Mein Leben

von Marcel Reich-Ranicki 
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Mein Leben
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Ein interessantes, tragisches, faszinierendes Leben, das zu Recht in einem Buch erzählt wird. Tolle Autobiografie!

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Inhaltsangabe zu "Mein Leben"

Ein epochales Buch

»Du fährst, mein Sohn, in das Land der Kultur«, gibt seine Lehrerin dem kaum neun Jahre alten Marcel auf den Weg, als er seine polnische Heimat verlässt, um nach Berlin zu gehen. Doch dieses Land ist auch eines der Barbarei und Dunkelheit. Auf die Schulzeit im »Dritten Reich« folgen 1938 die Deportation nach Polen und das demütigende Leben im Warschauer Getto. 1958 kehrte Reich-Ranicki nach Deutschland zurück und seine beispiellose Karriere als Kritiker begann.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783570551868
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:576 Seiten
Verlag:Pantheon
Erscheinungsdatum:09.01.2012
Das aktuelle Hörbuch ist am 01.01.1999 bei DHV Der HörVerlag erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    DerBergvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Respekt vor diesem Mann.
    Respekt vor diesem Mann.

    Beeindruckende Biografie - man hört beim Lesen seine Stimme!

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    Provinzpoets avatar
    Provinzpoetvor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Man muss das Buch lesen, um den Menschen Marcel halbwegs begreifen zu können. Mit seinen Worten: EIN WICHTIGES BUCH!
    Den Menschen begreifen.

    Ein (ge-) wichtiges Buch,
    so würde es wohl ein alter Hase der Literaturkritik ausdrücken. Um die Taten, Worte und Handlungen eines Menschen halbwegs begreifen zu können, dazu dient u.a. die Literatur. Und in diesem Falle dient sie vorzüglich. Mag man auch mit einigen seiner öffentlichen Meinungen nicht einverstanden gewesen sein (denn Martin Walser IST ein Erzähler- doch, doch), so ist das verzeihlich, da auch ein Berufskritiker nur eine subjektive Perspektive inne hat. MRR war seit seiner Jugend an literaturversessen, bis zuletzt , vermutlich noch darüber hinaus, man weiss es nicht. Eines, das ist wohl unbestritten, hat die Literatur MRR zu verdanken. Die Neugier bereitende Bekanntmachung der Bücher für ein breites öffentlich-rechtliches Publikum, auf seine eigene impulsive Art und Weise. Dafür gebührt ihm unser Dank.
    Seine biografisches Buch ermöglicht uns den Einblick in das körperliche und geistige Heranwachsen eines Mannes in einer gespenstischen Zeit und darüber hinaus. In seiner Sprache, die uns noch heute sehr bekannt ist.

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    Saralondes avatar
    Saralondevor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Sehr empfehlenswerte Autobiografie
    Sehr empfehlenswerte Autobiografie

    Schon lange wollte ich Marcel Reich-Ranickis Autobiografie lesen, das Buch habe ich schon nach der Ausstrahlung der Verfilmung gekauft. Aber wie das nun mal so ist bei einem Monster-SuB, es hat lange dort gelegen und Deutschlands bekanntester Literaturkritiker ist inzwischen verstorben. Ich muss gestehen, dass ich das Literarische Quartett nicht sehr oft gesehen habe, ich war auch zu Beginn noch etwas jung dafür, doch ich mochte Reich-Ranicki immer, mit seiner streitbaren, charakteristischen Art hat er mich oft zum Schmunzeln gebracht. Außerdem war mir sein Down-to-earth-Standpunkt zur Literatur und seine Überzeugung, dass Literaturkritik auch verständlich und lesbar sein muss, sehr sympathisch.

    Dass Marcel Reich-Ranicki Jude war und das Warschauer Getto überlebt hat, hat man immer mal wieder gelesen, doch mehr über seine dramatischen Erlebnisse wusste ich nicht, bis zu dem schon genannten Film.

    Das Buch ist in fünf Teile bzw. Lebensabschnitte gegliedert, der erste Teil beschäftigt sich mit seiner Kindheit und Jugend in Polen und dann Berlin unter dem Aufstieg des Nationalsozialismus. Doch springt Reich-Ranicki dabei durchaus in der Geschichte nach vorne, wenn es das jeweilige Thema gerade sinnvoll macht, etwa in dem Kapitel über seine Beziehung zu Erich Kästner, das mich sehr bewegt hat und mich gleich dazu veranlasst hat, mir eine Ausgabe des von ihm und seiner Frau Teofila zusammengestellten Gedichtbandes zu besorgen. Im zweiten Teil schildert Reich-Ranicki sein Leben und seine Flucht aus dem Warschauer Getto. Ich muss nicht sagen, dass dieser Teil der bewegendste, erschütterndste ist. Mir kamen öfter die Tränen, etwa als die Abtransporte ins Vernichtungslager Treblinka beschrieben werden, an deren Ende der sofortige Tod stand, auch für Reich-Ranickis Eltern.

