Marcelo Figueras

 4,1 Sterne bei 47 Bewertungen
Autor von Kamtschatka, Das Lied von Leben und Tod und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Marcelo Figueras

Marcelo Figueras, geboren 1962 in Buenos Aires, arbeitete als Journalist für verschiedene Zeitungen, etwa für ›Clarín‹, und als Redakteur der Zeitschrift ›Viva‹. Er veröffentlichte Kurzgeschichten und Romane und schrieb mehrere Drehbücher, darunter auch das für ›Kamtschatka‹. Der Kinofilm bekam auf der Berlinale 2003 hymnische Kritiken und wurde als bester ausländischer Film für den Oscar nominiert.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Marcelo Figueras

Cover des Buches Kamtschatka (ISBN: 9783423136723)

Kamtschatka

 (28)
Erschienen am 01.07.2008
Cover des Buches Das Lied von Leben und Tod (ISBN: 9783423139243)

Das Lied von Leben und Tod

 (10)
Erschienen am 01.10.2010
Cover des Buches Das schwarze Herz des Verbrechens (ISBN: 9783312010660)

Das schwarze Herz des Verbrechens

 (5)
Erschienen am 19.02.2018
Cover des Buches Der Spion der Zeit (ISBN: 9783312004584)

Der Spion der Zeit

 (3)
Erschienen am 26.07.2010
Cover des Buches Kamchatka/kamchatka (ISBN: 9788466313391)

Kamchatka/kamchatka

 (1)
Erschienen am 30.09.2004
Cover des Buches Kamchatka (ISBN: 9781843548270)

Kamchatka

 (0)
Erschienen am 01.06.2011

Neue Rezensionen zu Marcelo Figueras

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Cover des Buches Das Lied von Leben und Tod (ISBN: 9783423139243)barbara_kenners avatar

Rezension zu "Das Lied von Leben und Tod" von Marcelo Figueras

Pralles Leben mit verzauberten Einsprengseln und furchtbarem Hintergrund
barbara_kennervor 2 Monaten

Ich liebe dieses Buch, wie ich auch Marcelo Figueras als Schriftsteller ganz wunderbar finde. Die Sprachgewalt, die Mischung aus Realität und Magie, die Liebe zu absurden Figuren, ich habe das dicke Buch in einem Rutsch durchgelesen und seitdem immer wieder mal reingelesen. Die Verarbeitung von furchtbaren Geschehnissen während Argentiniens Militärdiktatur bildet den Hintergrund für eine Liebesgeschichte zwischen der schwer traumatisierten Pat und dem riesengroßen Teo, dessen Herz so groß ist wie seine Körpergröße. Miranda, Pats Kind ist ein besonderes Kind, kann Menschen anrühren und mit ihren kleinen Händen heilen. 

Es geht um kleine witzige Situationen, wie z. b. warum Senora Pachelbel klar wird, dass ein Mann nicht genügen kann oder die Konkurrenz der Hippies und der Konservativen im Dorf, die aber auch tragische Züge hat. Es geht um die Bewältigung von Schuld, für mich ist eine Rede während einer Beerdigung in diesem Buch eine der stärksten Stellen, die mich immer wieder darüber nachdenken lässt, wie aus furchtbarem Liebe und neue Kraft erwachsen kann.

Insgesamt kann ich nur sagen - LESEN!!!!

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Cover des Buches Das schwarze Herz des Verbrechens (ISBN: 9783312010660)renees avatar

