Malin Schwerdtfeger

 4 Sterne bei 65 Bewertungen
Autor*in von Leichte Mädchen, Delphi und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Malin Schwerdtfeger, geboren 1972 in Bremen, studierte Judaistik und Islamwissenschaft in Berlin. Im Jahre 2000 gewann sie den Förderpreis des Bachmann-Wettbewerbs in Klagenfurt. Sowohl ihr Prosadebüt, der Erzählband Leichte Mädchen, als auch ihre beiden Romane Café Saratoga und Delphi wurden von Kritik und Publikum gefeiert. Die Autorin lebt in Berlin.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Malin Schwerdtfeger

Cover des Buches "Versuche, dein Leben zu machen" (ISBN: 9783499623042)

"Versuche, dein Leben zu machen"

(40)
Erschienen am 02.01.2010
Cover des Buches Delphi (ISBN: 9783462037371)

Delphi

(9)
Erschienen am 28.09.2006
Cover des Buches Café Saratoga (ISBN: 9783942374026)

Café Saratoga

(8)
Erschienen am 25.08.2010
Cover des Buches "Versuche, dein Leben zu machen" (ISBN: 9783948674151)

"Versuche, dein Leben zu machen"

(0)
Erschienen am 27.06.2022

Neue Rezensionen zu Malin Schwerdtfeger

Cover des Buches "Versuche, dein Leben zu machen" (ISBN: 9783499623042)
esthers avatar

Rezension zu ""Versuche, dein Leben zu machen"" von Margot Friedlander

esther
Margot Friedländer - Holocaust Überlebende

Das Buch erzählt von den Jugendjahren der Jüdin Margot Friedländer. Es schildert das Leben in Berlin nach Hitlers Machtergreifung, die zu spät unternommenen, verzweifelten Versuche, das Land zu verlassen, ihr Überleben im Berliner Untergrund sowie ihre Verhaftung und Deportation in das Konzentrationslager Theresienstadt.

Es ist eine Geschichte voller tragischer Zufälle, vertaner Möglichkeiten und Verrat. Gleichzeitig ist es aber auch ein Bericht über Zivilcourage, glückliche Fügungen und einen unbändigen Lebenswillen.

Das Erzählte hat sich genau so zugetragen. Aufgezeichnet wurden die Erinnerungen von einer Frau, die das unvorstellbare Leid der Jüdinnen und Juden im nationalsozialistischen Deutschland selbst erlebt und nur knapp überlebt hat. Bis ins hohe Alter warnte sie unermüdlich vor Antisemitismus, Nationalismus und Rassismus in Deutschland sowie weltweit. Ihr Vermächtnis sollte uns allen eine dauerhafte Mahnung sein, die Demokratie in unserem Land aktiv zu verteidigen.

Margot Friedländer starb 2025 im Alter von 103 Jahren in ihrer Heimatstadt Berlin.

Cover des Buches "Versuche, dein Leben zu machen" (ISBN: 9783499623042)
holzmair_evas avatar

Rezension zu ""Versuche, dein Leben zu machen"" von Margot Friedlander

holzmair_eva
Eine Tochter befolgt den Rat der Mutter

Margot Friedlanders Text, erstellt unter der Mitarbeit von Malin Schwerdtfeger, ist keine Literatur, wie sie Primo Levi mit „Ist das ein Mensch“ oder Imre Kertész mit „Roman eines Schicksallosen“ über ihre Zeit unter dem Nazi-Terror vorgelegt haben. Es sind Erinnerungen, an die sie sich aber erst heranwagte, als ihr Mann Adolf Friedlander, der nichts mehr von Deutschland hören wollte, verstorben war.

