Ein schöner Ort zu sterben

von Malla Nunn 
4,4 Sterne bei19 Bewertungen
Ein schöner Ort zu sterben
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1950er in Südafrika: Rassentrennung, Kommunistenhatz. Ein einziger Cop auf der Suche nach einem Mörder. Großartiger, harter Kriminalroman.

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Inhaltsangabe zu "Ein schöner Ort zu sterben"

Ein Blick in die Tiefen Südafrikas

Ein Ermittler zwischen allen Fronten

»Ein Roman voll von den Rhythmen, Gerüchen und Farben Afrikas ... Malla Nunn ist eine wunderbare Erzählerin, perfekt beschreibt sie eine Ära des Landes. Ihre Geschichte ist so spannend wie faszinierend. Ein großartiges Buch.« Deon Meyer

Südafrika in den fünfziger Jahren, als Männer wie der junge Nelson Mandela verfolgt wurden. Ein englischer Ermittler sucht allein den Mörder eines Buren – und gerät tief in die Geheimnisse eines Dorfes, in dem die Grenzen zwischen Schwarz und Weiß ganz anders verlaufen als vermutet.

1952 – in einem Dorf an der Grenze zu Mosambik. Die neuen Apartheid-Gesetze sind in Kraft. Kein Weißer darf sich mit einem Schwarzen einlassen. Als Captain Pretorius, ein Bure, erschossen aufgefunden wird, beginnt Detective Emmanuel Cooper, ein Engländer aus Johannisburg, zu ermitteln - allein, ohne jede Unterstützung. Doch schnell gerät die Ermittlung außer Kontrolle. Die Familie des Toten präsentiert ihm sogleich einen Verdächtigen, und eine Spezialeinheit stellt ihn kalt, weil sie Apartheid-Gegner jagen will. Als Cooper von einem schwarzen Mädchen erfährt, dass die Weste des Toten keineswegs so weiß war, wie seine Söhne behaupten, ist er plötzlich selbst in höchster Gefahr. Und da sind noch die Schatten seiner eigenen Vergangenheit, denen er sich stellen muss, will er diesen Fall lösen – und überleben.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783746626833
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:415 Seiten
Verlag:Aufbau TB
Erscheinungsdatum:28.02.2011
Das aktuelle Hörbuch ist am 02.09.2009 bei RADIOROPA Hörbuch erschienen.

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    Gulanvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: 1950er in Südafrika: Rassentrennung, Kommunistenhatz. Ein einziger Cop auf der Suche nach einem Mörder. Großartiger, harter Kriminalroman.
    Etablierung eines perversen Systems.

    Die aktuell in Deutschland bekannteste Autorin von Apartheid-Krimis ist sicherlich Malla Nunn. Ihre Krimireihe um Detective Emmanuel Cooper und Constable Shabalala umfasst inzwischen vier Bände. „Ein schöner Ort zu sterben“ ist der Auftakt der Reihe und gleichzeitig Nunns Debütroman.

    „Wissen Sie, Captain Pretorius kannte jede Pflanze und jeden Baum, den es im Busch gibt“, fuhr King fort. „Er sprach sämtliche Eingeborenendialekte und kannte alle ihre Gebräuche. Anders als die anderen Holländer hier brauchte er keinen Bürohengst in Pretoria, um seinen Führungsanspruch zu rechtfertigen.“

    „Kannten Sie ihn gut?“, fragte Emmanuel. Es war nicht zu übersehen, dass der Engländer Captain Pretorius in dieselbe Kategorie des 'geborenen Herrschers' einordnete wie sich selbst. Der Rest der Menschheit, Polizisten eingeschlossen, war nur zum Dienen da. (S.109)

    Die kleine Stadt Jacob's Rest im Osten Südafrikas im Jahre 1952: An einem Flussufer direkt an der Grenze zum Nachbarland Mosambik wird die Leiche des örtlichen Polizeichefs Willem Pretorius gefunden. Pretorius, ein stämmiger Bure, war die absolute Autorität im Ort, durchaus von allen Bevölkerungsgruppen respektiert. Zur Untersuchung des Falls wird Detective Emmanuel Cooper allein nach Jacob's Rest geschickt. Doch viel Zeit unabhängig zu ermitteln, bleibt ihm nicht, denn schon bald kommt die Security Branch, die Geheimpolizei, in die Stadt – und die hat schon eine vorgefertigte Meinung, wer für den Tod von Pretorius verantwortlich ist.