    In den verbleibenden Teilen geht es um Reich-Ranickis Zeit in Polen, seine Rückkehr nach Deutschland und seine weitere Karriere sowie sein Verhältnis zu verschiedenen Autoren und Kollegen. Ich fand es sehr schlimm, wie Freundschaften dabei zerbrachen, vor allem die Freundschaft zu Walter Jens. Viele Autoren zeichnen sich leider auch durch mangelnde Kritikfähigkeit aus, aber Reich-Ranickis vermeidet Beschuldigungen, äußert sich auch durchaus teilweise positiv über Martin Walser, trotz “Tod eines Kritikers” und seiner Rede im Rahmen des Historikerstreits.

    Schockiert hat mich gerade die Geschichte dieses Historikerstreits und Joachim Fests Beteiligung daran. Dessen Hitler-Biografie steht auch bei mir im Regal, wenn ich mich auch noch nicht an das 1200 Seiten starke Werk gewagt habe. (Sie bleibt auch auf meiner Leseliste, denn Reich-Ranicki nennt es ein “in jeder Hinsicht gewichtiges Werk”.) Auch die “Anekdote” über den “dunklen Ehrengast” bei der Veröffentlichung dieses Buchs hat mich schockiert.

    Ich kann euch nur empfehlen, diese Autiobiografie eines so faszinierenden Zeitzeugen, wie Reich-Ranicki es war, zu lesen. Man erfährt nicht nur viel über das Leben eines Juden während und nach der Nazidiktatur, sondern auch über viele renommierte deutschsprachige Schriftsteller. Reich-Ranickis Begeisterung für die Literatur, das Theater und die Musik sind einfach mitreißend. Sprachlich bleibt Reich-Ranicki in seiner Autobiografie seinen Prinzipien treu: anspruchsvoll, aber gut und flüssig lesbar.

    Auf einer der letzten Seiten beschreibt Marcel Reich-Ranicki, was ihm Willy Brandts Kniefall vor dem Denkmal des Warschauer Gettos bedeutete: “Damals wußte ich, daß ich ihm bis zum Ende meines Lebens dankbar sein werde.” Ich wiederum bin Marcel Reich-Ranicki unendlich dankbar dafür, dass er nach seinen schrecklichen Erfahrungen nach Deutschland, das Land, dessen Literatur er liebte, zurückgekehrt ist und unser Land bereichert hat.

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    dominonas avatar
    dominonavor 4 Jahren
    Literatur und Geschichte werden eins

    Erstmal vorweg: Eine Biographie ist immer subjektiv und man mag über Reich-Ranicki sonstwas denken, aber Ahnung von Literatur hat er.
    Es ist erstaunlich, woran er sich recht genau erinnert und wie prägnant und persönlich er zu schildern weiß - von historischen Fakten mit Gänsehautcharakter über kleine Anekdoten ist alles dabei, eingefangen, als stünde man daneben, in genau dem Moment, wenn es passiert. Die Zeit in Berlin, das Warschauer Ghetto, die Angst der Entdeckung und der mühsame Kampf um Reputation und für das, was er von Herzen liebt - die Literatur und genau das zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch.
    Viel Spaß bei einer Entdeckungsreise der Geschichte, mit einem etwas anderen Schwerpunkt: für Literaturliebhaber ein Muss.

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    wandablues avatar
    wandabluevor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Ich kann Moni 3007 nur beipflichten: allerdings sollte man ziemlich belesen sein, sonst verdurstet man auf weite Strecken.
    Die ungeheuerliche Leidenschaft Ranickis oder Als Aussenseiter mittendrin im Literaturbetrieb

    Zu „Mein Leben“ von Marcel Reich-Ranicki, dem im Zwanzigsten Jahrhundert wohl bekanntesten Literaturkritiker Deutschlands, dessen Wirken und Einfluß sich sowohl in den Osten wie auch in den Westen und Norden erstreckte, werde ich einmal eine ausführlichere Besprechung geben:

    Schriftsteller sind eitel und egozentrisch, befinden sich ständig in einer Krise, haben gerade eine Krise überwunden oder befürchten eine heraufziehen, sagt Marcel Reich-Ranicki sinngemäß, und wenn nicht, seien es keine Schriftsteller oder schlechte. Mit seiner Autobiografie „Mein Leben“ ist Marcel Reich-Ranicki einmal mehr selber zum Schriftsteller geworden, er, dessen Passion für die Literatur seit der Jugend ihn zum Kritiker prädestiniert hat und er diese, seine Berufung auslebte, sobald das Leben, d.h. die Deutschen, die Polen und wiederum die Deutschen dieses Berufsfeld zuließen oder die Umstände... Umstände, wie das Verschicktwerden von Wloclawek in Polen nach Berlin zum Erlangen gediegener humanistischer Bildung, die Emigration von Berlin nach Warschau, die Internierung ins jüdische Viertel, das von tausend Zufälligkeiten abhängige Überleben im Warschauer Ghetto, um nur einige zu nennen.

