Das ewige Eis fasziniert die Menschheit seit jeher, doch selten wurde dieser eisige Kontinent so farbenfroh und lebendig porträtiert wie in Marc Martins Alles über die Antarktis, erschienen im Prestel Verlag. Das großformatige Sachbilderbuch bricht mit dem Klischee, die Antarktis sei nur eine karge, weiße Wüste, und nimmt kleine wie große Entdecker mit auf eine visuelle und informative Abenteuerreise zum südlichsten Ende der Welt.
Beim Durchblättern fällt sofort der unverkennbare, fast schon poetische Illustrationsstil von Marc Martin ins Auge. Mit einer Mischung aus Aquarell, Texturen und feinen Linien schafft er eine warme, einladende Atmosphäre, die den harten Lebensraum erstaunlich nahbar wirken lässt. Textlich bleibt das Buch stets auf Augenhöhe der Zielgruppe. Kurze, leicht verständliche und klug portionierte Informationshappen erklären geografische Gegebenheiten, das dortige Ökosystem und die Geschichte der Entdeckung. Uns hat an diesem Werk ehrlicherweise alles absolut begeistert, da es die perfekte Balance zwischen ästhetischem Kunstbuch und fundiertem Kindersachbuch hält. Jede Seite ist ein kleines Kunstwerk für sich, das zum Verweilen und Entdecken einlädt.
Zwei Abschnitte haben sich beim Lesen jedoch als die absoluten Highlights herauskristallisiert. Besonders faszinierend ist die Doppelseite über die „Forschungsstationen“. Hier wird eindrucksvoll und detailliert gezeigt, wie Wissenschaftler aus aller Welt in dieser extremen Isolation leben, arbeiten und den Elementen trotzen. Ebenfalls sehr gut gefallen hat die Doppelseite „Mitgebrachte Tiere“. Dieses Kapitel beleuchtet einen oft vergessenen Aspekt der Antarktis-Geschichte, nämlich den Einfluss der Tiere, die im Zuge von Expeditionen, ob als Nutztiere wie Schlittenhunde oder unfreiwillig als blinde Passagiere, den Kontinent erreichten. Diese beiden Fokusbrennpunkte verleihen dem Buch eine ganz besondere Tiefe, die weit über das übliche „Pinguine-und-Eisberge-Wissen“ hinausgeht.
Marc Martin ist mit „Alles über die Antarktis“ ein echtes Schmuckstück für das heimische Bücherregal gelungen. Es fesselt durch seine optische Opulenz und vermittelt gleichzeitig wertvolles Wissen über einen der empfindlichsten und wichtigsten Räume unseres Planeten. Ein rundum gelungenes Leseerlebnis für die ganze Familie und eine uneingeschränkte Empfehlung für alle, die das Fernweh packen soll.
Fazit: Sehr zu empfehlen.
Marc Martin
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
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Gestaltung:
Das 25x43 cm große Hardcover Buch ist schon ganz schön riesig. Das muss es auch sein, denn sonst würde der Platz nicht ausreichen für die zahlreichen großen und kleinen Illustrationen, die je Doppelseite thematisch zusammengehören. Das ist recht übersichtlich, nur eine deutlicher abgegrenzte Farbwahl innerhalb der einzelnen Themen hätte ich noch schöner gefunden, so dass beim Umblättern für das Kind direkt ersichtlich ist, dass etwas Neues beginnt. (Bei den aufeinanderfolgenden Thema „Antarktis“ (hauptsächlich Blautöne) und „Alice Springs“ (vorwiegend Orangetöne) gefällt mir das sehr, die anderen Themen sind aber optisch nicht so stark abgegrenzt.)
Die Bilder nutzen das volle Farbspektrum, wirken weich und freundlich, sind aber sehr detailliert. Ich finde sie wunderschön und lehrreich. Da es sich um Collagen handelt, hat das Buch einen gewissen Wimmelbild-Charme, der den Entdeckergeist des Betrachtenden anregt. Obwohl es schon etwas länger her ist, dass ich 3 Jahre alt war, hatte ich viel Freunde beim Erkunden.
Inhalt:
Das Buch beginnt mit einer zauberhaften Weltkarte, auf der die einzelnen „Stationen“ gekennzeichnet sind.
Nach einer kurzen Anmerkung des Autors folgen die scheinbar zufällig gewählten Themen, die auf jeweils einer kunterbunten Doppelseite dargestellt werden. „Scheinbar zufällig“, da nicht nur bekannte Ziele dabei sind wie New York und Paris, sondern auch solche, von denen man möglicherweise auch als Erwachsener gar nicht so viel weiß (wie zum Beispiel Ulan-Bator). Das finde ich toll!
Über die einzelnen „Reiseziele“ geben die Bilder und stichpunktartige Texte dann winzige Informationshäppchen preis, die ich alle sehr interessant finde. Ganz sicher werden die kleinen Entdecker hier weitere Fragen haben bzw. mehr über einige der gezeigten Menschen, Tiere, Gebäude etc. wissen wollen.
Ein Konzept, das zum Nachdenken und Fragen stellen anregt finde ich natürlich genial. Die begleitenden Erwachsenen sollten hier allerdings besonders viel Zeit und Geduld mitbringen, um auf die Fragen der Kinder eingehen zu können.
Somit ist dies wohl kein Buch für zwischendurch und zumindest auch anfangs keines mit dem sich das Kind alleine befassen kann. Dafür hat es meiner Meinung nach aber ein großartiges Bildungspotenzial und das gemeinsame Ansehen und Entdecken bietet eine schöne Möglichkeit für eine gemeinsame Aktivität.
Ich bin mir sicher, dass „Alles“ ein Buch ist, das lange interessant bleibt und möglicherweise auch von älteren Kindern genutzt werden kann, um sich - unter Anleitung versteht sich – mit den vielfältigen Möglichkeiten, über ihre Interessen zu recherchieren (Bücherei, Artikel im Internet, etc), vertraut zu machen und somit ihre Lernkompetenz zu erweitern.
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