman, der den Überlebenskampf in unmenschlichen Zeiten glaubhaft schildert. Majgull Axelsson ist ein fesselnder Roman über entwurzelte Menschen in dunklen Epochen der Geschichte gelungen. Autor der Rezension ist Harry Pfliegl. Danke dafür.

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  • Ich heiße nicht Miriam

    Ich heiße nicht Miriam

    Kleine8310

    15. March 2016 um 21:12

    "Ich heiße nicht Miriam" ist ein Roman der Autorin Majgull Axelsson. In diesem Buch geht es um die Protagonistin Miriam Guldberg. An ihrem 85. Geburtstag bekommt Miriam von ihrer Familie einen Armreif geschenkt, in den sogar ihr Name eingraviert ist. Doch als die Protagonistin die Gravur sieht behauptet sie plötzlich gar nicht Miriam zu heißen. Die Reaktionen der Familienmitglieder reichen von überrascht, ungläubig bis schockiert, denn niemand in ihrer Familie kennt die Wahrheit über ihre Wurzeln. Doch an diesem Tag schafft die Protagonistin es nicht die Erinnerungen wieder zurück zu drängen und erzählt wie sie früher als Roma unter den Nazis lebte und was sie danach noch alles erleben musste ...   Der Einstieg in die Geschichte ist mir gut gelungen, obwohl der Schreibstil der Autorin etwas gewöhnungsbedürftig für mich war und es zu Beginn ein bisschen holprig für mich zu lesen war. Dennoch schreibt Majgull Axelsson ungemein fesselnd und schafft es die Emotionen, die mit den Inhalten der Geschichte einhergehen wirklich gut herüberzubringen. Die Charaktere waren sehr gut ausgearbeitet, aber den größten Teil nahm natürlich die Protagonistin ein. Ihre Geschichte ist ungemein interessant und ging mir doch sehr unter die Haut. Die Themen, auf die der Leser/die Leserin hier am häufigsten treffen wird sind Vorurteile, Schicksale von Menschen, Identitätsfragen, sowie Glaubensfragen und Ängste in jeglicher Form. Die Autorin hat der Protagonistin ein Leben nach dem Konzentrationslager geschrieben, welches von alltäglichen Ängsten geprägt ist und ich stelle es mir unglaublich schlimm vor mit der ständigen Angst, dass man sich verraten und alles verlieren könnte, was man sich über Jahre aufgebaut hat, zu leben. "Ich heiße nicht Miriam" ist ein Buch, welches zum Nachdenken anregt und sehr unter die Haut geht. Die Protagonistin wurde wunderbar dargestellt und ich werde sicher noch oft an ihre Geschichte denken!

