Manuel Niedermeier Durch frühen Morgennebel

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Inhaltsangabe zu „Durch frühen Morgennebel“ von Manuel Niedermeier

Clemens war als Fotograf immer auf der Suche nach den Aufnahmen, die das Wesentliche eines Momentes erfassen und über das Sichtbare hinausgehen. Zuletzt hat er die wohl dramatischsten Bilder seines Lebens gemacht, die ihn allerdings aus der Bahn geworfen haben. Er fotografierte, wie sein Freund John, über Bord gegangen, sofort von der Strömung unter das Eis der Arktis gerissen wurde. Im Rückblick wird von diesem Moment und den Ereignissen, die zu ihm geführt haben, erzählt. John will seine Forschungen über die Belugawale weitertreiben und ist mit Clemens auf einem Expeditionsschiff durch die Nordostpassage unterwegs. Kurz bevor er an Bord kam, hatte er in Berlin Traumatisches erlebt, worüber er kaum sprechen kann. Er wartet dringend auf eine Nachricht von Laura, der Geigerin, in die er verliebt ist. Wie bei einem Film entstehen die atmosphärisch starken Szenen vor dem inneren Auge des Lesers. Eindringlich, manchmal bis zu Stichpunkten verknappt erzählt Manuel Niedermeier in seinem ersten Roman und lässt sich dabei doch auf schöne Weise Zeit.

Bildreiche Sprache, durchaus unterhaltsame und fesselnde Geschichte, aber teilweise auch etwas verworren.

— 19angelika63

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  • [Rezension] Ein Roman wie ein Fotobuch mit eindrücklichen Bildern.

    Durch frühen Morgennebel

    Schneekatze

    27. August 2014 um 11:36

    Titel & Cover: Beides wirkt poetisch: Man erwartet somit ein tiefgründiges Buch, das nachdenklich macht, und in dem man mitfühlen kann. Und genau das bekommt der Leser auch. Idee & Umsetzung: Clemens ist leidenschaftlicher Fotograf und macht eine Expedition in die Arktis mit, um dort zu fotografieren. Seinen Beruf gibt er auf, als er Bilder davon macht, wie sein neuer Freund John über die Reling stürzt. An sich eine klasse Idee, aber ich hätte mir noch mehr Kapitel über die Zeit danach gewünscht. Die Geschichte in sich selbst ist geschlossen, aber sie stützt sich mehr auf das Vorleben Johns vor der Expedition und die Geschehnisse auf dem Schiff als auf Clemens weiteres Leben. Aufbau: Der Roman besteht aus einer Eingangsszene in der Gegenwart und erzählt daraufhin in wechselnden Rückblenden die Geschehnisse auf dem Expeditionsschiff sowie die Vergangenheit von John. Die Kapitelübergänge sind gut gemacht. Oft geschieht oder sagt einer der Protagonisten etwas überraschendes oder etwas, das Fragen aufwirft. So wird man aufs Weiterlesen neugierig gestimmt. Protagonisten: Das erste Kapitel beginnt mit Clemens, dem Fotografen, und seiner Psychotherapeutin, im Gespräch mit den vergangenen Ereignissen. In den folgenden Kapitel wird Clemens aber zur Nebenfigur, was ich sehr schade fand, weil er mir sympathischer als John, der Hauptprotagonist, war. Nicht, weil John gebrochen ist, sondern durch seine Art und wie der Erzähler ihn darstellt. Er wirkt besserwisserisch und verwendet – zwar selten – komplizierte Sätze mit Fachwörtern, die er dann im Nachhinein „übersetzt“. Diese Weise, sein Wissen darzubieten, nervte etwas. Bei einem Gespräch über Schlafmittel beispielsweise erkennt er, um welchen Stoff es sich handelt und zählt die chemische Ausdrucksweise „C21H23C1FN3O“ auf. Schreibstil: Der Erzähler legt sehr viel Wert auf die Sinneseindrücke. Durch seine detaillierten Beschreibungen kann man die Worte schmecken, fühlen und riechen. Der Blick wird auf Kleinigkeiten gelenkt, sodass eine bestimmte Atmosphäre entsteht: Die Beschreibungen wirken wie kurze Standbilder, die nacheinander aufgezeigt werden. Nicht die Charaktere stehen im Vordergrund, sondern der Stil; die erzeugten Bilder. Nicht die Personen verursachen die Gefühle, sondern die Sprache. Handlung: Es gab einige Logikfehler, die zwar auffielen, aber an der Gesamthandlung nichts änderten. Beispielsweise in einer Szene in einem Restaurant: John und Laura bestellen Bier. Der Kellner kommt, bringt aber Essen und dann bestellen sie erneut Bier, was jedoch so klingt, als würden sie die Getränke erst jetzt bestellen. Oder an einer anderen Stelle, als Clemens die Kajüte betritt, aber John eigentlich gerade noch derjenige war, der auf dem Weg dorthin war. Nun ist er es plötzlich, der sich bereits in der Kajüte befindet. Fazit: 4/5 Schöne Idee, Umsetzung war okay. Und der Schreibstil haut alles raus: Ein Roman wie ein Fotobuch voll mit eindrücklichen Bildern. Lieblingszitate: „Ja ... ich versuche Situationen aus ihrem zeitlichen Kontext zu schneiden, sie gewissermaßen zu isolieren und zu konservieren. Was bleiben soll, ist das Bild. Dieser eine Moment. Er ist gefangen. Erst in der Kamera. Dann auf dem Rechner. In Magazinen. Auf Microstocks im Internet, immer aufrufbar, 24/7 Klicks.“ „Wenn Sie mich fragen, gibt es zwei Zeiten. [...] Die normale Zeit, also die, die unaufhaltsam verstreicht. [...] Und die andere Zeit. Die, die durchs Fotografieren eingefroren und unveränderlich geworden ist. Die ablaufende Zeit hat wenig mit der Zeit zu tun, die stillgelegt worden ist. Es gibt Wasser und Eis. Die Substanz ist dieselbe, was sich geändert hat, ist ihre Beschaffenheit. Ein Bild ist der Aggregatwechsel eines Moments.“ „Das Leben ist ein unruhiges Meer, bedroht von Stürmen und den Wellen des Egoismus. Von den Strudeln der Angst und der Finsternis.“ „Die Stille des Eises [...] Sie ist so schön und verlockend, dass ich sie manchmal fürchte.“ „»Was meinst du damit?« [...] »Dass Berlin keine eigene Stimmung erzeugt. Es verstärkt nur die Stimmung, in der man sich befindet. Wenn es mir gut geht, dann sehe ich all die super Sachen, die du hier machen kannst. Und den blauen Himmel ... und die lachenden Kinder da drüben. Wenn es mir nicht gut geht, sehe ich die Kinder, die jetzt weinen und schon immer geweint haben, und wenn sie vielleicht doch lachen, dann nur, weil sie noch nicht wissen, was sie noch alles erwartet. Und dann sehe ich die abgefucktesten Leute der gesamten Republik, ein ganzes Heer von ihnen, von der Stadt gefressen und zerkaut.«“

