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Susi30

vor 12 Monaten

1. Leseabschnitt (1.-6. Kapitel)
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So, ich hab schon mal angefangen, die ersten Kapitel zu lesen.

Es ist sehr angenehm geschrieben und leicht verständlich.
Ich finde es sehr schön, dass Sie nicht in der normalen Reihenfolge geschrieben haben, sondern wirklich nach Themen unterschieden haben.

Ich war nicht dabei nach dem Krieg, kenne es aber aus Erzählungen. Auch die Nachkriegszeit wird sehr hart gewesen sein. Umso erstaunlicher ist es immer wieder, dass schon in den 60er alles recht locker gehandhabt wird, um den elterlichen Idealen zu entfliehen und sich auszuprobieren und zu testen bzw. herauszufinden, wie man in die Welt passt.

Was mich zum Nachdenken angeregt hat, ist die Aussage, dass man was erleben muss, wenn man was erzählen möchte. Leider ist es in der heutigen Zeit nicht mehr ganz so einfach. Genauso wie mit dem Alkoholkonsum. Heute ist vieles verpönt und man muss über alles reden, sobald man aus der Masse sticht. Ein eigentliches Ausprobieren der Jugend ist heute nicht mehr möglich, sondern man sollte sich so schnell wie möglich in die Gesellschaft integrieren mit hunderten von Hobbys und Erlebnissen. Immer 150 % geben.

Ich finde es sehr schön beschrieben und kann mir jetzt ganz langsam vorstellen, wie meine Eltern ihre Jugend verbracht haben. Auf in die nächsten Kapitel. :)

Manfred_Jelinski

vor 12 Monaten

1. Leseabschnitt (1.-6. Kapitel)
@Susi30

Danke schön für dieses erste Feedback. Als Schreiber sitzt man immer da und fragte sich: kommt das jetzt so an, wie ichs meine? Dieses Jahrzehnt war ja genau das, was gesellschaftliche Veränderungen brachte wie sonst kaum eines. (Na gut, die 80er noch!) Doch, es war schon eine ernste Sache, sich mit dem "Establishment" auseinanderzusetzen, die eigene Freifläche zu erweitern. Allerdings war der Ernst mehr auf Seiten der Elterngeneration. Die sahen das gar nicht locker. Uns aber kamen die Restriktionen, die diese auch aus den Kriegserfahrungen und danach mitbrachten, einfach obsolet vor. Und wir wollten auch nicht in diese Depressionen ("Wir haben alles verloren!") stürzen. Jung sein bedeutete, herauszufinden, was für einen selbst wichtig ist, und da natürlich alte Muster auf den Prüfstand stellen. Und das Ganze, "in the morning of my life" natürlich mit Optimismus. Ich habe an anderer Stelle des Buches angemerkt, wie unpassend ich es heute finde, Jugendliche schon mit dem Problem ihrer Alterversorgung zu konfrontieren, wo sie doch erstmal herausfinden sollten, wohin sie sich entwickeln wollen. Weil man heute auch eigentlich nicht mehr so gut damit fährt, als Hauptziel einen festen Beruf zu erlernen, sondern eher, wie man sich fit macht, immer neue Entwicklungen zu meistern.
Ich gebe zu, es war zwar nervig, dauernd an Grenzen zu stoßen, aber es machte damals Spaß, sich Neues auszudenken und das zu verfolgen. Man fühlte sich revolutionär, das hob auch das Selbstwertgefühl. Widerspruch kann ja auch das Salz in der Suppe des Lebens sein. Und praktisch alles, was man machte, war ja auch neu, denn die alte deutsche Kultur war mit Endes des Krieges in den Abgrund des Versagens gefallen. Ich habe zu meinem großen Sohn (24) schonmal gesagt, dass es zwar schön, aber eigentlich nicht in Ordnung sei, dass wir jetzt die gleiche Musik hören. Jugend muss etwas generationseigenes haben. In den auf die 60er folgenden Jahrzehnten sind nun aber (naja:fast) alle Umstürze und Entwicklungen vollzogen worden. Viel bleibt da nicht für Jugendliche, immer hatte das schon jemand. Sieht man auch gut auf Youtube: neben den wirklich dilettantischen Sachen sieht man nichts, was nicht MTV schon vor Jahrzehnten vorgemacht hat. Und die wirklich heute noch Aufmerksamkeits heischenden Erlebnisse sind deshalb oft eher lebensgefährlich: mit 180 mit dem Motorrad nachts durch die Stadt zu heizen oder mit welchem Ansinnen auch immer in Krisengebiete zu reisen. Wobei, haben Sie auch schön angesprochen, eigentlich wieder ein Aufstand nötig wäre: gegen die Scheinheiligkeit des heutigen Besserwissens, in dem man eigentlich auch wieder wie damals, nur anders, gutmenschenartig weichgespült, eingesperrt wird. Ja, natürlich, wissen wir ja: Alkohol ist schädlich. Nikotin auch. Stimmt ja auch. Und ja, wir müssen uns ganz viel Gedanken machen über die Zukunft, über die Umwelt, die Kriege, den Terror, die Energie und das Klima und political correctness. Stimmt auch alles. Aber es ist eine neue Zwangsjacke, finde ich. Natürlich muss das jeder für sich entscheiden, so wie mein alter Kumpel, der in der Bank aufstieg und dem die ganze Aufregung in meinem Leben für sich zu viel war. (Kapitel 1-6 ist ja nur die Intro, sozusagen) Nun ist er ein stiller Typ, sowieso und immernoch, und er will auch nichts erzählen. Bescheiden und genügsam. Ehrenwert, aber für mich ist das Universum doch darwinistisch: immer etwas Neues probieren erhält die Existenz. Und es wäre für mich schon ein sehr befriedigendes Ergebnis der Lektüre dieses Buches, wenn junge Menschen darüber nachdenken, wieviel Angepassheit und vorauseilender Gehorsam und "Planerfüllung" eigentlich gut sind, um mit sich "im Reinen" zu sein, in einem lebenswerten Land. Erzählen Sie mir gern mehr zu diesem Aspekt, wie Sie es sehen. Ich frage auch immer meine großen Kinder, sie sind für mich wichtige Informanten. Ihre Eltern oder Großeltern können das durchaus anders erlebt haben, aber der Wind der Veränderung durchwehte damals alle Städte und Dörfer, soviel Gemeinsamkeit gab es.

Susi30

vor 12 Monaten

1. Leseabschnitt (1.-6. Kapitel)
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@Manfred_Jelinski

Ich kann Ihnen nur beipflichten.
Die Möglichkeiten, sich zu entfalten, auch mit ner Portion Rebellion, hat die heutige Jugend nicht mehr.
Ich kenne es leider nur zu gut. Noch in der Schulzeit muss man zum Schluss wissen, was man mit seinem Leben anfangen will, in welche Richtung es geht. Dazu sollte es noch gut und ordentlich bezahlt werden.
Eine Möglichkeit, etwas zu finden, sich umzuorientieren, um neu anzufangen, wird bei uns teilweise schon als Scheitern angesehen.
Das sind meine Erfahrungen, die ich gemacht habe.
Aber auch so kommt es kaum noch zu einer Kreativität. Z. B. in der Musik: vieles wird gecovert (meist auch nicht wirklich gut). Oder in der Mode (Thema Schlaghosen etc.).
Es gibt kaum etwas eigenes, was ein Jahrzehnt noch ausmacht.
Schade eigentlich.

Manfred_Jelinski

vor 10 Monaten

1. Leseabschnitt (1.-6. Kapitel)
@Susi30

Hallo, das wäre doch mal ein Grund für eine Rebellion, oder? Dagegen, dass man immer muss. Tommy Jaud hat ja hier ein schönes Buch geschrieben, aber ich habe immer erwartet, dass sich auf der Straße mal was tut. Aber wahrscheinlich bin ich da doch etwas back dated, denn es hat eine Weile gedauert, bis ich begriffen habe, dass die Revolution schon längst im Gange ist: im Internet! Trolls, Fake News und Verschwörungstheorien verunsichern jetzt das aktuelle Establishment. Nichts ist unhackbar! Im Prinzip ein Nährboden für neue Weltsichten und neue Umgangsformen. Leider ist das nicht konstruktiv und es wird damit das Einkommen eines normalen Menschen auch nicht verbessert, ganz im Gegenteil. Ich bin mal gespannt, was das Roll Back der alten Chauvis (Erdogan, Trump und Putin) an "konterrevolutionärem" Potenzial aufrührt. Ich fürchte allerdings, dass man alle, auch die Aufrührer, in paradiesischen, virtuellen Welten einsperren wird. Eine ganz moderne Bestechung.
Nun ist leider schon etwas Zeit seit dem letzten Posting vergangen, wir hatten familiären Notstand (Krankheiten und so), inzwischen haben Sie ja sicher das Buch beendet. Konnten Sie denn bis zum Schluss noch Anregungen entnehmen? Das damalige Zeitgefühl nachempfinden?
Ich plane, das damalige Filmmaterial in moderne Konsumformen zu gießen, weil ich denke, autentische Aufnahmen sind am besten. Von welches Medium würden Sie denn konsumieren? Von der Download-Plattform, als eBook (kann man jetzt mit dem neuen Standard) oder von Youtube (mit Werbung natürlich)?

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