Marc Morris

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Cover des Buches William I (Penguin Monarchs): England's Conqueror (ISBN: 9780141987460)
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Rezension zu "William I (Penguin Monarchs): England's Conqueror" von Marc Morris

Andreas_Oberender
Wilhelm der Eroberer - Herzog der Normandie und König von England

Seit 2014 bringt der Penguin-Verlag eine Buchreihe heraus, die "Penguin Monarchs". Es handelt sich um Kurzbiographien aller englischen und britischen Könige und Königinnen seit dem 11. Jahrhundert. Die Reihe beginnt mit den letzten angelsächsischen Herrschern vor der normannischen Eroberung. Auch Oliver Cromwell ist ein Band gewidmet. Mittlerweile sind mehr als drei Viertel der 45 geplanten Bände erschienen. Bald wird die Reihe vollständig sein. Die Bücher sind kleinformatig (13x18,5 cm) und umfassen maximal 150 Seiten. Sie enthalten farbige Abbildungen, Stammtafeln und kommentierte Literaturhinweise. Auch wenn eine entsprechende Angabe fehlt, ist davon auszugehen, dass sich die Bände an historisch interessierte Laien richten, die sich rasch über das Leben der englischen Monarchen informieren wollen. Als Konkurrenz zur renommierten Biographienreihe "Yale English Monarchs", deren Bände eher für den wissenschaftlichen Gebrauch in Frage kommen, sind die "Penguin Monarchs" nicht gedacht. Interessant ist die Reihe dennoch, denn der Verlag hat zahlreiche prominente Historikerinnen und Historiker als Autoren gewonnen. Damit ist sichergestellt, dass sich die einzelnen Kurzbiographien auf der Höhe des heutigen Forschungsstandes bewegen.

Mit dem Namen Wilhelms des Eroberers (1027-1087) verbindet sich eines der wichtigsten und folgenreichsten Ereignisse der mittelalterlichen Geschichte: Die Eroberung Englands durch die Normannen im Jahr 1066. Viele Geschichtswerke wählen dieses Jahr als Zäsur. Die Zeit des angelsächsischen Königtums endete, eine ausländische Dynastie gelangte auf den englischen Thron, eine neue Epoche der englischen Geschichte nahm ihren Anfang. Wilhelms Aufstieg zum König von England war spektakulär und hat in der mittelalterlichen Geschichte Europas nur wenige Parallelen. Zu Beginn des 10. Jahrhunderts hatten sich Wikinger im Norden Frankreichs niedergelassen, am Unterlauf der Seine. Bald war dieses Gebiet als Normandie bekannt. Als der Normannenherzog Robert 1034 zu einer Pilgerfahrt ins Heilige Land aufbrach, bestimmte er seinen Bastardsohn Wilhelm zum Nachfolger. Legitime Söhne hatte Robert nicht. Unversehens erbte Wilhelm die Herzogswürde, denn sein Vater starb während der Pilgerreise. Schon im Jugendalter entwickelte sich Wilhelm zu einem gewieften Politiker und begabten Heerführer. Die Welt des Hochadels mit ihren Rivalitäten, Fehden und Intrigen war eine harte Schule. Auch wenn Wilhelm als Persönlichkeit schemenhaft bleibt, so wie viele Monarchen des Hochmittelalters, so lassen seine Taten und Erfolge als Herzog und später als König viele markante Wesenszüge erkennen. Wilhelm war entscheidungsfreudig, risikobereit, zupackend und durchsetzungsstark. Er behauptete sich gegen aufmüpfige normannische Adlige ebenso wie gegen die Könige von Frankreich, die neidvoll und begehrlich auf die wohlhabende und gut regierte Normandie blickten.

