Marc Lindemann Kann Töten erlaubt sein?

(2)

Lovelybooks Bewertung

  • 2 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 2 Rezensionen
(2)
(0)
(0)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Kann Töten erlaubt sein?“ von Marc Lindemann

"Ich freue mich darüber, dass es gelungen ist, bin Laden zu töten." Dieser Satz von Angela Merkel zum Tod Osama bin Ladens provozierte einen Aufschrei in Deutschland. Die gezielte Tötung eines Menschen mit staatlicher Legitimation löst Unbehagen aus. Doch was ist, wenn man dadurch ein Menschenleben retten kann? Der ehemalige Nachrichtenoffizier Marc Lindemann geht der Frage nach, unter welchen Umständen die Tötung eines Menschen von Staats wegen gerechtfertigt sein kann. In anderen Ländern, etwa den USA, werden Drohnen eingesetzt, um Menschen zu töten, ohne die eigenen Streitkräfte in Gefahr zu bringen. Diese Automatisierung des Krieges sorgt dafür, dass die Einsätze für Soldaten abstrakt werden: Ein Pilot sitzt in den USA am Bildschirm und steuert eine Drohne in Afghanistan. Marc Lindemann versucht eine genaue Abwägung der moralischen und ethischen Dimension dieser komplexen Thematik. Ein kluges Buch über eine schwierige Frage.

Stöbern in Sachbuch

Hygge! Das neue Wohnglück

Zuhause einfach glücklich sein: das Buch bietet mehr als Einrichtungstipps, es vermittelt das Hygge-Gefühl in Wort & Bild...

Kamima

Sex Story

Witziges und informatives Comicbuch, welches die sexuelle Entwicklung der Menschheit nachzeichnet.

Jazebel

Gehen, um zu bleiben

Ein wirklich tolles Buch, das mir das ein oder andere Reiseziel echt schmackhaft gemacht hat. Hat mir sehr gefallen :)

missricki

Gemüseliebe

Tolle neue Ideen für vegetarische Gerichte, die einfach und für jedermann nachkochbar sind.

niknak

Die Entdeckung des Glücks

interessanter Überblick zum Thema Glück - nicht nur im Job

Sylwester

55 Jahre Bundesliga - das Jubiläumsalbum

Der Meister der Fußballanekdoten hat wieder zugeschlagen

ech

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Zentrale Fragen der gegenwärtigen Kriegsführung

    Kann Töten erlaubt sein?

    michael_lehmann-pape

    01. July 2013 um 11:35

      Zum Krieg gehören Soldaten und zum Krieg gehört das Töten der „anderen Seite“. Seit jeher. Doch zunehmend, gerade auch bedingt durch die moderne Art der Kriegsführung und die öffentliche Diskussion spätestens seit dem Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan führt mehr und mehr zur Forderung nach einer Antwort auf die Gewaltfrage. Eine Antwort, die tragfähiger ist als das tumbe Eroberungsverhalten als Motiv für Kriege im Lauf der Geschichte.   Nicht umsonst stellt der ehemalige Nachrichtenoffizier Marc Lindemann gerade auch die Frage nach dem Einsatz von Drohen zur gezielten Tötung ausgewählter Feinde mit in den Mittelpunkt seiner Überlegungen.   Wann eigentlich ist Töten erlaubt? Wann ist es gar notwendig? Wer entscheidet wann und wo, wann eine „Gefahrenvermeidung“ vorliegt, die umgehend umgesetzt werden muss? Wer entscheidet über „Tod und Leben“? Grundlegende Fragen, auf die Lindemann als „einer von Innen“ Antworten sucht und anbietet.   Antworten angesichts auch einer sich stark wandelnden Form kriegerischer Handlungen. Waren in jüngster Vergangenheit der Irak oder auch Afghanistan Orte „klassischer Kriegsführung“ mit einem hohen Aufgebot an Truppen zum Zwecke der direkten Intervention im „feindlichen Gebiet“, ergibt sich durch die Drohnentechnologie und den gezielten Einsatz hoch mobiler Sondereinheiten in Lindemanns Augen für die nahe Zukunft ein ganz anders Bild. Eine fast anonymisierte Kriegsführung, die gezielt individuelle „Feinde“ ausschaltet, somit, wie Lindemann es nennt, den Krieg „Individualisiert“.   Eine Entwicklung, die Lindemann sehr differenziert im Übrigen im Buch diskutiert. Weder verteufelt er die modernen Formen der Kriegsführung, noch geht er an den sich stellenden Problematiken der Praxis und der Legitimation vorbei. Und verweist auf die Geschichte von Militärgerät im Sinne einer ständigen Entwicklung von gebannten „heimtückischen Waffen“ hin zu „unverzichtbaren Systemen“, wie er am Beispiel der Entwicklung von U-Booten plastisch schildert. Eine ähnliche Entwicklung prognostiziert er der Drohnentechnik (und die Wirklichkeit gibt ihm ja jetzt schon recht im Anblick der Selbstverständlichkeit des Einsatzes von Drohnen bis unlängst hin zum Vergleich mit einem „Videospiel“ durch Prinz Harry).   All diese Gedanken aber sind Symptome, denen Lindemann im Rahmens einer grundlegenden Frage nach der möglichen (oder eben fehlenden) Legitimation militärischer Interventionen mit dem Ziel der Tötung eines Feindes nachgeht. Fragen, die im Buch, und das ist durchaus angemessen, nicht eindeutig beantwortet werden können. Zu komplex ist die Lage, zu sehr muss im Einzelfall abgewogen werden, Auch unter der Gefahr eines Irrtums oder eines Schadens zu Lasten unbeteiligter Dritter.   Dass aber hier eine öffentliche und politische Diskussion geführt werden muss, dass auch auf Grund der im Buch geschilderten Sachlage der Entscheidungskette und der technischen Möglichkeiten moderner Kriegsführung eine Legitimation geschaffen werden muss. Und zwar demnächst und auf einer breiten Basis der Öffentlichkeit, das steht außer Frage und das legt Lindemann eindrucksvoll als „offene Frage“ mit seinem Buch vor. Eine „offene Frage“, die viel zu tun hat mit der Haltung, die das jeweilige Argument zur „Gefahrenvermeidung“ einnehmen wird.   Und bietet genügend sachlich-nüchternen Hintergrund, um Pro- und Contra Argumente zu unterfüttern.   Alles in allem eine sachgerechte Darstellung einerseits der modernen militärischen Technik und eine klare Aufforderung, sich der Frage des Krieges und der damit einhergehenden Tötung von „Feinden“ in ihrer aktuelle individualisierten Form zu stellen. Und Antworten zu finden.

    Mehr
  • "Eine Neutralität jedenfalls wird es nicht mehr geben. Sie war ohnehin immer nur eine Illusion“

    Kann Töten erlaubt sein?