    Cooper ahnt schnell, dass der geachtete Pretorius auch so seine Geheimnisse hatte, die der Schlüssel zu seiner Ermordung sein könnten. Und er merkt, dass ihm vor allem ein Mann bei der Lösung des Falles behilflich sein kann – der stoische, schweigsame, aber wachsame Constable Shabalala, ein hünenhafter Zulu und dennoch Vertrauter des Toten. Cooper selbst ist Veteran des Zweiten Weltkriegs und wird regelmäßig von seinen Dämonen heimgesucht. Doch er ist nicht gewillt, gegen die Security Branch die Segel zu streichen, sondern will die Wahrheit ans Licht bringen.

    Der Plot spielt im Frühjahr des Jahres 1952. 1948 hatte die Nasionale Party die Parlamentswahl mit dem politischen Thema Apartheid gewonnen und begann diese dann auch konsequent umzusetzen. Gleichzeitig begann der erbitterte Kampf der Regierung gegen tatsächliche oder vermeintliche kommunistische Umtriebe. In dieser politischen Lage bietet die Autorin in diesem Roman einen faszinierenden Ausschnitt eines Mikrokosmos einer Kleinstadt: Buren, Engländer, Mischlinge, Schwarze – und einen deutschen Juden. Nunn zeigt dabei die fragilen Verhältnisse zwischen den Rassen (übrigens auch zwischen den Weißen) sehr nuanciert auf.

    „Ein schöner Ort zu sterben“ ist einerseits knallhart und schonungslos, andererseits birgt er aber auch hoffnungsvolle Momente. Vor allem zeigt er die brutale Absurdität der Apartheid, exemplarisch am trotteligen Jungpolizisten Hansie, der doch tatsächlich den gleichen Rang als Constable hat wie der intelligente und lebenserfahrene Shabalala. Ein sehr überzeugender Debütroman.

    Kommentare: 10
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    K
    kleinermuckvor 6 Jahren
    Rezension zu "Ein schöner Ort zu sterben" von Malla Nunn

    Ein wunderbares Buch. Tiefe Einblicke in die Entstehung südafrikanischer/weißer Rassegesetze, Bigotterie und Wahn. Faszettenreiche Figuren, eine undurchsichtige Handlung, die sich nach und nach klärt. Weniger mitreißend durch die Aktion als die Geschite an sich. Einer dieser Krimis, die einem etwas beibringen und sehr gut unterhalten.

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    Stefan83s avatar
    Stefan83vor 7 Jahren
    Einer der besten Krimis der letzten Jahre

    Südafrika war nicht nur als Austragungsort der Fußballweltmeisterschaft in aller Munde, sondern hat sich in den letzten Jahren auch zu einer neuen Kriminalromanhochburg gemausert. Nach Deon Meyer, der in Deutschland äußerst erfolgreich den Anfang machte, folgt nun mit Malla Nunn eine weitere Autorin. Ihr Debüt, "Ein schöner Ort zu sterben", wurde sogleich für den Edgar Award als bestes Buch 2010 nominiert. Und wer die knapp über 400 Seiten umfassende Lektüre hinter sich hat, versteht sofort warum. Nunns Erstlingswerk führt den Leser in das Südafrika des Jahres 1952 und katapultiert ihn damit äußerst eindrücklich in eine Zeit, in welcher die Apartheid-Politik den Kurs des Landes bestimmte und Rassentrennungsgesetze jeglichen näheren Kontakt zwischen Weißen und Schwarzen unmöglich machen sollten:

