Marc Augé

 3.9 Sterne bei 9 Bewertungen
Autor von Lob des Fahrrads, Nicht-Orte und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Marc Augé

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Lob des Fahrrads

Lob des Fahrrads

 (4)
Erschienen am 24.03.2017
Nicht-Orte

Nicht-Orte

 (4)
Erschienen am 27.08.2010
Die illusorische Gemeinschaft

Die illusorische Gemeinschaft

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Erschienen am 01.07.2014
Das Glück des Augenblicks

Das Glück des Augenblicks

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Erschienen am 14.03.2019
Tagebuch eines Obdachlosen

Tagebuch eines Obdachlosen

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Erschienen am 09.02.2012
Zeit ohne Alter

Zeit ohne Alter

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Erschienen am 01.10.2014
Orte und Nicht-Orte

Orte und Nicht-Orte

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Erschienen am 01.07.1997
Oblivion

Oblivion

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Erschienen am 07.11.2004

Neue Rezensionen zu Marc Augé

Neu
Hellena92s avatar

Rezension zu "Lob des Fahrrads" von Marc Augé

Macht Lust auf auf Radeln
Hellena92vor 2 Monaten

In "Lob des Fahrrads" von Marc Augé, beschreibt der Autor, was dem Menschen in der heutigen Zeit fehlt. Das Fahrrad!

Der Autor erzählt von den Beginnen des Radelns, den ersten Fahrrädern und der damit gewonnenen Freiheit. Zudem nimmt er den Radsport ein wenig unter die Lupe. Als der Radsport aufkam fesselte dieser die Menschen. Unglaubliche Leistungen wurden gefeiert. Der Inbegriff von sportlicher Höchstleistung.
Die ersten Dopingfälle zerstörten den Traum und das bis heute. Die Höchstleistungen der Radsportler wurden nur noch mit Argwohn betrachtet, selbst wenn kein Doping im Spiel war.
Das Fahrrad verlor mehr und mehr an Bedeutung. Die Neuausrichtung der Großstädte lassen kaum mehr Radfahrer zu und das Zusammenleben von Auto und Fahrrad ist kaum mehr friedlich möglich. Doch was wäre wenn doch das Fahrrad wieder an Wert erlangen würde? Dieses Gedankenexperiment geht der Autor auf wundervolle Weise durch und ich muss sagen, dass er auch in mir die Liebe zum Fahrrad aufgefrischt hat und ich gleich Lust bekam, mein Fahrrad aus dem Stall zu holen.

Ich kann dieses kleine Büchlein guten Gewissens empfehlen. Es ist wunderschön geschrieben und mit Humor und einem optimistischen Weitblick gespickt.
Total niedlich fand ich auch die kleinen Zeichnungen!

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Koehler-trifft-Buchs avatar

Rezension zu "Lob des Fahrrads" von Marc Augé

Ein Hoch auf das Radfahren
Koehler-trifft-Buchvor einem Jahr

Schon ein Jahr vor dem runden Geburtstag des Fahrrads, es wurde am 12. Juni 2017 200 Jahre alt, brachte der Verlag C.H.Beck das „Lob des Fahrrads“ des französischen Anthropologen Marc Augé heraus. Wenige Tage nach dem großen Fest und kurz vor dem Start der 104. Tour de France in Düsseldorf verdient das kleine Büchlein Augés daher noch einmal eine besondere Aufmerksamkeit. 

Dem Begründer der Ethnologie des Nahen und langjährigen Präsidenten der renommierten Pariser École des Hautes Ètudes en Sciences Sociales geht es nicht um den technischen oder historischen Aspekt des Fahrrads, sondern um die Philosophie und die gesellschaftlichen Auswirkungen des Radfahrens. Augé stellt in seinem Buch „Lob des Fahrrads“ die Verbindung vom Rad zu uns selbst her, denn im Fahrrad entdecken wir uns wieder und erinnern uns an unsere eigene Kindheit. Das Rad vermittelt uns ein Gefühl der Freiheit, erwachsen aus der Eroberung des Raumes und der Überwindung der eigenen Grenzen. Für den Autor ist das Radfahren ein Mythos, der viel mit der Zeit zu tun hat, in der man Kind und Jugendlicher war. Neben diesem Mythos beschreibt er in Teil zwei seines Buches aber auch die Krise des Radfahrens sowie den Ausweg aus dieser Krise. Im dritten und letzten Abschnitt folgt dann seine Utopie.

