Manfred von Conta

 4 Sterne bei 35 Bewertungen

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Cover des Buches Krieg im Spiegel (ISBN: 9783548605968)
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Rezension zu "Krieg im Spiegel" von John le Carré

Jossele
Träge, anachronistische Geheimdienstwelt

Das Original des 4. Romans von John le Carré erschien 1965 unter dem Titel „The Looking Glass War“. Eine Sektion des britischen Geheimdienstes leidet seit dem Ende des 2. Weltkrieges unter ihrer wachsenden Bedeutungslosigkeit. Ihr Leiter und die meist nunmehr in die Jahre gekommenen Mitarbeiter wittern daher eine Chance, als sie Nachrichten von der Stationierung von sowjetischen Raketen in der DDR südlich von Rostock erreichen. Zur Verifizierung dieser Nachrichten bereiten sie den Undercover-Einsatz eines polnischen Agenten in der Gegend vor.

Davon handelt der überaus größte Teil des Buches, von der Vorbereitung des Einsatzes, die Geheimniskrämerei selbst gegenüber befreundeten Diensten und den Problemen, die sich privat für die Mitarbeiter daraus ergeben, weil sich die Partner ausgeschlossen fühlen. Der eigentliche Einsatz beginnt erst im letzten Viertel des Buches. Das sorgt leider dafür, dass sich die Geschichte sehr zieht, bis es zum ersten Mal spannend wird.

Die Vorbereitungen zum Funkverkehr und dieser selbst wirken in der heutigen Zeit natürlich etwas anachronistisch, aber das Buch stammt aus dem Jahr 1965 und von daher beschreibt der Autor das Szenario wohl realistisch. 

Ein Aspekt in den Romanen le Carrés ist fast jedes Mal die menschliche Kälte, die Empathielosigkeit, die im Geheimdienstmilieu vorherrscht, wo ein Menschenleben im Grund nichts zählt. Das ist in diesem Roman nicht anders, wie z.B. in dem folgenden Dialog zwischen zwei Mitarbeitern der Organisation verdeutlicht wird: „Wie ist er? Was für ein Mensch?“ – „Er ist ein Agent. Ein Mensch, den man steuert, nicht einer, den man kennt.“ (dtv Tb, Januar 1996, S. 209)

Auch wenn le Carré seine Meisterhand an der ein oder anderen Stelle schon aufblitzen lässt, so sind doch die Charaktere in diesem Buch seltsam unstrukturiert und beliebig. Für meinen Geschmack kommt außerdem die Spannung zu kurz. Zwei Sterne.

Cover des Buches Der Spion, der aus der Kälte kam (ISBN: 9783471780817)
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Rezension zu "Der Spion, der aus der Kälte kam" von John le Carré

Jossele
Sehr raffiniert erzählter Roman aus der Welt der Agenten

Der Roman, der John le Carré schlagartig berühmt machte, erschien 1963 unter dem Originaltitel „The Spy who came in from the Cold“. Laut Wikipedia schrieb le Carré den Bestseller in nur fünf Wochen. Alec Leamas, Agent des britischen Geheimdienstes, soll an einer Aktion mitwirken, die den ostdeutschen Leiter der Operationsabteilung des Auslandsgeheimdienstes beseitigt. Deshalb wird Leamas‘ Entlassung aus dem Dienst und einiges andere inszeniert, bis der ostdeutsche Geheimdienst mit ihm Kontakt aufnimmt.

Le Carré, der selbst einige Jahre in Diensten der britischen Geheimdienste MI5 und MI6 stand, kann durchaus als Experte für geheimdienstliche Tätigkeiten bezeichnet werden. In diesem Roman vermittelt er dem Leser einen Eindruck von den Methoden, die dort zu Anwendung kommen. Der Roman spielt in der Zeit kurz nach dem Mauerbau in Berlin, den le Carré vor Ort miterlebte. Zeitlebens hatte der Autor eine besondere Beziehung zu Deutschland und zur Schweiz.

Der Erzählstil des Autors verlangt dem Leser einiges an Aufmerksamkeit ab, will er jederzeit auf der Höhe des Geschehens sein, denn le Carré erzählt so, dass neben dem politischen Gegner auch der Leser in die Irre geführt werden kann. So weist er z.B. nicht ausdrücklich, sondern nur in Andeutungen darauf hin, dass es sich bei Leamas Abschiebung in den Innendienst und seinem darauf folgenden Verfall um eine ins geheimdienstliche Werk gesetzte Inszenierung handelt.

Eindrücklich beschreibt der Roman auch die Dilemmata, in die Agenten aufgrund ihres Doppellebens fast zwangsläufig geraten und die zu ihrer Vereinsamung führen. Die Gefühllosigkeit, die das System von den handelnden Personen verlangt, ist geradezu spürbar, wenn z.B. George Smiley, der in diesem Roman nur eine Nebenrolle spielt, sich stirnrunzelnd Sorgen um Leamas Freundin Liz macht, wohl wissend, nichts tun zu dürfen, was die gesamte Aktion gefährdet, selbst wenn sie Menschenleben kostet.

