Malin C. M. Rønning

 4,3 Sterne bei 12 Bewertungen
Autor*in von Das zwölfte Haus und Skabelon.

Lebenslauf

Malin C. M. Rønning, geboren in Porsgrunn (Norwegen), hat creative writing und literarische Gestaltung studiert. Ihr erster Roman Skabelon wurde für den Tarjei-Vesaas-Debütantenpreis nominiert. Sie lebt und arbeitet in Oslo.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Malin C. M. Rønning

Cover des Buches Das zwölfte Haus (ISBN: 9783792002957)

Das zwölfte Haus

(6)
Erschienen am 17.03.2026
Cover des Buches Skabelon (ISBN: 9783792002728)

Skabelon

(6)
Erschienen am 14.03.2022

Neue Rezensionen zu Malin C. M. Rønning

Cover des Buches Das zwölfte Haus (ISBN: 9783792002957)
Ellekenss avatar

Rezension zu "Das zwölfte Haus" von Malin C. M. Rønning

Ellekens
Eine Kindheit ohne Halt und Liebe

Die Protagonistin Molli erinnert sich am Krankenbett des im Koma liegenden Bruders Bill an das Jahr in ihrer Kindheit, als sich alles änderte.

 Molli lebte mit ihrer Mutter Karla und ihrem Bruder in sozial schwachen Verhältnissen. Sie ist 10 Jahre alt, als sie zu Frank, dem Freund der Mutter, ins Haus ziehen. Aus dem relativ normalen Leben wird ein Leben mit einem kontrollsüchtigen, gewalttätigen Stiefvater. Leider schlägt sich die Mutter nicht wirklich auf die Seite der Kinder und findet obendrein noch, dass sie doch viel Glück hätten. Als Mutter und Stiefvater für mehrere Wochen verreisen, sind die Kinder auf sich selbst gestellt.

In diesem tief berührenden Roman geht es um eine Kindheit, die durch Haltlosigkeit, Vernachlässigung und manipulativer und körperlicher Gewalt geprägt ist. Einer Kindheit, in der es keine bedingungslose Liebe gibt – im Gegenteil! Seite 91: - Du hast immer so ein Glück, jedes Mal kommst du fast ungeschoren davon, sagt Karla begeistert. Es fühlt sich an, als hätte ich Fieber, mein Bein brennt noch immer, mehr und mehr, aber jetzt lächle ich Karla trotzdem an. Ich möchte doch, dass sie zufrieden ist. Sie soll das Gefühl haben dürfen, dass sie Glück hat, mit einem glücklichen Kind. Dass ich die Zeit wert bin, die sie mit mir verbringt.“ 

Die Autorin schafft es von Anfang an ganz unterschwellig den/die Leser*in in eine Habachtstellung zu versetzen. Zumindest erging es mir so. Ich habe mit Molli mitgelitten und oft nur mit dem Kopf geschüttelt. Unvorstellbar, dass Mütter (und auch (Stief-)väter) so sein können. Es ist keine einfache Lektüre – trotzdem empfehle ich es sehr! 

Wie vom Karl-Rauch-Verlag gewohnt, sind die Bücher nicht nur inhaltlich Schätze, sondern auch die Cover immer etwas besonderes – hier wieder eine ganz besondere Haptik! Ich lieb‘s❣️

Cover des Buches Das zwölfte Haus (ISBN: 9783792002957)
L

Rezension zu "Das zwölfte Haus" von Malin C. M. Rønning

Lust_auf_literatur
Das zwölfte Haus

Malin C.M. Rønning ist eine norwegische Autorin. Nach „Skabelon“, das in Norwegen sehr positiv aufgenommen wurde und auch ins Deutsche übersetzt wurde, ist „Das zwölfte Haus“ ihr zweiter Roman. 

Mich hatte der Roman aufgrund seiner Kurzbeschreibung gleich angesprochen und Literatur aus Norwegen ist eigentlich fast immer eine Bereicherung.


Und der Roman beginnt auch gleich relativ dramatisch: Die Ich-Erzählerin Molli erfährt, dass ihr Bruder Bill schwer verletzt an einem Fluss aufgefunden wurde, neben ihm die Leiche seines Freundes Ib. Jetzt liegt Bill im Krankenhaus im Koma und Molli kehrt in ihren Heimatort zurück.


Am Krankenbett ihres Bruders trifft sie auch ihre Mutter Karla wieder, mit der sie ein schwieriges Verhältnis hat. Wobei schwierig noch untertrieben ist, denn Karla hatte sich nie gut um ihre Kinder Bill und Molli gekümmert, sondern sich einen gewalttätigen Partner ins Haus geholt. Mit dem sie bis heute zusammen ist.

Mollis Kindheit war geprägt von Vernachlässigung und Gewalt. Während sie darauf hofft, dass ihr Bruder, der genauso unter seinem Stiefvater gelitten hat, wieder aus dem Koma erwacht, denkt sie an ihre Kindheit zurück. Viele Ereignisse und Beobachtungen kann sie jetzt erst als Erwachsene einordnen.

Die Erzählerin denkt besonders an einen Sommer zurück, in dem sie 10 Jahre alt war und von ihrerMutter wochenlang alleine zurückgelassen wurde, nur mit Bill und einem Onkel als Bezugspersonen.


In diesem Sommer passierten …Dinge. Und Molli will endlich davon erzählen.


„Ich will von der Gewalt erzählen, denn sie hat uns eingeholt.

Ich sage uns, auch wenn es Bill ist, der im Krankenhaus liegt.