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  • Ich heiße nicht Miriam

    Ich heiße nicht Miriam

    Klusi

    02. March 2016 um 13:59

    Zu ihrem 85. Geburtstag bekommt Miriam Guldberg einen silbernen Armreif von ihrer Familie geschenkt, wo ihr Name eingraviert ist. Als sie dies sieht, bemerkt sie spontan „Ich heiße nicht Miriam“ und stürzt damit ihre Lieben in Verwirrung. Als junge Frau kam die Jüdin zum Ende des Krieges nach Schweden, aber bisher wurde auch in der Familie nie über ihre schlimme Vergangenheit und ihre schreckliche Zeit während der Gefangenschaft im KZ gesprochen. Als sie nun behauptet, sie sei nicht Miriam, befürchtet ihre Enkelin sogar, sie könne womöglich unter beginnender Demenz leiden. Aber dem ist ganz und gar nicht so, denn Miriam hat ein gutes Gedächtnis, fast zu gut. Dabei fällt es ihr schwer, die Erinnerungen an die furchtbare Zeit, die sie damals erlebt hat, zuzulassen. Im Lauf der Jahre ist sie eine Meisterin der Verdrängung geworden. In der Gegenwart hat sich Miriam eine Art Zuflucht in ihre eigene Gedankenwelt geschaffen. Ihr geistiger Rückzugsort gibt ihr Schutz und Halt, wenn die schrecklichen Erinnerungen zu übermächtig werden, an damals, als Miriam noch Malika war, ein Roma-Kind, zu einer Zeit, als es vor dem Regime schon als Verbrechen galt, anders zu sein. An ihrem 85. Geburtstag muss es heraus. Zu lange hat sie all das Schreckliche in ihrem Innern verschlossen. Nun bricht sie ihr Schweigen und offenbart sich ihrer Enkeltochter. Die Verleugnung und Aufgabe ihrer Identität damals hat ihr das Leben gerettet und ihr eine sichere Zukunft ermöglicht. Nun, da die Wahrheit ans Licht will und sie sich Camilla anvertraut, wird sie zugleich von der Angst beherrscht, ihre eigene Familie könnte sie verurteilen und ablehnen. Als Jüdin konnte sie nach der Befreiung auf Mitleid und Hilfe hoffen. Aber viele, die sie als Miriam mitfühlend unterstützten, hätten Malika, die Romni, entsetzt fallen gelassen. Es gibt viele Zeitsprünge im Handlungsablauf, die zu ganz unterschiedlichen Ereignissen und Situationen führen. Diese sind nicht in chronologischer Reihenfolge, sondern erfolgen auf Grund von Gedankenblitzen der Protagonistin. Sie erinnert sich an eine Person oder eine Szene von damals, und schon ist ihr die ganze Dramatik der Geschichte wieder im Gedächtnis. Immer noch stehen ihr die brutalen Bilder deutlich vor Augen, nur die Zeitabläufe verwischen. Die Gedankensprünge zu ganz unterschiedlichen Zeitpunkten und die häufig wechselnden Orte versinnbildlichen für mich die innere Zerrissenheit und Aufgewühltheit der alten Dame. Auch nach all den Jahren lastet immer noch das Bewusstsein auf ihr, dass sie mit einer Lüge lebt. Der Erzählstil dieses Romans wirkt manchmal fast spielerisch leicht, besonders in den Szenen, wenn Miriam vor sich selbst und ihrem Schicksal auf der Flucht ist und sich innerlich in ihre Traumwelt zurückzieht. Sie versuchte, die schrecklichen Dinge, die um sie herum geschehen sind, möglichst auszublenden und das Leid, den Hunger, das Elend und die verstörenden Bilder der Leichenberge, mit denen sie täglich im KZ konfrontiert wurde, so gut wie möglich zu ignorieren, denn nur so hatte sie die Kraft, durchzuhalten und weiterzuleben. Die Autorin malt mit Worten ein erschütterndes Bild, und sie tut es so berührend dass einen diese Lebensgeschichte nicht mehr loslässt. Obwohl Miriams Schicksal fiktiv ist, so ändert das nichts an der Tatsache, dass es sich in der Realität oft so oder in ähnlicher Weise abgespielt hat. Zwar sind die Romanfiguren weitgehend erfunden, nicht jedoch die Schauplätze, und die Handlung orientiert sich sehr eng an historischen Tatsachen. Die Autorin setzt sich gerne und häufig für Randgruppen der Gesellschaft ein, was sie in diesem Roman in besonders eindringlicher Weise tut. Majgull Axelsson bricht hier eine Lanze für eine Minderheit, für ein ganzes Volk, das sich immer wieder Pauschalurteile, Ablehnung und Verachtung gefallen lassen musste und zum Teil immer noch muss. Der inhaltsschwere, sehr gründlich recherchierte und meisterlich geschriebene Roman wühlt auf. Er hinterlässt ein beklemmendes Gefühl, einen schalen Nachgeschmack, besonders wenn man die aktuelle Lage, den Fremdenhass und die Not der Flüchtlinge bedenkt. Brutale Übergriffe in neuester Zeit zeigen, dass dieses düstere Kapitel deutscher Geschichte immer noch Nachhall findet und das Problem der fremdenfeindlichen Gesinnung zum Teil auch heute noch nicht ausgestorben ist. Ein sehr wichtiger und lesenswerter Roman!

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  • Ich heiße nicht Miriam - Majgull Axelsson

