"Ich bin im Zustand der chronischen Wut... " Diese Worte schreibt Florence Nightingale im März 1856 noch aus dem Lazarett in Skutari an die Regierung Englands.
In dieser Biographie beschäftigt sich Autor Manfred Vasold intensiv mit der Herkunft Nightingales. Er beleuchtet das Umfeld in dem sie lebt. Konventionen über Konventionen – eine Frau aus dem Adel darf dies oder jenes nicht tun, soll heiraten, Kinder bekommen und sich langweilen. Diesem Frauenbild entspricht Florence gar nicht.
Es dauert lange, bis sie eine Ausbildung zur Krankenpflegerin absolvieren kann/darf. Als Pflegerin kranker Angehöriger sind Frauen wie Florence willkommen, als Profis jedoch nicht.
Ihr Engagement während des Krimkrieges um kranken und/oder verletzten Soldaten bringen ihr weniger Ruhm als viel Aufmerksamkeit sein.
Ihre eigentlichen Verdienste liegen darin, dass sie den Mächtigen jener Zeit (Königin Viktoria inklusive) entsprechend auf die Nerven ging. Mit akribischen geführten Statistiken (eine davon ist abgebildet) belegt sie den volkswirtschaftlichen Schaden, der durch mangelnde Hygiene, sowohl bei den Soldaten in (heimischen) Kasernen und an Kriegsschauplätzen als auch bei der Zivilbevölkerung, verursacht werden.
Das ist der Vorteil ihrer adeligen Abstammung, dass sie wichtige und einflussreiche Menschen kennt. Sie nützt diese Bekanntschaften rücksichtslos zur Durchsetzung ihrer Ideen und Projekte aus.
Eine interessante Facette ist, dass sich Nightingale zwar selbst über die meisten der herrschenden Konventionen hinweg setzt, aber die Zulassung von Frauen zum Medizinstudium und das Frauenwahlrecht kategorisch ablehnt. Da ist sie eben doch eine Frau ihrer Epoche.
Schreibstil/Autor:
Manfred Vasold ist als Verfasser von mehreren Büchern über medizinische Themen bekannt. Daher sind die fachlichen Beschreibungen und Recherchen gut gelungen.
Sehr interessant finde ich die Bezüge auf andere europäische Länder und deren Gesundheitswesen. Es war zu jener Zeit überall gleich schlecht. Nur die Initiative Einzelner bewirkte in kleinem Kreis Besserung.
Leider leidet das Buch unter ständigen Wiederholungen. Nach der dritten Erwähnung weiß der Leser, dass „Skutari“ in der Türkei und „Balaklawa“ auf der Krim liegen.
Ein ziemlich peinlicher Fehler dann auf Seite 123: es handelt sich um Reparaturarbeiten an dem desolaten Gebäude und nicht um „Reparationsarbeiten“.
Andererseits werten die abgebildeten Statistiken und die Fotos das Buch auf.
Fazit:
Eine Biographie, die ein umfassendes Bild einer Epoche gibt, das man das "Viktorianische Zeitalter" nennt.