Wenn ich sie ertragen soll, muss die Gewalt gleichmäßig verteilt werden, das habe ich mir vorgenommen. Die Gewalt hat keinen Anfang, es gibt keinen Punkt, an dem sie zum ersten Mal auftritt.“


Das klingt jetzt schon alles sehr dramatisch, und das ist es auch, aber ich empfinde den Roman als das Gegenteil davon. Und damit meine ich jetzt nicht langweilig. Trotz der dramatischen Ereignisse lässt Rønning ihre Erzählerin die Geschichte ganz ruhig erzählen, so als ob sie ihr erst während des Erzählens bewusst würde. Das fügt sich auch sehr gut mit der lakonischen Erzählstimme der 10-jährigen Molli zusammen, die manchmal mit der der erwachsenen Molli verschmilzt.


Dadurch erschafft Rønning eine ganz einzigartige und bedrückende Atmosphäre, die irgendwo zwischen Melancholie und Traurigkeit schwebt. Molli wird sich langsam ihrer verlorenen Kindheit bewusst und dessen, was sie und ihr Bruder entbehren mussten: die Liebe und die Geborgenheit eines sicheren Zuhauses. Die verdrängten Traumata ihrer Kindheit und jenes furchtbaren Sommers kommen endlich zurück an die Oberfläche.

Auch der Schluss macht mich traurig, entlässt mich aber zum Glück nicht ganz hoffnungslos aus dem Roman.


„Das zwölfte Haus“ ist sicher eine Empfehlung für alle, die sich gerne auf besondere und atmosphärische Literatur einlassen, die sich auf die innere Entwicklung ihrer Figuren fokussiert.


“Ich denke an den trockenen Geruch von Heidekraut und Fichten im Wald. An den schwarzen Rauch, der zum Himmel gestiegen ist.” 

Cover des Buches Das zwölfte Haus (ISBN: 9783792002957)
Hyperikums avatar

Rezension zu "Das zwölfte Haus" von Malin C. M. Rønning

Hyperikum
Verstörend

Mollis Haus steht kurz vor dem Fjord. Fünfunddreißig Quadratmeter für sie und ihren Hund. Es ist das zwölfte Haus, in dem sie wohnt, diesmal allein. Sie wird bald dreißig, arbeitet in einem Pflegeheim. Die Tote vor ihr ist erst gestern eingeliefert worden und hörte in der Nacht auf zu atmen. Molli zündet fünf Kerzen an und öffnet das Fenster. 

An ihrem sechzehnten Geburtstag ist sie mit zwei Pappkartons und einer Decke ausgezogen. Sie fuhr mit dem Bus zur eigenen Wohnung, schloss auf, legte sich auf den Fußboden, zog die Decke über sich und schlief bis zum nächsten Abend. 

Sie sitzt auf der Bank vor dem Pflegeheim, als Karla anruft. Sie geht nicht gleich ran. Karla ruft selten an, meistens ist es Molli und dann gibt Karla sich so, als würde sie stören, als hätten sie gerade erst telefoniert, dabei ist es schon vier Monate her. 

Karla kann ihre Aufregung kaum verbergen: „Sie haben Bill und Ib am Fluss gefunden. Zwischen Ibs Zehen steckte noch die Spritze. Beide hatten blutige Gesichter. Bill liegt im Krankenhaus und atmet trotz gebrochener Rippen. Sie wissen nicht, ob er wieder aufwachen wird. 


Es gibt viele Arten von Gewalt, man kann einen ganzen Strauß davon abbekommen. S. 18


Karla wurde von einem fürchterlichen Mann erwählt: Sein Blick, wenn Mollis Gabel beim Abendessen versehentlich über den Teller kratzte, seine flache Hand, die auf den Tisch krachte, die Stille davor und danach, der Puls an seinem Hals.

Fazit: Malin C.M. Rønning erzählt eine düstere Familiengeschichte aus Sicht der zehnjährigen Molli. Ihre Mutter Karla träumt von einer Fußbodenheizung, einer Wäscheleine ganz für sich und Ruhe im Haus, denn Karla verdient ihr Geld nachts. Der kontrollsüchtige Frank kann ihr das bieten und so zieht sie mit ihren Kindern Molli und Bill in ein abgelegtes Industriegebiet in Franks blaues Haus. Der sechzehnjährige Bill bewohnt den ausgebauten Keller, die anderen leben oben. Schnell wird klar, dass Frank keine störenden Kinder mag. Als Karla Frank für vier Wochen zu einem Job begleitet, beauftragt sie ihren Bruder Dan, auf die Kinder aufzupassen und schon bald laufen die Ereignisse aus dem Ruder. Die Gewaltherrschaft durch Frank und einige andere Vorkommnisse verunsichern Molli tief, die sich zunehmend zurückzieht. Es ist tragisch zu sehen, wie Karla an diesem Mann festhält, der völlig unzulänglich ist. Wie sie sich die Dinge schönredet. Eine Weile macht es den Anschein, als wäre sie eine liebevolle Mutter, doch tatsächlich will sie stets für gute Stimmung sorgen und alle bei Laune halten vor allem Frank, der unter der Oberfläche immer brodelt. Der Autorin ist eine Geschichte gelungen, die unangenehm und verstörend ist. Molli sieht Dinge, die selbst bei mir, einer Erwachsenen, Albträume hervorrufen würden, ganz abgesehen von dem Mangel an Fürsorge, Struktur und Verlässlichkeit. Für alle, die psychologisch tiefgreifende Plots mögen. Erinnert am ehesten an „An Rändern“ von Angelo Tijssens.

Muss ich erwähnen: Das Cover fühlt sich an wie Wachs und ist haptisch vergnüglich.

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