Das Original des 4. Romans von John le Carré erschien 1965 unter dem Titel „The Looking Glass War“. Eine Sektion des britischen Geheimdienstes leidet seit dem Ende des 2. Weltkrieges unter ihrer wachsenden Bedeutungslosigkeit. Ihr Leiter und die meist nunmehr in die Jahre gekommenen Mitarbeiter wittern daher eine Chance, als sie Nachrichten von der Stationierung von sowjetischen Raketen in der DDR südlich von Rostock erreichen. Zur Verifizierung dieser Nachrichten bereiten sie den Undercover-Einsatz eines polnischen Agenten in der Gegend vor.
Davon handelt der überaus größte Teil des Buches, von der Vorbereitung des Einsatzes, die Geheimniskrämerei selbst gegenüber befreundeten Diensten und den Problemen, die sich privat für die Mitarbeiter daraus ergeben, weil sich die Partner ausgeschlossen fühlen. Der eigentliche Einsatz beginnt erst im letzten Viertel des Buches. Das sorgt leider dafür, dass sich die Geschichte sehr zieht, bis es zum ersten Mal spannend wird.
Die Vorbereitungen zum Funkverkehr und dieser selbst wirken in der heutigen Zeit natürlich etwas anachronistisch, aber das Buch stammt aus dem Jahr 1965 und von daher beschreibt der Autor das Szenario wohl realistisch.
Ein Aspekt in den Romanen le Carrés ist fast jedes Mal die menschliche Kälte, die Empathielosigkeit, die im Geheimdienstmilieu vorherrscht, wo ein Menschenleben im Grund nichts zählt. Das ist in diesem Roman nicht anders, wie z.B. in dem folgenden Dialog zwischen zwei Mitarbeitern der Organisation verdeutlicht wird: „Wie ist er? Was für ein Mensch?“ – „Er ist ein Agent. Ein Mensch, den man steuert, nicht einer, den man kennt.“ (dtv Tb, Januar 1996, S. 209)
Auch wenn le Carré seine Meisterhand an der ein oder anderen Stelle schon aufblitzen lässt, so sind doch die Charaktere in diesem Buch seltsam unstrukturiert und beliebig. Für meinen Geschmack kommt außerdem die Spannung zu kurz. Zwei Sterne.




