Marc Wittmann

 4 Sterne bei 2 Bewertungen
Autor von Wenn die Zeit stehen bleibt, Gefühlte Zeit und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Marc Wittmann

Gefühlte Zeit

Gefühlte Zeit

 (1)
Erschienen am 01.08.2012
Wenn die Zeit stehen bleibt

Wenn die Zeit stehen bleibt

 (1)
Erschienen am 12.03.2015
Neue Intelligenztests

Neue Intelligenztests

 (0)
Erschienen am 01.06.1999

Neue Rezensionen zu Marc Wittmann

Neu
M

Rezension zu "Wenn die Zeit stehen bleibt" von Marc Wittmann

Die Verlangsamung des Zeitempfindens
michael_lehmann-papevor 4 Jahren

Die Verlangsamung des Zeitempfindens

Es gibt sie. Jene Augenblicke, in denen das „dahingehen“ oder gar „dahin rasen“ der Zeit als, natürlich, subjektive Empfindung, sich plötzlich verlangsamt, gar manches Mal „wie zum Stillstand“ kommt.

Wahrnehmung und Denken des Menschen sind in Zeit und Raum organsiert, Erinnerungen, aktuelle Erfahrungen und Erwartungen bestimmen nicht nur den emotionalen Zustand eines Menschen, sondern im Kern die gesamte, sich selbst gewahrende Person.

Und dies gilt auch für die Zeit und das Zeitempfinden. Soweit, dass Wittmann überzeugend formulieren kann: „Ich bin meine Zeit“. So gilt, dass die bessere Kenntnis über das subjektive Zeiterleben ein besseres Verständnis des Selbst-Bewusstseins des Menschen in sich trägt.

Um diesem wesentlichen Teil der Existenz näher zu kommen, geht Wittman in diesem schmalen Buch auf hochinteressante Weise dem Zeiterleben nach und nutzt hierzu Grenzerfahrungen für seine Betrachtungen und daraus zu folgernden Schlüsse.

Schlüsse, die nicht ehern dann im Raume stehen, sondern eher Annäherungen, die eine Vielzahl weiterer Fragen nach sich ziehen und damit ein ganzes Forschungsfeld eröffnen und anregen.

Die extremste Grenzerfahrung ist hierbei sicherlich der eigene Tod. Nahtoderfahrungen geht Wittmann daher unter anderem im Buch nach, mit erstaunlichen Beobachtungen.

Wenn er von jener Patientin spricht, deren Gehirn für eine Operation blutentleert und gekühlt wurde, mithin der klinische Tod herbeigeführt wurde und dennoch nach der Operation von eben jener Patientin Eindrücke geschildert wurden vom Stillstand der Zeit, der Verdichtung des Moments, aber auch dessen, was um sie herum während der Operation geschehen ist.

Bewusste Erfahrung ohne Hirntätigkeit? Und das unter einer ganz anderen „Zeiterfahrung“? Ein vom biologischen Funktionieren abgelöstes Bewusstsein, das auch auf einer anderen Zeitebene zu erleben scheint?

Hoch interessante Fragen für Psychologie und Neurowissenschaften, die Wittmann nicht nur an solchen sehr extremen Fallbeispielen aufwirft, sondern schon bei der Grenzerfahrung der „normalen“ Langweile bis hin zur bewussten Meditation, Mystik oder dem Erleben unter bestimmten Drogen aufweist.

Man könnte als Faustregel herauslesen, dass, je näher der Mensch nur sich selbst kommt, nur sich selbst wahrnimmt, je mehr der reine Augenblick erlebt wird und Erinnerung und Erwartung aus dem Kopf geraten, desto langsamer und verdichteter wird das Zeitempfinden bis fast zum Stillstand hin.

Oder umgekehrt: Je „langweiliger“ es dem Menschen wird, je mehr die Zeit zu stehen scheint oder nur zäh vergeht, desto näher kommt der Mensch sich selbst und seinem „Selbst-Bewusstsein“.

Das alles ist kein einfacher Stoff, den Wittmann hier wissenschaftlich argumentiert vorlegt. Die Lektüre bedarf eines gewissen Abstraktionsvermögens und einer hohen Konzentration in ihren Verweis auf die möglichen Selbsterfahrungen in außergewöhnlichen Umständen (wie auch im Isolationstank).

Eine Lektüre aber, die sich durchaus lohnt, schon in der ganz simplen Frage, worum es wirklich gehen könnte bei einer Existenz, die das „Ich“ möglichst intensiv wahrnehmen möchte. So das gewollt ist.
Und eine Lektüre, die vor allem zeigt, dass die „Mainstream Antworten“ auf die eigene Existenz (möglichst viel „Ablenkung und Action“ zu finden im Tagesablauf) eines auf keinen Fall bewirkt: Näher zu sich selbst zu kommen.

Kommentieren0
5
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Community-Statistik

in 5 Bibliotheken

auf 2 Wunschlisten

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks