Manfred Wieninger Kalte Monde

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Inhaltsangabe zu „Kalte Monde“ von Manfred Wieninger

Marek Miert ist wieder da. Und er ist ganz der Alte: grantig und stur, cholerisch und melancholisch, aber das Herz auf dem rechten Fleck. In Harland, der tristesten aller Landeshauptstädte, hat sich auch nicht viel verändert. Noch immer hängt eine Dunstglocke über der Stadt, gehen Politiker mit Hassparolen auf Stimmenfang, verpestet der Mief der Vergangenheit die Gegenwart. Doch dann passiert ein Mord. Und die Jagd auf den Mörder, der seine Opfer übel zurichtet und ganz Harland in Angst und Schrecken versetzt, beginnt. Oberleutnant Gabloner ist nicht zimperlich, wenn es um Schuldzuweisungen geht, und die Medien greifen die Mär von den blutrünstigen Ausländern dankbar auf. Nur Marek Miert glaubt nicht an die offizielle Version der Kriminalpolizei und mischt sich unverfroren in die Ermittlungen ein. Es ist die dunkle Seite der österreichischen Mentalität, die uns in den Krimis von Manfred Wieninger entgegentritt. Sein eigenwilliger und grundsympathischer Ermittler Marek Miert taucht in seinem vierten Fall wieder tief in den Sumpf ewiggestriger Gesinnung und liefert einen Befund über den Zustand unserer Gesellschaft, der in seiner Schärfe und in seinem Sprachwitz seinesgleichen sucht.

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  • Rezension zu "Kalte Monde" von Manfred Wieninger

    Kalte Monde
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    01. January 2011 um 16:56

    Als notorischer Gewohnheits-Spätzünder hatte ich meine erste Bekanntschaft mit dem unvergleichlichen Marek Miert erst im sechsten Band der Krimireihe mit "Prinzessin Rauschkind" machen dürfen. Nun sehe ich mich (sehr gerne) genötigt, mich mit dem vierten Krimi auseinanderzusetzen. "Kalte Monde" setzt beim geneigten Kriminalroman-Fetischisten wiederum Lesegewohnheiten voraus, die sich in der Hauptsache in einer Toleranz gegenüber nicht alltäglichen Schreibstrukturen ausdrückt. Eine im Tal der "gut zu lesenden" Mainstream-Autobahnen angesiedelte Story, die sich geradlinig und ohne literarische Stolpersteine in Schnellleserhirne zu fressen vermag, darf ebenfalls nicht erwartet werden. Man sollte auch dringend über die Fähigkeit verfügen, nicht einen imaginären Erstickungstod zu erleiden, wenn einem mal wieder das Lachen im Halse stecken bleiben sollte. Den Episodenroman dominiert einmal mehr ein Mensch aus grobem Schrot und Korn. Der "Diskont-Detektiv" lebt mehr schlecht als recht in einer der alsbaldigen Vergänglichkeit geweihten Bruchbude, einem abgewohnten Zinshaus hinter dem Harlander Hauptbahnhof. Längere Zeit gab es keine Aufträge mehr, doch Miert - der letzte der Gerechten - nimmt auch keinesfalls jeden an. Doch mitunter sind es trotz strenger Auswahlkriterien dennoch die falschen Auftraggeber, Ermittlungen und Aktionen, auf die er sich einlässt. Ob es nun der Abgeordnete Helmar Topf ist, der ihn über den parlamentarischen Mitarbeiter Horst Heider als Leibwächter engagiert, oder Franz A. Sagbauer, Obmann der Tierschutzvereins in Harland, der sich um den Verbleib einer millionenschweren Katze sorgt. Es kann auch einmal vorkommen, dass der Verbleib eines seit 60 Jahren Vermissten geklärt werden soll, der Lotteriegewinn eines Verstorbenen einkassiert oder eben ganz aktuell ein grausamer Schlächter, der "Schlitzer", gesucht werden muss. Manfred Wieninger charakterisiert ebenso vehement wie liebevoll. Diese Art Kriminalroman braucht kein aufwendiges Rätsel- und Entwirrspiel. Es ist einfach ein deftiges Stück Leben, mitten aus dem grauen Alltag herausgeschnitten und mit viel Liebe und Hintersinn an bösen gesellschaftskritischen Seitenhieben angerichtet. Inmitten dieses Sumpfes aus schleimigen Pragmatikern steht der kantige Privatermittler wie ein Fels in der Brandung. Miert hält nicht viel von den "Harlander Nachrichten". Er könnte ein paar Lagen gut für sein Auto als Sitzunterlage gebrauchen. Sein Ford Granada von Anno Tobak verweigert nämlich den Betrieb der Heizung und insbesondere der politische Teil des Blattes könnte somit "einer durchaus adäquaten Verwendung zugeführt werden". Er diniert gerne am Würstelstand, der eine nicht unwesentliche Rolle in seinen Ernährungsgewohnheiten einnimmt - schließlich kocht er so, "wie der alte Beethoven zuhören konnte". Fremde Wohnungstüren kann er nicht knacken - selbst mit einer Kreditkarte nicht und einer eventuell vorhandenen schriftlichen Anleitung. Manchmal kommt er sich vor "wie ein weggeworfener Champignon, den man durch ein WC bis in den Hauptsammelkanal gespült hatte". Elend faul ist der Miert obendrein und manchmal erschreckend unkonventionell. Zum einen würde er gerne in seiner Wohnung, wenn denn die Möglichkeit bestehen würde, den Weg vom Wohnzimmer zum Klosett mit dem Auto verkürzen und zum anderen entkalkt er in Ermangelung eines geeigneten Mittels seine Kaffeemaschine auch gerne mal mit einem WC-Reiniger! Ich habe die einleitenden Buchdaten in dieser Rezension übrigens erstmals korrigieren müssen, da ich mich zunächst einen falschen "Autor" anzugeben gewagt habe! Das ist mir wirklich noch nie passiert, zudem es eine ganze Weile gedauert hat, bis ich den Fehler überhaupt entdeckt habe. Dies mag bezeichnend für die außerordentlich prägnante Darstellung des Hauptdarstellers sein, dem es beinahe gelang, seine zweidimensionale Welt zu verlassen, seinen Schöpfer in Frage zu stellen ... um womöglich auch noch dessen Rolle zu übernehmen! Das sah dann folgendermaßen aus: Kalte Monde von Marek Miert Den Leser mag es erheitern oder auch nachdenklich stimmen. Noch bedenklicher ist die Tatsache, dass mir ein signiertes und mit persönlicher Widmung von Herrn Wieninger versehenes Exemplar vorliegt ... © Thomas Lawall - www.querblatt.com

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