Rezension zu "Das schwarze Herz des Verbrechens" von Marcelo Figueras

Die Wandlung des Rodolfo Walsh
reneevor 2 Jahren

Ein interessanter Roman, den ich hier gelesen habe, keine vollkommene Fiktion, es geht hier um den realen Schriftsteller Rodolfo Walsh. Dieses Buch ist eine Hommage an ihn. Rodolfo Walsh kommt in der Mitte der 50er Jahre an Informationen zu ihn erschreckenden Vorgängen. Er fängt an Nachforschungen zu betreiben und gelangt über diese an neue Informationen, die zeigen wie Diktaturen arbeiten und gleichzeitig Walsh entsetzen und auch verändern. Er gerät selbst in Gefahr und sein Leben/seine Arbeit/seine Arbeitsweise werden verändert. Und gleichzeitig verändern die Geschehnisse auch die Art des Schreibens von Walsh ungemein, sie verändern seine Ansichten über das politische Leben in Argentinien und diese Veränderung seiner politischen Ansichten bewirken bei ihm ein publik machen seines Wissens über die erschreckenden Vorgänge. Er möchte aber auch gehört/erhört werden und über diesen Wunsch überarbeitet/überdenkt er seine Schreibweise und verbessert sich dadurch ungemein. Nicht nur der Wunsch zu schreiben ist nun in Walsh's Blick, sondern auch der Wunsch sich in seine Gegenüber zu versetzen/diese zu verstehen und auch der Wunsch, dass seine Leser ihn als Autor verstehen. Dieses Buch ist ein fiktionaler aber auch realer Blick auf den Entstehungsprozess zu Walsh's Werk "Operatión masacre", auf deutsch unter dem Titel "Das Massaker von San Martín" erschienen, gleichzeitig ist es aber auch ein intensiver und tiefer Blick in Walsh's Seele. Ein schöner, interessanter und spannender Blick!

"Nur ein Schwachsinniger ist fähig, sich nicht nach dem Frieden zu sehnen. Aber der Friede ist nicht um jeden Preis zu akzeptieren." S. 385

Im Epilog wird ein Blick auf das Ende des Rodolfo Walsh geworfen. Durch die Geschehnisse in den 50er Jahren vollkommen verändert, bleibt Walsh politisch aktiv, hat ein wachsames Auge auf nicht hinnehmbares politisches Geschehen. Am 25. März 1977 wird er erschossen, er war gerade dabei einen Brief zu verbreiten, "Einen offenen Brief eines Schriftstellers an die Militärjunta", dieser sollte an verschiedene Redaktionen argentinischer Tageszeitungen gehen.:

"15000 Verschwundene, 10000 Gefangene, 4000 Tote, Zehntausende, die aus dem Land vertrieben worden sind - dies sind die nackten Zahlen des Terrors. Als die herkömmlichen Gefängnisse überfüllt waren, verwandelten Sie die größten militärischen Einrichtungen des Landes in regelrechte Konzentrationslager, zu denen kein Richter, kein Rechtsanwalt, kein Journalist, kein internationaler Beobachter Zugang hat. Die Anwendung des Militärgeheimnisses, für die Untersuchung all der Fälle als unumgänglich erklärt, macht die Mehrzahl der Verhaftungen de facto zu Entführungen, was Folter ohne jede Einschränkung und Hinrichtungen ohne Gerichtsurteil ermöglicht."

Was für ein Mut! Aber er hatte auch mittlerweile sehr viele Gründe wütend zu sein. Auch er wurde inzwischen ein Opfer des Systems, nicht nur weil er Einschränkungen in seiner Arbeit/in seinem Leben hatte, nicht nur weil er sich verstecken musste, vorsichtig sein musste, mit der Angst entdeckt und verhaftet/ermordet zu werden leben musste, nicht nur weil er in ständiger Angst um die Menschen, die ihn nahe standen leben musste, nicht nur weil er mit den Opfern der Diktatur konfrontiert wurde, sondern auch weil eine seiner Töchter, Victoria, 1976 von der Diktatur umgebracht wurde. 

Das Nachwort des Autors macht wieder etwas beklommen und zeigt, dass manches nicht vergeht und wenn man mit offenen Augen nach Lateinamerika schaut, sieht man dies auch heute.

Interessant an der Schreibe des Figueras fand ich hier, dass sie mich sehr an die Detektivgeschichten von Hammett/Chandler erinnert hatte. Ein politischer Roman, der im Stil der Detektivgeschichten geschrieben ist, bedeutet eine interessante Wahl des Autors in meinen Augen, besonders bei der Schwere des Themas macht es dieses lesbarer und auch fassbarer. 

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Cover des Buches Das schwarze Herz des Verbrechens (ISBN: 9783312010660)Buecherschmauss avatar

Rezension zu "Das schwarze Herz des Verbrechens" von Marcelo Figueras

Rekonstruktion eines Verbrechens
Buecherschmausvor 3 Jahren

„Das ist die Macht, die die Literatur gewährt: Sie drängt uns, in die Haut der anderen zu schlüpfen, sich vorzustellen, was die fühlen, die nicht wir sind. Das kann dreckig sein, wenn es Schmerz hervorruft; (…)Trotzdem würde ich es nicht eintauschen wollen. Denn das ist der Grund, warum wir erzählen und lesen. Um Empathie zu erzeugen. Um mit unseren Gefühlen das Gefängnis zu überwinden, in das unsere Haut uns sperrt. Wenn man nicht von anderen ergriffen wird, woher soll man dann wissen, dass man lebt?“


Rodolfo Walsh, Jahrgang 1927, ist ein argentinischer Klassiker. Er gilt als Erfinder des investigativen Journalismus in Argentinien, schrieb weit vor Truman Capote etwas, das man „Testimonio“ nannte, den Tatsachenroman, „True crime“, eine auf Zeugenberichten aufgebaute, literarische Nacherzählung von Ereignissen. In Deutschland ist er eher unbekannt, drei seiner Werke erscheinen im Züricher Rotpunktverlag.
Eines davon, „Das Massaker von San Martin“ (Original: „Operacíon masacre) von 1957, nahm der argentinische Autor Marcelo Figueras nun als Ausgangspunkt für seinen neuen Roman. Er ist eine Hommage an den engagierten Journalisten und Schriftsteller Walsh, der 1977 von einem Einsatzkommando der Militärjunta auf offener Straße erschossen wurde (wie übrigens ein Jahr zuvor seine ebenfalls oppositionell arbeitende Tochter). Eine Hommage, aber alles andere als eine eindimensionale Heldenverehrung, sondern eine differenzierte Persönlichkeitsstudie und seinerseits eine Art „Testimonio“.
Auf der ersten Seite sehen wir ein Bild des jungen Rodolfo. Der Sohn konservativer irischer Einwanderer war ursprünglich kein ausgesprochen politischer Mensch. Er schrieb kleine Kriminalgeschichten, übersetzte Texte, schrieb Artikel für Zeitungen. Bis zu jenem Tag im Jahr 1956, an dem er von den „lebenden Erschossenen“ hörte. Bis dahin war er, so Marcelo Figueras in seinem Nachwort zur deutschen Ausgabe,

„ein junger, hungriger Reporter mit Träumen von Ruhm und Reichtum, ein hoffnungsvoller Autor, der fand, seine ausgedachten Krimis seien – auch wenn sie Preise erhielten – bloß Schrott. (Womit er nicht ganz unrecht hatte.) Aber seine Recherchen veränderten ihn vollständig.“

Die Geschichte, die er hörte, klang spektakulär: 1956 trieben Schergen der sich damals gerade an der Macht befindlichen Militärregierung von General Pedro Eugenio Aramburu Cilveti, die unlängst den Staatspräsidenten Juan Perón durch einen Putsch gestürzt hatte, vermeintlich umstürzlerische Peronisten zusammen, erschoss die Männer auf einer Müllhalde im Vorort José Léon Suaréz und beseitigte alle Spuren. Eines der ersten Staatsverbrechen, denen in den folgenden Jahrzehnten der unrühmlichen argentinischen Geschichte noch so einige folgen sollten. Einige der Männer konnten dabei entkommen und sich verstecken – die lebenden Erschossenen. Dieser Geschichte ging Walsh nach. Sie sollte sein ganzes Leben verändern. Sie machte ihn zu dem politischen Schriftsteller, als der er heute bekannt ist.
Der sinnlose Tod meist völlig unschuldiger Zivilisten erschütterte Rodolfo Walsh zutiefst. Streng katholisch bei Ordensschwestern zur Schule gegangen, verfolgt ihn fortan eine Frage aus dem Lukas-Evangelium, die das Volk Israel Johannes den Täufer fragt: „Was sollen wir denn tun?“ („What then must we do?). Für einen Journalisten wie Walsh gab es eine klare Antwort: Darüber schreiben. Zeugnis ablegen über das Ungeheuerliche.
Marcelo Figueras erzählt in „Das schwarze Herz des Verbrechens“ über die Nachforschungen, die Zeugenbefragungen, den Entstehungsprozess der Aufzeichnungen, die „Operación masacre“ werden sollen. Eine mühevolle und gefährliche Arbeit, die Walsh nicht nur in den Untergrund treibt, sondern auch seine Ehe zerbrechen lässt. Mit Hilfe seiner Mitarbeiterin Enriqueta, die bald auch seine Geliebte wird, gelingt es R, wie er im Roman durchgehend genannt wird, sein „testimonio“ zunächst anonym als Fortsetzungsgeschichte in einer Zeitung unterzubringen. Schließlich muss er aber abtauchen.
Marcelo Figueras beschreibt das alles in knappen Kapiteln so spannend und atemlos, dass sich das Ganze wie ein Politthriller liest. Er schildert den Ablauf und die Hintergründe der Vorgänge 1956, Walshs Rekonstruktionen und die Entstehung seiner Aufzeichnungen, die Schwierigkeiten der Nachforschungen und der Veröffentlichung. Die Atmosphäre in den Redaktionen wird eingefangen, die Angst, die Repressalien. Gleichzeitig schafft er eine differenzierte Charakterstudie, die auch die dunkleren Seiten von Walsh, seinen gnadenlosen Ehrgeiz, seine Sturheit, sein rücksichtloses Verhalten gegenüber Frau und Geliebter, nicht verschweigt.
„Operacón masacre“ wird nicht nur die Regierung Aramburu, sondern die unzähligen seitdem stattgefundenen Machtwechsel überstehen, wenn auch Walsh Hoffnung, dass damit das Verbrechen gesühnt werden könnte, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen würden, enttäuscht wurde. Die Situation verschlimmerte sich während der brutalen Militärdiktatur unter Jorge Rafael Videla von 1976 bis 1981, gegen die Walsh erneut, wie seine Tochter, in den Untergrund ging. In einem „Offenen Brief eines Schriftstellers an die Militärjunta“ klagt er sie an:

„15 000 Verschwundene, 10 000 Gefangene, 4000 Tote, Zehntausende, die aus dem Land vertrieben worden sind – dies sind die nackten Zahlen dieses Terrors. Als die herkömmlichen Gefängnisse überfüllt waren, verwandelten Sie die größten militärischen Einrichtungen des Landes in regelrechte Konzentrationslager, zu denen kein Richter, kein Rechtsanwalt, kein Journalist, kein internationaler Beobachter Zugang hat. Die Anwendung des Militärgeheimnisses, für die Untersuchung all der Fälle als unumgänglich erklärt, macht die Mehrzahl der Verhaftungen de facto zu Entführungen, was Folter ohne jede Einschränkung und Hinrichtungen ohne Gerichtsurteil ermöglicht.“

Am 25. März 1977 verteilte Walsh etliche dieser offenen, an verschiedene Zeitungsredaktionen adressierten Briefe auf verschiedene Briefkästen in Buenos Aires, als er in einen Hinterhalt geriet. Bei einem Schusswechsel mit einem Einsatzkommando der Marine wurde Rodolfo Walsh getötet. In einem Epilog begleiten wir ihn auf diesem letzten Gang. Erst hier kommt im Roman ein ganz klein wenig Pathos auf.
Erst nach Wiedereinführung der Demokratie in Argentinien 1983 wurden die Verbrechen der Militärdiktatur, auch dieses, allerdings zunächst zögerlich, aufgearbeitet.
In seinem Nachwort macht Marcelo Figueras deutlich, dass es ihm mit „Das dunkle Herz des Verbrechens“ nicht allein um das historische Ereignis, einen bewunderten Mann und eine dunkle Zeit geht, sondern dass er im heutigen Argentinien beunruhigende Tendenzen zurück sieht, zu einer eingeschränkten Pressefreiheit, zu einer bedenklich neoliberalen Wirtschaftspolitik, einem autoritären Regime.

„Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, was mit mir geschehen wird – und mit Millionen anderer Argentinier – in nächster Zukunft. Vielleicht werden wir alle unserer Arbeit verlieren. Oder eingesperrt. Oder Schlimmeres.“

so schließt der Autor im November 2017 das Buch.
Ein Besorgnis erregender Schluss eines spannenden, perfekt erzählten Romans, der Porträt, Politthriller und Nachdenken über den Schreibprozess zugleich ist. Denn, dass Walsh eine Alternative sucht zur übermächtigen argentinischen Erzähltradition eines Jorge Luis Borges und dessen phantastischer, der reinen Ästhetik verhafteten Art, zu schreiben, eine den politischen Gegebenheiten angemessenere Alternative, auch das wird in diesem anregenden Buch thematisiert. Eine große Leseempfehlung, die ich auch für Marcelo Figueras „Kamtschatka“ aussprechen möchte.


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