    Detective Sergeant Emmaniel Cooper von der Polizei aus Johannesburg wird in das kleine Dorf Jacobs Rest an der Grenze zu Mosambik beordert, um die dortigen Kräfte bei der Untersuchung eines Mordfalls zu unterstützen. Mitten im Grenzfluss treibt die Leiche des weißen Polizeicaptains Pretorius, der augenscheinlich hinterrücks erschossen wurde. Am Schauplatz des Verbrechens angekommen muss Cooper feststellen, dass es mit Unterstützung hier nicht weit her ist. Der blutjunge Constable Hansie ist ein ungeschickter Tölpel und zudem nicht der Hellste, der schwarze Constable Shabalala aufgrund seiner Hautfarbe gezwungen, sich im Hintergrund zu halten. Stattdessen haben drei der muskelbepackten Söhne des ermordeten Captains bereits den Tatort unter ihre Kontrolle gebracht. Für sie steht zweifelsfrei fest, dass es sich bei dem Täter nur um einen Schwarzen handeln kann. Und auch die restlichen Mitglieder der Pretorius-Familie, welche sich als "echte Buren" und "weißes Volk Afrikas" verstehen, legen Cooper wo es nur geht Steine in den Weg. Als dann auch noch die "Security Branch", der südafrikanische Geheimdienst, auftaucht und kurzerhand die Ermittlungen übernimmt, scheint der Detective auf einem Abstellgleis angekommen zu sein. Offiziell vom Mordfall entbunden, soll er stattdessen einem geheimnisvollen Sittenstrolch nachjagen, der seit einiger Zeit die Gegend unsicher macht. Doch Cooper bleibt stur, stellt heimlich weiter Nachforschungen an, was ihn schließlich selbst ins Visier des rücksichtslosen Geheimdiensts bringt. Allein Shabalala, der in Cooper einen möglichen Verbündeten erkennt, und ein jüdischer Arzt mit mysteriöser deutscher Vergangenheit, stehen dem englischen Ermittler nun noch zur Seite ... Können sie den wahren Täter dingfest machen, bevor die "Security Branch" sich wahllos einen Schwarzen als Schuldigen auswählt?

    Selten hat mich ein Erstlingswerk dermaßen beeindruckt wie Mala Nunns "Ein schöner Ort zu sterben". Die aus Swasiland stammende Autorin verarbeitet hierin nicht nur einen Teil der eigenen Familiengeschichte (ihre Eltern haben sich ungefähr zum Zeitpunkt der Romanhandlung kennen gelernt), sondern bringt gleichzeitig eine Geschichte zu Papier, welche den Leser auch nach Beendigung der Lektüre mit Sicherheit noch beschäftigen wird. Von Seite eins an ist man unrettbar im Südafrika der 50er Jahre versunken, taucht man in die gottverlassene Gegend nahe Mosambik ein, welche Nunn meisterhaft mit Bildern und Metaphern zum Leben erweckt. Die Hitze, der Dreck, die Armut. Man meint es zu sehen, zu fühlen, zu schmecken. Und genauso nah steht man auch bald den Figuren. Während man sonst sich mit den konstruierten Schema-F-Typen des Krimigenres nur noch wenig identifizieren kann, sind der Autorin hier unvergessliche Protagonisten gelungen. Allen voran Emmanuel Cooper. Ein moralischer Cop, der nun in einem völlig amoralischen Umfeld der Gerechtigkeit zum Sieg verhelfen soll. Das Gesetz und Gerechtigkeit zwei Dinge sind: Hier wird es in all seiner Grausamkeit deutlich. Cooper ist eine machtlose Figur auf dem Schachbrett der Mächtigen, welche sich Beweise und Indizien nach eigenem Gutdünken zurechtbiegen und die "Wahrheit" mit dem Schlagstock erprügeln. Von den posttraumatischen Halluzinationen aus seiner Zeit als Soldat gebeutelt, rennt er gegen unüberwindbare Hindernisse an, muss er körperlich und seelisch harte Schlage nehmen. Er ist der Spiegel in diese vergangene Zeit, in der der Rassenwahn das Fundament eines ganzes Staates darstellte und ein Nelson Mandela ein noch nicht mal gehegter Wunschtraum war.

