Marc Degens Unsere Popmoderne

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Inhaltsangabe zu „Unsere Popmoderne“ von Marc Degens

Erfundene Literatur erfreut sich großer Beliebtheit. Von François Rabelais existieren seitenlange Aufzählungen von Phantomwerken, Charles Dickens füllte ein ganzes Regal mit Attrappen erfundener Bücher. Jorge Luis Borges, Sir Arthur Conan Doyle, Joanne K.Rowling und Jonathan Swift zitieren erfundene Werke. "Unsere Popmoderne" ist einer der originellsten Beiträge zur fiktiven Literatur. Zwei Jahre lang veröffentlichte die FAZ die Kolumne, in der Marc Degens Ausschnitte aus literarischen Büchern der Gegenwart, samt kurzen Erläuterungen zu Autor und Werk präsentierte. Die zitierten Texte waren jedoch allesamt erfunden. Das sorgte in der FAZRedaktion für zahlreiche Anfragen von ratlosen Buchhändlern. Die Sammlung wurde 2005 als Buch veröffentlicht. Seither setzt Marc Degens die Kolumne in der Literaturzeitschrift Volltext fort. Diese Ausgabe von "Unsere Popmoderne" bietet ein Best-of aus zehn Jahren – mit vielen erstmals in Buchform veröffentlichten Texten.

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  • Rezension zu "Unsere Popmoderne" von Marc Degens

    Unsere Popmoderne

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    05. February 2012 um 12:26

    »Seit siebenunddreißig Jahren arbeite ich für SÄKERHET, doch niemand weiß, wie ich aussehe. Ob ich ungepflegt zur Arbeit erscheine, in Jeans oder im Dreiteiler. Ob ich einen Bart trage, Brille oder Glatze. Ob ich groß bin oder klein, gedrungen oder schmal, blass oder braungebrannt, ob ich Handball mag oder Eishockey.« Ein doppelter Boris Becker, ein erloschener Schlagerstar auf großer Butterfahrt, eine schöne Frau mit täglich neuem Gesicht, das lyrisch-sexuelle Journal »Schwirrhölzer am Genfer See« oder »Schwitzkastenkinder«, der erste Hyperhidrose-Roman in deutscher Sprache, das alles und noch vieles mehr findet man in »Unsere Popmoderne«. 34 literarische Werke stellt der Autor Marc Degens in dem kleinen blauen Büchlein auszugsweise vor. Jedes Zitat ist anders als das andere, nur eins haben die vorgestellten Werke gemeinsam: Es gibt sie gar nicht! Degens zitiert aus Büchern, die nie geschrieben wurden. Und auch die dazugehörigen Autorenportraits, die sich noch unterhaltsamer lesen als die Zitate, sind frei erfunden, also Mythen statt Viten. Zwei Jahre lang präsentierte Degens seine anspruchsvollen »Aprilscherze« in einer FAZ-Kolumne, bis sie 2005 auch in einem Buch zu finden waren. Seitdem erscheinen sie in der Literaturzeitschrift »Volltext«. Die hier vorgestellte Neuausgabe von »Unsere Popmoderne« aus dem Jahr 2010 bietet ein Best-of aus zehn Jahren – mit vielen erstmals in Buchform veröffentlichten Texten. Einige Zitate von Degens entpuppen sich schnell als »Hurz!« von Hape Kerkeling, als eine Parodie auf verkopfte Literatur, in der ein Sinn nur schwer aufzuspüren ist, wie beispielsweise in dem vermeintlichen Book-On-Demand-Erfolg »Schwirrhölzer am Genfer See«: »Ein Sengen in den Venen, geschorfte Uniformen, die Sprache verschlagen, Konfetti, gelandet mit heißgemachtem Speichel nahe dem Gaumenzapfen. Boote versinken, der klartraumhafte Endmärzmorgen, die Gegensonnen, Schritte im Schilf, Trippeln auf Linoleum.« Andere Texte hingegen sind derart authentisch und ideenreich formuliert, dass zu Zeiten, in denen sie noch in der FAZ erschienen, nicht wenige ratlose Buchhändler in der Redaktion anriefen und fragten, wo man Bücher wie »Die Gemsjäger von Trikala« von Árpád Bölöni (Hebel auf Speed), »Die Hartzreise« von Andreas Löschau (ausgezeichnet mit dem Hungertuch-Preis des Hessischen Literaturbüros) oder »Vom Millionär zum Tellerwäscher« von Carla Corsia (Tochter des bekannten Mailänder Romanciers und Semiotikprofessors Bruno Corsia) bestellen könnte. Was für ein schönes Lesevergnügen!

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