Malla Nunn

 4.2 Sterne bei 40 Bewertungen
Autorin von Ein schöner Ort zu sterben, Zeit der Finsternis und weiteren Büchern.
Malla Nunn

Lebenslauf von Malla Nunn

Malla Nunn wurde in Swasiland, Südafrika geboren und ist einige Jahre dort aufgewachsen. In den 1970er Jahren emigrierte Sie mit ihrer Familie nach Australien, wo sie an der University of Western Australia Englisch und Geschichte studierte und mit einem Bachelor abschloss. Nach dem Studium ging sie für einige Jahre in die USA, wo sie ihren späteren Ehemann kennenlernte. Nach ihrer Rückkehr nach Australien veröffentlichte sie einige Kurzfilme sowie Kurzgeschichten. 2008 veröffentlichte Sie ihren Debütroman »Ein schöner Ort zu sterben« (Originaltitel: »A Beautiful Place to Die«) als ersten Band einer geplanten Reihe um den Johannisburger Detektiv Emmanuel Cooper. Nunn lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Sydney.

Alle Bücher von Malla Nunn

Ein schöner Ort zu sterben

Ein schöner Ort zu sterben

 (19)
Erschienen am 28.02.2011
Tal des Schweigens

Tal des Schweigens

 (6)
Erschienen am 08.02.2016
Zeit der Finsternis

Zeit der Finsternis

 (6)
Erschienen am 19.09.2016
Lass die Toten ruhen

Lass die Toten ruhen

 (5)
Erschienen am 21.01.2013
Ein schöner Ort zu sterben

Ein schöner Ort zu sterben

 (2)
Erschienen am 02.09.2009
A Beautiful Place to Die

A Beautiful Place to Die

 (1)
Erschienen am 01.09.2010
Let the Dead Lie

Let the Dead Lie

 (1)
Erschienen am 14.02.2011

Neue Rezensionen zu Malla Nunn

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Gulans avatar

Rezension zu "Ein schöner Ort zu sterben" von Malla Nunn

Etablierung eines perversen Systems.
Gulanvor 2 Jahren

Die aktuell in Deutschland bekannteste Autorin von Apartheid-Krimis ist sicherlich Malla Nunn. Ihre Krimireihe um Detective Emmanuel Cooper und Constable Shabalala umfasst inzwischen vier Bände. „Ein schöner Ort zu sterben“ ist der Auftakt der Reihe und gleichzeitig Nunns Debütroman.

„Wissen Sie, Captain Pretorius kannte jede Pflanze und jeden Baum, den es im Busch gibt“, fuhr King fort. „Er sprach sämtliche Eingeborenendialekte und kannte alle ihre Gebräuche. Anders als die anderen Holländer hier brauchte er keinen Bürohengst in Pretoria, um seinen Führungsanspruch zu rechtfertigen.“

„Kannten Sie ihn gut?“, fragte Emmanuel. Es war nicht zu übersehen, dass der Engländer Captain Pretorius in dieselbe Kategorie des 'geborenen Herrschers' einordnete wie sich selbst. Der Rest der Menschheit, Polizisten eingeschlossen, war nur zum Dienen da. (S.109)

Die kleine Stadt Jacob's Rest im Osten Südafrikas im Jahre 1952: An einem Flussufer direkt an der Grenze zum Nachbarland Mosambik wird die Leiche des örtlichen Polizeichefs Willem Pretorius gefunden. Pretorius, ein stämmiger Bure, war die absolute Autorität im Ort, durchaus von allen Bevölkerungsgruppen respektiert. Zur Untersuchung des Falls wird Detective Emmanuel Cooper allein nach Jacob's Rest geschickt. Doch viel Zeit unabhängig zu ermitteln, bleibt ihm nicht, denn schon bald kommt die Security Branch, die Geheimpolizei, in die Stadt – und die hat schon eine vorgefertigte Meinung, wer für den Tod von Pretorius verantwortlich ist.

Cooper ahnt schnell, dass der geachtete Pretorius auch so seine Geheimnisse hatte, die der Schlüssel zu seiner Ermordung sein könnten. Und er merkt, dass ihm vor allem ein Mann bei der Lösung des Falles behilflich sein kann – der stoische, schweigsame, aber wachsame Constable Shabalala, ein hünenhafter Zulu und dennoch Vertrauter des Toten. Cooper selbst ist Veteran des Zweiten Weltkriegs und wird regelmäßig von seinen Dämonen heimgesucht. Doch er ist nicht gewillt, gegen die Security Branch die Segel zu streichen, sondern will die Wahrheit ans Licht bringen.