    Dennoch schimmert auch immer wieder zwischen die Zeilen die Hoffnung hindurch. In all der Düsternis deutet sich an, dass Folter und Unterdrückung auf den tönernen Füßen einer weißen Minderheit stehen und man mit der Trennung der Hautfarben den ersten Nagel in den eigenen Sarg geschlagen hat. Diese weiß Nunn übrigens sehr facettenreich zu beschreiben. Es gibt mehr als schwarz und weiß in diesem Buch. Ein jeder, unabhängig von Hautfarbe, Nationalität und Religion, hat Leichen im Keller. Grautöne lassen die Grenzen verschwimmen und neue Wege eröffnen. Bestes Beispiel dafür sind die Kaffernpfade, welche, von den Schwarzen benutzt, letztendlich auch dem ein oder anderen Weißen zum Vorteil gereichen. Schnell stellt man fest, dass hinter der Fassade mehr ist, als man anfangs erahnt hat. Gerade diese Vielschichtigkeit, diese Tiefe der Figuren, ist das Beeindruckende an diesem Buch, das mich gepackt, geschüttelt und bis zum Ende nicht losgelassen hat. Wenn man im letzten Drittel laut mitliest, fast den Ausstieg an der richtigen Bahnstation verpasst und abends vor dem Einschlafen das Buch nochmal gedanklich Revue passieren lässt, dann, ja dann, muss man ein äußerst guten Roman gelesen haben.

    Insgesamt ist "Ein schöner Ort zu sterben" ein spannender, informativer, tiefgründiger und auch sehr wütender Hardboiled-Kriminalroman, der mich sehr fasziniert und äußerst positiv überrascht hat. Ein wunderbares Debüt einer Frau, die noch in diesem Jahr mit "Let the Dead lie" den nächsten Band nachlegen wird. Eine Übersetzung ins Deutsche kann es gar nicht schnell genug geben!

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    AllesSchwarzvor 8 Jahren
    Rezension zu "Ein schöner Ort zu sterben" von Malla Nunn

    Ein interessantes Buch!
    Krimi - ja - aber nicht nur. Es geht auch viel über Südafrika und die Rassenpolitik in den 50er Jahren.

    Ein weißer Polizist wird ermordet und ein Detektiv aus Johannesburg soll den Mord aufklären. Es spielt in einem kleinen Ort kurz vor Mosambique, wo man sehr schnell in die Rassenkonflikte verstrickt wird und Buren, die sich für die wahre Rasse Südafrikas halten. Da ist einiges geboten und ich fand es toll geschrieben. Zwischendurch flachte es zwar hin und wieder etwas ab, aber die Spannung baute sich anschließend auch wieder auf.
    Da werden so einige Geheimnisse dieser Ortschaft aufgedeckt.

    Von der Autorin würde ich gerne noch mehr lesen!!

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    Schiller-Buchhandlungvor 8 Jahren
    Rezension zu "Ein schöner Ort zu sterben" von Malla Nunn

    1952 in Südafrika: "Einen schönen Ort zu sterben hat sich Captain Pretorius ausgesucht"denkt sich Detective Sergeant Emmanuel Cooper, als er an das Flußufer kommt, an dem die Leiche des örtlichen Police Captains liegt: Direkt an der Grenze zu Mosambik, vor einer zerklüfteten Bergkette. Störend sind allerdings die Schußwunden, das Motiv liegt im Dunkeln: Der Captain war allseits beliebt und respektiert, Vater von 5 Söhnen, streng religiös. Detective Cooper beginnt zu ermitteln, ganz auf sich alleine gestellt und bald behindert vom Geheimdienst, denn für diesen scheint klar: Es handelt sich um eine politisch motivierte Tat der Kommunisten, die gegen die kürzlich eingeführte Apartheidgesetze kämpfen. Emmauel hingegen glaubt nicht so recht daran - seiner Erfahrung nach haben fast alle Gewaltverbrechen ihre Motive im Privatleben der Opfer. So beginnt er nachzuforschen über das Leben des Toten und ganz langsam enthüllt sich ihm die dunkle Seite des scheinbar makellosen Lebens von Captain Pretorius......

    In diesem spannenden Krimi bekommt man so ganz nebenbei ein sehr differenziertes Bild der Gesellschaft im Südafrika der 50er Jahre: Die Apartheid - Gesetze sind gerade eingeführt und beginnen, ihre Wirkung zu entfalten. Die bigotte Einstellung der weißen Afrikaander gegenüber den Schwarzen, die feine Unterscheidung zwischen Schwarzen und Farbigen - all das wird in dieser Zeit gesetzlich legitimiert. Der Mord dient dem Geheimdienst vor allem dazu, diese Gesetze zu manifestieren, während der Detective, der lange in England gelebt hat, mit neutralem Blick hinter die Fassaden schaut. Zwar gelingt es ihm, die Zusammenhänge zu durchschauen und den wahren Mörder zu finden, zur Verantwortung gezogen wird dieser jedoch nicht.

