Marc Dugain In der Haut des Teufels

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Inhaltsangabe zu „In der Haut des Teufels“ von Marc Dugain

Al Kenner ist 2,20 m groß, hat einen höheren IQ als Einstein und ist ein bestialischer Serienmörder. Mit 15 Jahren ermordet er kaltblütig seine Großeltern und fährt mit dem Motorrad durch Kalifornien, bevor er sich der Polizei stellt. In dieser Zeit tötet er acht Frauen, an denen er sich anschließend vergeht – als letzte seine eigene Mutter. In der Psychiatrie studiert er Psychologie und wird nach Verbüßung seiner Haftstrafe Profiler für die Polizei. Er verliebt sich in die Tochter des Polizeikommissars, dem er bei der Aufklärung von Verbrechen hilft. Als die Hochzeit bevorsteht, beichtet er seinem künftigen Schwiegervater seine bis dahin noch nicht entdeckten Taten und outet sich als die Bestie, als die er in die amerikanische Geschichte und als »Hannibal Lecter« in die Literatur eingeht. Denn Dugains Roman basiert auf der wahren Geschichte von Edmund Kemper, der noch heute als einer der bestbewachten Delinquenten der USA in Kalifornien einsitzt.

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    In der Haut des Teufels
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    03. June 2014 um 09:44

    In die Haut Selten trifft ein Titel den Inhalt eines Romans so genau, wie dieser Titel. Auch wenn „der Teufel“ sich relativiert, auch wenn der Leser zwar nicht die Taten, wohl aber den Täter am Ende des Buches sehr genau in seinen Motiven versteht und sieht, dass wohl kein anderer Weg diesem konkreten Mann möglich gewesen sein wird. Intensiv, atmosphärisch dicht, den Leser ganz mit hineinnehmend in den Kopf seines „Al Kenner“, so liest sich der neue Roman von Marc Dugain. Auf der Basis des Lebens des Serienmörders Ed Kemper geht Dugain diesem äußeren, vor allem aber inneren Lebensweg minutiös nach. Jenes Ed Kemper im Übrigen, der als „Blaupause“ auch für die literarische Figur des Hanibal Lecter zu Grunde lag. Was in der ein oder anderen Sequenz dieses Romans bestens getroffen vorliegt. Wenn sich Al Kenner als „eingeschlichener“ psychologischer Assistent den Vater eines verschwundenen Mädchens „vornimmt“ ist es fast so, als würde man Augen und Stimme Lecters (aus dem Film) mit im Raume spüren. So direkt, so treffend, so psychologisch raffiniert hat sich Al Kenner im „Studium auf der Straße ausgebildet“. Wohlwissend auf Seiten des Lesers, aber eben nicht genau wissend, ob und wie, dass das Verschwinden dieses Mädchens irgendwie mit Al zusammenhängen könnte. Einer, der ständig fährt. Der die Nächte auf Straßen verbringt, dessen einzige Möglichkeit eines einigermaßen unverfänglichen Kontaktes zu jungen Frauen (und es wird nicht unverfänglich bleiben) jene ist, solche Mädchen als Anhalter mitzunehmen. So lungert Al Tag für Tag in der Nähe des Universitätscampus der kleinen Stadt herum, um seine Chance auf sein tägliches Gespräch zu bekommen. Jener Al Kenner, der im Alter von 15 Jahren seine Großeltern erschossen hat. Was an seinem neuen Lebensort niemand weiß. Jener Al Kenner, den einfach nichts emotional erreicht. Dessen Mutter ihm irgendwann lapidar ins Gesicht sagte, dass sie tatsächlich eine Fehlgeburt erlitten hat, nämlich ihn. Wie sich das anfühlt, diese emotionale Leere, wie es ist, wenn sich unterhalb der Gürtelline im realen Leben nichts rührt und später klar wird, dass es nur eine Situation gibt, in der Al Kenner zum sexuellen Vollzug fähig ist, wie er zwar seiner Bekannten Wendy, der Tochter des Ortspolizisten, einen Heiratsantrag macht, aber das doch nur, damit sie seine Ablehnung, seine Leere, sein „Wegstoßen“ übersieht, das erzählt Marc Dugain in seinem Roman glänzend und mit hoher Intensität. Wer allerdings hier eine Art von Thriller erwartet, der wird nicht auf seine Kosten kommen. Denn erst ganz zum Schluss, wenn Al Kenner beginnt, die Wahrheit zu erzählen, wird offenkundig, was er getan hat. Dann aber massiv, geradeaus und direkt von Dugain geschildert. Da benötigt der Leser schon gute Nerven, auch wenn Dugain indirekt erzählen lässt und den Leser nicht mit zum Geschehen der Verbrechen nimmt. Vor allem aber dieses „Schlüpfen in die Haut“, das gelingt im Buch hervorragend. Fast jede Nuance dieser Persönlichkeit leuchtet Dugain aus. Soweit, dass man Al Kenner am Ende glaubt, dass nun von ihm keine weitere Gefahr mehr ausgehen wird. Weil er am Ende getan hat, was er schon als Junge hätte tun müssen. Er hat eben seine Zeit gebraucht, bis er sich der „richtigen“ Person zugewendet hat. Flüssig und elegant erzählt die Tiefen einer Person auslotend und den Leser die Welt unmittelbar durch die Augen einer gemarterten, gestörten Selle sehen zu lassen, das macht das eindrucksvolle Leseerlebnis dieses Buches aus.

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