Die Protagonistin Molli erinnert sich am Krankenbett des im Koma liegenden Bruders Bill an das Jahr in ihrer Kindheit, als sich alles änderte.
Molli lebte mit ihrer Mutter Karla und ihrem Bruder in sozial schwachen Verhältnissen. Sie ist 10 Jahre alt, als sie zu Frank, dem Freund der Mutter, ins Haus ziehen. Aus dem relativ normalen Leben wird ein Leben mit einem kontrollsüchtigen, gewalttätigen Stiefvater. Leider schlägt sich die Mutter nicht wirklich auf die Seite der Kinder und findet obendrein noch, dass sie doch viel Glück hätten. Als Mutter und Stiefvater für mehrere Wochen verreisen, sind die Kinder auf sich selbst gestellt.
In diesem tief berührenden Roman geht es um eine Kindheit, die durch Haltlosigkeit, Vernachlässigung und manipulativer und körperlicher Gewalt geprägt ist. Einer Kindheit, in der es keine bedingungslose Liebe gibt – im Gegenteil! Seite 91: - Du hast immer so ein Glück, jedes Mal kommst du fast ungeschoren davon, sagt Karla begeistert. Es fühlt sich an, als hätte ich Fieber, mein Bein brennt noch immer, mehr und mehr, aber jetzt lächle ich Karla trotzdem an. Ich möchte doch, dass sie zufrieden ist. Sie soll das Gefühl haben dürfen, dass sie Glück hat, mit einem glücklichen Kind. Dass ich die Zeit wert bin, die sie mit mir verbringt.“
Die Autorin schafft es von Anfang an ganz unterschwellig den/die Leser*in in eine Habachtstellung zu versetzen. Zumindest erging es mir so. Ich habe mit Molli mitgelitten und oft nur mit dem Kopf geschüttelt. Unvorstellbar, dass Mütter (und auch (Stief-)väter) so sein können. Es ist keine einfache Lektüre – trotzdem empfehle ich es sehr!
Wie vom Karl-Rauch-Verlag gewohnt, sind die Bücher nicht nur inhaltlich Schätze, sondern auch die Cover immer etwas besonderes – hier wieder eine ganz besondere Haptik! Ich lieb‘s❣️







