Marcel Reich-Ranicki

 4,3 Sterne bei 400 Bewertungen
Autor von Mein Leben, Thomas Mann und die Seinen und weiteren Büchern.
Autorenbild von Marcel Reich-Ranicki (© Bettina Strauss / Quelle: DVA)

Lebenslauf

Marcel Reich-Ranicki wurde am 2. Juni 1920 in Polen geboren. Berühmt wurde er vor allem durch die TV-Serie "Das Literarische Quartett", das er insgesamt 13 Jahre moderierte. Auch noch nach seinem Tod gilt Reich-Ranicki als einer der wichtigsten Literaturkritiker überhaupt und war vielen als der "Literaturpapst" schlechthin bekannt. In seiner Biografie berichtet er von seinem spannenden Leben, das in seiner Jugend stark von den Auswirkungen des zweiten Weltkrieges geprägt wurde. Neben dem Dasein als Autor, war Reich-Ranicki auch als Herausgeber tätig. Für sein Schaffen und seine Verdienste erhielt er Zeit seines Lebens zahlreiche Ehrungen, unter anderem den Thomas-Mann-Preis, den Hessischen Verdienstorden und die Goldene Kamera. Zuletzt lebte der Literaturkritiker in Frankfurt, wo er am 18. September 2013 nach einem Krebsleiden verstarb.

Alle Bücher von Marcel Reich-Ranicki

Cover des Buches Mein Leben (ISBN: 9783641135508)

Mein Leben

(251)
Erschienen am 23.09.2013
Cover des Buches Thomas Mann und die Seinen (ISBN: 9783596522651)

Thomas Mann und die Seinen

(9)
Erschienen am 26.02.2020
Cover des Buches Meine Geschichte der deutschen Literatur (ISBN: 9783570553121)

Meine Geschichte der deutschen Literatur

(7)
Erschienen am 14.11.2016
Cover des Buches Meine Schulzeit im Dritten Reich (ISBN: 9783423123655)

Meine Schulzeit im Dritten Reich

(8)
Erschienen am 01.09.1997
Cover des Buches Die besten deutschen Gedichte (ISBN: 9783458358862)

Die besten deutschen Gedichte

(6)
Erschienen am 23.10.2012
Cover des Buches Die besten deutschen Erzählungen (ISBN: 9783458358855)

Die besten deutschen Erzählungen

(6)
Erschienen am 23.10.2012
Cover des Buches Über Literaturkritik (ISBN: 9783641135768)

Über Literaturkritik

(6)
Erschienen am 10.12.2013
Cover des Buches Hundert Gedichte des Jahrhunderts (ISBN: 9783458170129)

Hundert Gedichte des Jahrhunderts

(5)
Erschienen am 21.07.2003

Neue Rezensionen zu Marcel Reich-Ranicki

Cover des Buches Goethe noch einmal (ISBN: 9783423132831)
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Rezension zu "Goethe noch einmal" von Marcel Reich-Ranicki

Trishen77
Goethe, dann und wann

Dieser schmale Band versammelt die meisten der wenigen Texte, die der Literaturpapst Reich-Ranicki über den populärsten aller deutschen Schriftsteller geschrieben hat. Es wird in diesen Reden und Betrachtungen mal wieder klar, was man immer wieder ahnt und was doch keiner so Recht aussprechen will: das Goethe von den Deutschen zwar verehrt wird, als Koryphäe verwendet, aber nicht geliebt. Man ist stolz auf diesen "Weltliteraten", aber in den einzelnen literarischen Kategorien ist er selten erste Wahl. In den Dramen bleibt er hinter Schiller, Kleist und weiteren Autoren zurück; sein Wilhelm Meister ist ein eher selten gelesener Roman, gilt nicht mal wirklich als Klassiker und auch die Wahlverwandtschaften haben einen zwiegespaltenen Ruf. In der Lyrik war er einer der wandelbarsten und produktivsten Dichter überhaupt, aber auch hier sind in Deutschland die eindeutigen Romantiker wie Novalis und Eichendorff, der Spätromantiker Rilke oder auch der vergeistigte Hölderlin eine harte Konkurrenz. Mit dem Faust, halb Drama, halb episches Gedicht und dem Werther hat er sich zwar zwei feste Standbeine im Kanon der deutschen Literatur gesichert und auch "Egmont" oder "Iphigenie auf Tauris" sind, wenn auch nicht häufig gespielt, noch in jedem Literaturlexikon zu finden. Doch alles in allem wird Goethe bei weitem nicht so viel gelesen und gekannt, wie es bei seinem Rang den Anschein hat.