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  • Das Wesentliche eines Momentes

    Durch frühen Morgennebel

    19angelika63

    Klappentext Clemens war als Fotograf immer auf der Suche nach den Aufnahmen, die das Wesentliche eines Momentes erfassen und über das Sichtbare hinausgehen. Zuletzt hat er wohl die dramatischsten Bilder seines Lebens gemacht, die ihn allerdings aus der Bahn geworfen haben. Er fotografierte, wie sein Freund John, über Bord gegangen, sofort von der Strömung unter das Eis der Arktis gerissen wurde. Im Rückblick wird von diesem Moment und den Ereignissen, die zu ihm geführt haben, erzählt. John will seine Forschungen über die Belugawale weitertreiben und ist mit Clemens auf einem Expeditionsschiff durch die Nordostpassage unterwegs. Kurz bevor er an Bord kam, hatte er in Berlin Traumatisches erlebt, worüber er kaum sprechen kann. Er wartet dringend auf eine Nachricht von Laura, der Geigerin, in die er verliebt ist. Die Geschichte spielt an zwei Schauplätzen. An Land und an Bord des Schiffes mitten in der Arktis. Alle Mitglieder an Bord sind stark eingespannt, da die Crew in Schichten dafür sorgen muss, dass das Eis beobachtet wird. Denn die Temperaturen sinken immer weiter und das Schiff droht im Eis stecken zu bleiben. Aber nicht nur damit hat John zu kämpfen. Ihn plagen Nacht für Nacht Alpträume, die auch seinen Freund und Kabinennachbarn Clemens nicht schlafen lassen. Imme wieder schreit und brüllt John in seinen Träumen. Was ist passiert? Mit Clemens spricht er erst darüber, als es fast schon zu spät ist. In den Rückblicken an Land erfährt der Leser wie John Laure die Geigerin kennen und lieben lernte, und welches schlimme Trauma er erfahren musste. Manuel Niedermeier schafft es mit seinem Stil und seiner Sprache mich als Leser zu fesseln. Die Bildreiche Sprache lässt mich die eisige Kälte der Arktis spüren, lässt mich das Eis und die Belugawale sehen … selten hatte ich bei einem Buch das Gefühl so mitten im Geschehen zu sein. Aber auch die Geschichte an sich fesselte mich, obwohl sie an manchen Stellen ziemlich wirr war und ich noch einmal zurück blättern musste. Er schafft es die wesentlichen Dinge des Momentes mit Worten festzuhalten, so wie es der Protagonist mit der Kamera versucht. Alles in allem ein Buch, dass sich lohnt zu lesen. Ich fühlte mich sehr gut unterhalten. Das Ende lässt viel Raum für eigene Gedanken und Vermutungen … aber das finde ich in diesem Fall gar nicht so schlimm.

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    • 5

    parden

    09. May 2014 um 06:41
  • Bildgewaltig, mit viel Raum für Interpretationen...

    Durch frühen Morgennebel

    angi_stumpf

    20. April 2014 um 17:10

    Über den Autor: Manuel Niedermeier, 1984 in Regensburg geboren, hat vergleichende Sprach- und Literaturwissenschaften in Regensburg und Wien studiert. 2010 hat er bei der on3-Lesereihe des Bayerischen Rundfunks mitgemacht. Seit 2010 ist er jährlicher Teilnehmer bei Poetry in Motion der Regensburger Kurzfilmwoche. 2012 war er Stipendiat der Bayerischen Akademie des Schreibens. (Quelle: chbeck.de) Der Klappentext: Clemens war als Fotograf immer auf der Suche nach den Aufnahmen, die das Wesentliche eines Momentes erfassen und über das Sichtbare hinausgehen. Zuletzt hat er die wohl dramatischsten Bilder seines Lebens gemacht, die ihn allerdings aus der Bahn geworfen haben. Er fotografierte, wie sein Freund John, über Bord gegangen, sofort von der Strömung unter das Eis der Arktis gerissen wurde. Im Rückblick wird von diesem Moment und den Ereignissen, die zu ihm geführt haben, erzählt. John will seine Forschungen über die Belugawale weitertreiben und ist mit Clemens auf einem Expeditionsschiff durch die Nordostpassage unterwegs. Kurz bevor er an Bord kam, hatte er in Berlin Traumatisches erlebt, worüber er kaum sprechen kann. Er wartet dringend auf eine Nachricht von Laura, der Geigerin, in die er verliebt ist. Wie bei einem Film entstehen die atmosphärisch starken Szenen vor dem inneren Auge des Lesers. Eindringlich, manchmal bis zu Stichpunkten verknappt erzählt Manuel Niedermeier in seinem ersten Roman und lässt sich dabei doch auf schöne Weise Zeit. Die Geschichte: Der Fotograf Clemens teilt sich auf einem Expeditionsschiff die Schlafkoje mit dem Biologen John. Das Leben an Bord ist alles andere als einfach. In abwechselnden Schichten müssen alle Mitreisenden auf dem Deck Wache halten und die Entwicklung der Eisbildung beobachten. Die Temperaturen in den subarktischen Gebieten sinken schnell, so dass die Crew Gefahr läuft, im Eis stecken zu bleiben. John wird immerzu von Alpträumen geplagt und schreckt schreiend aus dem Schlaf hoch. Auch Clemens wird dadurch um seine dringendst benötigten Erholungspausen gebracht. Er stellt John zur Rede, doch dieser blockt zunächst alle Fragen ab. Irgendwann beginnt er doch zu erzählen und läßt Clemens an den bizarren Angstträumen teilhaben, deren Ursprung in einem traumatischen Erlebnis kurz vor der Abreise liegt. In Rückblenden werden die Erlebnisse von John in Berlin erzählt. Wir erfahren, wie er Laura kennenlernt und was der Auslöser seines Traumas ist. Meine Meinung: Manuel Niedermeier erzählt in einer so bildgewaltigen Sprache, dass man den schneidenden Wind im Gesicht und die Schneeflocken auf der Haut beinahe spüren kann. Er legt Wert auf Details, lässt seine Charaktere leben und leiden und die Schauplätze realistisch vor unserem inneren Auge entstehen. Die Geschichte wird hauptsächlich in zwei Handlungssträngen erzählt: die Kapitel wechseln sich ab zwischen dem Leben an Bord und Johns Vergangenheit in Berlin. Das Buch habe ich in einem Rutsch durchgelesen und fand es durchaus fesselnd. Die Schiffsreise wird realistisch und ausführlich beschrieben, aber auch die Vorgeschichte von John wartet mit vielen Details auf. Mit den Protagonisten konnte ich trotz deren guter Ausarbeitung nicht wirklich mitfühlen, sie bleiben mir etwas fremd und ich fühle mich eher wie ein nüchterner Beobachter. Mit dem Schluss hadere ich leider etwas, denn ich bin kein Freund von offenen Enden – und hier blieben mir zu viele Fragen unbeantwortet. Die Kernaussage des Buches erschließt sich mir nicht so wirklich, wobei man natürlich viel hineininterpretieren kann: geht es um den kurzen Moment, der das Leben nachhaltig verändern kann? Oder sind es die Schuldgefühle, die man empfindet, obwohl man eigentlich unschuldig ist? Und wo beginnt eigentlich “Schuld”? Oder steht die Schiffsfahrt durchs immer dichter werdende Eis für die Ausweglosigkeit, in der man sich manchmal im Leben befindet? Das wird wohl jeder Leser selbst für sich herausfinden müssen… Fazit: Ein bildgewaltiger Roman, der gut unterhält und viel Raum für Interpretationen lässt.

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