„Hatte ich ebenfalls mit Deutschland abgeschlossen? Erst jetzt, nach dem Tod meines Mannes, wurde mir klar, dass es nicht so war, dass es einen Unterschied gab zwischen Adolf und mir. Auch meine Familie war von den Deutschen ermordet worden. Aber das war nur ein Teil der Geschichte, meiner Geschichte. Meine Geschichte war anders als die der meisten Überlebenden, sie war komplizierter. Deutsche hatten mein Leben zerstört, Deutsche hatten es gerettet. Deutsche hatten mich versteckt, Juden mich ausgeliefert.“

Angeregt durch ein „Write Your Memoir“-Programm in New Yorks jüdischem Kulturzentrum „Y“, begann Margot Friedlander über jene Margot zu schreiben, die sie einst gewesen war. In Berlin, als sie noch Margot Bendheim geheißen hatte.

Sie erzählt schnörkellos über ihr Leben im Familienverband mit einer geliebten Großmutter und einer Mame, die ihre Kinder (Margot hat noch einen jüngeren Bruder) umsorgt und später alles versucht, um diese kleine, vom Vater im Stich gelassene Familie in Sicherheit zu bringen. Ausreiseansuchen werden abgelehnt, Grenzen geschlossen, Schiffe legen ohne die Bendheims ab. Als endlich die Koffer für den Aufbruch gepackt sind, wird Margots Bruder abgeholt. Die Mutter beschließt, ihm zu folgen, und hinterlässt für Margot die mündliche Botschaft „Versuche, dein Leben zu machen“ sowie eine Handtasche mit einem Adressbuch und einer Bernsteinkette.

So muss sich Margot allein durchschlagen. Ab nun lebt sie als U-Boot in Berlin, findet Unterschlupf bei unterschiedlichen Menschen. Manche sind selbstlos, andere erwarten eine Gegenleistung, die Margot erneut zum Aufbruch zwingt. Als sie endlich bei einer Familie unterkommt, die ihr so etwas wie Geborgenheit bietet, wird sie bei einer Straßenkontrolle aufgegriffen und nach Theresienstadt deportiert. Dort begegnet sie Adolf Friedländer, träumt mit ihm von der Befreiung, die 1945 tatsächlich stattfindet, doch keine Euphorie auslöst. Dazu sind beide zu sehr beschädigt. Erst langsam beginnen sie, eine Freiheit auszukosten, die sie so viele Jahre nicht hatten: Spaziergänge außerhalb des Lagers, mit einem (gestohlenen) Fahrrad fahren etc.

Schließlich die Überstellung in ein Lager für Displaced Persons und die Ausreise in die USA. Die Entscheidung trifft Margots Mann Adolf, den sie zwischenzeitlich geheiratet hat. „Seit meiner Untergrundzeit hatte ich alle Entscheidungen allein getroffen. Nun traf jemand Entscheidungen für mich. Adolf bestimmte, was geschah, so wie er bestimmt hatte, dass wir nach Amerika gehen würden. Einerseits war ich froh, dass ich ein wenig Verantwortung abgeben konnte. Andererseits musste ich erst begreifen, dass ich über mein Leben nicht mehr allein entschied.“

Sie fügt sich demnach in die damals gängige Rolle der Frau an der Seite ihres Mannes und kehrt erst in die Stadt ihrer Kindheit und Jugend zurück, als es diesen Mann nicht mehr gibt.

Lesenswert? Ja. Es sind die vielen kleinen Erlebnisse, die Margot Friedlander offen schildert, die diesen Text zu einem sehr persönlichen Buch machen, das uns in einfachen Worten so einiges über die Conditio humana in bedrohlichen Zeiten erzählt.    

Cover des Buches "Versuche, dein Leben zu machen" (ISBN: 9783499623042)
Federfees avatar

Rezension zu ""Versuche, dein Leben zu machen"" von Margot Friedlander

Federfee
Bewegendes Zeitzeugnis einer starken Frau

“Versuche, dein Leben zu machen” - so der Untertitel dieses mitreißenden Buches einer Zeitzeugin, ein Satz ihrer Mutter, den diese der 21-jährigen Tochter Margot hinterlässt, zusammen mit einer Bernsteinkette, die Margot Friedländer zeitlebens bei sich hat.