Ein absolutes Highlight ist die Auflösung, der man sich schrittweise nähert, wobei der Leser mit immer neuen „Wahrheiten“ konfrontiert wird, weil fast gar nichts so ist, wie es scheint. Das ist grandios ausgedacht und inszeniert.

Dieser außerordentlich gute Agententhriller hat Maßstäbe für das Genre definiert, die danach nur von ganz wenigen erreicht wurden. Fünf Sterne.

Cover des Buches Der Spion, der aus der Kälte kam (ISBN: 9783548281513)
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Rezension zu "Der Spion, der aus der Kälte kam" von John le Carré

emilayana
Fantastisch, fanastisch und nochmal fantastisch

Der Spion der aus der Kälte kam

 

Genre: Agentenroman / Thriller

Autor: John le Carré

Verlag: Ullstein

Preis: 10 €

Seiten: ca. 250

ISBN: 978-3548281513

 

1.     Handlung: Alec Leamas ist im britischen Geheimdienst tätig und ihm war der Bereich Ostdeutschland unterstellt. Mundt, ein anderer Agent, hat mehrere Agenten die Leamas unterstanden ermordet, dadurch sinnt er auf Rache. Er scheidet aus dem Geheimdienst aus um Mundt im geheimen in den Misskredit zu treiben. Er lässt sein Leben verkommen und lässt sich scheinbar als Überläufer einkaufen.

2.     Schreibstil: Der Schreibstil Carrés ist einzigartig. Er ist unglaublich detailversessen und beinhaltet unglaubliche Beschreibungen. Zudem ist alles extra so geschrieben, dass man den Leser auf eine falsche Fährte lockt nur um danach immer wieder die Wahrheit zu bestätigen. So weiß man nie ob das was man lies nun doch der Wahrheit entspricht oder wieder ein gewiefter Schachzug des Autoren ist. Somit gibt es zu Hauf Überraschungen und Wendungen die das Buch so unglaublich spannend machen. Auch die Dialoge sind sehr besonders. Man bekommt manchmal wirklich nur den Gesprächsanteil und dann plötzlich doch wieder die Gedanken von Leamas, die einen dann das Gespräch in einem vollkommen anderen Licht zu sehen.

3.     Charaktere: Die interessantesten Charaktere sind wohl Leamas selbst, dem man die Rolle des Doppelagenten unglaublich gut abnimmt. Das ganze Buch bereitet ihn außerdem auf die Entscheidung vor die er am Ende trifft. Er ist ein außergewöhnlich intelligenter Man, der diese allerdings niemals nach außen zu Schau stellt. Er weiß es selber von sich ganz genau, behält dies für sich, damit die anderen ihn unterschätzen und sich überschätzen. Das sieht man besonders in den Gesprächen mit Ashe. Außerdem der Antagonist Mundt. Er tritt eigentlich das ganze Buch nicht in Erscheinung, aber wenn er es tut verkörpert er genau das was an erwartet. Zudem kommen die unantastbar wirkenden und dargestellten Chefs der Geheimdienste. Diese werden nicht einmal mit Namen genannt. Im Gegensatz zu denen steht die aus dem Volk kommende Liz. Sie verkörpert eine normale Frau die in die Fänge dieser geheimen Organisationen gerät und sich von diesen nicht mehr befreien kann.

4.     Umsetzung: Die Umsetzung des Buches ist meiner Meinung nach überaus gelungen. Man wird in die Welt von Leamas eingeführt und dann immer tiefer. Durch die immer wiederkehrenden Momenten in denen man auf Glatteis geführt wird nur um danach wieder die „Wahrheit“ zu erfahren bleibt das Buch spannend bis zur letzten Minute. Auch der Spannungsbogen ist unglaublich passend. Mir persönlich kam es so vor als ob dieser eigentlich niemals unterbrochen wurde, außer vielleicht einmal in der Mitte des Buches,  und dann zum Höhepunkt kam. Außerdem liebe ich die Metapher der Kälte, die erst im allerletzten Kapitel wieder aufgenommen wird.

5.     Cover: Das Cover ist weitestgehend unspektakulär, allerdings sehr passend und deshalb gut.

6.     Ende: Das Ende war überraschend. Es gibt wieder einen Plottwist, den man einfach nicht mehr erwartet, da im Vorhinein schon so viele waren. Am Ende zerreißt es einem das Herz, doch passender hätte das Ende überhaupt nicht sein können. Es war das einzige war passte und war dem Buch angemessen.

7.     Bewertung:

 

1.     Handlung:            40 / 40

2.     Schreibstil:          15 / 15

3.     Charaktere:         18 / 20

4.     Umsetzung:         8   / 10

5.     Cover:                    4  / 5

6.     Ende                      10/ 10

 

                                                        95 / 100

 

Gesamtwertung:   9.5 P

Genrewertung:      9.5 P

 

Ein brillanter Roman, der die Botschaft hat: für den Geheimdienst zählt nur das Ergebnis.

 

Link zur Rzension auf meinem Blog: hier

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