    Ich heiße nicht Miriam

    Lesen_ist

    26. January 2016 um 18:03

    Inhalt An ihrem 85. Geburtstag bekommt Miriam Guldberg von ihrer Familie einen silbernen Armreif geschenkt, in den ihr Name eingraviert ist. Beim Anblick entfährt ihr der Satz: „Ich heiße nicht Miriam“. Niemand in ihrer Familie kennt die Wahrheit über sie. Niemand in ihrer Familie ahnt etwas von ihren Wurzeln. Doch an diesem Tag lassen sich die Erinnerungen nicht länger zurückhalten, und sie erzählt zum ersten Mal von ihrem Leben als Roma unter den Nazis, im KZ und als vermeintliche Jüdin in Schweden. Meine Meinung Dieses Buch war im Goodie-Bag von LovelyBooks, das ich bei Jess von »primeballerina‘s books« im Oktober gewonnen habe. Ich habe es ein bisschen hinausgezögert dieses Buch zu lesen, weil einige meinten, es wäre schwer in die Geschichte reinzukommen. Nun, das stimmt tatsächlich. Aber es lohnt sich dabei zu bleiben und weiter zu lesen! Miriam lebt in Nässjö in Schweden und es ist Mittsommer. Heute hat sie ihren 85. Geburtstag, obwohl, so genau weiß sie das gar nicht. Es ist noch Nacht und Miriam träumt vom großen Hunger ihrer Jugend, wie jede Nacht. Sie wird langsam wach und im Zustand zwischen Schlaf und Wachzustand lenkt sie ihre Träume. Sie ist in einem Raum mit vielen Türen und heute sind es 85. Hinter den Türen sind Menschen und Erinnerungen. Nicht alle sind gute und schöne Erinnerungen. Doch Kaiser, der Hund des Nachbars, bellt und reißt sie aus ihren Träumen. Er ist ein Deutscher Schäferhund, und sein Bellen versetzt Miriam zurück in einer Zeit, in der sie sich in Deutschland befindet, im Strafblock des Konzentrationslagers. Miriams Stiefsohn und seine kleine Familie kommen zu ihr rein und sie gratulieren zum Geburtstag, überreichen ihr ein Geschenk. Ein silbernes Armband, schlicht und wunderschön, mit einer Gravur: »Für Miriam zum 85. Geburtstag«. Das Armband wurde von Roma gemacht. Schmerzhafte Erinnerungen lassen die Tränen aufsteigen. Worte, die sie seit mehr als 60 Jahren nicht gesagt hat, huschen durch ihren Kopf und zum ersten Mal spricht sie sie leise aus: »Ich heiße nicht Miriam.« Die Art der Erzählung und der Schreibstil machen es tatsächlich schwer in diese Geschichte rein zu kommen. Am Anfang werden so viele Fragen aufgeworfen und Verwirrung gestiftet über eine Vergangenheit, die dem Leser noch offenbart werden muss. Als Miriam in ihrem Traum plötzlich ihren eigenen Kopf öffnet und ihr Gehirn rausnimmt, um es zu betrachten, dachte ich schon, dass ich und dieses Buch keine Freunde werden. Ich habe mich geirrt. Die Erzählung folgt keine direkte Zeitlinie, es kam mir oft wie eine Zickzack Linie vor, und es ist nicht immer ersichtlich, ob Miriam jetzt tatsächlich erzählt oder nur für sich zurückdenkt. Der Text, hinten auf dem Cover, legt nah, dass sie jemanden alles erzählt. Das ist aber irreführend, weil es nicht so ist. Man gewöhnt sich langsam an den Erzählstil, vertieft sich in eine Vergangenheit voll Schrecken, Schmerz, Angst, Hunger und sehr viel Leid. Miriam war am Anfang eine verwirrt alte Dame für mich. Doch ihre Geschichte entfaltet sich und sie wächst einem sehr ans Herz. Sie erinnert sich an einer Zeit, als sie noch ein Kind war, ihrer Familie entrissen wird, zusammen mit ihrem jüngeren Bruder Didi, und in ein Kloster gesteckt wird. Danach kommt sie nach Ausschwitz-Birkenau. Sie ist keine Jüdin. Sie ist eine Romni, eine Zigeunerin. Doch das weiß heute niemand, es ist ein Geheimnis, dass sie seit mehr als 60 Jahren für sich behalten hat. Und sie heißt auch nicht Miriam. Es ist was passiert, als sie von Ausschwitz ins KZ Ravensbrück transportiert wurde, ins Frauenlager. Der Drang zum Überleben hat ihr Schicksal besiegelt. Und nun ist sie keine Romni mehr, jetzt ist sie eine Jüdin die Miriam heißt. Am Ende ist Miriam einfach eine sehr sympathische Urgroßmutter, die so viel entsetzliches erlebt hat, und schon viel zu lange ein Geheimnis gehütet hat. Sie hat mein Herz erreicht, mich in den Abgrund geführt und mich zu Tränen gerührt. Sie ist eine Frau, die ich sehr gerne kennenlernen würde. Es gibt viele Bücher über den Holocaust. Doch dies ist das erste Buch, das ich über den Porajmos, den Völkermord der europäischen Roma, gelesen habe. Von klein auf war dieses Volk für mich mystisch und auch irgendwie magisch. Trotz der vielen Vorurteile, vor allem, dass alle Roma stehlen, hatte die Vorstellung, so wie sie zu leben etwas romantisches. Die Geschichte von Miriam ist keineswegs romantisch. Sie verliert so viel, sogar sich selbst, aber sie überlebt und bekommt ein neues Leben in Schweden. Schonungslos wird dem Leser vor Augen geführt, wie entsetzlich grausam Menschen sein können, zu welchen Gräueltaten sie fähig sind. Und mitten in dieser Hölle auf Erden gibt es Zuneigung und Liebe, die Miriam das Leben retten, sie zu einer Überlebenden machen. Aber die Erinnerungen an das Leid, den Hunger, den Schmerz und die Angst kann man nicht vergessen, nur versuchen zu verdrängen. Bei Miriam kommt noch dazu, dass sie ihr restliches Leben als jemand anderes lebt, immer aufpassen muss sich nicht zu verraten. Die Angst davor, ausgestoßen und verjagt zu werden, ist wie ein Damoklesschwert, das permanent über sie schwebt. Majgull Axelsson schreibt über die grausamste Zeit in der europäischen Geschichte, führt einem vor Augen, wozu Menschen fähig sind, wenn sie sich in einer Gruppe stark fühlen. Sie zeigt, dass auch andere Völker vernichtet werden sollen, eine Tatsache, die etwas zu sehr in den Hintergrund gedrängt wird. Obwohl ich es schwer fand, in die Geschichte rein zu kommen, hat sich gezeigt, dass es sich lohnt. Es ist schwere Kost und das ist auch gut so. Die Autorin vermittelt erfolgreich die sehr bedrückende Atmosphäre und das entsetzliche Leid dieser Menschen rührte mich zutiefst. Aber auch in den dunkelsten Stunden gibt es ein Licht, Freundschaft und auch Liebe. Frieden, dachte Miriam. Zukunft. Das war alles, was sie besaß. Nur diese zwei Worte. Seite 437

