Karl und Manci

von Mala Laaser 
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Karl und Manci
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Inhaltsangabe zu "Karl und Manci"

Über Mala Laaser ist wenig bekannt. Sie gehört ebenfalls zur verschollenen, vergessenen Generation: Talentierte, junge Künstler am Beginn ihres Schaffens, das durch den Nationalsozialismus unterbrochen oder für immer beendet wurde. Mit „Karl und Manci“ schuf sie eine mit einer Mischung aus Leichtigkeit und Melancholie zugrunde liegende Novelle, die mit jedem Wiederlesen mehr und mehr gewinnt.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783945778456
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:56 Seiten
Verlag:Verlag interna
Erscheinungsdatum:03.05.2017

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    Buecherschmauss avatar
    Buecherschmausvor einem Jahr
    Unbekannte Novelle aus der Weimarer Republik

    „…dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.“
    Heinrich Heine
    Nach der großen Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 und der im Juni desselben Jahres erfolgten Gründung des „Reichsverbandes deutscher Schriftsteller“, spätestens aber nach der ersten Veröffentlichung der Liste 1 des schädlichen und unerwünschten Schrifttums im Jahr 1935 war für Schriftsteller und Journalisten, die aus rassischen oder politischen Gründen nicht in die nationalsozialistische Ideologie passten, eine Veröffentlichung ihrer Werke und damit auch ihr Lebensunterhalt im Deutschen Reich nahezu unmöglich gemacht worden.
    Für die allermeisten blieb nur das Exil. Wenige, bei denen zumindest die rassischen Verfolgungsgründe fehlten, darunter Hans Fallada und Wolfgang Koeppen, zogen sich in ein „Inneres Exil“ zurück. Letzterer kehrte nach Jahren im Ausland 1938 nicht zuletzt deshalb nach Deutschland zurück, weil seine Existenzgrundlagen in den Niederlanden nicht gesichert waren.
    So ging es vielen seiner Kollegen. Wer nicht schon in den Jahren vor 1933 zu Ruhm und Erfolg, möglichst auch einer internationalen Leserschaft und/oder einflussreichen Fürsprechern gekommen ist, hatte, selbst wenn ihm die Ausreise aus Deutschland gelang, einen schweren Stand.
    Denkt man an große Namen wie die drei Manns (Heinrich, Thomas, Klaus), an Lion Feuchtwanger, Anna Seghers oder Bertolt Brecht, könnte man meinen, die Karrieren gingen nahezu ungemindert weiter. Durch geschicktes Agieren gelang es auch Verlegen wie Gottfried Bermann Fischer (S.Fischer Verlag) in Stockholm oder Fritz H. Landshoff (Kiepenheuer Verlag) mit dem berühmten Querido Verlag in Amsterdam, auch im Exil Publizierungsmöglichkeiten zu schaffen. Aber auch diese Verlage mussten wirtschaften und arbeiteten hauptsächlich mit den bekannten Autoren zusammen.
    Für unbekanntere, weniger populäre oder junge, aufstrebende Schreiber war die Lage katastrophal. Es gab kaum einen Markt für ihre Werke, die aufnehmenden Länder, so sie welche überhaupt gefunden haben, interessierten sich schlichtweg nicht für ihre Werke. Angst vor Abschiebung, fehlende Anerkennung und materielle Not prägten für viele den Alltag. Ein Verstummen in Verzweiflung oder sogar Suizid waren nicht ungewöhnlich, allerdings auch bei ihren erfolgreichen Kollegen nicht ausgeschlossen (siehe Stefan Zweig).
    So sah wohl auch die Lage für Mala Laaser aus, die, jüdischer Herkunft, über die Zwischenstation Frankreich 1939 nach England emigrieren konnte.
    Über sie ist wenig bekannt. Geboren am 19. Juli 1911 in Königsberg, hat sie in den späten Dreißiger Jahren eine Reihe von Reportagen, Gedichten und Prosatexten in der jüdischen (Zwei)Monatsschrift „Der Morgen“ und der CV-Zeitung, dem Organ des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, veröffentlicht. Bei letzterer war sie Redakteurin der Frauenseite und beschäftigte sich noch im Sommer 1938 mit der Frage nach dem Selbstverständnis der jüdischen Frau. Sie kommt dabei nach Befragung zahlreicher, vorwiegend prominenter Frauen zu folgendem, gar nicht so unbekannt vorkommendem Schluss:
    „Wir gehen ein in seelische Unausgeglichenheit und die Gefahr einer dumpfen und bedauerlichen Verwirrtheit, wenn wir uns nicht tapfer offenbaren, als das, was wir sind: als in jeder Beziehung überlastete, weil notwendig uneinheitlich lebende Geschöpfe.“
    In der CV-Zeitung erschien auch ihre wunderbare Novelle „Karl und Manci“, die der sich sehr um die Literatur der Weimarer Republik bemühende Verleger des Interna-Verlags, Jörg Mielczarek entdeckte und nun erstmals veröffentlichte.
    Sie spielt in den Jahren der Weltwirtschaftskrise und erzählt mit bezaubernd schlichter Sprache die Liebesgeschichte von Karl und Manci. Eine, wie Birgit Böllinger, die das Nachwort verfasste, so schön benannte, „sachliche Romanze“. (frei nach Erich Kästner)
    Es ist eine kleine, vermeintlich leichte Geschichte, die aber auch eine ganze Portion Tragik enthält. Diese hält sich aber unter der Oberfläche, kippt nie ins Sentimentale oder gar Pathetische. Es ist eher eine feine, manchmal ein wenig spöttische Melancholie, die das Büchlein durchweht.
    „Wir wissen es: Die Zeit setzte ihren Spaten an und grub gewaltig den Boden um. Aus der Fülle der Geschicke, die sich dabei bildeten, herausgegriffen, soll euch jetzt hier die Geschichte von Karl und Manci, das Schicksal zweier Liebender in unseren Tagen, dargelegt werden.“
    Zunächst scheint sich alles positiv zu entwickeln. Der aus großbürgerlichem Hause stammende und fest in dessen Fesseln gefangene Karl kann sich nach dem Tod des Professoren-Vaters, dem die Laborantin Manci zu weit unter seinem Stand war, endlich zu seiner Liebe bekennen. Aber die Zeiten sind schlecht und werden immer schlechter. Dass das nicht nur an der schlechten Wirtschaftslage liegt, kommt ganz beiläufig daher.
    „Natürlich hatte er keine Beziehungen zur Grossindustrie, aber es kam ihm nicht in den Sinn, dass ein Jude heutzutage noch wählerisch in Bezug auf Geldverdienst sein konnte.“
    Kurz, die beiden verlieren ihre Anstellungen und müssen sich weit unter Niveau verdingen. Das gestehen sie sich aber gegenseitig aus falschem Stolz und Rücksichtnahme nicht ein, es kommt zu einigen Verwicklungen, die sich zum Schluss aber zum Guten auflösen. Nicht zuletzt durch beherztes Eingreifen einiger „Einfacher Leute“. Ähnlich wie auch oft bei Hans Fallada liegt hier das Glück im Einfachen und Bescheidenen. Dass es aber gleichzeitig so einfach nicht ist, zeigt sich am Ende dieser kurzen Novelle, wenn es heißt
    „Süss und bitter!
    War es wirklich Wermut, was sie da herunterschlürften? Oder war es einer jener geheimnisvollen Säfte, die das Leben selber in seinen tausend Tiegeln zubereitet?“
    Dass es in Zukunft eher bitter werden würde, konnte man damals nur ahnen.
    Jörg Mielczarek möchte in seiner Reihe Fünf.Zwei.Vier.Neun. noch weitere vergessene und lang verschollene Texte von meist unbekannten Autoren dieser Zeit veröffentlichen. Diesem Projekt sind viele interessierte Leser zu wünschen.


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