Marc Buhl Das Paradies des August Engelhardt

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Inhaltsangabe zu „Das Paradies des August Engelhardt“ von Marc Buhl

Nein, so einen kann man nicht töten, sagen die Eingeborenen, als sie den seltsamen Bleichling die Palmenstämme herunterrutschen sehen. Der nackte Mann nährt seinen zerschundenen Körper ausschließlich von Kokosnüssen und hat sich am Strand eine schiefe Hütte aus Büchern gebaut. Niemand kann den ausgemergelten Glückssucher vertreiben, nicht der Pfarrer der kleinen Kolonie auf Deutsch-Neuguinea, nicht der Monsunregen, nicht die Myriaden Moskitos und nicht die Pfeile der Insulaner - denn August Engelhardt aus dem kalt-nebligen Nürnberg hat in der Südsee den Sinn des Lebens gefunden und seinen heiligen Gral und Jungbrunnen: die Kokosnuss. Marc Buhl erzählt die Geschichte des deutschen Sektengründers Engelhardt mit aller notwendigen erzählerischen Freiheit, um dem Wahn, der Größe, der begeisternden Verstiegenheit des aus der Zeit Gefallenen nachzuspüren. Er erkennt in dem wilhelminischen Frühhippie einen typisch deutschen Romantiker und macht zugleich erkennbar, warum die Zivilisationsmüdigkeit nicht erst seit der Flower-Power-Ära zum festen und immerzu faszinierenden Bestandteil der Geschichte des Westens gehört.

Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens versucht ein nackter Vegetarierer am Strand, unter Palmen, zu leben. Interessante Geschichte mit einem nicht überraschenden Ende. Ich habe gelernt: Wenn du gefrustet bist, trinke Kava und iss deinen Freund.

— buchhase
buchhase

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  • Rezension zu "Das Paradies des August Engelhardt" von Marc Buhl

    Das Paradies des August Engelhardt
    Stadtbuecherei_Wuerzburg

    Stadtbuecherei_Wuerzburg

    08. July 2011 um 11:03

    August Engelhardt wurde 1875 in Nürnberg geboren, absolvierte eine Apothekenhelferlehre und schloss sich mit vierundzwanzig Jahren der Vereinigung „Jungborn“ für naturnahes Leben an. Die Grundprinzipien dieser Gruppierung waren Vegetarismus und Nudismus. Als die Vereinigung im strengen wilhelminischen Deutschland wegen gesetzeswidriger Unsittlichkeit aufgelöst wurde, reiste Engelhardt im Herbst 1902 nach Deutsch-Neuguinea, um dort seine Vorstellungen eines naturverbundenen Lebens zu realisieren. So ließ er sich als einziger Weißer auf der Insel Kakabon im Pazifik nieder, wo er eine Kokosplantage von 75 ha erwarb. Dort verzichtete er vollständig auf Kleidung, ernährte sich ausschließlich vegetarisch, vorrangig von Kokosnüssen und entwickelte eine Philosophie, die zunehmend religiöse Züge annahm. Schon bald fand sich in dem Musiker Max Lützow ein erster Anhänger, der dem Brief Engelhardts folgte und zur Insel reiste. Die dortigen Eingeborenen achteten und respektierten ihn. Der wenig später von Engelhardt gegründete Sonnenorden lebte nach der Maxime, dass die Sonne der verehrungswürdigste Quell allen Lebens sei und die Kokosnuss die Frucht ist, die der Sonne am nächsten wächst und darum die vollkommenste Nahrung des Menschen.. Diese Anschauung, Kokovorismus genannt, gipfelte in Engelhardts Aussage, der ständige Verzehr von Kokosnüssen führe den Menschen in einen gottähnlichen Zustand der Unsterblichkeit: „Licht ist Geist und Wärme ist Liebe. Er lebte in Gott, dem Gott des Lichts, Vater Helios, und betete ihn an, hüpfend, statt vor ihm auf den Knien herumzurutschen, wie es die Christen in den Ländern des Winters taten.“ Doch was harmonisch begann, sollte sich bald ins Gegenteil verkehren. Als weitere Menschen aus Deutschland anreisten, bekam die Utopie der Siedlungsgemeinschaft erste Risse. Der Sonnenorden mit der romantischen Vorstellung eines Daseins im Frieden mit der Natur begann am menschlichen Streben nach Macht und Anerkennung zu zerbröckeln. Und als noch Liebe, Neid und Eifersucht mitmischten ist er ausgeträumt, der Traum von Freiheit und Unabhängigkeit. Basierend auf den historischen Personen und den kuriosen Fakten entwirft Marc Buhl ein fesselndes und einfühlsames Bild des Aussteigers und ersten Hippies August Engelhardt. Der Autor schildert eine farbenprächtige Geschichte voller Abenteuer, schillernder Figuren und haarsträubender Ereignisse. Augenblicklich wird man in die hier geschilderte Welt hineingezogen; in die Welt eines Romantikers und Menschheitsbeglückers, der sich durch nichts und niemanden abschrecken ließ. Die Ausdauer der Hauptperson ist bemerkenswert und seine Fähigkeit alle möglichen Qualen zu ertragen, kaum zu glauben. Ein Buch dass durchaus neben großen literarischen Abenteuerromanen wie Defoes: „Robinson Crusoe“, T.C. Boyles: „Wassermusik“ oder Kehlmanns „Vermessung der Welt“ bestehen kann.

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  • Rezension zu "Das Paradies des August Engelhardt" von Marc Buhl

    Das Paradies des August Engelhardt
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    14. May 2011 um 14:40

    Der Schriftsteller Marc Buhl hat sich in seinem neuen Roman eine historische Hauptfigur gewählt. August Engelhardt, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts, gerade einmal 27 Jahre alt, nach Kabakon, einer kleinen Insel nördlich von Australien auswandert, hat es wirklich gegeben. Man kann ihn als ersten Hippie des wilhelminischen Kaiserreichs bezeichnen, der vom Nudismus und vom Vegetarismus beeinflusst, der Zivilisation den Rücken kehrt und in der Wildnis nach und nach aus seinen Ideen eine ganze Religion etabliert. August Engelhardt entwickelt in seinem Paradies den „Kokovorismus“, der auf der einzigen Idee fusst, dass es allein die Sonne ist, die die Menschen mit Kraft, Energie und Lebensgeist versorgt. Sein Gott heißt Helios, sein Manna sind die Kokosnüsse, die es in dem Inselparadies in Hülle und Fülle gibt. Schon bald findet sich in dem Musiker Max Lützow ein erster Anhänger, der dem Brief Engelhardts folgt und auf die Insel kommt. Genauso wie im weiteren Verlauf noch mehr als zwei Dutzend weitere Anhänger des „Sonnenordens“. Mit folgendem Satz werden sie initiiert: „Ich taufe dich und ernenne dich zum Apostel der Kokosnuss. Mit dieser Taufe legst du deine Nationalität ab, deine Herkunft, deine Rasse, deinen Beruf, deinen Glauben, deine Ängste, deine Vorurteile und wirst ein reines Kind der Sonne.“ Doch der Orden bleibt vor inneren Problemen nicht verschont… Mit Respekt und großem Sinn für die unfreiwillige Komik aller Menschheitsbeglücker erzählt Marc Buhl die Geschichte des Romantiker und Aussteigers August Engelhardt.

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