    Spannende, anspruchsvolle Krimikost - unbedingt zu empfehlen! (Susanne Martin)

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    Federvor 9 Jahren
    Rezension zu "Ein schöner Ort zu sterben" von Malla Nunn

    Um in der Geschichte zu versinken, muss man sich um ein gutes halbes Jahrhundert in die Vergangenheit versetzen.
    Die Apartheidgesetze spalten ein Land ein zwei Hautfarben: Schwarz und Weiß!
    Aber auf den ersten Blick, der ausschließlich tiefe Gräben zwischen schwarz und weiß vermuten lässt, folgt ein zweiter, der zeigt, dass es auch viele gute und vor allen Dingen zweckdienliche, Verbindungen gibt.

    Als ein weißer Polizei-Captain von hinten erschossen im Fluss treibend gefunden wird, muss natürlich ein weißer Ermittler aus Johannesburg die Aufklärungsarbeit übernehmen. Und es kommt als Mörder natürlich nur ein Schwarzer in Frage. Oder?

    Die Story hält viele überraschende Wendungen bereit und ist alles in allem eine sehr spannende und kurzweilige Unterhaltung.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 9 Jahren
    Rezension zu "Ein schöner Ort zu sterben" von Malla Nunn

    Anfang der 1950er in Südafrika: der kapholländische Police Captain Pretorius wird erschossen aufgefunden.
    An den Ermittlungen sind bald nicht mehr nur Detective Sergeant Emmanuel Cooper beteiligt, sondern auch die Security Branch, die eher nach Kommunisten sucht, wie an der ernsthaften Ermittlung des Täters interessiert ist.

    Was sich anhört und liest wie ein Krimi ist unterm Strich kein Krimi, sondern eher ein südafrikanisches Sittenbild.
    Daher ist Nunns Roman auch weniger spannend als vielmehr interessant.

    Auf den ersten 50 Seiten und den letzten ca. 150 Seiten geht es um den Mord und dessen Aufklärung; hier werden auch alle Fortschritte gemacht, die den Mord betreffen.
    Die Ermittlungen sind zwar auch Thema der Seiten, die zwischen Anfang und Ende stehen, allerdings beschreibt Nunn auf diesen die Situation Südafrikas: wie streng zwischen schwarzen, farbigen und weißen unterschieden wird, wie es ihnen verboten ist miteinander zu verkehren, wie der Weiße immer noch denkt, er sei dem Schwarzen überlegen.
    Hier hält der Mord an Captain Pretorius lediglich die Handlung zusammen und gibt ihr einen roten Faden. Der Mord ist somit eher eine Rahmenhandlung, die das Herzstück – die Analyse Südafrikas – umfasst. Das würde auch erklären, wieso die Handlung, die den Mord betrifft, erst wieder auf den letzten Seiten Schwung bekommt und davor eher auf der Stelle tritt.
    Die Auflösung des Mordes wiederum ist überraschend, aber dennoch logisch und fügt sich somit wunderbar in die Geschichte ein. Die Auflösung konnte mich zusätzlich positiv überraschen, da bis zum Schluss keine Beweise oder Hinweise auftauchten, die den Täter verraten konnten. Für mich war dies daher sehr angenehm, da ich oft die Erfahrung gemacht habe, dass man bei Krimis – wenn man genau hin schaut – oft sehr schnell weiß, wer der Täter ist.

    Die Charaktere sind der Autorin wunderbar gelungen: jeder Charakter übernimmt eine bestimmte Aufgabe im Roman und in der dargestellten Gesellschaft. Dabei droht aber keine Figur zu überzeichnet, unglaubwürdig oder klischeehaft zu wirken. Jede einzelne ist glaubwürdig.

    Geärgert haben mich indessen leider häufige Rechtschreibfehler, die sich allerdings fast ausschließlich auf die Groß- und Kleinschreibung beschränken. Auffällig ist dabei, dass sie vor allem gebündelt auftreten und bis zu den nächsten dann wieder etliche Seiten dazwischen liegen.

    Viele Bücher die in Südafrika spielen und die ich bis jetzt gelesen habe, konnte mir oft nur ein „nett“ entlocken, da die Handlungen oftmals so alltäglich war, dass Südafrika nicht zum tragen kam.
    In Malla Nunns Debut "]Ein schöner Ort zu sterben" ist aber genau das Gegenteil der Fall: Afrika lebt! Und mit dem Land seine Bewohner.
    Malla Nunn hat es geschafft mir in ihrem Roman das Land näher zubringen und ich hoffe, dass auch ihr nächster Roman in Afrika spielen wird!

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    KarlMays avatar
    KarlMayvor 9 Jahren
    Rezension zu "Ein schöner Ort zu sterben" von Malla Nunn

    1952 in Südafrika: "Einen schönen Ort zu sterben hat sich Captain Pretorius ausgesucht"denkt sich Detective Sergeant Emmanuel Cooper, als er an das Flußufer kommt, an dem die Leiche des örtlichen Police Captains liegt: Direkt an der Grenze zu Mosambik, vor einer zerklüfteten Bergkette. Störend sind allerdings die Schußwunden, das Motiv liegt im Dunkeln: Der Captain war allseits beliebt und respektiert, Vater von 5 Söhnen, streng religiös. Detective Cooper beginnt zu ermitteln, ganz auf sich alleine gestellt und bald behindert vom Geheimdienst, denn für diesen scheint klar: Es handelt sich um eine politisch motivierte Tat der Kommunisten, die gegen die kürzlich eingeführte Apartheidgesetze kämpfen. Emmauel hingegen glaubt nicht so recht daran - seiner Erfahrung nach haben fast alle Gewaltverbrechen ihre Motive im Privatleben der Opfer. So beginnt er nachzuforschen über das Leben des Toten und ganz langsam enthüllt sich ihm die dunkle Seite des scheinbar makellosen Lebens von Captain Pretorius......

    In diesem spannenden Krimi bekommt man so ganz nebenbei ein sehr differenziertes Bild der Gesellschaft im Südafrika der 50er Jahre: Die Apartheid - Gesetze sind gerade eingeführt und beginnen, ihre Wirkung zu entfalten. Die bigotte Einstellung der weißen Afrikaander gegenüber den Schwarzen, die feine Unterscheidung zwischen Schwarzen und Farbigen - all das wird in dieser Zeit gesetzlich legitimiert. Der Mord dient dem Geheimdienst vor allem dazu, diese Gesetze zu manifestieren, während der Detective, der lange in England gelebt hat, mit neutralem Blick hinter die Fassaden schaut. Zwar gelingt es ihm, die Zusammenhänge zu durchschauen und den wahren Mörder zu finden, zur Verantwortung gezogen wird dieser jedoch nicht.

    Spannende, anspruchsvolle Krimikost - unbedingt zu empfehlen!

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    jess020s avatar
    jess020vor 9 Jahren
    Rezension zu "Ein schöner Ort zu sterben" von Malla Nunn

    "Ein schöner Ort zu sterben" von Malla Nunn spielt in Afrika, in den 1950er Jahren, als es noch eine klare Trennlinie zwischen Weißen, Schwarzen und Farbigen gab.
    In Jacob's Rest wird eines Tages eine Leiche aufgefunden. Bei der Leiche handelt es sich um Captain Pretorious, dem örtlichen, weißen Polizisten. Detective Sergeant Emmanuel Cooper reist aus Johannesburg an, um den Mordfall zu untersuchen. Doch schon bald kommt auch die Geheimpolizei nach Jacob's Rest, da es sich ihrer Meinung nach bei dem Mord um einen politischen Akt handelt.
    Doch mithilfe von Constable Shalala, dem schwarzen Polizisten, ermittelt Cooper auf eigene Faust weiter und entdeckt so, dass der verstorbene und allerseits beliebte Captain gar nicht so heilig war wie es alle angenommen haben..
    Leider nur ein mittel-spannender Krimi. Die Zeit und der Ort der Handlung versprechen zwar eine außergewöhnliche, unbekannte Handlung, doch die Handlung selbst gestaltet sich leider viel zu vorhersehbar und fesselt den Leser auch mit Nunns Schreibstil nicht.

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    S
    schleivogelvor einem Jahr

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