Klappentext:
„Tess hat sich in der kleinen Stadt Mölln ein ganz normales Leben mit einem guten Job und einem festen Freundeskreis aufgebaut. Endlich scheint sie die Zeit hinter sich lassen zu können, in der sie Teil einer Gruppe war, die nach eigenen Maßstäben für Recht und Ordnung sorgt.
Als ihr bester Freund, Nico, jedoch unschuldig ins Visier eben dieser Gruppe gerät, wird Tess schlagartig von ihrer Vergangenheit eingeholt. Kurzerhand ergreift sie mit Nico die Flucht. Doch sie weiß, die Chancen zu entkommen stehen schlecht.
Da bietet ihnen Stapa, der engste Vertraute des Anführers, unerwartet seine Hilfe an.
Aber welche Ziele verfolgt der Hüne wirklich?
Kann Tess ihm vertrauen?
Hat sie überhaupt eine andere Wahl, wenn sie Nico und sich retten will?“
Das Äußere
Das Cover des Romans hat mir auf Anhieb gefallen. Die dunklen Silhouetten, der Farbübergang im Hintergrund und der Kontrast mit dem Titel in Weiß ziehen sofort die Aufmerksamkeit auf sich. Des Weiteren möchte ich anmerken, auch wenn es einigen als unwichtiges Detail erscheinen mag, dass die Seiten sehr angenehm riechen. Der Roman lädt also mit seinem Äußeren allein schon dazu ein, seine Nase darin zu stecken!
Zum Inhalt
Bevor ich zu meinem Lieblingsteil dieser Rezension übergehe, möchte ich einige Kritikpunkte anbringen.
Erstens ist mir aufgefallen, dass es an Stellen Wiederholungen von Inhalten und Gedanken gibt, die meiner Meinung nach nicht notwendig sind, weil der Leser die Information entweder mehrmals schon gelesen hat oder es die Handlung/Entwicklung der Figuren nicht vorantreibt. Des Weiteren sind mir einige Fehler ins Auge gefallen, die wohl aus Unachtsamkeit entstanden und im Lektorat übersehen worden sind (z.B. „Egal was ich auch sagte, es musste sich für Nico völlig unglaubwürdig Nico anhören.“). Sie hielten sich aber in Grenzen. Auch scheint die Autorin meine Liebe für Füllwörter wie „ja, aber, auch, einfach, allerdings, eigentlich, ziemlich, jedenfalls, vielleicht, mal, denn, …“ zu teilen; ich kenne die Versuchung, bin aber der Meinung, dass sie ein bisschen zu oft benutzt wurden. Vielleicht ist das aber auch Geschmackssache. (Nie war ich mir meiner „aber auchs“ bewusster als in diesem Moment.)
Es gibt viele Dinge, die mir an dem Roman sehr gefallen haben. Bereits von der ersten Seite an war ich mittendrin in der Geschichte; die Autorin versteht es, Spannung aufzubauen und die Gefühle der Hauptfigur (Tess) realistisch zu beschreiben und an den Leser zu bringen.
Außerdem finde ich Tess eine sehr interessante Figur – gut, sie grübelt ziemlich viel hin und her, was zugegebenermaßen etwas anstrengend werden kann, und benimmt sich ab und zu recht kindisch und impulsiv – aber das ist nicht die Schuld der Autorin, sondern die von Tess ;) Ihre kleinen Imperfektionen lassen sie sehr real erscheinen, was ich als eine erfrischende Abwechslung von den üblichen Klischees der weiblichen Protagonisten empfinde.
Apropos erfrischende Abwechslungen: Ich habe es sehr genossen, eine Geschichte zu lesen, in der die Frau die Starke ist und nicht die Jungfrau in Nöten – ein Stereotyp, das ich einmal zu oft gesehen habe. Tess ist bei weitem keine Mary Sue, aber doch jemand, den ich bei Notfällen gerne zu meiner Seite hätte.
Allgemein hat es mir sehr gefallen, dass die Autorin nicht den mir allzu bekannten, vorherseebaren Klischees der Literatur verfällt – beim Lesen wurde ich mehr als einmal überrascht.
Abschließend kann ich nur sagen, dass das Buch mir sehr gefallen hat. Es ist abwechslungsreich, behandelt ein interessantes Thema – auf das ich hier nicht näher eingehe, dazu müsst ihr es selbst lesen ;) – und widerspiegelt realitätsnah die einzigartigen Beziehungsdynamiken zwischen den Figuren.