Der Mythos

„Ein Mythos gewinnt an Stärke, wenn er in der Erfahrung derer, denen er erzählt wird, ein Echo findet.“ Dieser Satz Augés leuchtet uns spätestens dann ein, wenn wir uns an unsere eigenen ersten Erfolge auf dem Rad erinnern. Das Gefühl von Freiheit, als wir zum ersten Mal das Gleichgewicht auf dem Rad halten konnten und uns selbständig („autonom“) fortbewegten. Das Gefühl der Überwindung von Raum und Zeit, wenn wir unseren Tritt gefunden haben (Augé spricht vom „Gefühl“). Und die „Erfahrung von Ewigkeit“, die aus dem Wissen um die Dauer einer einzelnen Etappe als auch der zurückliegenden Jahre entstanden ist. Gestützt und verstärkt wird der Mythos für Augé durch die Helden unserer Kindheit und Jugend. Bei ihm waren das der Radrennfahrer Fausto Coppi und die Helden aus de Sicas Film „Fahrraddiebe“ und Tatis „Schützenfest“. Zum Mythos Fahrrad zählt für Augé aber auch die „Entdeckung der anderen“. Radfahren verbindet und ist kommunikativ. Zudem sieht der Autor in der solidarischen Gemeinschaft der Radfahrer ein heilsames Gegenmittel zur Smartphone-Kultur unserer Tage.

Die Krise

Marc Augé behandelt in seinem Buch aber auch die untrüglichen Zeichen der Krise des Fahrradfahrens, die er am systematischen Doping und der Kommerzialisierung festmacht. Der „jump“, d.h. die plötzliche, fast übermenschliche Leistungsexplosion von Radfahrern (bekannt wurde er durch Charly Gaul), erscheint seither in einem ganz anderen Licht und wird modernen Rennradfahrern im Zeitalter von Amphetamin- und Eigenblut-Doping erst recht nicht mehr abgenommen. Die Zweifel an der tatsächlichen Leistung der Radfahrer sind da und kratzten am Mythos vergangener Tage. Zudem hat der Kommerz den modernen Rennfahrer für Augé zu einem „Sandwich-Man“ degradiert, also zu einem „bloßen Werbeträger“. Zur Krise trägt für Augé aber auch die moderne Großstadt bei, „in der das Lokale das Äußere geworden ist“ – also in erster Linie zum gewollten Anziehungspunkt für Touristen und zum Verkehrsknotenpunkt für Stadtplaner.

Die Vision

In seiner Vision zeichnet Augé schon einmal eine Stadt in der das Motto heißt: „Vélo liberté“, also Freiheit für das Fahrrad. Das sähe dann so aus, dass der Lieferverkehr zwischen 5 und 9 Uhr morgens erledigt sein müsse. Sonderfahrrechte gäbe es nur noch für die Einsatzfahrzeuge von Polizei und Feuerwehr sowie für Krankenwägen. Pendler von außen müssten ihre Autos in Parkhäusern an den Rändern der Städte abstellen. Auf der anderen Seite wären dann öffentliche Verleihsysteme wie das Vélib‘ in Paris genauso feste Bestandteile der Innenstädte wie zigtausende individuell gestaltete Privat-Bikes, Rikschas und E-Bikes. Außerdem werde von Avantgarde-Städten ein „Pedaleffekt“ ausgehen, d.h. ein Sog entstehen, in deren Folge immer mehr Metropolen dem Rad einen Vorrang vor dem Auto einräumen. Das Rad würde auch die „Beziehung vieler Menschen zu den Medien“ verändern und „der Amateursport an die Stelle der Telerealität treten“. Das käme wiederum dem Selbstbewusstsein und Identitätsgefühl der Bürger zugute – nach dem Motto: „Ich radle, also bin ich“. 

Ein Buch für mehr Humanität

Ich habe das Buch „Lob des Fahrrads“ von Marc Augé mit großem Genuss gelesen und mich in vielen Schilderungen selbst wiederentdeckt. Gleich zu Beginn nimmt einen der Autor mit auf eine Zeitreise in die eigene Kindheit. Sein plastischer und kurzweiliger Erzählstil beschwört Bilder und Gefühle herauf, an die sich die meisten Leser noch erinnern dürften. Sein Buch ist ein wirkliches Plädoyer für mehr Selbstverantwortung, mehr Autonomie und mehr Freiheit. Wir müssen es einfach nur tun, d.h. das Rad aus dem Keller oder der Garage holen, aufsitzen und losfahren. Dann gewinnen wir wieder die eigene Realität zurück. Außerdem ist Radfahren natürlich das effizienteste, gesündeste (ein Aspekt, der in Augès Buch etwas zu kurz gekommen ist) und demokratischste Fortbewegungsmittel, das man sich nur vorstellen kann. Ich stimme Augé daher unbedingt zu, wenn er am Ende feststellt, dass das Radfahren ein Humanismus sei. Dem Autor und dem sehr schön gestalteten Buch aus dem Verlag C.H.Beck (gebunden, mit Schutzumschlag und mit 12 Illustrationen von Philip Waecher) wünsche ich sehr viele Leser, die sich vom Inhalt anstecken und motivieren lassen. Für jeden echten Radfahrer ist es auf jeden Fall eine tolle Geschenkidee!

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