Der Plot spielt im Frühjahr des Jahres 1952. 1948 hatte die Nasionale Party die Parlamentswahl mit dem politischen Thema Apartheid gewonnen und begann diese dann auch konsequent umzusetzen. Gleichzeitig begann der erbitterte Kampf der Regierung gegen tatsächliche oder vermeintliche kommunistische Umtriebe. In dieser politischen Lage bietet die Autorin in diesem Roman einen faszinierenden Ausschnitt eines Mikrokosmos einer Kleinstadt: Buren, Engländer, Mischlinge, Schwarze – und einen deutschen Juden. Nunn zeigt dabei die fragilen Verhältnisse zwischen den Rassen (übrigens auch zwischen den Weißen) sehr nuanciert auf.

„Ein schöner Ort zu sterben“ ist einerseits knallhart und schonungslos, andererseits birgt er aber auch hoffnungsvolle Momente. Vor allem zeigt er die brutale Absurdität der Apartheid, exemplarisch am trotteligen Jungpolizisten Hansie, der doch tatsächlich den gleichen Rang als Constable hat wie der intelligente und lebenserfahrene Shabalala. Ein sehr überzeugender Debütroman.

Kommentare: 10
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DunklesSchafs avatar

Rezension zu "Zeit der Finsternis" von Malla Nunn

Ungerechtigkeit: Zeit der Finsternis - Malla Nunn
DunklesSchafvor 2 Jahren

Himmelschreiende Ungerechtigkeit – das ist ein Thema, welches mir beim Lesen immer mal wieder Magendrücken verursacht. Ich rege mich so auf, dass es mir aufs Gemüt und eben auch auf den Magen schlägt. Nun kann man leider nichts machen, um die himmelschreiende Ungerechtigkeit, die Malla Nunn in ihrem 4. Krimi um Detective Sergeant Emmanuel Cooper in den 50er Jahren in Südafrika wieder auferstehen lässt, abzuändern  - es ist ja leider schon geschehen. Doch auch hieraus kann man gute Dinge ableiten. Den Lerneffekt von gut recherchierten politischen oder sozialkritischen Krimis, den ich ja so häufig rühme, kann man natürlich auch hier finden, doch noch viel mehr ist es einfach beeindruckend, wie lebendig Malla Nunn die damaligen Zustände aufzeigt, so dass man von dem Buch quasi aufgesogen, durchgekaut und ausgespuckt wird. Äußerst aufwühlend.

Emmanuel Cooper ist mittlerweile nach Johannisburg versetzt worden und lebt nun heimlich mit seiner Freundin und ihrem gemeinsamen Kind – eine Verbindung, die seinen Vorgesetzten nicht bekannt werden darf, denn wir befinden uns mitten im Apartheitsregime und Beziehungen zwischen Weißen und Nicht-Weißen sind gefährlich. Als dann ein weißes Ehepaar, ein Schuldirektor und eine Sekretärin, in ihrem Haus überfallen wird und die Tochter zwei schwarze Jugendliche aus der Schule des Direktors beschuldigt, ist der Fall für Coopers Kollegen so gut wie abgeschlossen. Eine fatale Entscheidung, die Cooper in eine noch schwierigere Position bringt, als er sie eh schon inne hat, denn die Tochter beschuldigt unter anderem Aaron Shabalala, den Sohn seines Kollegen und Freundes Samuel Shabalala. Cooper hat mit verschwindenden Beweisen, Anfeindungen und Korruption zu kämpfen.

Man möchte schreien, wenn Cooper hinter dem Haus, dem Tatort, im Gebüsch einen schwer verletzten schwarzen Mann findet, diesen mit Feuereifer und Einsatz des dritten Teils des Trios, des jüdischen Doktors Zweigman , gerade noch lebend ins Krankenhaus bringt und nicht ein einziger seiner Kollegen diesen Umstand als wichtig empfindet – oder überhaupt erwähnenswert. Die Luxuskarosse, mit der die Täter geflohen sein sollen, findet man völlig unversehrt im Township und natürlich mit den entsprechenden Beweisen versehen, obwohl dort normalerweise nicht mal ein Fahrrad vollständig bleibt, wenn man es aus den Augen lässt. Man möchte durchgehend jemand schütteln und anschreien, wenn man darüber liest, mit welchen inkompetenten / uninteressierten / korrupten Kollegen Cooper in seiner Ermittlung umgehen muss und man fragt sich, ob dort – in Südafrika, zu dieser Zeit - überhaupt jemals ein wirklich Schuldiger gefunden wurde. Die Aussage eines Mädchens, welches ganz offensichtlich lügt, gilt als Wahrheit, nur weil sie weiß ist. Das allein ist die Begründung! Brr – himmelschreiende Ungerechtigkeit!

