Cover des Buches Westlake Haven: Ron Kramers Geschichte. Eine Chronik der virtuellen Welt (ISBN: 9783743944107)tob82s avatar
Rezension zu Westlake Haven: Ron Kramers Geschichte. Eine Chronik der virtuellen Welt von Marc Späni

Kreativ und anspruchsvoll auf mehreren Ebenen

von tob82 vor 3 Jahren

Review

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tob82vor 3 Jahren
"Westlake Haven" von Marc Späni ist ein Roman aus dem Bereich der Science-Fiction und beschäftigt sich mit zukünftigen Möglichkeiten der Virtual Reality und ihren Auswirkungen auf die menschliche Existenz. Erzählt wird die Handlung in neun einzelnen Geschichten, die inhaltlich aufeinander aufbauen, sich in Art, Zeit, Ort und Umfang aber teils deutlich voneinander unterscheiden und somit ihren eigenen Charakter entwickeln.

Im Kern der Handlung steht der Programmierer Ron Kramer. Dieser arbeitet für den fiktiven amerikanischen Software-Giganten "Westlake Inc.". Wichtigstes Produkt des Konzerns ist der sogenannte "Neuro-Feeder", ein Gehirn-Implantat, mit dem sich die Person komplett und mit allen Sinnen in eine virtuelle Realität begeben kann. Neue Entwicklungen schreiten rasant voran. Es wird möglich, das Gehirn komplett vom Körper getrennt am Leben zu erhalten und als Bewusstsein nur noch in der virtuellen Welt zu existieren. Später wird sogar die physische Weiterexistenz des Gehirns obsolet als die technische Möglichkeit geschaffen wird, es komplett zu scannen und in einen digitalen Datensatz umzuwandeln.
Die neue virtuelle Existenz bietet dem Bewusstsein ungeahnte Möglichkeiten und Freiheit von Krankheit und Tod. Doch gibt es sie nicht umsonst und so entsteht auch dort eine Kluft zwischen Arm und Reich. Zusätzlich stellt sich für die Bewohner irgendwann auch die existentielle Frage, was sie mit potentiell unendlicher Zeit sinnvoll anstellen können. Die Suizid-Rate ist höher als in der realen Welt.
Eine zentrale Frage ist auch die nach der Freiheit des Systems. Anders als in der realen Welt, ist in der virtuellen eine Instanz (die Super-KI, die die Welt steuert) immer in der Lage, bestimmte Aktionen von vornherein gar nicht zu ermöglichen. Dazu ist jedes Individuum per se komplett gläsern und so bieten sich ganz neue Möglichkeiten und Herausforderungen des Rechtssystems.

Auf den ersten Blick fällt das ungewöhnliche DIN A4-Format des Buches auf. Jede Seite enthält dabei zwei Spalten Text. Zusätzlich gibt es fiktive Zeitungsartikel, Werbeanzeigen und einen längeren Wikipedia-Eintrag zur Rechtstheorie in realen und virtuellen Gesellschaften.

Insgesamt hat mir die Lektüre sehr gut gefallen. Der Text ist anspruchsvoll sowohl durch die technischen, sozialen und philosophischen Thematiken als auch durch die Unterschiedlichkeit der einzelnen Geschichten. In Gestaltung und Optik steckt eine Menge Kreativität. Ich werde das Buch sicherlich in der Zukunft erneut lesen.

4,5 Sterne
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