Goethe war sicherlich einer der vielseitigsten Literaten aller Zeiten, was Reich-Ranicki in seinen Reden, Anmerkungen und Aufsätzen zu verschiedenen Gelegenheiten, etwas unzureichend erwähnt - was aber auch daran liegt, dass die enthaltenen Text meist spezielle Anlässe hatten. Der liebe Weltliterat kommt in den meisten Texten zu Anfang nicht sehr gut weg. Nonchalant zerbricht der Literaturpapst liebgewonnene Vorstellungen und Überhöhungen des Landesdichters: auf Geld sei er oft ausgewesen, Schiller und er waren eigentlich keine so großen Freunde, eher respektfreundliche Kollegen, und neben einer Vorliebe für Neid und dem Unwillen gegen jede Kritik, sei Goethe auch immer wieder ungeheuer hartherzig gewesen. Und dennoch, so Reich-Ranicki, war er der menschlichste Dichter von allen, eben gerade weil er stets seinen Launen und Neigungen folgte und in seinem Werk immer wieder menschliche Schwächen und Fehler in den Mittelpunkt stellte, ausgeführt von Figuren, die unschwerlich als Teile/alter Egos ihres Schöpfers erkannt werden können.

"Es ist schon seltsam", bemerkte Jorge Luis Borges in einem Text über Weltliteratur "dass die meisten Nationen sich als Nationaldichter Autoren aussuchen, die eigentlich dem Kern ihrer Wesenheit widersprechen. England hätte den akademischen Dr. Johnson nehmen sollen, wählte aber Shakespeare, jenen brillanten Phantasten, der so wenig von einem Briten hat wie überhaupt nur irgendjemand. Deutschland wählte Goethe, einen eigenwilligen und unsteten Dichter, der sich niemals ganz einordnen ließ, dessen Wesen und Werke wenig mit der deutschen Seele in Einklang stehen, egal ob man Deutschland nun als Land der romantischen Bewegung, als das Land des philosophischen und psychologischen Schwergewichte oder als die Nation des heroischen Ideals sieht - Goethe entspricht keinem dieser Etikette."

Auch Reich-Ranicki wirft unter der Hand die Frage auf, ob wir Goethe überhaupt als den großen deutschen Dichter sehen können. Aber irgendwie kriegt er immer wieder die Kurve, verpasst Goethe bei aller Schlagseite plötzlich ein Licht, das hell durch den Sturm der Verzerrung scheint. Seine Gedichte hält er für die ursprüchlichste, lebendigste, "lyrischste" Lyrik überhaupt, an die allerhöchstens Heine noch herankommt. Den Menschen Goethe mag er letztlich so lange zerteilen, bis seine Größe brökelt - er mag sogar seine literarischen Werke auf die wenigen essentiellen Schriften herunterbrechen. Doch wie in seinen Büchern über Heine und Böll, seinen Aussagen zu Kästner und Brecht, findet er einen Weg, die Richtigstellung der Sache gegen Ende mit einem Loblied zu verbinden. Einem dezenten, aber gerade dadurch so genauen und liebevollen. Wie dies bei Goethe geschieht, mag jeder sich hier erlesen!

Cover des Buches Der Fall Heine (ISBN: 9783423127745)
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Rezension zu "Der Fall Heine" von Marcel Reich-Ranicki

Trishen77
Heine, mal wieder

Für viele ist er ein Euphemismus, ein überschätzter Kandidat auf den Posten eines großen deutschen Dichters. Die Ignoranz, sie ist schnell bei der Hand, wenn der Name Heinrich Heine in Literatenkreisen fällt. Dann wird gemäkelt: zu geringer Wortschatz, zu parfümiert, zu heiter, zu einfach, zu sehr Sing-Sang und die schrägsten Reime.

Marcel Reich-Ranicki gelingt es bereits in den ersten Sätzen seines Einleitungsessays den wahren Charakter, die wahre Schönheit und Vortrefflichkeit, die Einzigartigkeit und umfassende Pionierleistung von Heine hervorzuheben, was nicht einmal ein Kunststück ist, denn dieser Dichter war ein Unikum, ein widersprüchliches und leuchtendes. Die einzelnen Verdienste und Qualitäten von Heine werden in den vier Aufsätzen dieses Bandes immer wieder erwähnt, betont und veranschaulicht und auch wenn das Büchlein nicht als „Einführung“ in das Werk von Heine taugt, machen sie Lust darauf, die verschiedenen Teile seines Werks zu erforschen.

