Manfred Geier Die Brüder Humboldt

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Inhaltsangabe zu „Die Brüder Humboldt“ von Manfred Geier

Die Brüder Wilhelm von Humboldt (1767—1835) und Alexander von Humboldt (1769—1859) haben Geschichte geschrieben — als Philosoph, Sprachforscher und preußischer Staatsmann der Ältere, als Naturforscher, Schriftsteller und Weltreisender der Jüngere. Manfred Geier schildert das Wirken der beiden Brüder und entwirft zugleich ein Bild der glanzvollen Epoche, in der sie lebten. «Der brillante Einfall der Doppelbiographie hat das Tor aufgestoßen zu einer neuen Betrachtung dieses nachromantischen Generationsschicksals.» (Henning Ritter, «Frankfurter Allgemeine Zeitung») «Ein außergewöhnliches Buch, das man nur ungern aus der Hand legt.» (Wolfgang Betz, «Globus»)

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  • Rezension zu "Die Brüder Humboldt" von Manfred Geier

    Die Brüder Humboldt
    HeikeG

    HeikeG

    07. June 2009 um 14:49

    Eins in ihrer Zweisamkeit . "Sie sind miteinander bestens vertraut und zugleich voneinander getrennt 'wie zwei entgegengesetzte Pole' [...] Versenkung ins Innere/Treiben ins Äußere; Konzentration auf sich/Wirkung auf andere; Leben in Ideen/Forschen in der Wirklichkeit; Bildung der eigenen Individualität in ihrer Besonderheit/Beobachtung der natürlichen Dinge in ihrem ganzheitlichen Zusammenhang; Kultivierung der inneren Würde/Drang nach äußerer Anerkennung." So wird es von dem älteren der beiden "Protagonisten" in der vorliegenden Biografie in einer strengen Dichotomisierung, einer Zweiteilung, wenn auch nicht neutral oder gar objektiv, festgehalten. . Die Rede ist von Wilhelm (1767-1853) und Alexander (1769-1859) Humboldt, dem schillernden "Zweigespann" des neubürgerlich gestimmten Zeitgeistes im ausgehenden Zeitalter der Aufklärung, der deutschen Klassik und dem darauffolgenden des Idealismus. Der 1943 geborene Sprach- und Literaturwissenschaftler Manfred Geier, der bereits mit "Kants Welt" (2003) eine hervorragende Biografie schrieb, legt nun eine weitere, brillante über die beiden Universalgelehrten des 18./19. Jahrhunderts vor. . Ihrer unterschiedlichen Charaktere sind sich die Brüder in voller Klarheit bewusst. Sie verhalten sich wie komplementäre Figuren zueinander, doch sie schätzen und zollen sich zeitlebens gegenseitige Anerkennung, "weil jeder im anderen erkennt, was ihm selbst fehlt." Manfred Geier hat diese korrelative Bewunderung und Hochachtung in dem vorliegenden Buch zum roten Faden, zum Leitthema gemacht und beide gleichberechtigt, parallel porträtiert. Auf reichlichen 300 Seiten presst er deren immense Lebensfülle, ihre vielfältigen Kontakte, Freundschaften, Reisen und Korrespondenzen und die zeitgeschichtlichen Ereignisse zusammen, jedoch ohne Wesentliches auszugrenzen oder gar den Leser über Gebühr zu überfrachten. Auf lockere Art und Weise, mit stilistischer Eleganz und Noblesse, immer auf höchstem Niveau mit philosophischer Grundtendenz, gibt Geier einen hervorragenden Einblick in die Lebenswelt dieser beiden Männer. Gleichzeitig öffnet er dem Leser die Tür zum Verständnis ihrer Werke, ja, er ermutigt ihn gar, sich weiterer Sekundär- oder Primärliteratur zu bedienen, um diese beiden gleichen Ungleichen noch näher kennenzulernen. . Das Leben der Humboldts fing dahingegen alles andere als glorios an. Als 1779 ihr weltoffener, heiterer Vater starb, begann für sie eine Zeit der emotionalen Einsamkeit. und kühlen Distanz zu ihrer Mutter, hervorgerufen offensichtlich durch deren besondere Unnahbarkeit und Kälte. Hinzu kam die hofmeisterliche Kontrolle durch ihren Hauslehrer Kuntz. Wilhelm und Alexander haben, wie es in vielen vornehmen und begüterten Familien üblich war, nie eine Schule besucht, waren ständig unter der Aufsicht von Erwachsenen, "die zwar das Beste für sie wollten, aber ihre Empfindungen nicht nachvollzogen." Ihre prägnanten Verhaltensweisen und Stimmungen werden zeit ihres Lebens ein Zeugnis über ihre Zeit auf "Schloss Langeweil im märkischen Sand" (Anm.: Schloss Tegel, der Familiensitz) geben. . Schon früh zeigt sich die unterschiedliche charakterliche Prägung der Brüder, die sie ihr ganzes Leben beibehalten werden. Stürzt sich der eine (Wilhelm) in "ständiges Studieren, ununterbrochenes Lernen und intensives Lesen", hat der andere (Alexander) "sehr wenig Lust, [sich] mit den Wissenschaften zu befassen." Rückzug in die innere Welt der Sprachen und der Literatur versus Orientierung nach außen in die Natur, zu Steinen, Pflanzen, Muscheln und Käfern. Für beide ist es der angemessenste Ausweg aus all den Zwängen, Verstellungen und ständigen Aufopferungen. Erst 1785 sollte sich die Welt ein wenig mehr für sie öffnen, als die beiden Jugendlichen in das Bildungsmilieu der "Berliner Aufklärung" geraten. Ein nahezu radikales Kontrastbild zu ihrer Kindheit: "Genussvolle Geselligkeit statt erlittener Einsamkeit, Offenherzigkeit statt Verstellung, Freiheit statt Zwang.", berichtet Manfred Geier. . Unterhaltsam weiß der Autor die nächsten Schritte in die Welt von Wilhelm und Alexander Humboldt nachzuzeichnen und den Leser informativ und spannend über deren Lebensstationen zu berichten. Dies sind nach Berlin, zunächst die noch gemeinsamen Studentenjahre in Göttingen bei Georg Christoph Lichtenberg, Christian Gottlob Heyne und dem Zoologen Johann Friedrich Blumenbach, wo sie auch dem Naturforscher Georg Forster, der mit James Cook die Welt umsegelt hatte, kennenlernen und mit dem sie eine lebenslange Freundschaft verbinden sollte, aber ebenso ihre Erfahrungen mit der Französischen Revolution und die Entwicklung ihrer klassischen Ideen vom Ganzen gemeinsam mit Schiller und Goethe. Natürlich dürfen die Reisen Alexander von Humboldts nach Mittel- und Südamerika, seine naturwissenschaftlichen Forschungen im Orinoko-/Amazonas-Gebiet und sein "Versuch, den Gipfel des Chimborazo zu besteigen" nicht unerwähnt bleiben. Haben doch gerade sie ihm endgültig zu Ruhm und Ehren getragen. Währenddessen macht sein Bruder Wilhelm Politik für Deutschland und initiiert eine Reform des preußischen Erziehungswesens, "eine Idee der Bildung, in deren Mittelpunkt nicht staatliche Interessen oder berufliche Nützlichkeit stehen, sonder 'der Mensch selbst' mit seinen physischen, intellektuellen und moralischen Kräften." Aber Alexanders immer mehr "Französischsein" lässt die Brüder mehr und mehr entfernen. . Zur Lockerheit und Farbigkeit der Erzählung trägt maßgeblich bei, dass sich Manfred Geier nicht nur auf eine Ansammlung von Fakten, Stationen, Personen und intellektuellen Würdigungen der beiden Protagonisten beschränkt, sondern vor allem die Einflechtung und Nachzeichnung derer äußerst menschlichen "Befindlichkeiten", erotischen Wünsche und sexuellen Orientierungen. Während Wilhelm die Rolle des "grob Sinnlichen" zufällt (er vergnügte sich im Zweifelsfall mit Prostituierten), entdeckt Alexander allmählich seine Homophilie. Geiers intensives Nachspüren der - auch hier konträr agierenden - Triebschicksale beider Brüder, macht deren geistigen Lebensweg noch verständlicher. . Letztendlich finden die Brüder in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts wieder zusammen. Während Wilhelm als freier Gelehrter sich den vergleichenden Sprachstudien widmet, kehrt .Alexander nach Deutschland, in die Dienste des preußischen Königs, zurück und beginnt sein fünfbändiges Spätwerk "Kosmos" zu entwerfen. Der Tod des älteren Bruders, der im "Kosmos" des Denkens und der Sprache zu Hause war, trifft ihn schwer. Alexander, der nie so gesund war wie auf seinen abenteuerlichen Reisen, wird ihn um 24 Jahre überleben. Im Park des Schlosses Tegel liegen beide neben Wilhelms Gattin Caroline im Familiengrab der Humboldts bestattet. . Das Zitat Wilhelm von Humboldts an seine Frau Caroline vom 16. März 1814, welches Manfred Geier dem Buch vorangestellt hat, soll dieser Rezension als Schlusswort dienen, denn erst beim Zuschlagen der letzten Seite wird man sich ihrer Aussagekraft in voller Tragweite bewusst: "Was das Sonderbarste ist, so gleichen wir uns doch eigentlich in tausend Stücken. Für einen dritten muß es kaum zwei Leute geben, über die es so amüsant sein muß, sich vergleichend zu mokieren." Manfred Geier hat dies auf jeden Fall getan. . Fazit: Die immense Fülle an Fakten und Ereignissen aus dem Leben von Wilhelm und Alexander Humboldt weiß Manfred Geier in einem beeindruckenden, subtanzreichem und klugen Terzett aus Naturkunde, Philosophie sowie unterhaltsamer und fundierter literarischer Darstellung gekonnt zu vereinen und in einer äußerst lesenswerten, ja, oft sogar bewegenden Biografie zu kompensieren.

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