Man mag sich sagen, ja, das ist ja nur ein Krimi, doch Malla Nunn zeichnet hier ein furchterregend realistisches Bild von Südafrika zu dieser Zeit. Das Apartheitsregime hat Familien und Freundschaften entzweit, Gewalt und Korruption gestreut und die Gesellschaft völlig vergiftet. Eine Horrorvorstellung, die man sich wohlbehütet im gut funktionierenden, freien und demokratischen Deutschland, fast nicht vorstellen kann und doch immer fürchten muss. Für Cooper kommt es soweit, dass er seine Freundin nur auf eine heimlich organisierte, illegale Tanzveranstaltung, die eigentlich nur ein Deckmäntelchen für Prostitution ist, ausführen kann, nur um mal ein wenig Zeit mit ihr außerhalb der eigenen vier Wände zu verbringen. Und auch der Fall an sich hängt natürlich tief mit den durch die Apartheit verursachten Umstrukturierungen zusammen, gepaart mit Familienbeziehungen und Korruption.

Ein erschreckendes, aber tief beeindruckendes Bild von Südafrika in den 50er Jahren präsentiert Malla Nunn. Emmanuel Cooper, der schon privat auf Messers Schneide balanciert gefährdet mit seiner eigenmächtigen Ermittlung alles – und doch muss er ermitteln. Für Shabalala. So wie sich das gehört unter Freunden. Da steht einer für den anderen ein. Egal welche Umstände herrschen. Und so wächst einem das ungleiche Paar, zu welchem eigentlich noch der Jude Zweigman gehört, ordentlich ans Herz. Bitte mehr davon Frau Nunn! Ich vertrage das, wirklich. Meinem Magen geht es auch wieder gut, keine Sorge. Und ich möchte auf keinen Fall die nächsten Teile missen.

Fazit:
Ein aufwühlendes Buch, welches ein erschreckend realistisches Bild von Südafrika zeichnet. Der Kriminalfall ist tief verwurzelt in dieser verqueren Gesellschaft und lässt Emmanuel Cooper an seine Grenzen kommen und sein eigenes Glück gefährden. Doch die Botschaft ist klar, wenn auch ein wenig kitschig: Freundschaft geht über alle Grenzen und Hindernisse.

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walli007s avatar

Rezension zu "Ein schöner Ort zu sterben" von Malla Nunn

Am See
walli007vor 3 Jahren

An einem idyllischen Ort wird Captain Pretorius erschossen aufgefunden. Wer kann etwas davon gehabt haben, den angesehenen Polizisten zu ermorden. Detective Emmanuel Cooper wird aus Johannesburg aufs Land geschickt, um den Fall aufzuklären. Im Südafrika der 1950er Jahre herrscht Apartheid, es gibt Gesetze, die den intensiven Kontakt zwischen Schwarz und Weiß unter Strafe stellen und regeln wer Schwarz und wer Weiß ist. Unter diesem System ist es alles andere als einfach, diesen Fall zu durchdringen. Die Befragungen laufen eher schleppend. Cooper hat es schwer an echte Informationen zu kommen. Der stolze Bure Pretorius kann doch keinem einen Grund gegeben haben, ihn umzubringen. 


Welch ein unheimliches System hat damals in Südafrika geherrscht. Rassentrennung, so schlecht wie überall sonst auch, wird streng durchgedrückt und führt zu Fälschungen, zu Unterdrückung, zu Schweigen. Detective Cooper hat da einen schlechten Stand, seine gemäßigten Vorstellungen muss er verheimlichen. Als ihm schließlich noch die Geheimpolizei vor die Nase gesetzt wird, gestalten sich seine Ermittlungen immer schwieriger. Sogar seinen eigenen Kollegen gegenüber muss er sehr vorsichtig sein, um nicht Gefahr zu laufen, denunziert zu werden. 


Eine sehr beklemmende und düstere Stimmung beherrscht diesen Roman. Da scheint es kein Licht im Tunnel zu geben. Die immer wieder behinderten Ermittlungen, die depressive Grundstimmung sowohl im Land als auch des Ermittlers, machen sehr eindringlich deutlich, dass die verqueren Vorstellungen der Machthaber nicht dazu führen, dass ein Land prosperieren kann. In diesem ruhigen Krimi, der doch in manchen Passagen sehr roh daherkommt, macht die Autorin eindringlich klar, dass man heute froh sein kann, solchen Repressalien in der Regel nicht mehr ausgesetzt zu sein. Mit sonorer Stimme vorgetragen von Bernd Hölscher werden die klaren Worte der Autorin noch verstärkt. 

3,5 Sterne

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