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  • eindrucksvoll, erschütternd, aber unbedingt lesenswert

    Ich heiße nicht Miriam

    ulla_leuwer

    Meine Meinung: Ab und zu greife ich ganz gerne mal nach einem Buch  mit ernsteren Themen. Nachdem ich die Kurzbeschreibung gelesen hatte, war ich deshalb sehr neugierig auf dieses Buch. Die Autorin schildert hierin die Lebensgeschichte einer Deutschen, die als junges Mädchen in ein Konzentrationslager kam. Vorher wurde sie aus ihrer Familie gerissen und in ein Kinderheim gesteckt, wo sie eine gute schulische Bildung erhalten sollte. Leider wendete sich das Blatt und sie kam mit ihrer Cousine und ihrem kleinen Bruder nach Auschwitz. Zu diesem Zeitpunkt hieß sie noch Malika. Weshalb sie ihren Namen und auch ihre Identität ändern musste, beschreibt die Autorin sehr eindrucksvoll. Miriam, wie sich Malika ab einem Zeitpunkt nennen wird, erinnert sich an ihrem 85. Geburtstag an ihre Erlebnisse. Die Autorin schildert dies in drei Zeitepochen, wobei sie dabei nicht in der chronologischen Reihenfolge bleibt. Es wird öfter hin und her gesprungen, was für mich aber kein großes Problem war, ich konnte der Geschichte sehr gut folgen. Während des Lesens fragte ich mich dann aber mal, woher Majgull Axelsson alles so genau weiß. Hat sie etwas dazu erfunden oder entspricht alles den Tatsachen. Ich habe also zwischendurch auf den letzten Seiten des Buches nachgesehen und mir das Postskriptum und den Quellennachweis gelesen. Ich verrate bestimmt nicht zuviel, wenn ich erwähne, dass die Autorin dort schreibt, dass es sich bei diesem Roman um eine rein fiktive Erzählung mit  fiktiven Personen (bis auf drei Ausnahmen) handelt, aber sie ist auf realen Ereignissen aufgebaut. Aus den Erkenntnissen ihrer Recherche hat sie eine sehr eindrucksvolle und erschütternde Geschichte um eine Frau geschrieben, die das KZ überlebt hat. Aber auch über die Zeit danach, in der Miriam feststellen musste, dass sie besser weiterhin nicht verrät, wer sie wirklich ist. Fazit: Über die Autorin habe ich noch erfahren, dass sie sich als ausgebildete Journalistin schon immer für gesellschaftliche Randgruppen interessiert und ihnen in ihren Büchern eine Stimme verliehen hat. Ich finde das ist ihr mit diesem Buch auch sehr gut gelungen und ich möchte es auf jeden Fall weiter empfehlen.

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