    Dabei, sagt er, muss man zwischen der Liebe zum Buch und der Liebe zur Literatur unterscheiden. Verleger lieben Bücher, Kritiker Literatur. Und ohne Liebe zur Literatur gebe es keine Kritik. So habe ich ihn verstanden, so sagt er es von sich selber. Die Literatur war für Marcel Reich-Ranicki nicht nur ein Broterwerb, gemeinsam mit der Musik hat sie ihn buchstäblich gerettet und ihm die Verortung in einer geistigen Heimat erlaubt. Denn „zusammen mit der Dichtkunst heilt die Musik alle Seelenleiden aus dem Grunde“ prophezeite Goethe nicht nur ihm. Seine Putzfrau hat das nicht verstanden. Sie kündigte dem Ehepaar Tosia und Marcel Ranicki den Dienst auf, als Tosia aushäusig Geld verdiente und der Herr Gemahl untätig Romane lesend zu Hause saß. So sah sie es.

    In der BRD, in der sich die Famile schliesslich niederließ und die deutsche Staatsangehörigkeit zugesprochen bekam, wurde Reich-Ranicki sowohl durch seine Beiträge im Feuilleton grosser deutscher Zeitungen bekannt, wo er sich vor allem um das Bewusstwerden der Existenz ostdeutscher Autoren verdient machte und zunehmend auch in Funk und Fern, wo er auch mir schliesslich, zwei Generationen nach ihm, mit dem Literarischen Quartett, einer Nachfolgesendung des Literarischen Kaffeehauses ins Bewusstsein rückte. Nicht, dass ich damals ein Wort von dem verstanden hätte, was er mit Nachdruck von sich gab. Mit der Literatur, falls man das Wort ohne zu erröten gebrauchen mag, die ich damals am liebsten las, hat sich Marcel natürlich niemals beschäftigt. Trotzdem gab es schon manche Berührungspunkte. Ich las die Klassiker, die mir wie ihm durch leidenschaftliche Lehrer vermittelt wurden auch in meiner Freizeit, ich wurde in meiner Lektüre erwachsener und moderner, schätzte die Lyrik Ingeborg Bachmanns vielleicht noch mehr als Reich-Ranicki und trauerte um sie, wie auch er wohl betroffen war von ihrem, bis heute nicht ganz aufgeklärten frühen Tod.

    So wie heute etablieren sich Kritiker am ehesten mit Verissen, was ich bedauere, aber dem sensationslüsternen Naturell des Menschen entspricht und so war Ranicki etabliert als er für die ZEIT Bölls Romane und Grass Blechtrommel, immerhin ein Roman mit Weltruhm „einseitig“ besprach. Das Büchlein „Lauter Verrisse“ hing ihm allerdings länger nach als ihm lieb gewesen ist, selbst als er das Gegenbüchlein „Lauter Lobreden“ nachschob.

    Wieso konnte er, der Drangsalierte, sich über die deutsche Staatsangehörigkeit freuen? Er war glücklich in einem Land zu leben, das ihm erlaubte, dieses jederzeit ohne Erlaubnis zu verlassen und wiederzukommen! Denn dies war ihm im damaligen kommunistischen Polen, verborgen hinter dem sogenannten Eisernen Vorhang, keineswegs möglich gewesen. Deutschland hat er einmal definiert zwischen den Polen von Adolf Hitler und Thomas Mann liegend. Mir, als Nachgeborene, die ich die Gnade der späten Geburt genieße und die ich nicht mehr zu denen gehöre von deren Traum nach einem „besseren Staat“ Brecht noch mit Sehnsucht sagen mußte „Das Ziel lag in großer Ferne, es war deutlich sichtbar, wenn auch für mich nicht zu erreichen“ jagt die großmütige und doch schaurige Aussage Ranickis Schauer über den Rücken. Thomas Mann war das literarische Idol Ranickis. Dem kann ich mich nur bedingt anschliessen, was unter anderem daran liegt, dass ich einen Mann nicht respektieren kann, der als Vater komplett versagte und dessen Kinder reihenweise (wohl auch deshalb) Suizid begingen.