Gerade die drei letzten Texte werfen aber auch noch ein weiteres Kapitel der Person Heines auf und forschen nach den Wurzeln, den Antrieben seines Wirkens als Weltliterat, Kritiker und erotisch-sinnlicher Dichter. Eine große Rolle spricht Reich-Ranicki hier Heines emanzipiertem Judentum zu, ja macht es sogar zum Dreh- und Angelpunkt seiner geistigen Biographie. Im Zuge dieser Theorie gelingen viele Einblicke in Heines Persönlichkeit und es scheint am Ende gar nicht mehr so verwegen, Heine als Dichter der nie gefundenen Heimat, als ewig Unassimilierten zu sehen, der die Abweisung der Gesellschaft in seinen Liebesgedichten verarbeitet hat.

Um von Heine begeistert zu sein, muss man ihn selbst lesen. Aber um eine Ahnung dieser Begeisterung zu bekommen und auch ein bisschen mehr Background zu haben, lohnt es sich, diese gesammelten Aufsätze von Reich-Ranicki zu lesen.

Umstrittenes, Strittiges, mit manchem Goldstück

Unter „Meine Geschichte der deutschen Literatur“ darf man sich keine stringente Rekapitulation vorstellen, es ist auch keine Sammlung von Interviewabschriften oder dergleichen, sondern eine Art Best-of von Reich-Ranickis Artikeln, Rezensionen, Gedichtinterpretationen und Buchbeiträgen, Reden, Vorträgen und Nachrufen aus seiner langen Karriere als Kritiker und Buchautor.

Zur Einführung gibt es direkt zwei sehr spannende Texte über Juden in der deutschen Literatur und Dichtungen von Frauen, die erstaunlich feinfühlig ausfallen, wenn man bedenkt, dass Reich-Ranicki oft und gern auf die Pauke haute. In der Zeit vom Mittelalter bis zur Romantik gibt es viele kurze Portraits, lediglich Lessing, Goethe und Hölderlin bekommen etwas mehr Raum, wobei gerade im Goethe-Teil ein wunderbarer Artikel über seine Positionierung zur Literaturkritik enthalten ist. Auch seine Rühmung von Lessing ist formidable.

Das Kapitel „Vormärz und Realismus“ fällt sehr karg aus, die meisten Seiten bekommt Richard Wagner. Oft liebevoll und klug geht es dagegen bei den Texten zur Literatur von 1900-1933 zu, von Arthur Schnitzler bis Erich Kästner. Deutsche Literatur nach 1945 war dann ja Reich-Ranickis Tagesgeschäft und hier findet sich einfach ein Best of aus dem ebenfalls erschienenen Band „Meine deutsche Literatur seit 1945“ – mit dabei der Blechtrommelverriss (allerdings plus späterem Eingeständnis des Irrtums), Texte zu Böll, Lenz, Bachmann, Walser, allerdings auch einige Überraschungen, wie etwa ein Nachruf auf Ernst Jandl und Texte zu Ulla Hahn und Elfriede Jelinek.

Es ist vermutlich die beste Sammlung von Texten von Reich-Ranicki und wer eine gute Portion Kritikerpapst im Regal stehen haben will, der ist mit dieser Ausgabe gut bedient und hat das Wichtigste beisammen.

Gespräche aus der Community

DieBertas avatar
DieBerta

Die 📚 findet ihr im Anhang. Da ich  meine Bücher selten zweimal lese, möchte ich mindestens jeden Monat ein gebrauchtes, gelesenes (meistens) Taschenbuch  verschenken. Ich hänge die Bücher an. Bei mehreren Interessenten lose ich aus. Teilweise sind es sehr gut erhaltene fast neue Bücher aber  auch Mängelexemplare oder der Buchschnitt ist auch schon mal etwas nachgedunkelt, aber nicht stinkig oder schmutzig. Die Bücher, die noch zu haben sind, hänge ich unten an. Ihr könnt hier einen Beitrag schreiben oder euch per pn melden, wenn ihr Interesse habt. Falls ihr Fragen habt, meldet euch ruhig. Als BÜCHERSENDUNG verschicke ich kostenfrei, wenn es teurer wird nehme ich Portokosten.

Mein "Verschenken Regal" wird gerade aktualisiert. Ich kann zur Zeit leider die Anhänge nicht löschen.


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88 Beiträge

Zusätzliche Informationen

Marcel Reich-Ranicki wurde am 02. Juni 1920 in Wloclawek (Polen) geboren.

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