Inhalt:
Boston, 1721: Um ihren schwierigen Lebensverhältnissen und ihrem gewalttätigen Vater zu entfliehen meldet sich die junge Delia auf eine Heiratsanzeige. Sie erklärt sich bereit die Frau eines Witwers mit zwei Kindern zu werden, der in einer abgelegenen kleinen Siedlung lebt. Auf der langen und beschwerlichen Reise wird sie vom gutaussehenden Arzt Tyler Savitch begleitet. Delia und Tyler fühlen sich von Beginn an zueinander hingezogen. Es fällt jedoch vor allem Tyler schwer zu seinen Gefühlen zu stehen. Erst als es bereits zu spät für eine gemeinsame Zukunft zu sein scheint wird ihnen klar, welch großen Fehler sie begangen haben….
Delia lächelte traurig in die Dunkelheit. Unter seinem rauen Wesen und hinter seinen harten und spöttischen Worten schlug ein weiches Herz. Tyl tat alles, um dieses Herz vor der Welt, sogar vor sich selbst zu verbergen. (S. 213)
Meine Meinung:
Nachdem ich bereits Wege des Schicksals gelesen hatte und weil ich dieses Buch richtig gerne gemocht habe, wollte ich ein weiteres Buch von Penelope Williamson lesen.
Es handelt sich insgesamt um eine unterhaltsame und kurzweilige Liebesgeschichte, die sich flüssig lesen lässt und die sowohl lustige als auch dramatische Momente zu bieten hat. Für Delia entwickelt man schnell Sympathien und auch Tyler wächst einem ans Herz. Man wünscht den beiden eine gemeinsame Zukunft. Allerdings hätte man die fast 500 Seiten umfassende Geschichte ruhig ein wenig kürzen können. Das Hin und Her zwischen Delia und Tyler wird manchmal etwas zu sehr in die Länge gezogen. Außerdem finde ich, dass die Geschichte ein paar Schwächen hat:
Leider ist in der Geschichte Manches etwas zu übertrieben und unglaubwürdig. Das beginnt schon beim Kennenlernen von Delia und Tyler, das lustig ist, aber auch recht skurril und unglaubwürdig. Als Delia im Hotel auf ihn wartet und er längere Zeit auf sich warten lässt, sieht sie sich sein Schlafzimmer an, probiert sein Bett aus und schläft versehentlich darin ein. Meiner Meinung nach ist dieses Verhalten – insbesondere mit Blick auf die Zeit zu der die Geschichte spielt – sehr unglaubwürdig, wenn man bedenkt wieviel Wert damals auf sittsames Verhalten gelegt wurde. Delia wacht dann davon auf, dass Tyler mit einer Frau das dunkle Schlafzimmer betritt und die beiden sich auf das Bett – und somit auf Delia werfen. Außerdem finde ich es merkwürdig und unangebracht, dass die junge und als recht unerfahren beschriebene Delia in einem ihrer ersten Gespräche mit Tyler direkt dessen Liebesleben anspricht:
„Und sie sind ein guter Liebhaber. Ich glaube, im Bett haben sie etwas los!“ (S. 50)
Es ist mir auch zu dick aufgetragen welch große Gefühle Delia augenblicklich für Tyler empfindet. Als sie ihn erst seit ein paar Minuten kennt und er ihr einen Verband umgelegt hat, denkt sie direkt Folgendes:
Er war ein völlig Fremder, aber sie hatte die heilende Kraft seiner Hände gespürt, und sie ahnte… nein, sie wusste im tiefsten Inneren, nur er würde auch ihre Seele heilen können. (S. 42)
Es gibt meiner Meinung nach einige ein bisschen zu plump wirkende Szenen mit denen die körperliche Anziehung zwischen Delia und Tyler verdeutlicht werden soll. Schon bei ihrem ersten Aufeinandertreffen muss Delia jede Menge Kleidung ablegen, weil Tyler ihre Rippenprellung untersuchen und ihr einen Verband anlegen muss. Wenig später überrascht Tyler Delia versehentlich als diese sich wäscht. Vor Schreck denkt sie nicht gleich daran sich zu bedeckten und er hat die Möglichkeit sie sehr ausgiebig zu betrachten. Später stürzen die beiden dann in einen Fluss. Danach müssen sie natürlich erst einmal die nasse Kleidung ablegen und sich gänzlich unbekleidet am Feuer wärmen. Schließlich trifft Delia dann auch noch überraschend im Wald auf Tyler als dieser nur mit einem Lendenschurz bekleidet auf Bärenjagd ist. Das alles ist schon recht lustig, aber wirkt auch etwas übertrieben.
Außerdem finde ich es etwas übertrieben, dass Tyler Delia nicht nur einmal, sondern gleich viermal das Leben rettet. Sie muss gleich zweimal vor dem Ertrinken gerettet werden, verblutet beinahe und dann wird ihr Leben durch einen weiteren Schicksalsschlag bedroht.
Auch die geschilderten Grausamkeiten der Indianer werden meiner Meinung nach etwas zu klischeehaft und übertrieben geschildert. So wird beschrieben, dass die Indianer weibliche Gefangene zwingen die Kleidung abzulegen und dann auf sie einschlagen. Außerdem gibt es Gespräche wie Folgendes über die Machenschaften der Indianer:
„Ich habe gehört“, sagte Delia eifrig, „dass die Indianer ihre Gefangen aufspießen und über dem offenen Feuer wie Weihnachtsgänse braten.“ […] „Das stimmt“, sagte der Wirt und nickte. „Aber das Aufspießen kommt später. Zuerst quälen sie ihre Opfer mit glühenden Eisen und stechen ihnen die Augen aus…“ (S. 80)
Fazit:
Es handelt sich um eine unterhaltsame, kurzweilige, lustige und stellenweise auch spannende und rührende Liebesgeschichte. Allerdings ist Manches meiner Meinung nach zu übertrieben und manche Szenen wirken etwas zu plump und gewollt. Dem fast 500 Seiten umfassenden Buch hätten ein paar Kürzungen nicht geschadet.
Das Buch Wege des Schicksals, das ebenfalls von Penelope Williamson geschrieben wurde hat mir wesentlich besser gefallen.