    Die Zeiten, die Marcel Reich-Ranicki durchgemacht und durchlebt hat, haben ihn dazu gezwungen, zielstrebig zu sein. Auch war er ein unermüdlicher und disziplinierter Arbeiter, der zwischen Job und Freizeit nicht sonderlich unterschied, und so hat er sich allen Widrigkeiten zum Trotz, die es natürlich auch in seiner Laufbahn gab, durchgesetzt, hat sich einen Namen gemacht und hat wenige wahre Freundschaften geschlossen. Am innigsten war seine Freundschaft mit Walter Jens, auch einem grossartigen deutschen Denker, einem Theoretiker, dem Marcel manches Mal das Grün des Baums des Lebens empfahl, ohne dass Jens das Grau der Theorie zu verlassen imstande gewesen wäre, sagt Reich-Ranicki. „Es gab Zeitabschnitte, in denen die Gespräche mit Walter Jens die Höhepunkte meines Lebens waren“ schildert er die Enge dieses Bands. Dass diese für unverbrüchlich gehaltene Freundschaft nach über dreissig Jahren doch zerriß, schlug beiden Männern eine Lebenswunde. Warum die Freundschaft zerbrach, geht aus der Autobiografie selbst nicht hervor; doch lag es wohl an der öffentlichen Streitigkeit über die Gewichtigkeit von Ranickis Tätigkeit beim polnischen Geheimdienst in den frühen 50er Jahren, in deren Auftrag und Rahmen er zwei Jahre in London verbrachte, eine Tätigkeit, die Tilman Jens in anscheinend aggressiver Art und Weise in die Öffentlichkeit zerrte und von dessen Sicht Walter Jens sich nicht distanzieren wollte.

    Trotz aller Erfolge hat sich Ranicki stets ein bisschen in einer Aussenseiterrolle befunden gefühlt, vielleicht darin gefallen? Die Gruppe 47, die er in seiner Eigenschaft als Kritiker begleitete, ließ ihn dies dezent spüren. Diese Gruppe war keine homogene Gruppe, sondern „lediglich“ ein von Hans Werner Richter ins Leben gerufenes Forum geladender Schriftsteller. Es gab ja noch kein Internet und keine digitalen Bücherforen so wie heute. Dort galten strenge, jedoch ungeschriebene Regeln, zum Beispiel die, dass nach einer Lesung eines Autors oder einer Autorin diese nicht mehr das Wort ergreifen durften und stumm der Kritik oder des Lobs der Tagungsteilnehmer harren mussten. Eine harsche Übung in Selbstbeherrschung und Demut, wie ich meine, dazu angetan, Eitelkeit und Egozentrik entgegen zu wirken.

    Reich-Ranicki übernahm ab 1972 die Leitung des Literaturteils der Frankfurter Allgemeinen. Alle Ehrungen aufzuzählen, die ihm ausserdem widerfahren sind, würde zu weit führen.

    Geht aus der Biografie hervor, was für ein Mensch Marcel Reich-Ranicki war? Nur begrenzt. Auffallend ist, dass er um beruflicher Vorteile willen, oft geschwiegen hat, als er hätte reden sollen, so zum Beispiel bei der Begegnung auf gesellschaftlichem Parkett mit Albert Speer und ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass auch er ein äusserst ehrgeiziger, einflussbestrebter und zumindest auf seinem Fachgebiet rechthaberischer und selbstgefälliger Mann gewesen ist, und es der Ehrungen nicht genug sein konnten. Der Damenwelt war er ab und zu auch ein wenig zu herzlich zugetan. Dass er auch sensible Seiten hatte, läßt mancher Abschnitt ahnen.

    Fazit: Marcel Reich-Ranickis Autobiografie „Mein Leben“ ist auch unter kritischstem Blick betrachtet als ausserordentlich gelungen zu bezeichnen, die Lektüre führt unterhaltsam, ein wenig selbstironisch und ansprechend durch die Landschaft deutscher Gegenwartsbildung. Richtig wohlfühlen in ihr wird sich jedoch nur der Leser, der kulturell interessiert und ziemlich belesen ist.


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    Sabine17s avatar
    Sabine17vor 5 Jahren
    Lebendiger Geschichtsunterricht

    Marcel Reich-Ranicki habe ich mir gern angehört, wenn er im Fernsehe über Literatur gesprochen hat. Seine Biographie „Mein Leben“ besitze ich schon länger und bin jetzt durch seinen Tod wieder darauf aufmerksam geworden.

    Wikipedia sagt: Marcel Reich-Ranicki [maʁˈsɛl ˌʁaɪ̯ç ʁaˈnɪʦki] (* 2. Juni 1920 als Marceli Reich in Włocławek, Polen; † 18. September 2013 in Frankfurt am Main, Deutschland) war ein polnisch-deutscher Publizist und gilt als einflussreichster deutschsprachiger Literaturkritiker seiner Zeit.

    Seine Biographie hat er in 5 Teile untergliedert.  Der erste Teil (1920 bis 1938) beschäftigt sich mit seiner Kindheit in Polen und seiner Schulzeit im nationalsozialistisch geprägten Berlin.

    Der zweite Teil (1938 bis 1944) handelt über die Zeit im Warschauer Ghetto, wo er nur knapp der Deportation ins Vernichtungslager Treblinka entgeht und seine Ehefrau Tosia heiratet.

    Im dritten Teil (1944 bis 1958) wird sein Leben danach im Polen beschrieben, wo er sich erst dem Kommunismus zuwendet und für den polnischen Geheimdienst arbeitet und unter anderem in der Londoner Botschaft tätig ist.

    Der vierte Teil (1958 bis 1973) beschäftigt sich mit seiner Ankunft in Deutschland und seine Arbeit als Literaturkritiker bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) und anschließend bei der Hamburger Wochenzeitung Die Zeit. Im abschließenden fünften Teil (1973 bis 1999) geht es um seine Tätigkeit als Leiter der Literaturredaktion der FAZ sowie als Leiter der Sendung „Das Literarische Quartett“ im ZDF.

    Herr Reich-Ranicki hat es so verstanden mich mit seiner Lebensgeschichte zu fesseln, dass ich das 553 Seiten umfassende Buch innerhalb von drei Tagen durchgelesen habe.

    Besonders beeindruckend sind hier natürlich die Schilderung seiner Schulzeit in Berlin während des Nationalsozialismus und die Zeit im Warschauer Ghetto. Er klagt dabei nicht einfach stumpf an, sondern setzt sich mit den Motiven und Sichtweisen seiner „Feinde“ auseinander. Diese Teile würde ich Geschichtslehrern für den Unterricht über die Nazi-Zeit empfehlen.

    Geprägt ist sein ganzes Handeln zeitlebens von seiner Liebe zur deutschen Literatur und Musik. Aus diesem Grund ist er auch später nach Deutschland zurückgekehrt. Als er mit nur einem Koffer über die Grenze kommt, schreibt er: „ Ich hatte wieder einmal nichts, gar nichts – nur dieses unsichtbare Gepäck, die Literatur, die deutsche zumal“ (S. 392)

    Sehr interessant sind seine Begegnungen mit Schriftstellern wie z. B. Heinrich Böll, Günter Grass, Max Frisch, Martin Walser, Anna Seghers, Mitglieder der Mann-Familie oder der Gruppe 47.

    Dabei hat er die Autoren oft anders erlebt, als sie in ihren Werken auf ihn gewirkt haben.

    Beeindruckend fand ich auch, dass Reich-Ranicki sich teilweise einsam gefühlt hat, weil man so etwas wie „Angst“ vor ihm hatte und ihn zu Hause seine Artikel schreiben ließ, aber ihn nicht wirklich in die Redaktionsarbeit eingebunden hat.  In einer Festschrift der „Zeit“ musste er später einmal lesen: „Doch hätten die Redakteure des Feuilletons – erfuhr ich jetzt, 1996 – ‚größte Bedenken‘ gehabt, ‚ob sie einen so machtbewussten, rabulistischen Mann aushalten würden‘“ (S. 472)

    Aber Reich-Ranicki geht auch sehr kritisch mit seinem eigenen Handeln um. Manche seiner Aufsätze und Kritiken hätte er im Nachhinein gern nicht oder anders geschrieben. Ebenso haben sich seine Vorlieben für manche Schriftsteller im Laufe der Zeit geändert.

    Einige Freunde haben ihn enttäuscht oder er hat sie verloren, während er manches Mal unerwarteten Beistand von Personen bekommen hat, von denen er es nicht erwartet hat.

    Beim Lesen dieses Buches bekam ich unheimlich Lust einige der hier oft angesprochenen Werke zu lesen, um zu sehen, ob ich sie auch so empfinde wie dieser wohl berühmteste Literaturkritiker Deutschlands.

     

    Fazit: ein Buch, das ich jedem wärmstens ans Herz lege, der sich für Literatur oder die Geschichte ab 1933 interessiert.

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    BrittaRoeders avatar
    BrittaRoedervor 5 Jahren
    Die Literatur war seine Heimat

    In dieser Biographie kommt nicht nur ein echter Ausnahme-Literaturliebhaber zu Wort, sondern vor allem auch ein Zeitzeuge, der seinen Lesern einen sehr direkten Blick auf die jüngste Geschichte gewährt.
    Marcel Reich-Ranicki blickt auf eine sehr bewegte und bewegende Lebensgeschichte zurück: jüdische Abstammung, in Polen geboren, im Berlin der zwanziger/dreißiger Jahre aufgewachsen, im Warschauer Ghetto interniert, selbst nur knapp dem Tod in den Gaskammern eines Konzentrationslagers entkommen.
    Auch die Zeit nach dem Krieg zunächst in Polen, dann in der noch jungen Bundesrepublik ist spannend erzählt und mit vielen Anekdoten gespickt. Denn als Literaturkritiker hat Reich-Ranicki natürlich viele berühmte Literaten getroffen und lässt den Leser teilhaben an seinen Eindrücken, die vor allem die Menschen hinter den bekannten Werken zeigen.
    Dem Menschen Marcel Reich-Ranicki kommt man durch die Lektüre ebenfalls etwas näher. Der im Fernsehen eher unnahbar agierende und gnadenlos kritische Mann zeigt in seinen Lebenserinnerungen einen feinen Sinn für Humor und überrascht angenehm durch selbstkritische und versöhnliche Töne.
    Nicht nur durch seine Rolle als Kritiker war er stets ein Außenseiter, ein Fremder, einer den man loben, bewundern, hassen, aber niemals wirklich lieben wollte. Als Fremder sah sich Reich-Ranicki auch selbst, als einen der durch seine Herkunft und Lebensgeschichte um eine klare Heimat gebracht worden war und der sich vielleicht deshalb die Literatur zur einzig gültigen Heimat erkor.

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    pardens avatar
    pardenvor 5 Jahren
    Ein Heimatloser...

    EIN HEIMATLOSER...

    Zugegeben, ich mochte, wie so viele, Marcel Reich-Ranicki nicht - ein Fanatiker, so schien es, in Sachen Literatur, kompromisslos, von sich selbst überzeugt, keine andere Meinung neben sich gelten lassend. Ein Genius, sicherlich, aber ein zutiefst unsympathischer Zeitgenosse.
    Anlässlich seines Todes fiel mir jedoch seine Autobiografie ein, die schon länger in meinem Bücherregal in zweiter Reihe geduldig ausharrte. Nachdem ich einen vorsichtigen ersten und dann einen neugierigen zweiten Blick gewagt hatte, blieb ich fasziniert bei der Lektüre hängen.

    Wie bei (Auto-)Biografien üblich, zeichnet MRR (1920-2013) seinen Lebensweg von der Kindheit bis zum Alter auf, eingebettet jedoch stets in Erlebnisse, die er mit der Literatur, dem Theater oder auch der Musik hatte, gerahmt von Begegnungen mit Schriftstellern, Journalisten und anderen namhaften Persönlichkeiten.
    Dass er bereits in Kindheit und Jugend mit der Literatur in Berührung kam - nie las er mehr als in der Gymnasialzeit - war ein Trost und ein Segen für ihn, als er gleich nach seinem Abitur mit seiner Familie 1938 nach Polen deportiert und schließlich im Warschauer Ghetto interniert wurde. Die unmenschlichen Bedingungen wurden erträglicher durch Literatur, heimliches Schallplattenhören und Konzerte - und hier lernte MRR auch seine Frau Tosia kennen und lieben. Beiden gelang schließlich die Flucht aus dem Ghetto, während er seine Eltern und seinen Bruder dort zum letzten Mal sah.

    Von einfachen Menschen auf dem Land versteckt, überlebten MRR und seine Frau die Zeit des Krieges - und in langen Nächten erzählte er seinen Rettern allabendlich Geschichten aus den großen Werken der Literatur. Nach dem Krieg blieb MRR zunächst in Polen und wurde dort für den Geheimdienst rekrutiert. Manches davon liest sich fast baudolinohaft, so z.B. wie er plötzlich zum Instrukteur des polnischen Geheimdienstes wurde, dabei seine "Kenntnisse" aber nur dem Wissen aus der Literatur entlehnte. Doch aus seiner anfänglichen Begeisterung über den Kommunismus wuchsen rasch Skepsis und Zweifel, und so flüchteten MRR und seine Frau Tosia schließlich zurück nach Deutschland.
    Zurück in die Heimat? Nein, auch wenn MRR zuweilen die Sehnsucht nach Berlin überfiel, nach den Orten seiner Kindheit und Jugend, so empfand er sich selbst zeitlebens als Heimatloser. Seine einzige Heimat war eine portative: die deutsche Literatur.

    Zurück in Deutschland begann sein kometenhafter Aufstieg als Literaturkritiker. Schnell fand er eine Anstellung bei "Die Zeit", nahm aber während all der Jahre dort nicht einmal an einer Konferenz teil. Er arbeitete ausschließlich von zu Hause aus, an einem Zusammentreffen war den Verantwortlichen nicht gelegen. MRR meint hierzu, ihm gehe es wie Friedrich Schlegel: "Man findet mich interessant und geht mir aus dem Wege."
    Spätestens seit seinem Buch "Lauter Verrisse" galt MRR als ein Mensch der literarischen Hinrichtungen. Als Literaturpapst wurde er angefeindet - und fand diesmal Trost bei Heine: "... der Hass seiner Feinde dürfe als Bürgschaft gelten, dass er sein Amt nicht ganz schlecht verwalte." Obgleich in seiner Zeit bei der FAZ und ab den achziger Jahren mit dem "Literarischen Quartett" so erfolgreich mit seinem Engagement für die Literatur, für seine Heimat, war MRR oft einsam. Wenige Freundschaften, die aus unterschiedlichen Gründen doch meist wieder zerbrachen.

    Heimatlos und einsam. Ein bitteres Zurückschauen? "Die Furcht, nur in der Literatur zu leben und vom Menschlichen ausgeschlossen zu sein (...) hat mich nie ganz verlassen (...) gehört zu den Leitmotiven meines Lebens." So schrieb MRR es bereits zu Beginn seiner Autobiografie.
    Aber nein, es ist kein bitterer Rückblick, kein Abrechnen mit dem Leben. Es ist eine Liebeserklärung an die Literatur, vornehmlich die deutsche, als deren Anwalt er sich sah und der er sein Leben gewidmet hatte. Ein Leben voller Brüche - aber hinsichtlich seines größten Anliegens letztlich doch ein geglücktes Leben.

    Nein, man muss ihn nicht lieben, diesen Querdenker, der nie ein Blatt vor den Mund nahm. Aber diese Autobiografie ist überaus interessant geschrieben, ehrlich und stellenweise sogar selbstkritisch. Schnörkellos, klug und wenig selbstverliebt bietet MRR in seinen Lebenserinnerungen dem Leser einen durchaus unterhaltsamen Rückblick auf das Geschehen im vergangenen Jahrhundert - und macht neugierig auf Literatur.
    In der Tat habe ich mir einige Titel notiert, die ich gerne einmal lesen würde - und von denen ich bislang noch nicht einmal wusste, dass es sie gibt!

    Zusammenfassend gesagt, hat diese Autobiografie mehr gehalten als ich mir davon versprochen hatte. Und wird daher von mir mit einer unbedingten Empfehlung zum Lesen versehen!


    © Parden


    Bebildert und mit weiteren Informationen versehen gibt es diese Rezension auch wieder in unserem Blog:

    http://litterae-artesque.blogspot.de/2013/10/reich-ranicki-marchel-mein-leben.html

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 5 Jahren
    Gelebte Geschichte

    Marcel Reich-Ranicki erzählt in seiner Autobiografie gelebte Geschichte. Sie ist spannend wie ein Roman und doch weiß man, das sind die existenten Erlebnisse eines Mannes. Als Jude in Polen geboren, kam er als 9jähriger Junge ins "Land der Kultur" nach Berlin. Schon in jungen Jahren lernte er die Literatur und das Theater lieben. Aber nur wenige Jahre später erlebte er ein ganz anderes Berlin. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten lebte er nun in einem Land, in dem Juden zunächst schikaniert, dann verfolgt, deportiert und vergast wurden. Auch seine geliebten Bücher sah er brennen. Er selbst wurde nach Warschau ausgewiesen. Dem Warschauer Ghetto, in dem er mit seiner Frau Tosia unter unmenschlichen Bedingungen ums Überleben kämpft, entkamen beide nur mit viel Glück den deutschen Exekutionskommandos und fanden Unterschlupf bei einem polnischen Ehepaar. Nach dem Ende des Krieges blieben die Reichs zunächst in Polen, unter anderem war er für den Geheimdienst tätig, aber nie verlor er die Literatur aus den Augen. Bis er dann die sich ihm bietende Gelegenheit nutzte und mit Frau und Sohn nach Deutschland zurückkehrte. Beeindruckend ist besonders seine Art, sein Leben zu schildern, in einfachen Worten, unmissverständlich, schnörkellos, ohne Bitterkeit, selbstkritisch und - wie ich finde - sehr berührend und trotzdem unterhaltend. Die Jahre, in denen er ständig um sein und das Leben seiner Lieben bangen musste, beschreibt er mit großer Distanz, dafür sehr detailliert. Wie ein roter Faden zieht sich die Literatur durch sein Leben und letztlich gelang es ihm, auch ohne akademische Ausbildung, seinen Kindheitstraum, Literaturkritiker zu werden, verwirklichen. Er machte sich schnell einen Namen, wurde und wird von den Autoren eher gefürchtet als geliebt. Durch seine Literatursendung "Das literarische Quartett" wurde er auch in der breiten Öffentlichkeit bekannt, seine Verrisse sind teilweise legendär. Neben den historischen Ereignissen, die Reich-Ranicki in seiner Autobiografie so prägnant beschreibt, gibt er gleichzeitig auch einen Abriss über die deutsche Literaturgeschichte des 20. Jahrhunderts, den ich in dieser Form bisher nirgendwo fand. Habe ich MRR als Kritiker schon immer geschätzt, habe ich jetzt auch den Menschen Marcel Reich-Ranicki im Blick und sehe ihn ein wenig mit anderen Augen. Er lebt zurückgezogen, Freundschaften scheinen immer nur Nähe auf Zeit zu sein. Er ein polarisiert, hat eine eigene Meinung und vertritt diese vehement, auch wenn er andere damit gelegentlich brüskiert.

    "Mein Leben" ist wohl eine der bemerkenswertesten Biografien, die ich bisher las. Dieses Buch bekommt meine unbedingte Leseempfehlung. Marcel Reich-Ranicki hat als einer der letzten Zeitzeugen des 20. Jahrhunderts viel zu berichten.

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    sarahkolumbuss avatar
    sarahkolumbusvor 8 Jahren
    Rezension zu "Mein Leben" von Marcel Reich-Ranicki

    Wenn Marcel Reich-Ranicki seine Lebenserinnerungen niederschreibt, dann liest sich das fast wie die Deutsche Literaturgeschichte des 20. Jahrhunderts, so eng verbunden ist er mit der Literatur.
    In Polen geboren, kommt Reich-Ranicki als 9-jähriger nach Deutschland und besucht ein humanistisches Gymnasium in Berlin. Schon mit 12 zieht er Schiller Karl May vor und ist als Jugendlicher ein begeisterter Theatergänger. Mit der Machtübernahme 1933 war die nationalsozialistische Herrschaft in Berlin allgegenwärtig und doch - im Gegensatz zu vielen anderen jüdischen Bekannten und Freunden - bleiben Reich-Ranicki und seine Eltern bis zuletzt in Deutschland und werden dann 1938 nach Polen ausgewiesen.
    Und schon hier bekommt man einen ersten (herrlichen) Eindruck seiner trotzig-streitenden Art:
    "Meine Lektüre wurde nicht nur von der Schule und vom Theater geprägt, sondern auch, wie sonderbar das anmuten mag, von der nationalsozialistischen Kulturpolitik. Die umfangreichen gedruckten Kataloge der städtischen Bibliotheken wurden weiterhin verwendet, nur hatte man die aus dem Verkehr gezogenen Bücher mit roter Tinte ausgemerzt: Die Namen und Titel von Juden, Kommunisten, Sozialisten, Pazifisten, Antifachisten und Emigranten waren zwar gestrichen aber weiterhin mühelos lesbar (...). Die vielen roten Striche waren mir sehr willkommen: Nun wusste ich also, was ich zu lesen hatte."
    Zurück in Warschau stürzt er sich auf die in Deutschland verbotenen Autoren wie Kurt Tucholsky, Thomas Mann oder Bertolt Brecht, kann jedoch ansonsten mit seiner Leidenschaft zur deutschen Literatur und zur deutschen Sprache wenig anfangen in Polen.
    Den Beginn des Krieges erlebt er mit Schrecken und Furcht, lebt weiterhin im zerstörten Warschau und muss wie alle anderen Juden in den von den deutschen Behörden dafür vorgesehenen Stadtteil ziehen - ins Warschauer Ghetto.
    Die nächsten Jahre überlebt er dank seiner Deutschkenntnisse, arbeitet für die Deutschen als Übersetzer und lernt - ganz nebenbei - seine Frau Tosia kennen und lieben.
    Als seine Eltern und sein Bruder bereits deportiert sind, beschließen er und seine Frau aus dem Ghetto zu fliehen. Fesselnd erzählt er von seiner Rettung durch nichtjüdische Polen, die trotz der deutschen Gefahr Tosia und ihn bei sich (mit ständiger Angst vor den Deutschen) aufnahmen und bis Kriegsende bei sich auf dem Dachboden versteckten.
    Nach dem Krieg arbeitet MRR zunächst in Polen als Kritiker und schreibt kleine Broschüren und Rezension, die jedoch stark von der Regierung kontrolliert werden, sodass er bald nach Deutschland (West) zurückkehrt.
    Ohne akademische Ausbildung schafft Marcel Reich-Ranicki es sich durch viele Bekannte, die er durch seine Kritikerarbeit in Polen bereits kannte, in die Feuilletons der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der ZEIT zu schreiben und wird von den Lesern begeistert empfangen.
    Spannend schreibt er von dem Kennenlernen verschiedener Künstler, gibt einen kleinen Einblick in die Treffen der Gruppe 47, berichtet auch schon mal von den Eigentümlichkeiten mancher Autoren, oder von ihrer ungebrochenen Exzentrik, aber nicht ohne auch die herausragenden literarischen Leistungen zu erwähnen. Lebendig und voller Leidenschaft spricht er von ihren Werken, die ihn inspirierten, die ihn erleuchteten, die ihn berührten oder empörten.
    "Mein Leben" von Marcel Reich-Ranicki zeigt einen interessanten Rückblick des letzten Jahrhunderts in punkto deutscher Literatur und ist darüber hinaus der Bericht eines jüdischen Zeitzeugen, der den Krieg überlebte. Man ist überwältigt von der Toleranz und Versöhnlichkeit eines Mannes, der all das überlebt hat und keinen Groll oder Hass hegt. Aber vor allem will man eines nach Lesen dieses Buches: Noch tiefer in die Welt der deutschen Literatur tauchen.

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    Gespräche aus der Community zum Buch

    Neu
    L
    Die Autobiografie von Marcel Reich-Ranicki ist ebenfalls als Hörbuch erhältlich. Da diese nur 2 CDs beinhaltet, wollte ich euch fragen, ob die Kürzung den Inhalt stark beeinträchtigt? Komme leider in nächster Zeit nicht zum Lesen, wohl aber zu Hörbüchern (Außenhandelsvertreter). Würde mir aber gerne sein Werk anhören. Ein kleiner Trost: gelesen von MRR.
    Bella5s avatar
    Letzter Beitrag von  Bella5vor 8 Jahren
    Hb sind leider meistens gekürzt
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