    WinfriedStanzick

    27. June 2013 um 09:22

      Schon 2010 hatte der ehemalige Bundeswehr-Nachrichtenoffizier Marc Lindemann, der bis 2009 noch selbst in Kunduz stationiert war, in seinem Buch „Unter Beschuß“ schonungslos die seit 2002, dem Beginn der deutschen Präsenz in Afghanistan dort gemachten Fehler analysiert. Er benannte mit harten Worten den bislang versäumten Wiederaufbau, der auch in den nächsten Jahren nicht wirklich nachzuholen sei, was sich aus der Sicht von 2013 mehr als bestätigt hat, geißelte vor allen Dingen die Heuchelei der Politik, die sich zu diesem Thema auch nicht verändert hat bis dato. Eine Heuchelei, die letztlich darin besteht, einen militärischen Einsatz als humanitäre Mission zu verkaufen. Marc Lindemann forderte damals in seinem Buch, das erschütternd den Alltag der Soldaten am Hindukusch beschrieb, von der Bundesregierung endlich mehr Ehrlichkeit und ein schlüssiges Konzept. Das Buch war überhaupt nicht geeignet als Begründung für pazifistische oder politische Gegner des Einsatzes, weil es durch und durch militärisch und politisch argumentierte.   Diese Argumentation setzt Marc Lindemann mit seinem neuen, sehr differenzierten Buch fort. Es geht darin um die uralte Frage, die sich Moralphilosophen und Theologen seit langem immer wieder stellen, ob das Töten von Menschen in bestimmten Situationen erlaubt sein kann. Man erinnere sich an die heftige Debatte während der Friedensbewegung der siebziger Jahre um den „gerechten Krieg“.   Er schickt seinem Buch einen Satz des Philosophen Michael Walzer voran, der angesichts der „Massaker und ethnischen Säuberungen in Bosnien und im Kosovo, in Ruanda, im Sudan, in Sierra Leone, im Kongo und in Liberia, in Osttimor und davor in Kambodscha und Bangladesch … langsam williger (wurde), nach militärischer Intervention zu rufen.“   Kritisch und sehr kenntnisreich die veränderte militärische Situation auch für die deutsche Bundeswehr beschreibend, setzt sich Lindemann hauptsächlich mit den neuen Möglichkeiten der Kriegsführung durch unbemannte Drohnen auseinander und bewertet sie. Immer wieder den Schutz der Demokratie und unserer Werte wie Menschenrechte und Gerechtigkeit abwägend, kommt er zu folgendem Schluss: „Die Frage, ob man einen Menschen töten darf, hängt darüber hinaus auch sehr stark von der Perspektive ab. Der grundsätzliche Wert militärischer Zurückhaltung und supranationaler Institutionen, die anstelle von einzelnen Staaten handeln, steht außer Frage. Kommt es jedoch zu Situationen, in denen Menschen unsere Prinzipien- und Rechtstreue mit ihrem Leben bezahlen müssen, wechsele ich die Perspektive. Es sind freilich immer wieder die gleichen Beispiele wie Srebrenica und Ruanda, die dafür bemüht werden, aber sie sind einfach da. Aus rechtlichen Gründen die Hilfe zu versagen, die dem Morden Einhalt gebietet, verträgt sich nicht mit meiner Vorstellung von Moral, insbesondere wenn man sich bereit erklärt hat, Verantwortung zu übernehmen. Terroristische Bedrohungen folgen derselben Logik (…) Um sich dennoch der Verantwortung für den Frieden und die internationale Sicherheit zu stellen, wird die Praxis des gezielten Tötens weiter ausgebaut werden und, je nach Situation, um eine Strategie der ‚gezielten Schläge’ erweitert (...) Es wird eine Rückbesinnung auf die Realpolitik sein, mit all ihren Schattenseiten, die so ungern ausgesprochen werden. Die Deutschen werden sich daran beteiligen müssen und sollten die Chance nutzen, die grundsätzlichen Fragen zum Einsatz von Gewalt zu klären. Eine Neutralität jedenfalls wird es nicht mehr geben. Sie war ohnehin immer nur eine Illusion“.   Ein wichtiges Buch, das in der deutschen Öffentlichkeit  und Politik dazu beitragen kann, die uralten Fragen nach der Moral und der Ethik militärischen Handelns neu und realitätsnäher zu debattieren. Die Welt hat sich verändert, und auch die Bedrohung unserer Werte und unsere Demokratie. Man kann nicht ewig mit den alten ethischen und moralischen Parametern aus der Friedensbewegung argumentieren. Gerade Menschen, die aus Überzeugung oder ihrem Glauben Gewalt ablehnen und das menschliche Leben für heilig halten, müssen sich solchen Fragen, wie sie Lindemann formuliert, stellen.      

    Mehr
  • Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach!

    Hol dir mehr von LovelyBooks