Es ist ein spannendes, schockierendes Einstiegskapitel aus dem Januar 1943. Gerade sind die Fluchtpläne von Mutter, Sohn Ralph und Tochter Margot zerplatzt. Die Gestapo hat Ralph abgeholt, die Mutter will ihn freiwillig begleiten; Margot war nicht zu Hause, ist somit entkommen. Doch was jetzt, als gesuchte Jüdin in Berlin?

Bevor uns Margot Friedländer von ihren Monaten im Untergrund berichtet, gibt sie uns einen kurzen Abriss ihrer Kindheit und Jugend.

Doch dann erfahren wir, wie es nach der Deportation von Mutter und Bruder - die übrigens beide in Auschwitz ermordet wurden - weiter ging. Es ist unvorstellbar, wie eine junge mittellose Frau so lange unentdeckt in der großen Stadt Berlin, inzwischen unter dem Bombenhagel der Alliierten leidend leben konnte. Das war nur möglich, weil es Menschen gab, die untergetauchte Juden versteckten und die solche Adressen weitergaben. Allerdings darf man sich nicht alle selbstlos vorstellen, sondern es gab einige, die die prekäre Situation ausgenutzt haben.

Margot ließ sich die Haare schneiden und tizianrot färben und sogar die Nase operieren, doch nach 15 Monaten wurde sie bei einer Kontrolle durch sogenannte Greifer - jüdische Mitbürger - gefasst. Auch wenn sie möglicherweise ein schreckliches Schicksal erwartete, fühlte sie sich jetzt nicht mehr vom Schicksal ihres Volkes abgetrennt oder schuldig , weil sie bis jetzt überlebt hatte.

Es war bekannt, dass aus den Lagern im Osten nie jemand zurückgekehrt war, dass man aber im Auffang- und Durchgangslager Theresienstadt - ehemals Garnisonsstadt - Überlebenschancen hatte, auch wenn die Zustände im Lager unbeschreiblich waren: Enge, Schmutz, Ungeziefer, Hunger, keine ärztliche Versorgung. Margot arbeitete zuerst in der Schneiderei und dann ‘im Glimmer’, wo Steine gespalten wurden.

‘Wie viel kann ein Mensch aushalten?’ fragt sie sich, in diesem Zwischenreich, nicht Leben, nicht Tod. Am Ende ging auch vieles an Menschlichkeit verloren und jeder wurde zum Einzelkämpfer.

Auch nach der Befreiung ist nichts mehr so wie vorher. ‘Vor mir lag das Nichts.’ Zum Glück hatte sie im Lager ihren späteren Ehemann Adolf Friedländer getroffen, mit dem sie nach Amerika zu Verwandten emigrierten.

Erst als er gestorben ist, er, der verständlicherweise nie wieder etwas mit Deutschen oder etwas Deutschem zu tun haben wollte, kann sie ihre Erinnerungen aufschreiben, woraus dann später in Zusammenarbeit mit der Autorin Malin Schwerdtfeger dieses Buch wird.

Ihre Geschichte ist kompliziert und es ist bemerkenswert, wie sachlich und ohne große Dramatik sie die Ereignisse schildert. Ganz besonders beeindruckt hat mich die differenzierte Sichtweise dieser deutschen Jüden, dieser jüdischen Deutschen:

‘Deutsche hatten mein Leben zerstört, Deutsche hatten es gerettet. Deutsche hatten mich versteckt, Juden mich ausgeliefert.’

Nach Jahrzehnten in den USA kehrte sie 2010 für immer nach Berlin zurück und betätigte sich unermüdlich als ‘Botschafterin gegen das Vergessen’. Die meisten haben ihr Bild vor Augen, diese sehr alte kleine Frau mit den hellwachen Augen. Sie starb vor Kurzem im Alter von 103.

Dieses Buch trägt ihre Botschaft weiter und ich kann es nur uneingeschränkt empfehlen.

Gespräche aus der Community

Bisher gibt es noch keine Gespräche aus der Community zum Buch. Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Welche Genres erwarten dich?

Community-Statistik

76 Bibliotheken

7 Merkzettel

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freund*innen und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber*innen und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks