Geschichte der Katharer. Aufstieg und Fall der großen Ketzerbewegung

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Inhaltsangabe

Mittelalterliches Christentum und "religiöse Pluralität"? Diese hat es durchaus gegeben, auch wenn man zutreffender von religiösen Bewegungen und Gegenbewegungen sprechen sollte. Eine der wirkmächtigsten war das Katharertum, dessen Geschichte im hochmittelalterlichen (12. bis 14. Jahrhundert) Languedoc und Oberitalien, den Hauptverbreitungsgebieten, Malcom Lambert hier nachzeichnet.
Das erste Erscheinen der Katharer im Westen (erste Hälfte 12. Jahrhundert) zeigt sie bereits als eine eigenständige Kirche mit ausgebildeter Hierarchie und Lehre. Ihr Glaube jedoch beruhte auf einer dualistischen Weltanschauung, deren Ursprünge bis auf den Manichäismus des 3. Jahrhunderts v.Chr. zurückreichen und die über den bulgarischen Bogomilismus und die byzantinische Ausprägung vielfältige Transformationen erlebt hatte. Die Katharer begriffen sich u.a. aufgrund ihres Taufritus als die wahre Kirche Gottes, erhielten Schutz und Unterstützung durch den regionalen Adel sowie in Zeiten politisch-kirchlicher Auseinandersetzungen und enttäuschter Reformhoffnungen starken Zulauf aus der Bevölkerung. So wurden sie zu einer ernst zu nehmenden Gefahr für die katholische Kirche (Häresie, Ketzer), deren erste "argumentative Gegenmaßnahmen" in das späte 12. und die Anfänge eines institutionellen Vorgehens in das beginnende 13. Jahrhundert fallen. Letztere markieren gleichzeitig den Beginn der Inquisition, im Kampf gegen die Katharer erstmals umfassend und flächendeckend eingesetzt.
Lambert schildert Anziehungskraft und Ausbreitung, Hierarchie, Ritus und Lehre sowie die verschiedenen Gruppen von Gläubigen innerhalb einer Gemeinde und arbeitet die jeweiligen regionalen Besonderheiten heraus. Der steigende Druck der Kirche auf den Adel erreichte dessen Abfall von den Katharern sowie deren Preisgabe und die Verfolgung durch die Inquisition zog Vertreibung, Ächtung und regelrechte Massaker nach sich, die schließlich zum Untergang der Bewegung führten.
Die einführenden Kapitel zu Ursprung, Entwicklung und Wesen des Katharertums hätten ebenso wie grundlegende Begriffe und Phänomene systematischer und stringenter ausfallen können. Doch wird die Untersuchung mit zunehmender Fokussierung auf konkrete Ereignisse und Verläufe dichter, gewinnt an Faszination und fesselt durch eine prägnante und lebendige Sprache. Ein wirklicher Nachteil allerdings ist das fehlende Quellen- und Literaturverzeichnis, weshalb man sich weiterführende Titel mühsam aus dem Anmerkungsapparat heraussuchen muss. Das ist gerade bei einer wissenschaftlichen Publikation mit dem Anspruch einer übergreifenden Gesamtdarstellung ärgerlich. --Osseline Kind

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783896784018
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Gebundenes Buch
Verlag:Wissenschaftliche Buchgesellschaft

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