Marc Morris gehört zu den bekanntesten britischen Mediävisten. Erwartungsgemäß geht er ausführlich auf die Eroberung Englands durch die Normannen ein. Das Anrecht auf die englische Krone verdankte Wilhelm seiner Verwandtschaft mit dem angelsächsischen Königshaus. Eduard der Bekenner, der letzte König aus dem Hause Wessex, hatte keine Kinder. Deshalb bestimmte er seinen Vetter Wilhelm zum Thronerben. Die angelsächsischen Adligen waren gegen diese Erbregelung. Als Eduard Anfang 1066 starb, riss der einflussreiche Graf Harold Godwinson die Königswürde an sich. Kaum jemand rechnete damit, dass Wilhelm für seinen Anspruch kämpfen würde. Doch der Normannenherzog stellte unverzüglich ein Heer auf und rüstete eine Flotte aus. Im Spätsommer 1066 setzte er nach England über. Bewusst und ohne Scheu vor dem Risiko suchte Wilhelm eine Entscheidung in offener Feldschlacht. Er setzte alles auf eine Karte – und errang den größtmöglichen Sieg. In der Schlacht von Hastings (14. Oktober 1066) besiegte er die Angelsachsen. Harold Godwinson fiel im Kampf. Mit der Krönung war Wilhelms Herrschaft noch keineswegs ein für allemal gesichert. Jahrelang musste Wilhelm Aufstände und Rebellionen niederschlagen, die in allen Teilen Englands aufflammten. Mit Härte und Geschick verteidigte und festigte er seine Herrschaft. Viele angelsächsische Adlige wurden enteignet. Ihr Land ging an Wilhelms normannische Gefolgsleute. Eine neue Oberschicht entstand, die noch lange an der französischen Sprache und Kultur festhielt.

Zwanzig Jahre lang regierte Wilhelm beiderseits des Ärmelkanals, im Herzogtum Normandie und im Königreich England. Ständig pendelte er zwischen Britannien und dem Kontinent. Wilhelm und seine Nachfolger waren Reisekönige par excellence. In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts vergrößerte sich das Doppelreich sogar noch, denn Wilhelms Urenkel, Heinrich II. aus dem Haus Anjou-Plantagenet, vereinte unter seinem Zepter England, die Normandie und weitere große Gebiete Frankreichs. Neben dem Reisekönigtum fand unter Wilhelm noch ein weiteres Leitmotiv Eingang in die Geschichte der englischen Monarchie: Innerdynastische Konflikte, sei es zwischen Vätern und Söhnen, sei es zwischen Brüdern. Wilhelm überwarf sich mit seinem ältesten Sohn Robert, und er fand keine Erbregelung, die seinen drei Söhnen gleichermaßen gerecht geworden wäre. Nach seinem Tod kam es deshalb zu langwierigen Konflikten zwischen den Brüdern Robert, Wilhelm und Heinrich. Ungeachtet dieser Auseinandersetzungen blieb das anglonormannische Doppelreich bestehen. Marc Morris steht Wilhelm dem Eroberer wohlwollend und anerkennend gegenüber. Er nimmt den König gegen den Vorwurf übertriebener Grausamkeit in Schutz und betont, dass Wilhelm nicht aus Abenteuerlust nach der englischen Krone griff, sondern weil er sich als legitimen Erben Eduards des Bekenners betrachtete. Morris würdigt Wilhelm als herausragende Herrscherpersönlichkeit des Hochmittelalters. Ob als Politiker oder Heerführer, ob als Gesetzgeber oder Förderer der Kirche – Wilhelm war tatkräftig und willensstark, machtbewusst und gewissenhaft. Auf dem deutschen Buchmarkt gibt es keine aktuelle Biographie Wilhelms des Eroberers. Die knappe, aber unbedingt lesenswerte Kurzbiographie von Marc Morris ist die ideale Einstiegslektüre für alle jene, die sich erstmals näher mit Wilhelm dem Eroberer beschäftigen wollen. 

(Hinweis: Diese Rezension habe ich zuerst im Juli 2020 bei Amazon gepostet)

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